Motorradfahren bei Gewitter: Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen

Viele Motorradfahrer kennen das Problem: Eine entspannte Tour wird plötzlich von einem aufziehenden Gewitter unterbrochen. Doch wie gefährlich ist es wirklich, bei Blitz und Donner mit dem Motorrad unterwegs zu sein? Und wie sollte man sich im Ernstfall verhalten?

Gefahren beim Motorradfahren bei Gewitter

Obwohl Motorräder im Vergleich zu Autos weniger anfällig für direkte Blitzschläge sind, da sie eine geringere Fläche und keine geschlossene Metallkarosserie haben, sollte man die Gefahr eines Blitzeinschlags nicht unterschätzen. Blitze suchen sich hohe Punkte, große Objekte oder metallene Strukturen, die geerdet sind.

Neben dem direkten Blitzeinschlag lauern im Gewitter noch weitere Gefahren:

  • Rutschige Straßen durch Starkregen
  • Sichtverlust durch Wind und Wasser
  • Gefahr durch umstürzende Äste, Geröll und Steinschlag
  • Panikreaktionen anderer Verkehrsteilnehmer

Motorradfahrer werden seltener durch den Blitz selbst verletzt, als bei einem dadurch ausgelösten Sturz.

Verhaltensweisen bei Gewitter

Vorbeugende Maßnahmen

Der wichtigste Tipp ist, das Wetter bei der Tourenplanung zu berücksichtigen. Im Sommer ist es fast tägliche Routine, gegen Nachmittag mit Gewittern zu rechnen - besonders im Gebirge. Daher:

  • Touren früh starten - idealerweise vormittags
  • Wetter-Apps oder regionale Unwetterwarnungen checken
  • Nicht auf gut Glück in dunkle Wolken hineinfahren
  • Immer eine Notfallroute oder einen Ausweichplan im Kopf haben

Verhalten während des Gewitters

Wenn Donner zu hören ist, ist das Gewitter weniger als 10 km entfernt. Jetzt gilt: Nicht mehr lange überlegen.

  1. Sofort raus aus der Gefahrenzone: Anhalten - aber sicher! Nicht mitten auf der Straße, sondern am besten auf einem Parkplatz, einem Hof oder bei einem Gasthaus.
  2. Bike abstellen: Ein stehendes Motorrad ist weniger gefährdet als ein fahrendes. Stelle es sicher ab - auf Seitenständer oder Hauptständer, Gang rein, Helm ab.
  3. Abstand halten zu Metall: Nicht direkt auf das Bike setzen. Abstand zu Metallteilen halten - auch Leitplanken, Zäunen usw.
  4. Unterstand suchen: Wenn möglich, unter einem Vordach oder an einer Mauer unterstellen, aber nicht unter Bäumen!

Im Fall eines Gewitters mit Blitz und Donner sollten Motorradfahrer (wie auch Fußgänger) im Freien generell hohe Standorte wie Berge und Hügel, aber auch Bäume, Masten sowie Metallkonstruktionen wie Zäune oder Gitter meiden. Bilden Sie keinesfalls den höchsten Punkt im Gelände, und halten Sie ausreichend Abstand vom Motorrad. Stellen Sie sich wenn möglich irgendwo unter.

Wer sich in einem freien Gelände befindet, am besten mit geschlossenen Beinen und eingezogenem Kopf hinkauern, bloß nicht setzen oder hinlegen. Andere Menschen oder Tiere sollte man dabei auch nicht berühren. Am besten getrennt Schutz suchen.

Weiterfahren im Regen

Wenn es „nur“ stark regnet, aber kein Blitz mehr zu sehen ist, kann man weiterfahren - mit Köpfchen:

  • Tempo drastisch reduzieren
  • Vorausschauend fahren - Aquaplaning und Ölspuren sind heimtückisch
  • Plötzliche Lenkbewegungen oder starkes Bremsen vermeiden
  • Regenkleidung und Helm mit Pinlock oder Antibeschlag nutzen
  • Pause machen, wenn man sich unsicher fühlt. Nasse Straßen in Kombination mit Kälte, schlechter Sicht und Stress sind kein Spaß.

Der Faradaysche Käfig

Ein Auto bietet als Faradayscher Käfig Schutz bei Gewitter. Das bedeutet, dass die elektrische Entladung beim Einschlag um die Insassen herumgelenkt wird. Fenster, Türen und Schiebedächer sollten geschlossen sein. Antennen, wenn möglich, einfahren. Metallteile, die mit der Karosserie in Verbindung stehen, dürfen bei einem Blitzeinschlag nicht berührt werden.

Bei Motorrädern und Fahrrädern werden Blitze nicht abgeleitet, die Fahrenden sind also genauso ungeschützt wie Spaziergänger:innen.

Blitzschutzkleidung

Es gibt spezielle Anzüge mit leitfähigen Fasern, die Blitze „ableiten“ sollen - ähnlich einem Faradayschen Käfig. Diese sind jedoch teuer und unter Alltagsbedingungen meist unnötig. Wichtig ist, keine metallischen Gegenstände offen am Körper zu tragen (große Schmuckstücke, Werkzeuge am Gürtel etc.).

Zusätzliche Informationen

Laut ADAC bieten Campingfahrzeuge mit Kunststoffaufbau ohne Metallgerippe oder -geflecht keinen Faradayschen Käfig und daher keinen Schutz gegen einen Blitzeinschlag. Bei Wohnmobilen mit Metallhaut aus mindestens 0,5 mm starkem Aluminium kann man sich darin getrost geschützt fühlen.

Auch in den meisten Verdecksystemen von Cabrios befinden sich Metallstreben, die ein bei Gewitter geschlossenes Cabrio ebenfalls zum Faradayschen Käfig machen und den Einschlag ableiten. Es besteht in einem geschlossenen Cabrio demnach kein gesteigertes Risiko.

Verhalten im Haus bei Gewitter

  • Unterschlupf in einem Gebäude mit Blitzschutzsystem suchen.
  • Alle Fenster und Türen schließen, um den Innenraum zu schützen.
  • Auf schnurgebundene Telefone verzichten. Handys und schnurlose Telefone können aber gefahrlos benutzt werden.
  • Jeglichen Kontakt mit Leitungen aus Metall vermeiden, dazu zählen auch Heizungen, die an metallene Heizungsrohre angeschlossen sind.
  • Um eingesteckte Elektrogeräte bei Gewitter vor Überspannungsschäden zu schützen, ist es sinnvoll, das Haus nicht nur mit einem Blitzableiter, sondern mit einem Blitzschutzsystem auszustatten.

Wie erkenne ich ein Gewitter frühzeitig?

„Ambosswolken“ sind ein typisches Anzeichen für ein Gewitter. Die Wolken ziehen sich wie kleine Türme nach oben. Auch schwüle Luft und ein aufkommender Wind deuten auf ein nahendes Unwetter hin. Hört man Donnergrollen in der Ferne, ist das Gewitter nicht mehr weit weg.

Entfernung des Gewitters berechnen

Die Entfernung des Gewitters kann man mit folgender Formel berechnen: Sekunden zwischen Blitz und Donner ÷ 3 = Entfernung in Kilometer.

Beispiel: Du zählst neun Sekunden zwischen dem Blitz und dem Donnerknall. Geteilt durch die Zahl drei ergibt das drei (als Formel: 9 ÷ 3 = 3). Das Gewitter ist also etwa drei Kilometer von dir entfernt und damit gefährlich nah: der nächste Blitz kann dich direkt treffen.

SituationEmpfohlenes Verhalten
Im AutoFenster und Türen schließen, Antenne einfahren, keine Metallteile berühren
Im Wohnmobil (Metallhaut)Fenster, Türen und Klappdächer schließen, Stromkabel abziehen, keine metallischen Teile anfassen
Im Wohnmobil (Kunststoffaufbau)In die Mitte des Fahrzeugs gehen und sich hinhocken
Auf dem Motorrad/FahrradFahrt unterbrechen, Unterstand suchen (Brücke, Vordach), Abstand zum Gefährt halten
Im FreienHohe Standorte, Bäume und Metallkonstruktionen meiden, in die Hocke gehen (Füße geschlossen)

Motorradfahren bei Gewitter ist nicht per se lebensgefährlich, aber es braucht gesunden Respekt, einen klaren Kopf und gute Vorbereitung. Du bist nicht machtlos. Du kannst vorher planen, rechtzeitig reagieren und sicher unterkommen.

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