Das Fahrrad ist für viele Menschen ein täglicher Begleiter. Wieso also nicht Drahtesel und Hund gleichzeitig ausführen? Damit der Fahrradausflug zu einem schönen Erlebnis für Mensch und Tier wird, gibt es einiges zu beachten.
Gesetzliche Bestimmungen
Nein, das Fahrradfahren mit Hund im Straßenverkehr ist in Deutschland nicht verboten, solange Sie Ihren Hund sicher im Straßenverkehr führen und die Leinenpflicht Ihres Bundeslandes beachten. In der Schweiz ist das das Mitführen eines Hundes an der Leine grundsätzlich erlaubt. In Österreich ist das Radfahren mit Hund sowohl mit Leine als auch am Fahrrad angehängt nicht erlaubt.
Übrigens: Der § 28 Tiere der Straßenverkehrs-Ordnung regelt, welche Tiere im Straßenverkehr erlaubt sind. „Haus- und Stalltiere, die den Verkehr gefährden können, sind von der Straße fernzuhalten. Sie sind dort nur zugelassen, wenn sie von geeigneten Personen begleitet sind, die ausreichend auf sie einwirken können. Es ist verboten, Tiere von Kraftfahrzeugen aus zu führen.
Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das Führen von Hunden vom Fahrrad aus grundsätzlich erlaubt (Paragraf 28, Absatz 1). Wichtig ist dabei, dass du stets ausreichend Kontrolle über deinen Hund hast.
Eignung des Hundes
Es gibt keine perfekte Größe des Hundes zum Fahrradfahren. Dennoch sollten Sie beachten: Sehr große Hunde haben oftmals Probleme mit den Gelenken, die durch das schnelle Fahrradfahren verschlimmert werden können. Bei kleinen Hunden sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht zu schnell unterwegs sind. Mit ihren kurzen Beinen ist das Rennen für sie deutlich anstrengender als für große Hunde.
Nicht jede Rasse eignet sich als Radbegleithund. Wollen Sie längere Strecken fahren? Dann brauchen Sie eine ausdauernde Rasse wie Huskys, Border Collies oder Jagdhunde. Windhunde dagegen wurden für kurze Strecken mit hoher Geschwindigkeit gezüchtet, sodass ihr Körperbau nicht für längere Strecken bei gleichbleibendem Tempo geeignet ist. Massige Rassen oder Rassen mit kurzen Beinen wie Bernhardiner oder Möpse eignen sich nicht, um mit Ihnen Fahrrad zu fahren.
Neben dem Körperbau der einzelnen Rassen spielt auch der Charakter jedes einzelnen Hundes eine Rolle. Zum Fahrradfahren sollte Ihr Hund nicht schreckhaft oder ängstlich sein.
Die Rasse des Hundes spielt eine wichtige Rolle bei der Überlegung, ob er der perfekte Begleiter am Rad ist. Mit einem Jagdhund könnte es beispielsweise schwierig werden, da er aufgrund des ausgeprägten Instinkts einem Wildtier hinterherjagen könnte und du ihn daher nicht vollends unter Kontrolle haben kannst. Aber hier gilt auf jeden Fall der Charakter und Gehorsam des Hundes zu beachten.
Gesundheitliche Aspekte
Sie sollten mit Ihrem Hund erst dann Fahrrad fahren, wenn er die Wachstumsphase abgeschlossen hat und die Knochen gehärtet sind. Das ist ungefähr im Alter von 1,5 Jahren der Fall. Auch bei Senioren sollten Sie aufpassen.
Das Alter deines Hundes ist ein wichtiger Faktor, wenn es um körperliche Belastung geht. Welpen dürfen noch nicht neben dem Fahrrad laufen, da ihre Knochen und Gelenke noch nicht vollständig ausgereift sind. Generell gilt: Erst wenn der Hund ausgewachsen ist, kann er am Fahrradtraining teilnehmen. Bei kleinen bis mittelgroßen Rassen ist dies in der Regel ab einem Alter von etwa einem Jahr der Fall, bei großen Hunden kann es bis zu 24 Monate dauern.
Auch ältere Hunde benötigen besondere Rücksicht. Wenn dein Vierbeiner bereits in die Jahre gekommen ist und seine Fitness nachlässt, solltest du nur kürzere Strecken mit ihm fahren und häufige Pausen einplanen. Eine tierärztliche Untersuchung kann helfen, einzuschätzen, wie viel Bewegung dein Hund noch verträgt.
Training
Das Fahrradfahren mit Hund muss im Vorfeld gut trainiert werden. Wenn Sie Ihren Hund erst an das Fahrradfahren gewöhnen, ist es am besten, wenn Sie zunächst kürzere Strecken fahren. Beobachten Sie Ihren Hund genau und steigern Sie sich langsam. Behalten Sie dabei auch immer das Wetter im Blick. Wie schnell Sie mit Ihrem Hund Fahrrad fahren können, ist wie bei der Strecke von der Fitness Ihres Hundes abhängig.
Trainingsschritte
- Gewöhnung an das Fahrrad: Nimm das Fahrrad zunächst mit auf eure Spaziergänge und schiebe es neben deinem Hund her. So kann er sich in Ruhe an das neue Fortbewegungsmittel gewöhnen. Wichtig ist, dass nicht nur sich dein Hund an das Rad gewöhnt, sondern das Fahrrad auch für das Fahren mit Hund geeignet ist. Dazu zählt zum Beispiel, dass es stabil ist und dir einen guten Halt bietet.
- Erste Bewegung mit Fahrrad: Sobald dein Hund entspannt bleibt, kann ein Helfer langsam mit dem Fahrrad fahren, während du neben deinem Hund hergehst. Das gibt deiner Fellnase Sicherheit und zeigt ihm, dass das Fahrrad kein Stressfaktor ist.
- Selbst in die Pedale treten: Steige nun selbst aufs Fahrrad und lasse deinen Hund neben dir herlaufen - am besten an einer speziellen Fahrradhalterung mit Ruckdämpfer oder an einer lockeren Leine. Achte dabei darauf, dass der Hund sich nicht in der Leine verheddern kann.
- Befehle einführen: Grundkommandos wie „Langsam“, „Schnell“, „Stopp“, „Links“ und „Rechts“ erleichtern die Koordination und sorgen für Sicherheit. Zudem helfen sie Unfälle zu vermeiden, die entstehen, wenn du und dein Hund sich zum Beispiel nicht über die Richtung einig seid.
- Länge und Tempo steigern: Starte mit kurzen Strecken und steigere die Distanz sowie das Tempo langsam. Dein Hund sollte in einem lockeren Trab mitlaufen können, ohne zu hecheln oder sich zu überanstrengen. Wichtig ist, dass du immer auf die Körpersignale deines Hundes achtest und diese auch ernst nimmst. Genau wie beim Mensch muss die Kondition erst langsam und stetig aufgebaut werden.
Damit Ihr Hund nicht am Fahrrad hochspringt oder zu stark zieht, gewöhnen Sie ihn idealerweise schrittweise an das Fahrrad. Im ersten Schritt sollten Sie zunächst mit Ihrem Fahrrad und Ihrem Hund spazieren gehen. Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Hund von Beginn auf der richtigen Seite (rechts) läuft. Laufen Sie auch Kurven, sodass Ihr Hund sich daran gewöhnt, dass sich das Rad auf ihn zu- oder von ihm wegbewegt. Wenn Ihr Hund vorausläuft, schneiden Sie ihm mit dem Lenker den Weg nach vorne ab.
Im nächsten Schritt können Sie das Tempo erhöhen. Nutzen Sie dazu Ihr Fahrrad wie einen Roller. Wenn Sie die vorherigen Schritte ausreichend geübt haben, ist es an der Zeit, wirklich Fahrrad zu fahren. Probieren Sie das am besten zunächst auf einer großen freien Fläche wie einem Parkplatz oder einem Hof aus. Dort haben Sie die Möglichkeit auch einmal einen Bogen zu fahren und Ihren Hund abzubremsen, wenn er vorschnellt. Läuft Ihr Hund gut neben dem Fahrrad, können Sie sich in den Straßenverkehr wagen.
Ausrüstung
Um sicher im Straßenverkehr unterwegs zu sein, brauchen Sie eine bestimmte Ausrüstung für Ihren Hund und Ihr Fahrrad. In Gebieten, in denen Leinenpflicht herrscht, brauchen Sie eine Leine, wenn Sie mit Ihrem Hund Fahrrad fahren. Halten Sie die Leine am besten locker, sodass Sie sie im Notfall loslassen können.
Ob Sie den Hund am Halsband oder am Geschirr führen sollten, darüber scheiden sich die Geister. Beim Fahrradfahren hat das Hundegeschirr jedoch einige Vorteile. Zum einen schont ein Geschirr Halswirbelsäule, -muskulatur und Kehlkopf und zum anderen können Sie Ihren Hund durch den langen Rückensteg besser festhalten.
Wenn Sie mit Ihrem Hund Fahrrad fahren, sollten Sie auch auf den Notfall vorbereitet sein. Besonders an wärmeren Tagen und wenn Sie eine längere Strecke planen, sollten Sie unbedingt Wasser für Ihren Vierbeiner einpacken. Mit Wasserpausen beugen Sie einem Hitzschlag vor und Ihr Hund hat weiterhin Spaß an der Fahrradtour.
Mit einem Fahrradhalter, auch Sprinter genannt, hat Ihr Hund immer ausreichend Abstand zu Ihrem Fahrrad. Sie wollen mit Ihrem kleinen Hund Fahrrad fahren? Dann ist es ideal, wenn Sie einen Hundekorb an Ihrem Fahrrad angebracht haben.
Statt eines Hundekorbs können Sie auch einen Fahrradanhänger nutzen. Ein Fahrradanhänger bietet sich auch für größere und ältere Hunde an, die nicht mehr die komplette Strecke mitlaufen können. Genau wie beim Radfahren mit Hund benötigen Sie jedoch ausreichend Eingewöhnungszeit, damit sich Ihr Hund im Anhänger wohl fühlt. Ziel ist es, dass der Hund freiwillig einsteigt und auch bei Ruckeln angstfrei im Anhänger sitzen bleibt.
Die besten Transportmöglichkeiten
- Hundefahrradanhänger: Diese bieten viel Platz und Schutz für deinen Vierbeiner, insbesondere bei längeren Touren oder für ältere, kranke oder kleine Hunde. Die Anhänger kannst du meist sehr einfach an deinem Fahrrad befestigen.
- Hundekorb für das Fahrrad: Für kleine Hunde ist ein Fahrradkorb eine gute Möglichkeit. Diese können entweder am Lenker oder auf dem Gepäckträger befestigt werden. Idealerweise hat der Korb eine sichere Befestigungsmöglichkeit für den Hund, um ein Herausspringen zu verhindern.
- Lastenräder für den Hundetransport: Diese bieten viel Platz und Stabilität, sodass auch größere Hunde sicher und bequem mitfahren können.
Sicherheitstipps
- Halten Sie die Leine am besten locker, sodass Sie sie im Notfall loslassen können.
- Eine spezielle Fahrradhalterung mit Federung ist sicherer als eine Hand- oder normale Führleine. So verhinderst du plötzliche Ruckbewegungen und bleibst stabil auf dem Fahrrad.
- Besonders bei Dämmerung oder in der Nacht sind Reflektoren, eine Fahrradlampe und gegebenenfalls eine reflektierende Hundeweste sinnvoll.
- Große Distanzen oder hohe Geschwindigkeiten sind für viele Hunde ungeeignet. Beobachte deinen Vierbeiner genau und passe das Training an seine Bedürfnisse an.
- Der Hund sollte immer rechts vom Fahrrad laufen, also auf der vom Verkehr abgewandten Seite.
- Achte unbedingt darauf, deinem Hund während der Tour ausreichend Pausen zu gönnen und sicherzustellen, dass er genug trinkt.
- Plane dafür am besten regelmäßige Stopps ein, damit sich dein Hund ausruhen und Wasser aufnehmen kann.
- An heißen Tagen sollte das Fahrradfahren mit deinem Hund komplett vermieden werden.
Weitere wichtige Aspekte
- Schon bei warmem Wetter ab 20 °C sollten Sie auf übermäßigen Sport mit Ihrem Hund verzichten. Denn Hunde regulieren ihre Körperwärme lediglich durch das Hecheln, sodass sie schnell überhitzen. Hechelt Ihr Hund sehr stark, sollten Sie unbedingt Pause machen.
- Wie viele Kilometer darf ich mit meinem Hund am Fahrrad fahren? Gut trainierte und fitte Hunde können über 15 Kilometer bei einem seichten Tempo - von 13 bis 16 km/h - und angenehmen Temperaturen am Fahrrad laufen. Wichtig ist es, dass immer auf das Verhalten des Hundes geachtet wird und Pausen zum Trinken und Verschnaufen eingelegt werden.
- Der Hund sollte immer rechts vom Fahrrad laufen, also auf der vom Verkehr abgewandten Seite. Das sorgt für mehr Sicherheit, da der Hund so nicht in den fließenden Verkehr gerät.
- Um auch geistig gefordert zu werden, sollte Ihr Hund die Zeit bekommen, herumzuschnüffeln und in Ruhe die Umgebung zu erkunden sowie seine Marke zu setzen. Machen Sie daher regelmäßig eine Pause.
- Planen Sie Ihre Route im Voraus und fernab von stark befahrenen Straßen, um unnötige Risiken zu vermeiden. Idealerweise suchen Sie sich eine Strecke mit einem natürlichen Boden aus, denn das schont die Pfoten Ihres Hundes.
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