Kaum jemand denkt spontan an eine ISG Blockade, wenn er im unteren Rücken mit heftigen Schmerzen konfrontiert wird. Da werden eher Ischias, Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule als Ursache vermutet. Analog dazu ist auch das Iliosakralgelenk an sich nahezu unbekannt.
Dieser Artikel soll das ändern. Wir beschreiben die Funktion der Iliosakralgelenke, ordnen die ISG Blockade neben anderen Beschwerden ein, thematisieren die Ursachen für dieses Leiden und zeigen auf, was du vorbeugend tun kannst, um von all diesen Beschwerden verschont zu bleiben. Wir erläutern in diesem Zusammenhang auch, unter welchen Bedingungen das Radfahren perfekt geeignet ist, ISG Blockaden zu verhindern.
Die Iliosakralgelenke
Das Iliosakralgelenk (auch ISG oder SIG, Sakroiliakal-Gelenk oder Kreuzbein-Darmbein-Gelenk) befindet sich im unteren Teil des Rückens, am unteren Ende der Lendenwirbelsäule. Die Gelenkpartner hiervon sind die Beckenschaufeln (Os ilium) und das Kreuzbein (Sakrum oder Os sacrum), der keilförmige Knochen oberhalb des Steißbeins. Dort, wo das Kreuzbein an die Beckenschaufeln angrenzt, befinden sich das rechte und das linke Iliosakralgelenk. Es stellt also über das Kreuzbein die Verbindung von Wirbelsäule und Becken her.
Die beiden Iliosakralgelenke verbinden unser Becken mit der Wirbelsäule. Sie befinden sich zwischen dem Kreuzbein und den beiden großen Beckenschaufeln am Darmbein. An sich sind beide Gelenke relativ unbeweglich. Doch sie sind wichtige Stoßdämpfer. Denn die Knorpelschicht in diesen Gelenken absorbiert die Stoßkräfte aus Geh- und Lauf-Bewegung und das schützt die Wirbelsäule. Gleichzeitig leiten die Gelenke die Gewichts-Belastung aus dem Oberkörper schonend an die Beine weiter.
Das Iliosakralgelenk ist die gelenkige Verbindung zwischen dem Kreuzbein und dem Darmbein. Das Kreuzbein stützt die Wirbelsäule und wird seinerseits auf beiden Seiten durch das Darmbein gestützt. Das Iliosakralgelenk ist im Gegensatz zu einem äußerst beweglichen Gelenk wie der Schulter nahezu unbeweglich.
Das Iliosakralgelenk wird durch Bänder und (Rumpf-)Muskeln stabilisiert, kann nicht willkürlich bewegt werden und ist ein sehr straffes Gelenk. Im Gegensatz zu den meisten Gelenken im menschlichen Körper lässt es nur sehr wenig bis gar keine Bewegung zu. Die möglichen kleinen Bewegungen, etwa beim Kippen des Beckens, nennt man Nutation und Gegennutation. Die Nutation bewirkt eine Vergrößerung des Beckenrings (der aus beiden Hüftschaufeln und dem Kreuzbein gebildet wird).
Das Iliosakralgelenk (ISG) ist immer dann in Bewegung, wenn wir uns bewegen: beim Laufen, beim Springen, beim Fahrradfahren, beim Tanzen. Es befindet sich im hinteren Teil des Beckens und verbindet das Kreuzbein der Wirbelsäule mit den beiden Beckenschaufeln. Verglichen mit der Schulter oder dem Knie ist es ein vergleichsweise unbewegliches Gelenk: Es besteht nur aus einem engen Gelenkspalt, der von Bändern stabilisiert wird und so nur einen sehr kleinen Bewegungsspielraum hat. Seine Hauptaufgabe ist, von der Wirbelsäule kommende Kräfte auf das Becken und die unteren Extremitäten zu übertragen; damit ist das ISG-Gelenk ständig hohen Belastungen ausgesetzt.
Die ISG Blockade
Damit die Iliosakralgelenke bei ihrer Arbeit nicht überlastet werden, sind sie beim gesunden Menschen durch starke Bänder, Muskeln, Bindegewebe und Faszien stabilisiert. Schwächelt dieses stabilisierende Geflecht, kommt es bei starken Belastungen zu Verschiebungen und Blockaden im Iliosakralgelenk, die sich in Form von starken Schmerzen bemerkbar machen: ISG Blockade (auch ISG-Syndrom, Beckenblockade oder Kreuzbein-Darmbein-Blockade genannt). Dabei kann der Schmerz einseitig oder beidseitig auftreten und bis in andere Bereiche des Körpers ausstrahlen.
Im Volksmund spricht man bei ISG-Schmerzen häufig von einer ISG-Blockade oder einer ISG-Blockierung und bei länger andauernden Symptomen von einem ISG-Syndrom. Korrekterweise handelt es sich dabei aber eigentlich um eine Dysfunktion, also eine mechanische Störung des Gelenks, oder einen Schmerzzustand. Dies entsteht also, wenn das ohnehin straffe Gelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist oder wenn die Stellung der Gelenkflächen zueinander von der Norm abweicht.
Die sogenannte ISG-Blockade entsteht, wenn das ohnehin straffe Gelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist.
Bei einer ISG-Blockade handelt es sich um eine Dysfunktion des ISG. Und wer sie einmal hat, wird sie gefühlt nicht mehr los - die ISG-Blockade wird im Volksmund dann zum ISG-Syndrom.
ISG-Schmerzen können sowohl bei Männern als auch bei Frauen in jedem Alter auftreten. Etwa 70 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben unter einer ISG-Blockierung.
Symptome
Eine Blockierung des Iliosakralgelenks macht sich meist durch ziehende Schmerzen bemerkbar, entweder auf beiden Seiten oder auch nur einseitig. Diese Schmerzen nehmen zu, sobald man sich nach vorne beugt oder versucht, auf einem Bein zu stehen. Dazu können Bewegungseinschränkungen kommen, die vor allem die Beugung des Oberkörpers und das Anziehen der Beine betreffen. Vom ISG-Schmerzen sind allerdings vielfältig und meist schwer von Beschwerden zu unterscheiden, die durch die Hüfte oder die untere Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule, LWS) verursacht werden.
Typische Symptome einer ISG-Blockade sind, ähnlich wie bei einem Hexenschuss oder einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, starke, meist einseitige Schmerzen im unteren Rückenbereich, die bis in Gesäß, Bein und Fuß ausstrahlen können. Betroffene berichten oft über ein Gefühl der Instabilität im Beckenbereich und Schwierigkeiten beim Gehen oder Aufstehen.
Es kann auch zu Rückenschmerzen beim Liegen, Rückenschmerzen beim Sitzen oder zu Rückenschmerzen beim oder nach dem Sport kommen. Weitere mögliche Symptome sind Bewegungseinschränkungen und Empfindungsstörungen.
Diagnose
Die Diagnose ISG-Blockade können Physiotherapeuten oder Orthopäden mithilfe von Schmerzprovokationstests stellen. Das Ziel der Tests ist es, den Schmerz zu provozieren, also durch eine bestimmte Bewegung oder Druck auszulösen. Gelingt dies bei mehreren Tests, gilt das ISG als Ursache für die Schmerzen. Wichtig ist bei ISG-Schmerzen, dass ebenso die Lendenwirbelsäule und das Hüftgelenk untersucht und als Grund für die Schmerzen ausgeschlossen werden.
Entstehen die Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, verlagern sich die ausstrahlenden Schmerzen meist vom Bein Richtung Gesäß oder Wirbelsäule. Das Hüftgelenk kann als Ursache ausgeschlossen werden, wenn aktive und passive Bewegungen des Gelenks schmerzfrei möglich sind und funktionelle Bewegungen wie Kniebeugen oder Ausfallschritte keine Schmerzen in der Hüfte verursachen.
Abgrenzung zwischen ISG Blockade und anderen Leiden
Es gibt mehrere verschiedene Leiden, die ähnliche oder gleiche Symptome ausbilden können, wie eine ISG Blockade. Dazu zählen Ischias-Nerv, Hexenschuss und Bandscheibenvorfall.
So kann ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule lokal auf die Nervenwurzeln drücken, es kann aber auch zu einer Reizung im Bindegewebe kommen, in dessen Folge ganz andere Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, zum Beispiel der Ischias-Nerv. Ischias-Beschwerden können aber auch durch eine Verkrampfung des Piriformis-Muskels im Gesäß hervorgerufen werden.
Ähnliche Schmerzen im unteren Rücken können aber genauso gut durch einen Hexenschuss kommen, dessen Ursache sowohl ein Bandscheibenvorfall, als auch eine Muskelverspannung sein kann.
Wenn nach der Schmerzursache gesucht wird, müssen Lendenwirbelsäule, Iliosakralgelenke und Ischias also immer als Gesamtkomplex betrachtet werden. Und die Beckenmuskulatur und das vegetative Nervengeflecht in den Faszien und im Bindegewebe zählen ebenfalls dazu.
Trifft der Arzt anhand der Symptom-Beschreibungen des Patienten hier voreilig die falsche Diagnose, kann daraus eine falsche Behandlung resultieren, bis hin zur überflüssigen Operation.
Ursachen
Ursächlich für eine ISG-Blockade und ISG-Schmerzen sind in den meisten Fällen das Heben von zu schweren Gegenständen oder auch ein Tritt ins Leere, beispielsweise beim Verfehlen einer Treppenstufe oder beim Stolpern auf unebenem Untergrund. Bestimmte Wirbelsäulenerkrankungen und Operationen an Knie- oder Hüftgelenk können die Entstehung eines ISG-Syndroms begünstigen.
Ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von ISG-Schmerzen besteht bei Personen mit unterschiedlicher Beinlänge, entzündlicher Arthritis als Nebenerkrankung, nach einer operativen Versteifung der Wirbelsäule oder in höherem Alter. Auch Traumata wie Autounfälle oder Stürze erhöhen das Risiko für eine ISG-Blockade. Hierbei wird das Iliosakralgelenk plötzlich sehr stark belastet, ohne dass zuvor die umliegende Muskulatur aktiviert werden konnte.
Bei Läufern ergibt sich durch dauerhafte Fehlbelastung im Training oder einseitige Belastung ein Ungleichgewicht zwischen einzelnen Muskelgruppen wie hüftbeugender und hüftstreckender Muskulatur, wenn kein Ausgleichstraining zum Laufen stattfindet.
Allerdings ist mittlerweile unumstritten, dass alle oben erwähnten Beschwerden in den meisten Fällen durch unseren Lebensstil verursacht werden und nicht durch angeborene oder vererbte Auslöser (wie z. B. Bindegewebsschwäche oder unterschiedlich lange Beine).
Zu den schlimmsten Risiko-Faktoren zählen in dieser Hinsicht:
- Übergewicht (ungesunde Ernährung und Überernährung)
- Bewegungsmangel (zu langes Sitzen, zu wenig Sport und Bewegung)
- Falsche Körperhaltung (beim Sitzen, beim Heben von Lasten, usw.)
- Überlastung (einseitige Belastung, High-Impact-Sportarten, usw.)
Bewegen wir uns nämlich zu wenig, werden Muskulatur, Bindegewebe und Faszien nicht ausreichend trainiert. Damit bleibt die Stabilisierung der Gelenke (Wirbelsäule, ISG, usw.) an den Bändern hängen. Kommt es dann durch Übergewicht, Fehlhaltungen, stoßartige Belastungen oder unglückliche Bewegungen zu einer Überbeanspruchung dieser Bänder, treten Verspannungen, Blockaden, Dysbalancen, Verletzungen oder Verschleiß auf.
Behandlung
Die beste Therapie bei Beschwerden im ISG: in Bewegung bleiben. Halten Sie den gesamten Bereich um das Iliosakralgelenk warm und gehen Sie gemütlich 20 bis 45 Minuten spazieren. Das fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur und die umliegenden Bandstrukturen. Unterstützend können Wärmeanwendungen wie die Heiße Rolle helfen. Häufig verschwinden die Schmerzen nach drei bis sechs Tagen langsam von selbst.
Wenn Sie die iliosakralgelenk-Schmerzen nicht in den Griff bekommen, sollten Sie einen Physiotherapeuten oder einen Osteopathen aufsuchen, der sich mit Läufern auskennt und der die genaue Ursache herausfinden und behandeln kann, nachdem ein Arzt entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule ausgeschlossen hat. Eine Manipulation (ruckartiges Zurückdrücken des Gelenkes in die richtige ursprüngliche Position) des Iliosakralgelenks sollte nur im Notfall vorgenommen werden, da sie die Ursache der ISG-Blockade meist nicht beseitigt, sondern nur kurzfristig mindert.
Eine ISG-Blockade wird in der Regel konservativ behandelt.
- manuelle Therapie (z. B. Chirotherapie, Osteopathie)
- medikamentöse Schmerztherapie (z. B. NSAR)
- ergonomische Liegeposition (z. B. Stufenbettlagerung)
Mit kräftigenden und dehnenden Übungen können Sie das Iliosakralgelenk mobilisieren und stabilisieren. Gezielte Bewegung verbessert außerdem die Beweglichkeit in der Hüfte, löst Verspannungen im Rücken und stärkt die Rumpf- und Beckenmuskulatur.
Wie kann man die ISG-Blockade durch Bewegung lindern?
Viele betroffene Sportler, gerade auch Läufer, können die Schmerzen durch eine Eigenmobilisation lindern oder über bestimmte Zeit komplett ausschalten. Dazu legen Sie sich auf den Rücken, strecken beide Beine gerade aus und legen Ihre Arme ausgestreckt zur Seite. Die Handinnenflächen zeigen nach oben. Nun stellen Sie den Fuß des rechten Beins auf Höhe des linken Kniegelenks ab. Drehen Sie sich von der Hüfte abwärts nach links und versuchen Sie die Schultern auf dem Boden liegen zu lassen.
Mit dem Rumpfdrehen dehnen Sie die Bauchmuskeln und mobilisieren die Wirbelsäule.
Jetzt können Sie mit der linken Hand das rechte Knie greifen und sanft in Richtung Fußboden ziehen. Drehen Sie den Kopf zur rechten Seite. Halten Sie die Dehnung etwa 20 Sekunden und strecken Sie sich danach langsam wieder lang aus. Wiederholen Sie die Übung gleichermaßen mit dem linken Bein.
Manchmal kann es bei einer Blockade auch hilfreich sein, in Rückenlage die Beine anzustellen und langsam von einer Seite zur anderen zu bewegen, wie beim Entblockieren der Lendenwirbelsäule. Die Füße bleiben dabei die ganze Zeit über an derselben Stelle stehen.
Ebenso kann es hilfreich sein, wenn Sie in Rückenlage beide Beine anstellen und immer mit der Ausatmung das Gesäß langsam von der Unterlage anheben. So sorgen Sie abwechselnd für eine Anspannung und Entspannung der Gesäßmuskulatur und der umliegenden Muskulatur des Iliosakralgelenks. Besonders bei Läufern ist diese Muskulatur häufig zu schwach ausgeprägt.
Vorbeugung
Es liegt also nahe, schon möglichst frühzeitig durch einen gesunden Lebensstil obige Risiko-Faktoren auszuschließen, um gar nicht erst mit Schäden und Schmerzen konfrontiert und dann am Ende auch noch ärztlich falsch behandelt zu werden.
Im Rahmen der Vorbeugung liegt der Fokus vor allem auf gesunder Ernährung und viel Bewegung. Denn daraus leiten sich viele andere Risiko-Faktoren für Beschwerden an ISG, LWS und Ischias ab:
Die Ernährung
Wir essen zu viel und oft das Falsche. Das begünstigt nicht nur Übergewicht, sondern auch Mangelerscheinungen und unnötige Belastung in unseren Organen. Vor allem Fast Food, Süßigkeiten, Fertigprodukte, fettreiche Kost und stark gesalzene Snacks dominieren nicht selten unseren Speiseplan. Aber diese Dinge enthalten kaum Vitamine, Nährstoffe, Ballaststoffe und Mineralien, dafür aber viel Chemie, z. B. Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und andere hormonaktive Substanzen. Damit stimmt der Vitamin- und Mineralien-Haushalt und das sorgt für einen gesunden Knochenbau und kräftiges Bindegewebe. Bei den Getränken sieht es ähnlich aus: Vor allem Alkohol und gezuckerte Getränke richten große Schäden an unserem Knochengerüst und in unseren Organen an. Besser sind stilles Wasser und ungesüßter Tee.
Bewegung und Sport
Das andere große Problem in unserer Gesellschaft ist der chronische Bewegungsmangel. Wer im Job viel sitzt, braucht zum Ausgleich viel Bewegung. Stattdessen sitzen wir dann aber auch in unserer Freizeit, z. B. im Auto, im Fernsehsessel oder im Biergarten. In der Folge verkümmern unsere Rumpf- und Becken-Muskeln und die Stabilisierung der Iliosakralgelenke wird ausschließlich von den Bändern übernommen, was eine ISG Blockade begünstigt.
Wenn wir aber Sport und Bewegung in unseren Alltag integrieren wollen, sollten es auch die richtigen Sportarten sein. Denn vor allem die High-Impact-Sportarten (die meisten Ballsportarten und Kontaktsportarten) bringen allgemein ein hohes Verletzungs- oder Überlastungs-Risiko mit. Nicht nur, aber auch für die Iliosakralgelenke. Das wäre also kontraproduktiv.
Sport gegen ISG Blockaden
Zum gesündesten Sport zählen hier moderat betriebene Ausdauersportarten, allen voran Schwimmen, Radfahren, Joggen, Nordic Walking und Ski Langlauf. Dabei ist neben der Intensität vor allem die Regelmäßigkeit wichtig, um nachhaltig eine gesunde und stabile Rumpf- und Becken-Verfassung zu bewirken. Aber auch die Ausdauersportarten haben Nachteile an sich: So erfordert Schwimmen für die Allermeisten eine mehr oder weniger weite Anfahrt und Ski Langlauf ist nur saisonal zu betreiben. Joggen kann zudem auf zu hartem Untergrund die Kniegelenke belasten und beim Nordic Walking benötigst du deutlich mehr Zeit, um den gleichen Energieumsatz zu erwirken, wie beim Joggen, Schwimmen oder Radfahren.
Radfahren gegen ISG Blockaden
Doch das Radfahren ist vor diesem Hintergrund für viele wahrscheinlich die ideale Lösung: Fahrradfahren stärkt nicht nur die Beinmuskulatur, sondern auch Bindegewebe, Rumpf- und Beckenmuskulatur. Das Fahrrad dient dabei als Sportgerät und Verkehrsmittel und lässt sich ohne weite Anfahrt zum Einsatz bringen, nämlich direkt von der Haustüre aus. Die Intensität der sportlichen Betätigung ist über die Gangschaltung fein dosierbar und die Gelenke werden nicht belastet. Besser geht es kaum.
Kein anderer Sport lässt sich derart problemlos in den Alltag integrieren, wie das Radfahren. Dadurch wird er auch nicht als zusätzliche, zeitliche Belastung empfunden, sondern eher als sinnvoller Bestandteil des Alltags. Das reduziert auch das Rückfall-Risiko bei Menschen, die sich nach langer Inaktivität endlich mal zum Sport aufgerafft haben.
Die Sportart ist gut für Herz, Immunsystem, Kreislauf, Gelenke und auch gegen Rückenschmerzen kann das Treten in die Pedale unterstützend wirken. Gleichzeitig lassen sich Kraft und Ausdauer trainieren.
Fahrradfahren zählt zu den schonendsten Sportarten - das gilt besonders für den Rücken. Während des Fahrens kommt es weder zu abrupten Bewegungen noch zu Stößen (wie zum Beispiel beim Fußball oder Joggen). Die Bewegung entlastet Gelenke, stärkt Muskeln und löst Spannungen.
ISG Blockade vermeiden beim Radfahren
Allerdings kann auch das Radfahren selbst zur Ursache von ISG Blockaden werden. Damit genau das nicht passiert, im Folgenden einige Tipps zum Radfahren:
Die Oberkörperhaltung
Insbesondere bei einem dauerhaft stark vorgebeugten Oberkörper können im Iliosakralgelenk Scherkräfte wirken, die Verspannungen nach sich ziehen. Günstiger wäre also auf Dauer eine aufrechte Oberkörperhaltung mit 15° bis 20° Neigung. Dann steht der Oberkörper noch ausreichend unter Spannung (was der Rumpfmuskulatur zugutekommt), Stoßbelastungen aus dem Untergrund schlagen aber nicht ungedämpft in die Wirbelsäule durch.
Um eine solche Oberkörperhaltung zu erreichen, muss das Fahrrad in seiner Geometrie perfekt zur Anatomie des Radfahrers passen. Das betrifft Rahmengröße, Lenkerhöhe und Sattelhöhe.
Die Federung
Federung am Fahrrad kann die Belastung durch Stöße aus dem Untergrund deutlich reduzieren. Das kommt allen Gelenken zugute, also auch den Iliosakralgelenken. Es muss aber nicht gleich ein vollgefederter Rahmen sein. So reicht für die Schonung der Wirbelsäule eine gefederte Sattelstütze, im Idealfall eine Parallelogramm-Sattelstütze.
Für die Schonung von Händen, Armen und Schulterbereich bietet sich eine Federgabel oder ein gefederter Vorbau an.
Die Bekleidung
Mit der richtigen Fahrradbekleidung lässt sich die Dämpfung sogar noch vergrößern: Eine Radhose mit hochwertigem Sitzpolster und gut gepolsterte Fahrradhandschuhe erhöhen nämlich nicht nur den Fahrkomfort, sondern sie entlasten auch die Gelenke. Und in der nasskalten Jahreszeit ist ein guter Kälteschutz im Becken-Nieren-Bereich sehr förderlich gegen Verspannungen und Unterkühlungen, die sich nicht selten auch auf die Gelenke auswirken.
Unterstützung der Heilung
Erwischt es dich trotz aller Vorbeugung dann doch, muss zunächst einmal ärztlich abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine ISG-Blockade oder etwas anderes handelt (siehe oben). Im Anschluss daran wird eine zielführende Behandlung festgelegt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden im Rahmen dieser Behandlung dann auch Physiotherapie und Wärme zum Einsatz kommen. Insbesondere die Kräftigungsübungen aus der Physiotherapie sind aber auch schon im Rahmen der Vorbeugung geeignet. Es schadet also nicht, sich schon vor dem Auftreten erster Schmerzen vom Physiotherapeuten geeignete Übungen zeigen zu lassen. Alternativ findest du aber auch in Yoga, Pilates oder Rückengymnastik die passenden Übungen.
Übungen zur Mobilisierung und Stabilisierung des Iliosakralgelenks
Sehr häufig werden Schmerzen im unteren Rücken durch Störungen des Bewegungsapparates im Beckenbereich verursacht. Mit den folgenden Übungssequenzen können Sie akute Schmerzen selbst lindern und eine Iliosakralgelenkblockade lösen.
Übung 1
Knien Sie auf einer Matte oder direkt auf dem Boden vor einem Sessel oder Sofa und stützen Sie sich mit den Unterarmen auf der Sitzfläche ab. Schieben Sie die Knie so weit zurück, dass Sie sich in den Leisten durchhängen lassen können.
Lassen Sie sich dann mit den Leisten voran ganz langsam nach unten absinken. Halten Sie die Dehnung für 20 - 30 Sekunden.
Übung 2
Setzen Sie sich auf einen Stuhl und legen Sie das linke Bein auf das rechte. Das linke Fußgelenk liegt auf dem rechten Oberschenkel kurz vor dem Knie.
Gehen Sie nun gefühlt ins Hohlkreuz und beugen Sie den Rumpf so weit nach vorne und unten, bis sich ein deutlicher Dehnungsschmerz zeigt. Wenn Sie den Rumpf nicht mehr weiter nach vorne bringen können, runden Sie den Rücken ein. Bleiben Sie ca. in dieser Position.
Übung 3
Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine sind ausgestreckt.
Verlängern Sie nun das gestreckte rechte Bein, indem Sie den Oberschenkel in Richtung Fuß weg von der Hüfte ziehen, bis Sie eine angenehme Dehnung im unteren Rücken verspüren. Die Fersen schleifen dabei über die Unterlage.
Bei einer Hüftblockade können Sie mit den folgenden Übungen die Verspannungen in der Hüftregion lösen und die Hüfte mobilisieren. Dazu benötigen Sie einen kleinen Gegenstand, mit dem Sie Druck in bestimmte Punkte in der Muskulatur geben können.
Übung 1
Positionieren Sie den Gegenstand genau an der Stelle des Gesäßes, wo es beim Gehen oder Heben des Beines zu Schmerzen kommt und setzen Sie sich vorsichtig darauf. Wenn die Stelle zu empfindlich ist, können Sie die Übung auch an der Wand machen und sich im Stehen auf den Gegenstand lehnen. Bleiben Sie eine Minute in dieser Position.
Übung 2
Legen Sie sich auf den Rücken und ertasten Sie den Hüftstachel, den gut tastbaren Knochenvorsprung vorne rechts und links an der Hüfte (dort, wo bei einer Jeans vorne die kleine Hosentasche ist).
Von dem Hüftstachel aus gehen Sie etwas nach innen unten und suchen den Punkt, der auf Druck schmerzhaft reagiert. Drücken Sie an dieser Stelle den Gegenstand von oben in das Gewebe. Halten Sie den Druck auf den Punkt für eine Minute.
Dauer einer ISG-Blockade
Eine akute ISG-Blockade, die durch eine plötzliche Belastung oder eine unglückliche Bewegung ausgelöst wurde, kann innerhalb weniger Tage bis Wochen abklingen, vor allem, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Ist die ISG-Blockade chronisch, kann sie mehrere Monate bis Jahre andauern.
Weitere Informationen
Hier ist eine Tabelle, die einige der wichtigsten Punkte zusammenfasst:
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Definition | Funktionsstörung im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk oder ISG). |
| Symptome | Starke, meist einseitige Schmerzen im unteren Rückenbereich, die bis in Gesäß, Bein und Fuß ausstrahlen können. |
| Ursachen | Fehlhaltungen, Überlastung, einseitige Belastungen, Schwangerschaft, Übergewicht. |
| Behandlung | Manuelle Therapie, medikamentöse Schmerztherapie, ergonomische Liegeposition, gezielte Übungen. |
| Vorbeugung | Gesunde Ernährung, viel Bewegung, richtige Körperhaltung, Vermeidung von Überlastung. |
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