Ist Motorradfahren schwer zu lernen?

In letzter Zeit reizt es mich immer mehr, den Motorradführerschein zu machen, und das obwohl ich nie Moped gefahren bin und gleich mit dem Auto angefangen habe! Mittlerweile bin ich sehr am Motorradschein interessiert und würde auch gerne damit anfangen.

Nun das große ABER: Nachdem ich nie Moped gefahren bin, beschränken sich meine 2rädrigen Erfahrungen auf das Radfahren. Jetzt meine Frage: reichen für den sicheren Umgang mit dem Motorrad die Fahrstunden in der Fahrschule oder wäre es ratsam, ein 50ccm-Moped einfach nur zum Schalten, Kuppeln und generell fahren zu kaufen und nach 1 Jahr oder so mit dem Motorradschein zu beginnen?

Die Begründung ist doch einfach. Du kannst locker ohne Vorwissen zur Fahrschule, um fahren, bremsen und schalten zu lernen ist die ja da. Der Fahrlehrer zeigt dir das schon, keine Sorge. Einzig die Meinung von deinem Bekannten da find ich fragwürdig, mit dem Auto haste in der Fahrschule ja wohl auch ohne Vorwissen angefangen und lebst immer noch oder? ^^

Die Rolle des Fahrlehrers

Du solltest Dir auf jeden Fall ein Bild von dem Fahrlehrer machen. Er sollte selbst begeisteter Biker sein um auf Erfahrungen zurückgreifen zu können. Ein guter Fahrlehrer setzt sich auch mal hinten drauf, damit er sehen kann wann und wie Du das Moped bedienst. Das bekommt ein Fahrlehrer im Auto vorne oder hinten ja nicht mit. Der Fahrlehrer sollte mindestens die Sonderfahrten selbst auf dem Bike begleiten. Wie soll er sonst z.B. Kurventechniken vormachen oder zeigen wo die Ideallinie beim Kurven fahren ist. Das geht alles mit dem Auto nicht.

Also, nicht der Preis sichert die gute Ausbildung, sondern insbesondere der Fahrlehrer !

Die ersten Schritte und Übungen

Und richtig, die ersten Stunden beginnen im "Schonraum" wie Parkplatz. Am Anfang bist du sowieso nur auf dem Übungsplatz unterwegs und kannst dich voll und ganz auf dein Bike konzentrieren. Ich persönlich finde aber das Schalten usw.

Oftmals handelt es sich bei einer der ersten Übungen mit dem Bike um das Schieben des Motorrads. Dies hilft, ein Gefühl für das Gewicht des Fahrzeugs zu bekommen.

Natürlich ist mit dem Erhalt des Führerscheins auch die Frage nach dem passenden Gefährt aktuell. Hier kommt es nicht nur auf die Kosten für das Bike und etwaige Zusatzausstattung an - viel wichtiger ist es, dass das Motorrad zur Person passt.

Was es zu beachten gilt

Wir wollen dir den Spaß am Motorrad sicher nicht verderben. Trotzdem scheint uns wichtig zu betonen: eine Fehleinschätzung kann dramatische Folgen haben. Was du alles beachten und richtig einschätzen musst, das ist eine ganze Menge. Deshalb ist Motorradfahren zwar schwierig, aber, wenn du es beherrscht, herrlich!

Kurze Einführung: Was musst du unterwegs richtig einschätzen und was passiert, wenn du das nicht kannst?

  • Die Straße: Wie griffig ist sie? Wie verunreinigt ist sie? Wie eben ist sie?
  • Den Straßenverlauf: Wie eng ist die Kurve? Hängt sie nach innen oder nach außen? Bergab oder bergauf? Verändert sich der Radius? Ändern sich die Gripverhältnisse?
  • Dich selbst: Was kannst du? Wie fit und aufmerksam bist du?
  • Dein Motorrad: Wie bremst es? Wie beschleunigt es? Wie schräg kann es fahren?
  • Die Performance deiner Reifen: Letztendlich: was bringen sie auf den Boden? Abhängig von: Luftdruck, Temperatur, Profil, Dimension, Gummimischung, Bauart, Alter.
  • Die Geschwindigkeit: Welche Geschwindigkeit passt hier?
  • Distanzen, Platz: Wie viel Platz (als Reserve) hast du? Wie viel Platz bis zum Bremspunkt ist das wirklich?
  • Wie sind die Umgebungsbedingungen? Welche Temperatur hat die Luft, die Straße?
  • Die anderen (Verkehrsteilnehmer): Was macht der da vorne in den nächsten Sekunden?

Es gibt unterschiedlich Asphaltarten, deren Griffigkeit richtig einzuschätzen schon einmal viel Erfahrung braucht. Und es gibt auch nichtasphaltierte Feld- und Forstwege. Es gibt also auch im infrastrukturell gut versorgten Europa viele Arten von Straßenoberflächen, deren Griffigkeit du richtig einschätzen musst.

Die Straße: Wie verunreinigt ist sie?

Also Regenwasser oder feuchte Stellen aus der Nacht sowie vom Nebel (vor allem in Waldgegenden) können einfach vorkommen. Nasse Oberflächen sind natürlich rutschiger. Herausgegriffen seien: zerdrücktes Obst, Getreidekörner, nasses Laub/Nadelgut, Blütenstaub, Sand, Streusplit, Felsen, Öl, schlickiges Kühlwasser, oder größere Hindernisse, etwa tote Tiere, verlorene Kfz-Teile (Auspuff, Reifenteile), Unrat (eine Plastiktüte ist nicht griffig: zwei Schichten Kunststoff aneinander sind eigentlich wie Eis!), Kuhfladen (oder andere frische Viehexkremente), Tannenzapfen usw.

Der Straßenverlauf und Kurven

Besonders bei Kurven: Radius? In Verbindung mit den bisher genannten Faktoren spielt dann der Kurvenverlauf eine wesentliche Rolle. Also grundsätzlich einmal der Radius der Kurve, denn der bestimmt die Fliehkräfte, also, welche Schräglage du fahren musst und auch (rein physikalisch) kannst.

Selbsteinschätzung

Schätz dich richtig ein! Was kannst du? Wie fit bist du? Wie schnell reagierst du? Wie erfahren bist du, um die Rahmenbedingungen richtig einzuschätzen? Wie präzise können deine Sinnesorgane die vorhandenen Informationen lesen? Wie schnell kann dein Hirn all das richtig berechnen, übersetzen und als Entscheidungsgrundlage dir zur Verfügung stellen? Wie schnell und präzise kannst du die nötigen Aktionen umsetzen?

Es bedeutet aber, dass du beim Motorradfahren dich immer selbst beobachten musst und dich selbst richtig einschätzen musst, denn wenn du glaubst, du kannst das und du kannst es aber nicht, dann hast du ein Problem!

Die Bedeutung der Ausrüstung

Leg mal gleichzeitig zum Führerscheingeld noch gut 1000 Euro für gute Motorradkleidung zurück. Helm, Rückenschutz, Hose, Handschuhe und Stiefel, das geht auch nochmal in's Geld und Qualität lohnt sich immer - kostet aber auch. Nur lebensmüde setzen sich im Sweater und mit Jeans auf die Karre!

Das A und O beim Fahren auf dem Bike ist die passende Motorradbekleidung, ganz gleich, ob man Anfänger bzw. Anfängerin, Wiedereinsteiger oder alter Hase ist. Während in Deutschland zwar nur der Motorradhelm Pflicht ist, kann passende Motorradschutzkleidung Leben retten. In festes Schuhwerk, Nierengurt, Handschuhe und zumindest eine Motorradjacke mit Protektoren zu investieren, ist daher immer ratsam.

Die Rolle der Geschwindigkeit

1.) Die Anpassung der Geschwindigkeit auf die jeweilige Situation ist eine große Aufgabe, die komplex zu rechnen aber unumgänglich ist. 2.) Du musst immer wissen, welche Geschwindigkeit ist hier richtig und welche hast du? 3.) Wenn du dich nur geringfügig irrst, hat das mitunter große, meist negative Folgen! Übe daher mit den entsprechenden Reserven, deine Geschwindigkeit korrekt zu bestimmen!

Das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer

Viel mehr als beim Autofahren müssen Motorradfahrer darauf achten, was rundherum passiert. Zunächst einmal die anderen Verkehrsteilnehmer: Weil es im Spitalsbett nach dem Unfall dann fast egal ist, wer Vorrang hatte, müssen Motorradfahrer die Fehler der anderen ausgleichen. Das geht nur, wenn du viel mehr als beim Autofahren, die Aktionen der anderen antizipierst, also vorwegnimmst.

Sei bei unübersichtlichen Situationen, beim Passieren von Bussen oder LKWs oder von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen sowie Weidevieh besonders vorsichtig!

Du musst all diese Faktoren für die Wahl deiner Geschwindigkeit und Linie berücksichtigen! Das ist die Herausforderung beim Motorradfahren.

Weitere Tipps für Anfänger

  • Lass dir Zeit mit der Auswahl des Motorrads!
  • Suche dir einen Fahrlehrer, der selbst auch gerne Motorrad fährt - der wird dich dann etsprechend coachen und versuchen, dir seine Leideschaft (das Motorradfahren) näher zu bringen.
  • Absolviert regelmäßig ein Motorrad-Fahrsicherheitsstraining.

Viele angehende Motorradfahrer warten zu lange, melden sich erst im Frühjahr zur Fahrschule an (wenn es anfängt, zu kribbeln, wenn man die andern sieht). Deswegen eben: Jetzt im Winter die Theorie machen, abschließen, vergessen. Und dann mit den ersten Frühlingstagen gleich mit dem Fahren loslegen.

Wie bei vielen anderen Dingen auch sind die Menschen hier sehr unterschiedlich talentiert - manche lernen das sehr schnell und brauchen nur wenige Fahrstunden, andere tun sich eher schwer damit.

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