Warum greifen Hunde Fahrradfahrer an? Ursachen und Lösungsansätze

Es ist ein Albtraum für jeden Jogger und Radfahrer: Ein scheinbar herrenloser Hund rast auf einen zu und schnappt nach einem. Dabei ist es gar nicht so selten, dass auch der Hund mitmischt und andere Mitnutzer verfolgt. Zum Beispiel Radfahrern hinterherrennt, Jogger oder sogar Autos jagt.

Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Vorab ist es wichtig zu wissen, dass der Begriff „jagen“ hier fast nie zutrifft. Denn es geht dem Hund nicht darum, Beute zu machen, echtes Jagdverhalten zu zeigen, sondern es stecken häufig Stressreaktionen dahinter, die sich in Angriffshandlungen zeigen.

Mögliche Ursachen für das Verhalten

Wenn wir davon ausgehen, dass Dein Hund als Reaktion auf einen Konflikt hinter Fahrradfahrern oder Joggern her rennt - welcher Konflikt liegt dem denn zugrunde? Dafür gibt es mehrere Gründe. Vielleicht erkennst Du Deinen Hund ja in einem dieser Szenarien wieder:

  • Unsicherheit und fehlendes Vertrauen: Hunde versuchen oft, alles "wegzubellen", wenn sie uns nicht zutrauen, mit der Situation klarzukommen. Sie bellen und knurren andere Fußgänger und auch Fahrradfahrer an, ohne, dass diese überhaupt bedrohlich wirken.
  • Bewegungsreiz und Jagdtrieb: Hunde reagieren generell auf Bewegungen. Je schneller ein Radler, Skater oder Jogger unterwegs ist, desto eher reagiert der Hund. Viele sind der Meinung, dass eine Jagdmotivation vorliegt. Es ist eine Art fehlgeleitetes Jagdverhalten. Das Hetzen löst bei Deinem Hund Glücksgefühle aus.
  • Fehlgeleitetes Hüteverhalten: Viele Hütehunde versuchen also auch, Radfahrer & Co zu hüten. Dabei sind sie sich auch nicht zu schade, in die Wade zu beißen (Achtung, nicht nur Hütehunde machen das!).
  • Mangelnde Auslastung und Langeweile: Ein zusätzliches Problem bei manchen Hunden ist Langeweile. Ein Hund muss nicht dauerbeschäftigt werden. Aber hast Du einen Hund, der gerne eine Aufgabe hat und Du machst gar nichts mit ihm, dann könnte er sich eine Aufgabe suchen.
  • Vermischung der Antriebe: Es wird quasi die Reaktion auf den Bewegungsreiz vor das Orten und Fixieren geschaltet. Der 3. vor dem 2. Schritt gemacht. Und dann ist es völlig gleichgültig, was sich da bewegt, es wird verfolgt, WEIL es sich bewegt!

Was tun, wenn der Hund zum Angreifer wird?

Was können Hundehalter und Betroffene tun, um solche Situationen zu vermeiden oder richtig zu reagieren?

Für Hundehalter:

  • Management ist wichtig: Sorge dafür, dass Dein Hund sein Verhalten nicht mehr zeigen kann. Dafür benötigst Du eventuell eine Leine - oder Du wählst eine zeitlang andere Wege oder andere Uhrzeiten, um Begegnungen zu vermeiden.
  • Alternativverhalten aufbauen: Deinem Hund nun einfach das „Jagen“ zu verbieten, wäre nicht zielführend. Sinnvoller ist es also, dass Du Deinem Hund ein Alternativverhalten anbietest. Du kannst Deinem Hund als Alternativverhalten beibringen, dass er Dich anschaut und dafür belohnt wird.
  • Sicherheit geben: Geben Sie Ihrem Hund Sicherheit, indem Sie ihn immer beschützen. Fremde fassen Ihren Hund nicht an und Sie vermeiden es, dass ein Mensch Ihren Hund ansieht.
  • Geistige Auslastung: Es wäre auch toll, wenn Sie nicht nur „Gassi-gehen“, sondern Ihren Hund geistig trainieren und beschäftigen, damit er sich nicht langweilt.
  • Vorausschauend agieren: Gewöhne Deinen Hund früh an fahrende Dinge und Jogger. Du kannst auch sehr gut ein Verhalten trainieren, zum Beispiel, dass Dein Hund sich von alleine hinlegt oder hinsetzt, wenn jemand entgegen kommt.

Für Jogger und Radfahrer:

  • Langsam abbremsen: Als Jogger sollte man lieber langsam abbremsen, mit langsamen Schritten weitergehen und den Hund dabei komplett ignorieren, also weder ansprechen, noch ansehen.
  • Abstand halten: Oftmals kann man der Situation auch vorbeugen, indem man versucht nicht zu knapp an fremden Hunden vorbeizulaufen oder als Fahrradfahrer über die Klingel auf sich aufmerksam macht.
  • Aufmerksam sein: Man müßte es mehr publick machen, dass man Hunde nicht intensiv anstarren soll, wenn man auf sie zugeht/zufährt.
  • Sich bemerkbar machen: Klingeln Sie frühzeitig, so hat der Halter die Chance, seinen Hund abzurufen und anzuleinen. Reduzieren Sie die Geschwindigkeit beim Vorbeilaufen oder -fahren.

Rechtliche Aspekte und Haftung

Kommt es zu einem Unfall, stellt sich die Frage der Haftung. Hier einige wichtige Punkte:

  • Tierhalterhaftung: Vereinfacht gesagt, haftet ein Tierhalter für Schäden, die sein Tier verursacht, und zwar auch dann, wenn ihn persönlich kein Verschulden trifft (man spricht hier von einer Gefährdungshaftung).
  • Beweislast: Wenn Sie als geschädigte Person Schadensersatz verlangen, tragen Sie die sogenannte Beweislast. Das bedeutet: Sie müssen dem Gericht beweisen, dass Ihr Anspruch tatsächlich besteht.
  • Zeugenaussagen: Sie können entscheidend sein, wenn es keine anderen Beweise wie Fotos, Videos oder eindeutige Spuren gibt. Gerichte bewerten Zeugenaussagen sehr sorgfältig.

Ein Urteil des Landgerichts Hamburg verdeutlicht die erhebliche Beweislast für Radfahrer bei Unfällen mit freilaufenden Hunden.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Zwar kannst Du es selbst durch gezieltes und frühes Training nicht komplett ausschließen, aber Du kannst viele Grundlagen legen, damit es gar nicht erst so weit kommt:

  • Mache keine Hetz- und Wurfspiele mit Deinem Hund.
  • Baue einen sicheren Rückruf auf - erst, wenn dieser absolut sicher sitzt, darf abgeleint werden.

Indem Hundehalter Verantwortung übernehmen und Jogger sowie Radfahrer Rücksicht zeigen, können gefährliche Situationen vermieden werden.

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