Motorradfahren lernen mit 50: Ein erfüllbarer Traum

Viele Menschen träumen davon, Motorrad zu fahren. Dieser Traum muss nicht unerfüllt bleiben, auch wenn man erst mit 50 oder später damit beginnt.

Der Weg zum Motorradführerschein

Autofahrer über 50 können jetzt günstig und unbürokratisch den Führerschein für Bikes bis 48 PS machen. Eine neue Führerscheinregelung wurde am 19. Januar 2013 gültig und ist quasi maßgeschneidert für diese Personengruppe. Ehrlich gesagt, hatte ich keinen Bock, noch mal die Fahrschulbank zu drücken und eine theoretische Prüfung abzulegen. Ebenso schreckte mich die Vielzahl an teuren Pflichtfahrten für den offenen Motorradführerschein (A), welche die Kosten schnell über 2.000 Euro steigen lassen.

Stattdessen gibt es jetzt eine Neuregelung für die Ü50-Generation, ohne Theorie und ohne große Hürden, machbar für ein paar hundert Euro. Endlich, jubelte ich innerlich, haben sich die EU-Bürokraten mal was Gutes ausgedacht. Erster Vorsatz also fürs neue Jahr: Du machst diesen A2-Führerschein.

Voraussetzungen und Ablauf

Januar 2013 gibt es nach EU-Verordnung die neue Motorradführerscheinklasse A2. Sie ersetzt den bisherigen Stufenführerschein bis 34 PS und erlaubt Einsteigern, Maschinen bis 48 PS und 175 kg Mindestgewicht zu fahren. Das macht sie vor allem für zehn Millionen Autofahrer interessant, die ihren Führerschein (damals Klasse 3) vor dem 1. April 1980 erhalten haben.

  • Keine Theoriestunden für den A2 nötig.
  • Keine Pflichtstunden vorgeschrieben, sollten Anfänger und wenig Geübte einige Fahrstunden absolvieren.
  • Wer schon mit 125er-Leichtkrafträdern Erfahrung gesammelt hat, tut sich erfahrungsgemäß leichter.

Die richtige Fahrschule finden

Suchen Sie sich unbedingt eine Fahrschule aus, bei welcher der Fahrlehrer bei Wind und Wetter selbst mit dem Bike vorausfährt. In den meisten Fahrschulen geben die Motorradfahrlehrer ihre Anweisungen per Funk aus einem nachfolgenden Auto. So kann sich der Fahrschüler weder Kurventechnik noch Fahrverhalten im Straßenverkehr abschauen. Die Suche nach einer auf Biker spezialisierten Fahrschule ist auch deshalb sinnvoll, weil diese eine viel größere Zahl an Motorrädern und Fahrlehrern bereithalten.

Das erhöht die mögliche Frequenz an Übungsfahrten. In manchen Fahrschulen kann es nämlich passieren, dass wegen Kapazitätsengpässen zwischen den Fahrstunden bisweilen Wochen vergehen. Da kommt man schnell aus der Übung. Eine Alternative können auch Ferienfahrschulen sein, wo man im Urlaub den Führerschein machen kann.

Kosten für den A2-Motorradführerschein

Die Kosten für den A2-Motorradführerschein können variieren, hier eine Übersicht:

Posten Kosten (Euro)
Sehtest 6,43
2 biometrische Passbilder 16,00
Anmeldegebühr Fahrschule 52,00
Grundgebühr 50,00
Übungsfahrten (6 Doppelstunden à 90 Minuten zu je 90 Euro) 540,00
Praktische Prüfung (Fahrschulgebühr) 104,79
TÜV/Dekra-Gebühren für praktische Prüfung 75,21
Gesamtsumme 844,43

Die ersten Fahrstunden

Die erste Fahrstunde kann aufregend sein. Meine BMW hat beheizte Griffe - dachte erst, das sei für Memmen, aber jetzt bin ich froh darüber. Gerhard erklärt mir ausführlich die Maschine, dann darf ich auf einem großen Parkplatz meine ersten Runden drehen. Erster Eindruck: doch nicht ganz so einfach wie gedacht. Die BMW ist gutmütig, aber relativ schwer, und als Autofahrer muss ich mich erst etwas eingrooven.

Vor allem das Richtung Horizont Vorausschauen und nicht direkt auf den Boden vor mir Starren bereitet anfangs Mühe. Die Dosierung von Kupplung und Gas ist dagegen kein Problem, wie auch das Schalten. Etwas Überwindung erfordert die Vollbremsung bei Nässe - aber dank ABS bleibt die BMW sauber in der Spur. Am meisten zu kämpfen habe ich als Brillenträger bei der feuchtkalten Witterung mit dem Helmvisier, das im Stand ganz schnell beschlägt. In meiner dick gepolsterten Montur fühle ich mich dann wie ein Gorilla im Nebel.

Ausrüstung

Motorradfahrer haben keine Knautschzone - Schutzkleidung ist deshalb unerlässlich. Die wichtigsten Bestandteile sind Integralhelm, Jacke und Hose mit Protektoren, Nierengurt, Handschuhe und Stiefel. Auch eine Sturmhaube, spezielle Socken und Funktionswäsche können nicht schaden. Das alles gibt es in guter Qualität bei Ausstattern wie beispielsweise Detlev Louis (www.louis.de), Polo (www.polo-motorrad.de), Büse (www.buese.com) oder Held (www.held-biker-fashion.de) schon für rund 1.000 Euro.

Die Freude am Fahren

Motorradfahren ist sinnlich, weil es die Sinne anspricht und die Sinne schärft. Biken empfinde ich als elementares Erlebnis. Geschwindigkeit, Beschleunigung und Motorsound sind hautnah spürbar. Fahrdynamik nimmt man mit jeder Faser seines Körpers wahr. Schlechtes Wetter übrigens auch. Aber dagegen gibt es gute Bekleidung.

Nach bestandener Prüfung wird Motorradkleidung gekauft, ein paar Wochen später ist die Maschine da. Jede freie Minute will ich mich fortan aufs Bike schwingen - wie ein frisch Verliebter nach dem nächsten Date sehne ich mich nach einem Ritt auf meiner Guzzi, möchte den wohl geformten Tank, die schlanke Taille und die steil aufragenden Zylinder streicheln. Lausche im Stand dem Knistern, wenn die Maschine nach einer heißen Tour langsam abkühlt.

Und da der Schwabe in mir auch immer ein wenig ans Geld denkt, freue ich mich an den kleinen Betriebskosten, die der große Spaß kostet. Gut, die Maschine steht neu mit knapp 8.000 Euro in der Liste, aber Versicherung und Steuer kosten mich auf die Saison nur ein Taschengeld. Ebenso der Sprit: nur vier Liter Superbenzin braucht die Maschine auf 100 Kilometer. In Wirklichkeit ist alles noch viel schöner als erhofft und erträumt, obwohl das Wetter bisweilen immer noch schaurig ist.

Motorradfahren im Alter: Eine Frage der Einstellung

Die Frage nach dem Motorradfahren im Alter hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die im Grunde jeder für sich ganz individuell beantworten muss. Willst du im höheren Alter überhaupt noch Motorrad fahren? Gehe diesen Fragenkatalog im stillen Kämmerlein selbstkritisch mit dir durch. Mehrfach und in zeitlichen Abständen, damit du deine Entscheidung nicht von einer etwaigen „Tagesform“ abhängig machst.

Wenn du glaubst, alle Fragen positiv beantworten zu können, dann arbeite den folgenden Katalog mit allen Konsequenzen ab:

  1. Jede Betätigung, jedes Hobby, findet irgendwann einmal ein natürliches Ende, auch das Motorradfahren. Das ist normal. Hoffentlich nicht durch einen Unfall; aber irgendwann hat man das Gefühl, damit „durch“ zu sein.
  2. Klar, mit den Jahren lassen die körperlichen Kräfte nach. Auch das ist normal. Wenn dir das Motorradfahren über die Maßen beschwerlich wird, dann macht das nicht nur keinen nachhaltigen Spaß mehr; es geht auch auf Kosten der Sicherheit. Deiner eigenen und der von Anderen. Das ist fatal. Bist du aber körperlich noch gut beieinander oder in der Lage, die erforderliche Fitness zu erreichen, dann mache Sport/Gymnastik. Zielgerichtet und vor allem regelmäßig, jeden Tag. Du brauchst dafür keine Maximalkraft mehr, aber Ausdauer und Beweglichkeit. Wieviel, das merkst du spätestens, wenn die Lunge pfeift und die morschen Knochen krachen. Das ist kein Spaß, aber stetige Übung ist unverzichtbar.
  3. Motorradfahren ist zu 50% Kopfsache: Erfahrung, Gefühl, Intuition, Konzentration, Reaktion, Reflexe. Vertraue bitte nicht darauf, daß du das Motorradfahren noch gut beherrschst, weil du Jahrzehnte auf zwei Rädern unterwegs warst. Sei dir bewußt, daß dein neuronales System strukturiert ist wie ein Computer: Auf der Festplatte hast du zwar unheimlich viel Erfahrung gespeichert, mit der du dich anderen (vielleicht sogar zu Recht) überlegen fühlst. Deshalb prüfe dich kritisch, ob Reaktionen, Reflexe und Konzentration noch in ausreichendem Maße vorhanden sind. Übungen dafür gibt es zuhauf, vom Flipper bis zu einem langen, anspruchsvollen Vortrag, den du dir auf YouTube konzentriert reinziehst. Ein Freund meines Vaters, ehemaliger Jagdflieger, erzählte immer, sie hätten zwischen den Einsätzen (dienstlich angeordnet!) Mikado gespielt, zur Förderung von Ruhe und Konzentration.
  4. Das schönste Hobby kann einem sauer werden, wenn es zu Hause unüberwindliche Einwände dagegen gibt. Die Sorge um dein Wohlbefinden und deine Sicherheit ist gewiß aller Ehren wert, besonders, wenn du im Inneren zugeben mußt, daß deine bessere Hälfte im Grunde schon Recht hat.

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