Die Bremsleistung eines Fahrrads ist regelmäßig zu überprüfen. Nur dann ist die Regulierung deiner Fahrtgeschwindigkeit gewährleistet. Das ist besonders wichtig, wenn du schnell unterwegs bist oder auf ungeeignetem Untergrund fährst. Bevor du nun zum Werkzeug greifst und deine Fahrradbremsen einstellst, erfährst du in unserem Ratgeber, was es bei den unterschiedlichen Bremsen zu beachten gilt. Ob Naben- oder Felgenbremse, ob Rennräder oder Citybikes - wir haben dir die wichtigsten Hinweise zusammengestellt!
Welche Fahrradbremsen-Arten gibt es?
Je nach Fahrradtyp und Konstruktion deines Rahmens findest Du unterschiedliche Bremsen vor. Während zum Beispiel bei Mountainbikes häufig Scheibenbremsen eingebaut sind, werden für Rennräder und im Crossbereich öfters Seitenzug- und Cantileverbremsen verwendet. Wir unterscheiden drei Arten von Bremsen:
- Nabenbremsen
- Felgenbremsen
- Scheibenbremsen
Das Bremssystem dient zum Abbremsen oder Anhalten des Fahrrades. Dieser Vorgang ist entscheidend für Deine Sicherheit, vor allem in brenzligen Situationen. Hohe Geschwindigkeiten und Nässe fordern Fahrradbremsen heraus. Hinzu kommt, dass Fahrradbremsen durch intensive Nutzung und Witterungseinflüsse schnell verschleißen können. Du schonst zudem die Fahrradfelgen und sparst gegebenenfalls größere Aufwände, sofern Du verschleißte Fahrradbremsen rechtzeitig erkennst. Es lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht, wenn Du die Fahrradbremsen regelmäßig prüfst, einstellst oder austauschst.
Wichtig, denn vor allem für Felgen- und Scheibenbremsen gilt: Überprüfe die Schrauben und die Beläge der Bremsen einmal im Monat auf Abnutzung!
- Felgenbremsen einstellen und Bremsbeläge ersetzen, wenn: Die Einkerbungen auf der Oberfläche weniger als 2 mm tief sind (bei Direktzugbremsen 1 mm).
- Scheibenbremsen einstellen und Bremsbeläge ersetzen, wenn: weniger als 1 mm dick sind.
Bei diesen beiden Bremstypen unterscheidet man zwischen zwei Übertragungsmöglichkeiten der Bremskraft:
- Hydraulische Bremse: Die Bremskraft wird mithilfe eines geschlossenen Flüssigkeitssystem übertragen.
- Mechanische Bremse: Die Bremskraft wird über eine Art Seilzug übertragen.
Tipp: Das Bremssystem lässt sich ohne die entsprechenden Werkzeuge und die richtige Ausbildung nur schwer einstellen. Es wird empfohlen, die Bremsen nur vom Fachhändler einstellen zu lassen.
Welche Werkzeuge zum Einstellen und Wechseln der Fahrradbremse werden benötigt?
- Kreuzschlitzschraubendreher
- Innensechskantschlüssel
- Wenn kein Werkzeug vorhanden: 1 Cent Stück
- Zur zusätzlichen Erleichterung: Bremsen- und Kettenreiniger, Zange, Montageständer
Woran erkennt man, dass die Fahrradbremse neu eingestellt werden muss?
Egal ob Felgenbremse, Seitenzugbremse, Hydraulikbremse oder Scheibenbremse - Wenn vor Kurzem die Bremsbeläge gewechselt wurden, müssen diese untersucht werden und Sie gegebenenfalls Ihre Fahrradbremse neu einstellen. Abgesehen davon, sprechen folgende Symptome für eine Überprüfung der Bremse:
- Der Bremshebel kann ohne Bremswirkung bis zum Lenker durchgezogen werden.
- Schleifgeräusche beim Bremsen.
- Es ist zwar noch ein Druckpunkt vorhanden, aber keine Bremswirkung.
Wie funktioniert eine Fahrradbremse?
Nabenbremsen, Felgenbremsen und Scheibenbremsen funktionieren auf verschiedene Weisen, die im Folgenden im Detail erläutert sind.
Nabenbremsen: Funktionsweise und Kontrolle
Bei Nabenbremsen befindet sich der Bremsmechanismus befindet sich im Inneren der Nabe. Eine Nabenbremse wird entweder durch einen Handhebel (Trommelbremse) oder durch die Pedale (Rücktrittbremse) betätigt. Eine Nabenbremse, wie eine Rücktrittbremse, Trommelbremse oder Innenbandbremse, ist normalerweise an mehreren Stellen am Rahmen befestigt und muss mehrfach eingestellt werden.
Wichtig: Aufgrund dieser Komplexität und Bedeutung für Deine Sicherheit, sollten alle Einstellarbeiten an einer Nabenbremse bzw. der Ausbau des Laufrads aus dem Rahmen nur von einem Fachhändler durchgeführt werden.
Felgenbremsen prüfen und einstellen
Bei Felgenbremsen üben die Bremsbeläge Druck auf die Felge aus. Dieser Druck wird mit einem Handhebel gesteuert, der über einen Seilzug mit der Bremse verbunden ist. Zu den Felgenbremsen gehören beispielsweise Direktzug- bzw. V-Bremsen, Cantilever-Bremsen und Rennrad- bzw. Seitenzugbremsen.
Ein Felgenbremssystem besteht aus folgenden Teilen:
- Bremse
- Bremsbeläge
- Felge
- Bremshebel
- Bremszug und Zughülle
- Bremsmodulator
Einige Direktzugbremsen sind mit einem Modulator oder auch „Kräftemodulator“ ausgestattet. Diese Vorrichtung enthält eine kleine Feder im Zugseilrohr, die die Funktionsweise der Bremse verändert, wenn die Beläge erstmals mit den Felgen in Berührung kommen. In dem Moment, in dem Du den Bremshebel drückst, musst Du zuerst die Feder zusammendrücken, bevor Du die volle Bremskraft auf die Felge ausüben kannst. Das verändert die Art und Weise, wie sich die Bremse anfühlt, und erfordert eine etwas feinere Abstimmung. Falls Deine Bremse über einen Modulator verfügt und die Prüfung nicht besteht, bringe Dein Fahrrad zur Einstellung zu Deinem Fachhändler.
Felgenbremsen-Abstand einstellen zwischen Felge und Bremsbelag
Wie kann man die Bremskraft einer Felgenbremse verändern und wie gehen Sie vor? Die mechanische Felgenbremse ist korrekt eingestellt, wenn sie einen Abstand von 3 bis 5 Millimeter zur Felge hat und parallel zu ihr liegt.
Schritt 1: Drehe den Zugeinsteller
Bei den meisten Direktzug- und Cantilever-Systemen befindet sich der Zugeinsteller auf dem Hebel. Bei Rennrad-Seitenzugbremssystemen befindet sich der Zugeinsteller in der Regel auf der Bremse selbst.
Um den Abstand zwischen Bremsbelag und Felge zu vergrößern, drehe den Zugeinsteller im Uhrzeigersinn. Um den Abstand zu verringern, drehe den Zugeinsteller gegen den Uhrzeigersinn.
Schritt 2: Wenn sich die Bremsbeläge über den Zugeinsteller nicht richtig einstellen lassen, musst du wie folgt vorgehen:
- Direktzug- und Seitenzugbremsen: Löse die Klemmschraube des Seilzugs und klemme den Seilzug erneut fest.
- Cantilever-Bremsen: Stelle die Beläge neu ein oder bringe das Fahrrad zu Deinem Fachhändler.
Direktzug-, Cantilever- oder Rennradbremse zentrieren
Drehe die Zentrierschraube in kleinen Schritten.
Wenn die Bremse über zwei Zentrierschrauben verfügt, stelle die Federspannung ein, während Du die Bremse entrierst.
Bremsbeläge bei Felgenbremsen einstellen
- Löse die Befestigungsschraube des Bremsbelags.
- Richte die Beläge wie in Abbildung 5 aus.
- Ziehe die Befestigungsschraube des Bremsbelags wieder an:
- Seitenzugbremsen: 4.5-6.8 Nm (40-60 lb/in)
- Direktzug- und Cantilever-Bremsen: 7.9-9 Nm (70-80 lb/in)
- Überprüfe die Bremse nach dem Einstellen. Ziehe den Hebel. Der Seilzug darf nicht durch die Seilzugklemme rutschen, die Bremsbeläge müssen im 90-Grad-Winkel auf die Felge treffen und dürfen nicht mit dem Reifen in Berührung kommen.
Wichtig: Verwende ausschließlich Bremsbeläge, die für Deine Bremsen sowie Laufräder konzipiert sind und achte auf ihre korrekte Ausrichtung!
Bremse für den Ausbau der Laufräder aushängen
- Seitenzugbremsen: Bei den meisten Modellen ziehst Du den Hebel zum Aushängen der Bremse nach oben (Position UP). Zum Schließen drückst Du den Hebel nach unten (Position DOWN).
- Campagnolo-Bremshebeln: Drücke den Aushängeknopf an der Oberseite des Bremshebels. Ziehe den Bremshebel leicht an und drücke den Knopf, bis dieser mit dem Hebelgehäuse abschließt. Lasse den Hebel los. Zum Wiedereinhängen der Bremse gehe in umgekehrter Reihenfolge vor. Zum Wiedereinhängen der Bremse gehe in umgekehrter Reihenfolge vor:
- Cantilever-Bremsen: Hänge den Querzug aus. Drücke mit einer Hand die Bremsbeläge fest gegen die Felge. Ziehe mit der anderen Hand den Bleinippel des Querzugs aus der Haltegabel des Bremsarms. Lasse die Beläge wieder los.
- Direktzugbremsen: Nimm das Zugseilrohr aus dem Gelenkarm. Drücke mit einer Hand die Beläge fest gegen die Felge. Schiebe mit der anderen Hand das Zugseilrohr aus dem Gelenkarm und hebe das Rohr an. Lasse die Bremsbeläge wieder los. Zum Wiedereinhängen der Bremse gehe in umgekehrter Reihenfolge vor.
- Naben- oder Trommelbremsen: Löse zunächst die Schalt- und Bremszüge, um das Hinterrad auszubauen. Schiebe zum Lösen des Bremszuges den Halterungsarm nach vorne und die Klemmschraube nach hinten, bis diese die größere Öffnung in der Halterung erreicht. Ziehe die Klemmschraube heraus, um sie aus der Halterung zu nehmen. Schiebe den Bremszughalter nach vorne, um ihn vom Bremsarm zu nehmen. Löse die Bügelschraube der Bremse. Zum Lösen des Schaltzuges schalte zunächst in den ersten Gang. Ziehe die Zughülle aus dem Schaltzugwiderlager. Drehe die Klemmschraube des Schaltzuges, bis die Unterlegscheibe mit dem Schlitz auf der Ritzelbefestigung abschließt. Nimm dann den Seilzug ab.
Seilzüge einbauen - Mechanische Fahrradbremsen
Bei Fahrrädern mit Schalthebel oder Handbremse verbindet ein Seilzug den Hebel mit dem Element, das von dem Seilzug gesteuert wird. Der Seilzug muss einmal im Monat auf Probleme wie Knicke, Rost, gebrochene Drähte und ausgefranste Enden überprüft werden. Überprüfe dabei auch die Zughülle auf lockere Drähte, verbogene Enden, Schnitte und Abnutzung. Fahre nicht mit dem Fahrrad, wenn Seilzug oder Zughülle beschädigt ist.
Bevor Du den alten Seilzug ausbaust, merk Dir den Verlegeweg am Rahmen. Löse die Klemmschraube des Seilzugs und entferne den verschlissenen Seilzug.
Schmiere den neuen Seilzug an den Stellen, an denen er durch Hüllen und Führungen verlegt wird. Bringen den neuen Seilzug auf dem gleichen Verlegeweg an wie zuvor.
Der Bleinippel muss richtig im Bremshebel eingelegt sein. Die Zughülle muss korrekt im Widerlager des Bremshebels angebracht sein. Stelle die Bremse bei Bedarf nach, wenn ein neuer Bremszug montiert wurde.
Zugeinsteller im Uhrzeigersinn drehen, bis das Gewinde der Schraube nicht mehr zu sehen ist.
Zum Montieren eines Schaltzuges bringe den Schalthebel in die Position mit der geringsten Zugspannung.
Bei Bremszügen hältst Du die die Bremse während des nächsten Arbeitsschritts geschlossen.
Zieh‘ die Klemmschraube des Seilzugs auf 6-8 Nm (52-69 lb/in) an.
Kürze das Zugseil so weit, dass es nicht mehr als 51 mm über die Klemmschraube heraussteht.
Bringe eine Metallkappe oder etwas Lötzinn am Ende des Seilzugs an, um ein Ausfransen zu verhindern.
Folge den Anweisungen zur Einstellung.
Hinweis: Der Einbau von Seilzügen bei Cantilever- Bremsen erfordert Spezialwerkzeug sowie entsprechendes Fachwissen und sollte nur vom Fachhändler durchgeführt werden.
Scheibenbremsen - Konstruktionen und Einstellung
Bei Scheibenbremsen üben die Bremsbeläge Druck auf eine Scheibe aus, die an der Radnabe befestigt ist. Der Druck wird mit einem Handhebel gesteuert, der über einen Seilzug oder Hydraulikschlauch mit der Bremse verbunden ist. Drücke nicht den Bremshebel, wenn das Laufrad nicht angebracht ist.
Hydraulische Scheibenbremsen ausrichten
- Löse die Befestigungsschrauben der Bremse.
- Betätige den Bremshebel bis zum Anschlag und ziehe die Befestigungsschrauben auf 11.3-12.4 Nm (100-110 lb/in) an.
Die hydraulische Scheibenbremse beim Fahrrad ist korrekt eingestellt, wenn die Bremsscheibe exakt mittig zwischen den beiden Bremsbelägen liegt.
Scheibenbremse mit Seilzug ausrichten
Abstand zwischen rechtem Bremsbelag und Bremsscheibe einstellen
Drehe die Einstellschraube des Bremsbelags.
Wenn sich die Beläge auf diese Weise nicht korrekt ausrichten lassen, befolge die Anleitung unter „Abstand zwischen linkem Bremsbelag und Bremsscheibe einstellen“ und stelle dann die rechte Seite ein.
Abstand zwischen linkem Bremsbelag und Bremsscheibe einstellen
Drehe den Zugeinsteller im Uhrzeigersinn, um den Abstand zu erhöhen, und gegen den Uhrzeigersinn, um den Abstand zu verringern.
Wenn sich die Beläge nicht richtig einstellen lassen, löse die Klemmschraube des Seilzugs und klemme den Seilzug erneut fest. Ziehe die Klemmschraube des Seilzugs auf 5.7-7.9 Nm (50-70 lb/in) an.
Drehe die Kontermutter nach der Einstellung im Uhrzeigersinn, um die Einstellung zu sichern.
Je nach Hersteller beträgt der Abstand zwischen dem Bremsbelag und der Bremsscheibe 0,2 bis 0,4 Millimeter.
Bremse und Bremsscheibe ausrichten
- Löse die Befestigungsschrauben der Bremse.
- Schiebe eine Visitenkarte oder einen anderen dünnen Gegenstand zwischen den rechten Bremsbelag und die Bremsscheibe.
- Betätige den Bremshebel bis zum Anschlag und ziehe die Befestigungsschrauben auf 11.3-12.4 Nm (100-110 lb/in) an.
Bremsbeläge von Scheibenbremsen auswechseln
- Nimm das Rad ab.
- Ziehe den Bremsbelag an dessen Lasche mit den Fingern oder einer schmalen Zange heraus.
- Montiere das Laufrad wieder.
Bremshebel am Fahrradlenker ausrichten
Die Fahrradbremse wird über den Bremshebel am Fahrradlenker betätigt. Die Position des Hebels sollte so gewählt werden, dass Du die Bremse mit minimalem Aufwand betätigen kannst. Es gibt verschiedene Typen von Bremshebeln:
- Rennrad-Bremshebel für Rennlenker
- Mountainbike-Bremshebel für flache oder Mountain-Lenker
Scheibenbremsen richtig reinigen
Auch wenn du selten oder gar nicht bei schlechtem Wetter unterwegs warst, solltest du dein Fahrrad regelmäßig pflegen, um lange Freude daran zu haben. Das ist in der Regel schnell erledigt: Einsprühen mit Fahrradreiniger zum Anlösen der Verschmutzungen, einwirken lassen und anschließend abspülen mit klarem Wasser. Nach Regenfahrten sollte eine intensivere Behandlung mit Schwamm und Bürste selbstverständlich sein.
Im Zuge eines solchen Waschgangs kannst du die Scheibenbremsen im Prinzip ohne besondere Behandlung einbeziehen. Die Bauteile vertragen Wasser und Fahrradreiniger problemlos. Bei stärkerer Verschmutzung solltest du mit Bremsenreiniger (Spray) arbeiten, der speziell den typischen, aggressiven Bremsstaub lösen kann. Wir empfehlen, den Reiniger dosiert einzusetzen, oder ihn mit einem benetzten Tuch aufzutragen. Zum Beispiel zum Säubern der Scheiben. Das kann im Übrigen auch zur Bekämpfung von Quietschgeräuschen hilfreich sein.
Achtung!! Niemals Öl oder ölhaltige Substanzen auf die Beläge bringen!!
Bremsbeläge - Verschleiß checken und ggf. austauschen
Je nach Fahr-Intensität solltest du etwa alle zwei bis drei Wochen einen Blick auf die Beläge werfen. Nach Schlechtwetter-Einsätzen jedoch gezielt und öfter! Das kannst du bei relativ neuen Belägen mit Hilfe einer Taschenlampe von oben durch den Schlitz im Sattel erledigen.
Wenn die Beläge dünner werden, empfehlen wir, sie zur Sichtprüfung auszubauen. Dazu zunächst das Laufrad ausbauen. Als erstes sollten die Beläge in ihre maximale Ausgangsposition zurück gedrückt werden. Dazu mit einem flachen und stumpfen Hebel zwischen die Beläge fahren und diese mit sanfter Gewalt auseinander drücken. Es eignet sich zum Beispiel ein dünner Reifenheber (Ein scharfkantiger Schraubendreher kann die Beläge beschädigen!). Das Zurückdrücken der Kolben ist auch nötig, damit bei Bedarf neue Beläge im Sattel genügend Platz finden.
Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.
Neue Bremsbeläge unbedingt einbremsen! Erst nachdem neue Bremsbeläge nach folgendem Prozedere eingebremst wurden, können sie ihre volle Bremsleistung entfalten: Das Fahrrad etwa 20 bis 30 Mal hintereinander auf rund 30 km/h beschleunigen und anschließend kraftvoll bis zum Stillstand abbremsen.
Scheibenbremsen - Geräusche ermitteln und beseitigen
Nichts ist schlimmer, als eine quietschende Scheibenbremse. In einzelnen Fällen kann dieses Bremsgeräusch unerträgliche Lautstärken erreichen. Aber auch weniger laute Geräusche wie kratzen, schleifen oder rubbeln können nerven. Umso mehr, wenn der Krach mit einer verringerten Bremsleistung einher geht. Grund genug, die Probleme aufzuspüren und zu beseitigen.
Quietschen bei Nässe
Leider ist es ein recht häufiges Phänomen, dass Scheibenbremsen während einer Regenfahrt plötzlich zu quietschen anfangen. Die Geräusche verschwinden, sobald alles wieder trocken ist. Warum das passiert, ist nicht wirklich zu klären. Aber unserer Erfahrung nach kannst du kaum etwas dagegen tun. Manchmal verschwindet das „Nassquietschen“ auch auf längeren Abfahrten wieder, wenn die Bremsscheiben heiß werden.
Welche Beläge sind montiert?
Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt:
- Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe.
- Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten.
Unser Tipp: Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden. Diese verschleißen zwar etwas schneller als Sinterbeläge, neigen aber weniger zu Geräuschentwicklungen. Außerdem lassen sich Bremsen mit organischen Belägen besser dosieren.
Sind die Beläge verschlissen?
Auch abgefahrene Beläge können Geräusche verursachen. Dabei handelt es sich meist um ein metallisches Schleifen, verursacht durch die Spreizklammer zwischen den Belägen, die bei zunehmend dünner Bremsfläche an der Scheibe kratzt. Oder die Beläge sind bereits komplett abgenutzt, so dass das Trägermetall auf der Scheibe schleift. So oder so müssen derart abgenutzte Bremsbeläge unverzüglich ausgetauscht werden!
Ist die Oberfläche der Beläge verglast?
Besonders auf langen Abfahrten werden die Bremsen sehr heiß. Durch die hohen Temperaturen kann sich mit der Zeit eine harte, glänzende Schicht auf den Bremsbelägen bilden. Man spricht dann von verglasten Belägen. Das äußert sich mit nachlassender Bremswirkung und erhöhter Geräuschentwicklung. Bei rechtzeitiger Behandlung kannst du die Beläge retten und weiter verwenden. Dazu die Beläge ausbauen und so oft über einen ausgelegten Bogen Schleifpapier ziehen, bis die Bremsfläche wieder matt aussieht. Achte darauf, dass du den Belag nicht schräg anschleifst. Die Oberfläche muss parallel zur Trägerplatte stehen.
Alle Schraubverbindungen fest?
Eine Ursache für Geräusche ist, dass ein oder mehrere Teile in Schwingung geraten und hochfrequent vibrieren. Das kann ein Bauteil selbst sein oder eine (lose) Verbindung zwischen zwei Bauteilen. Im ersten Fall kann man nicht wirklich etwas tun. Du kannst jedoch prüfen, ob alle Schraubverbindungen an den Bauteilen der Bremsanlage fest geschlossen sind: Das sind zum einen die Befestigungsschrauben der Sättel an Rahmen und Federgabel. Zum anderen die Befestigungsschrauben der Bremsscheiben an den Naben. Bitte hier mit Gefühl vorgehen und einen Drehmomentschlüssel verwenden!
Sitzt der Bremssattel mittig über der Scheibe?
Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Bei einer gut eingestellten Bremse ist der Spalt links und rechts minimal. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen. Heute sitzen nahezu alle Laufräder mit Hilfe von Steckachsen in Rahmen und Gabel. Das heißt, die Position der Scheibe ist bei jeder Laufrad-Montage präzise definiert und somit identisch. In der Regel muss man also den Sattel nur einmal korrekt ausrichten.
Zwei Methoden führen zum Erfolg. Die einfachere geht so: Den Bremssattel an den beiden Inbusschrauben lockern, so dass er sich leicht von Hand seitlich bewegen lässt. Nun die Bremse am Hebel fest anziehen. Dadurch klammert sich der Sattel an die Scheibe und richtet sich automatisch aus. Nun bei weiterhin gezogener Bremse die beiden Schrauben wieder fest anziehen (Drehmomentschlüssel!). Nach Loslassen des Hebels sollte die Scheibe mittig zwischen den Belägen stehen und frei rotieren.
Sollte diese Methode nicht funktionieren, kannst du es händisch probieren: Den Bremssattel ebenfalls lösen, aber nur soweit, dass er sich mit etwas Kraftaufwand verschieben lässt. Damit verhinderst du zu große Bewegungen. Nun ist Augenmaß gefragt, denn man muss den Sattel in kleinsten Schritten verschieben. Dazu stets von oben durch den Schlitz die Position kontrollieren. Erst wenn sich die Scheibe frei dreht, kannst du den Sattel wieder richtig festschrauben.
Fahren alle Kolben gleichmäßig und leichtgängig aus?
Nach längerer Nutzung und vielen Schlechtwetterfahrten kann es sein, dass die Kolben verschmutzt sind und nicht mehr gleichmäßig ausfahren. Oder dass sich einer der Beläge nach dem Bremsvorgang nicht mehr von der Scheibe zurückzieht. Auch das kann dann Schleifgeräusche verursachen. In diesem Fall müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu das Rad ausbauen, die Beläge (und Kolben) zurück drücken und anschließend entnehmen (siehe Schritt eins: Beläge checken).
Als erstes den Innenbereich des Sattels und die Druckfläche der Kolben mit Bremsenreiniger säubern. Nun ist wieder Fingerspitzengefühl gefragt, denn mit einem sachten Zug am Bremshebel müssen die Kolben ein kleines bisschen ausgefahren werden. Bitte hier extrem vorsichtig sein und die Kolben höchstens einen Millimeter weit ausfahren! Jetzt kannst du die Gleitflächen mit etwas Bremsenreiniger benetzen. Zur Schmierung kannst anschließend einen Tropfen Hydrauliköl mit einer Spritze aufbringen. Achtung! Es darf kein Öl auf die Bremsbeläge gelangen! Zum Zurückdrücken der Kolben die Beläge wieder einsetzen! Niemals auf die Kolben direkt drücken.
Allgemeine Tipps zur Wartung
- Mechanische Felgenbremsen: Überprüfe die Bremsbeläge auf Abnutzung sowie die Bremszüge auf Verschleiß und Korrosion. Fette die Bremszüge regelmäßig, um eine reibungslose Funktion zu gewährleisten und ersetze beschädigte oder abgenutzte Züge. Reinige die Bremskomponenten regelmäßig mit einem speziellen Bremsenreiniger und achte darauf, dass die Felgen sauber und frei von Fett sind. Überprüfe regelmäßig die Ausrichtung der Bremsbeläge und justiere bei Bedarf.
- Hydraulische Felgenbremsen: Überprüfst du zunächst die Bremsbeläge auf Abnutzung und achtest darauf, dass der Flüssigkeitsstand im Hydrauliksystem ausreichend ist. Öffne den Ausgleichsbehälter, um den Stand der Bremsflüssigkeit zu kontrollieren und fülle bei Bedarf die empfohlene Hydraulikflüssigkeit nach. Falls Luft im System ist, müssen die Bremsen entlüftet werden. Verwende hierfür ein Entlüftungskit und folge der Anleitung des Herstellers. Reinige die Bremskomponenten regelmäßig mit einem speziellen Bremsenreiniger und achte darauf, dass keine Bremsflüssigkeit auf die Bremsbeläge oder Felgen gelangt.
- Scheibenbremsen: Überprüfst du regelmäßig die Bremsbeläge auf Abnutzung und den Flüssigkeitsstand im Hydrauliksystem, falls es sich um hydraulische Scheibenbremsen handelt. Prüfe die Bremsscheiben auf Verformungen und Verschleiß und reinige sie regelmäßig mit einem speziellen Bremsenreiniger. Bei hydraulischen Scheibenbremsen musst du eventuell das System entlüften, falls Luft im System ist. Verwende hierfür ein Entlüftungskit und folge den Anweisungen des Herstellers. Tausche abgenutzte Bremsbeläge rechtzeitig aus und achte darauf, dass neue Beläge korrekt eingebremst werden. Überprüfe regelmäßig die Befestigungsschrauben des Bremssattels und ziehe sie bei Bedarf nach.
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