Indian Motorrad mit Beiwagen Modelle: Eine Hommage an Tradition und Innovation

Gespannfahren ist eine ganz besondere Erfahrung. Doch Gespann ist nicht gleich Gespann. Jedenfalls dann nicht, wenn es sich um eine 1200er Indian Chief von 1948 mit Beiwagen und Rückwärtsgang handelt.

Die Faszination klassischer Indian Gespanne

Erstens steht die Chief picobello da, und zweitens genießt die amerikanische Traditionsmarke auch heute, lange nach Firmenschließung, immer noch einen außergewöhnlichen Ruf. Ein weiterer Grund, warum das Gespann überall soviel Aufmerksamkeit erregt, ist sicherlich der, über dem Reserverad aufgeschnallte, mächtige Korbkoffer. Wer so durch die Gegend fährt, ist bestimmt auf großer Tour.

Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten und unendlichen Weiten“ hatten Langstreckenqualitäten Priorität. Und dazu gehörten unabdinglich ein bulliger V-Motor, möglichst mit 1200 Kubik, ein komfortables Fahrwerk, eine bequeme Sitzposition und eine breite Lenkstange, die lässig in den Händen lag. In der Indian V-Twin-Baureihe war die Chief ab 1922 das Topmodell. Und wie es sich für einen richtigen Häuptling gehört, hatte das Triebwerk satte 1000 ccm. Schon ein Jahr später folgte die Big Chief mit gewaltigem 1,2-Liter-Motor. Die Typenbezeichnung Big Chief wurde nämlich nur solange verwendet, solange es pa­rallel dazu die 1000er Chief gab und das war bis 1928.

Nennenswerte Änderungen waren 1925 abnehmbare Zylinderköpfe aus Aluminiumguss. Die Umstellung von der umweltschädlichen Verlustschmierung auf Trockensumpfschmierung erfolgte 1933, und 1934 tauschte man den Zahnrad-Primärantrieb gegen eine Vierfachkette. Ab 1936 gab es die Magnetzündung nur noch auf Kundenwunsch, zur Serienausstattung gehörte eine neue Batterie-Spulenzündanlage mit Verteiler über dem rechten Steuergehäusedeckel.

Eingebaut war das 42-Grad-V-Aggregat in einen Doppelrohrrahmen mit starrer Hinterradführung. Vorne sorgte eine Gabel mit Kurzschwinge und Blattfeder für den Fahrkomfort. Ein echter Rundumschlag erfolgte 1940. Inspiriert von den De­­troi­ter-Automobilkollegen formten die Indian-Leute gewaltige Schutzbleche. Und weil man von Auto bereits schon einiges abgeguckt hatte, erhielt die Chief gleichzeitig 5.00 x 16 PKW-Reifen und eine Geradwegferderung für das Hinterrad. Ein weiterer Schritt zur Fahrkomfortverbesserung war 1946 die Einführung der Trapezgabel mit zwei Federn und separatem hydraulischen Stoßdämpfer.

Von jeher waren Indians stets ideale Gespannmaschinen, die man selbstverständlich direkt ab Werk ordern konnte. Wer allerdings Lust und Laune hatte, konnte auch nachträglich einen Beiwagen anschrauben. Für die Dreiradfraktion entwickelten die Springfielder Motorradhersteller 1935 ein neues Getriebe mit drei Vorwärts- und einem Rückwärtsgang. Für das Modelljahr 1948 griff die amerikanische Nobelmarke tief in die Trickkiste.

Aus diesem Grund beinhalteten die technischen Verbesserungen 1948 keine gravierenden konstruktiven Veränderungen sondern ein überarbeitetes Motorgehäuse, verbesserter Ansaugkrümmer und Auspuff, geänderte Motorschmierung mit neuer Zahnradpumpe, verstärkter Kickstarter und Seitenständer sowie bessere Lichtmaschinenleistung. Anstelle der Nadellager in der Trapezgabel übernahmen nun Bronzebuchsen die Führungsarbeit, für den Fettnachschub waren überall Schmiernippel angebracht. Ebenfalls verbessert war der hydraulische Dämpfer in der Trapezgabel. Weitere Neuheiten waren Chromfelgen, ein langer Sattel für zwei Personen, ein Instrumenten-Paneel mit neuer Kontrolllampe und Zündschalter, Hupe und verchromter Scheinwerfer.

Über drei stabile Schraubverbindungen ist der Seitenwagenrohrrahmen mit der Chief verbunden. Das dritte Rad ist ungefedert, verfügt dafür aber über eine Trommelbremse. Via Gestänge und einem mechanischen Verzögerungsmechanismus bremst bei Betätigung des Hinterradstoppers das Beiwagenrad etwas später. Muss der Indian-Treiber in die Eisen steigen, wird mit dieser Ausführung erreicht, dass das Gespann sicher in der Spur bleibt. Auf Komfort braucht der Passagier nicht zu verzichten, das Boot ist an zwei langen Blattfedern aufgehangen. Ringsherum ist das Vehikel mit 5.00 x 16 Autoreifen bestückt.

Richtig los mit dem Indian-Bazillus ging’s bei ihm Mitte der achtziger Jahre. Als es ans Lackieren ging, kam beim Schleifen bewusstes „Turquoise“ zum Vorschein. Und genau in dieser Farbe sollte die Chief natürlich auch wieder glänzen. Der Beiwagen war nämlich auch von 1948, und obendrein hatte der Fund eines der seltenen Getriebe mit Rückwärtsgang. Wieder werkelte Hans Kirpestein etwa ein Jahr, bis sein Traum auf drei Rädern vollbracht war.

Moderne Interpretationen: Indian Gespanne von Iwan Bikes

Bei Iwan Bikes klingelt es zunächst als langjähriger Händler der russischen Gespanne von Ural in der Kasse. Mittlerweile sind aber auch die Marken Royal Enfield, Zero und Indian sind in Pfaffenhofen an der Ilm bei Iwan zu finden. Kernkompetenz sind allerdings Gespannumbauten aus eigener Entwicklung und Made in Bavaria. Seit 1993 werden in der Hallertau Gespanne gebaut, das jüngste Werk ist ein Beiwagen für die nagelneue Indian Chief Bobber mit dem hauseigenen Bellavista Boot.Indian Chief Bobber GespannBasis des Umbaus ist der neuen Beiwagenrahmen, den Iwan Bikes aus nahtlosem, handgeschweißtem Rundrohr fertigt.

Eines der weltweit ersten Gespanne auf Basis der aktuellen Indian Scout kommt aus Pfaffenhofen. Indian hatte zahlreiche internationale Vertragshändler nominiert, ihre Version der Indian Scout zu bauen. Das Team aus Pfaffenhofen entschied, ein Gespann zu bauen, eine der Spezialitäten des Hauses. Das Finish ist edel, die Ausführung flexibel.

Indian Scout Gespann - Hotrod Heritage

Als Beiwagenrad wählten die Bayern ein Drahtspeichenrad aus dem Indian-Zubehör, auch das eigentliche Bike wurde auf diese Räder umgerüstet. Ein großer Scheinwerfer, ein seitlicher Kennzeichenträger und die dezente Beleuchtung machen das Gesamtbild außerdem harmonischer. Und noch einen weiteren Clou beherbergt das Hotrod-Gespann: Alle Anschlüsse sind voll einstellbar und geschraubt, so dass das Bike jederzeit auf die technisch serienmäßige Urversion zurückgebaut werden kann.

  • Alle Anschlüsse sind geschraubt und einstellbar.
  • So dass das Motorrad jederzeit wieder in den Ursprungszustand zurückgerüstet werden kann.
  • Sowohl die Scout selbst als auch der Iwan-Beiwagen stehen auf Indian-Drahtspeichenrädern mit Weißwandbereifung
  • Das »HotRod«-Boot von Iwan-Bikes ist aus GFK gefertigt und innen mit edlem Leder ausgeschlagen

Bellavista Beiwagen an neuer Indian Chief

Neu entwickelter Bellavista Beiwagen an neuer Indian Chief: Geschraubter 4-Punkt Anschluß, Scheibenbremse, Beleuchtung versteckt mit Mini LED, Drahtspeichenrad mit Zentralmutter und Autofelge mit Autoreifen 175/55R15. Klappbarer Sitz, optional mit Sitzheizung, abschließbarer Kofferraum.

Der Rahmen ist universell ausgelegt und kann mit Alufelgen oder Speichenrädern für Autoreifen sowie mit normalen Motorradreifen besohlt werden. Egal welche Bereifung gewählt wird: Das Rad ist immer scheibengebremst. Mit dem Hauptrahmen der Indian wird der Iwan-Rahmen an vier Punkten verschraubt. Das Drahtspeichenrad ist stilecht per Zentralmutter an der Nabe fixiert und trägt einen Autoreifen der Dimension 175/55R15. Das Boot selbst hat einen abschließbaren Kofferraum und kann auf Wunsch mit Sitzheizung geliefert werden. Weitere Optionen sind ein Windschild und ein Gepäckträger.

Der mattschwarze Lack des Beiwagens wurde vom Motorrad übernommen und um Airbrushs aus der Modellgeschichte von Indian ergänzt. Eine Hommage an 120 Jahre Indian Motorcycles.

Technische Details im Überblick

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über wichtige technische Details der hier beschriebenen Indian Gespann Modelle:

Merkmal Indian Chief (1948) Indian Scout (Iwan Bikes Umbau) Indian Chief Bobber (Iwan Bikes Bellavista)
Motor 1200 ccm V-Twin Variabel (Basis Indian Scout) Variabel (Basis Indian Chief Bobber)
Beiwagenrad Trommelbremse Drahtspeichenrad Drahtspeichenrad mit Zentralmutter, Scheibenbremse
Besonderheiten Rückwärtsgang (optional), Korbkoffer Einstellbare Anschlüsse, Rückrüstbarkeit Abschließbarer Kofferraum, optionale Sitzheizung
Reifen 5.00 x 16 Autoreifen Weißwandbereifung 175/55R15 Autoreifen

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