Viele Automarken haben das handschriftlich ausgefüllte Stempelheft, in dem alle Service-Arbeiten eingetragen werden, durch ein sogenanntes digitales Serviceheft ersetzt. Das digitale Serviceheft ist eine zentral geführte Datenbank, in der sämtliche Wartungsdaten und Service-Arbeiten beim Hersteller gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden können. Vorreiter war die Marke Mazda, die diesen Service bereits 2006 eingeführt hat. Mit Ausnahme von Opel bieten mittlerweile auch alle deutschen Hersteller eine elektronische Version des Servicehefts an.
Vorteile des digitalen Servicehefts
Neben den Wartungs- und Servicedaten können zum Teil auch Reparaturen des Autos sowie die jeweiligen Kilometerstände gespeichert werden. Das bei Gebrauchtwagenkäufen weit verbreitete Phänomen der Tachomanipulation wird durch die Speicherung der Daten erschwert. Auch verlorene Servicehefte gehören mit der digitalen Version der Vergangenheit an. Die Einträge sind ausschließlich in der zentralen Hersteller-Datenbank korrigierbar. Nur der ausführende Servicebetrieb kann diese ändern.
Eine Rückdatierung oder Löschung der Daten in der Werkstatt ist nicht möglich. Die gespeicherten Datensätze bieten ausführliche Informationen zu Service-Arbeiten und Reparaturumfang. Auch die Rückrufe der Hersteller zu Gebrauchsteilen sind registriert. Fahrzeuge mit „verlorenem“ Serviceheft kann es dann nicht mehr geben und auch „frisierte“ Kilometerstände werden gänzlich der Vergangenheit angehören. Für Käufer von Gebrauchtfahrzeugen bietet das digitale Serviceheft also deutliche Vorteile.
Nachteile des digitalen Servicehefts
Für freie Werkstätten wird durch das digitale Serviceheft die Arbeitsweise bzw. die Arbeitsschritte komplexer. Freien Werkstätten bleibt keine andere Wahl, als sich dem System zu fügen, vor allem wenn sie auch jüngere Fahrzeuge reparieren wollen. Denn auch wenn Fahrzeuge das digitale Serviceheft nur als Ergänzung nutzen, muss dieses genauso sorgfältig geführt werden, wie das Serviceheft in Papierform.
Hinzu kommt, dass davon auszugehen ist, dass sich die elektronische Variante des Servicehefts weiter durchsetzt und in Zukunft das einzige Serviceheft sein wird. Doch jeder Hersteller macht hier andere Vorgaben oder hat andere Systeme - oftmals wird sogar unterschieden zwischen Systemen für freie Werkstätten und Vertragspartner.
Freie Werkstätten beklagen jedoch vor allem, dass Fehler bei der Erfassung zumeist kostenpflichtig und nur mit sehr hohem zeitlichem Aufwand korrigiert werden können. Kritisiert werden außerdem die Unübersichtlichkeit, vermehrte System-Störungen und langsame Ladezeiten. Oft ist für die freie Werkstatt auch die Registrierung und Eintragung am gleichen Tag nicht möglich. Hersteller wie Honda, Jaguar und Land Rover tragen den Service ausschließlich selbst in die Datenbank ein, was wiederum zu zeitlichen Verzögerungen führt.
Zugang für freie Werkstätten
Die gute Nachricht vorweg: Die Angebote der Fahrzeughersteller zum digitalen Serviceheft können grundsätzlich von freien Werkstätten ohne zusätzliche Kosten in Anspruch genommen werden. Dadurch, dass der Gesetzgeber für freien Wettbewerb im Werkstattmarkt sorgt, ist es den Herstellern nicht erlaubt, für die Reparatur notwendige Dinge kostenpflichtig anzubieten. Selbstverständlich haben eigentlich alle Fahrzeughersteller zusätzlich kostenpflichtige Services für freie Werkstätten im Angebot.
Je mehr die Portale im Werkstatt-Alltag genutzt werden, desto einfacher wird es Ihnen fallen und desto selbstverständlicher werden alle Mitarbeiter die Portale nutzen. Wir haben Ihnen einen Überblick über die Portale der großen Hersteller mit den Eckdaten zum digitalen Serviceheft zusammengefasst.
Hersteller-Portale im Überblick
Im Folgenden finden Sie Informationen zu den digitalen Serviceheften verschiedener Hersteller:
- Citroën und DS Automobiles: Momentan gibt es kein digitales Serviceheft. Freie Werkstätten können die Information, ob ein Fahrzeug von Service- oder Rückrufaktionen betroffen ist, im Werkstattinformationssystem für freie Werkstätten „PIWIS TSI“ abfragen.
- Jaguar Land Rover: Bietet ein digitales Serviceheft über das digitale Werkstattdokumentationssystem „TOPIx“ an. Für die Registrierung müssen Nachweise wie Handelsregisternummer und USt.-ID übermittelt werden. Die Kosten für Freie Werkstätten unterscheiden sich nicht zu denen der Vertragshändler. Es sind verschiedene Abonnement-Modelle möglich. Wartungspläne, Serviceaktionen und Infos zu Rückrufen sind enthalten. Informationen: www.jaguartechinfo.com
- Kia: Momentan hat Kia kein digitales Serviceheft im Angebot. Alle Service- und Rückrufaktionen sind über das Kia-Werkstatt-Informationsportal „GSW“ einsehbar.
- Mazda: Freie Werkstätten müssen ihre durchgeführten Servicearbeiten an Mazda-Fahrzeugen im digitalen Servicenachweis eintragen. Eine kostenlose Registrierung ist unter www.mazda.de unter „Informationen für freie Werkstätten“ möglich. Als Nachweis benötigt Mazda einen aktuellen Handelsregistereintrag sowie das Briefpapier der Werkstatt.
- Mercedes: Freie Werkstätten und Servicepartner von Mercedes haben Zugang zu den digitalen Serviceheften (Digital Service Booklet). Diese können heruntergeladen werden unter www.service-and-parts.net. Dort gibt es auch Wartungs- und Reparatur-Anleitungen zu finden, Teileinformationen sowie Software und Hardware. Informationen: www.service-and-parts.net
- Mitsubishi: Momentan ist kein digitales Serviceheft im Angebot.
- Renault, Dacia: Für die Marken Renault und Dacia ist kein elektronisches Serviceheft im Einsatz.
- Subaru: Bietet ein digitales Serviceheft für Vertragswerkstätten an. Freie Werkstätten haben die Möglichkeit, den Nachtrag durch einen Subaru-Partner durchführen zu lassen. Über www.subaru-repairinfo.com gibt es einen Online-Service, über den Wartungsanleitungen abrufbar sind.
- Suzuki: Derzeit hat Suzuki kein digitales Serviceheft im Angebot. Sie erhalten dort alle relevanten Informationen und Dokumente wie das Serviceheft als PDF.
- Volvo: Aktuell bietet Volvo kein digitales Serviceheft an. Freie Werkstätten können sich Zugang zu den Fahrzeuginformationen und Rückrufen verschaffen, indem sie sogenannte Vida-Lizenzen erwerben. Vida ist das globale Werkstatt-Diagnosesystem von Volvo.
Wenn Rückrufaktionen anstehen, werden diese zur Umsetzung meist über das KBA koordiniert, da nur der Behörde zweifelsfrei die Halterdaten bekannt sind.
Empfehlungen des ADAC
Der ADAC empfiehlt Fahrzeughaltern, bei Wartungsarbeiten und Reparaturen generell vor Auftragserteilung nachzufragen, ob der Aufwand im digitalen Serviceheft eingetragen wird - und ob möglicherweise Kosten entstehen. Denn wer alle Unterlagen zum Auto (Service-Nachweise, Rechnungen für Wartung, Reparatur und HU etc.) regelmäßig digital oder auch analog archiviert, hat diese bei einem Autoverkauf gleich parat. Beim Gebrauchtwagenkauf sollten sich Käufer das digitale Serviceheft auch immer vollständig als Nachweis ausdrucken lassen. Und für den Verkäufer empfiehlt es sich, die Aushändigung direkt im Kfz-Kaufvertrag bestätigen zu lassen.
Aus Sicht des ADAC ist es wünschenswert, dass alle Hersteller das digitale Serviceheft anbieten. Die Service-Historie und der aktuelle Service-Bedarf müssen dabei sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für Werkstätten kostenfrei einsehbar sein - idealerweise auch direkt im Menü des Infotainment-Systems im Auto. Außerdem sollten es alle Hersteller ermöglichen, dass Werkstätten auch wartungsunabhängige Reparaturen ins digitale Serviceheft eintragen können. Einträge sollten generell nicht aufwendiger sein als beim klassischen Scheckheft. Dazu gehört auch, dass freie Werkstätten fehlerhafte Einträge innerhalb einer bestimmten Frist zeitnah und kostenfrei bearbeiten können. Falls es zu Mehraufwand in einer freien Werkstatt kommt, dürfen für Autofahrerinnen und Autofahrer dadurch keine Kosten entstehen.
Eine EU-Verordnung sieht vor, dass freie Werkstätten fairen und diskriminierungsfreien Zugang zu Reparatur- und Wartungsaufzeichnungen über ein Fahrzeug aus zentralen Datenbanken des Fahrzeugherstellers erhalten.
Tipp für Ihre Kunden: Digitales Serviceheft beim Gebrauchtwagenkauf
Beim Kauf eines Gebrauchtwagens können Käufer vom digitalen Serviceheft profitieren, denn die leider immer noch weit verbreitete Tachomanipulation wird durch die Datenspeicherung erschwert.
EWG - Übereinstimmungsbescheinigung (COC)
Die EWG - Übereinstimmungsbescheinigung (Certificate Of Conformity; auch das COC Zertifikat genannt) ist die Erklärung über die Konformität mit der EG - Betriebserlaubnis. COC ist die Deklaration des Herstellers, dass das Fahrzeug mit der erteilten Typenbezeichnung übereinstimmt. Das Dokument beinhaltet die Identifizierung des Fahrzeuges und seines Herstellers, die Nummer der Typenbezeichnung, die technischen Spezifizierungen des Fahrzeuges und andere Daten.
Der Inhalt des COC ist in der entsprechenden Richtlinie der Europäischen Union (Anhang IX der Richtlinie 92/53) festgelegt. Das Zertifikat COC kann man nicht für die Fahrzeuge erstellen, die keine Spezifizierung im Rahmen der Europäischen Union haben (zum Beispiel für die Fahrzeuge, die für den amerikanischen, japanischen oder anderen Markt bestimmt sind), oder für ältere Fahrzeuge, die keine EG - Typengenehmigung haben (bis 1998/99 wurden Fahrzeuge national geprüft und haben eine ABE, Allgemeine Betriebserlaubnis). Es handelt sich hierbei um ein offizielles Zulassungsdokument.
In der Regel können Sie mit einem COC im Europäischen Ausland direkt zulassen. € 175,- inkl. Um Ihnen eins der oben genannten Dokumente ausstellen zu können, benötigen wir von Ihnen eine Anfrage in schriftlicher Form.
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