Italienische Cross Motorrad Marken: Eine Übersicht

Der italienische Musiktitel Azzurro von Adriano Celentano steht für das Azurblau des italienischen Sommerhimmels und handelt von Tagträumen, der Sehnsucht nach einer fernen Liebschaft und dem Fernweh. Doch neben der Musik hat Italien auch in der Welt der Motorräder viel zu bieten. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf einige der bemerkenswertesten italienischen Cross Motorrad Marken.

AIM: Assemblaggio Italiano Motocicli

AIM, eine Marke, die auch bei Deutschlands Szenenkennern kaum jemand bekannt ist, steht für Assemblaggio Italiano Motocicli, wobei das Wort Assemblaggio nichts anderes umschreibt als eine Montage. Diese Firma zur Montage italienischer Motorräder wurde von Andrea Becocci in Vaiano / Prato nahe Florenz gegründet. Ab 1972 gab es unter der Markenbezeichnung AIM Kleinserien von Moto-Cross und Geländesportmotorrädern, vorwiegend mit Motoren von 50 bis 125 Kubikzentimetern, zu kaufen. Dabei kamen in den leichten Doppelrohrrahmen-Fahrgestellen Motoren von Sachs, Minarelli oder Morini zum Einbau. Der Überlieferung nach soll die Produktion bereits 1979 eingestellt worden sein. Trotzdem finden sich immer wieder auch noch Modelle bis Baujahr 1980.

Ein Liebhaber hat sich zwischenzeitlich mehrere dieser südländischen Raritäten an Land gezogen und nördlich der Alpen in seiner fränkischen Heimat angesiedelt. Der sehr leicht wirkende Rohrrahmen mit einer formschönen Tank-Sitzbankkombination wird jetzt mit modernen YSS-Dämpfern und einer Marzocchi-Gabel gefedert. Moderne Akront-Felgen umspannen die konischen Radnaben, am Lenker wird die Technik von ZAP-Armaturen genutzt. Der im italienischen Moto-Cross Sport üblicherweise eingesetzte Corsa Corta Zylinder wurde der besseren Fahrbarkeit wegen gegen einen Fantic-Competition Zylinder ausgetauscht. Hierfür war es erforderlich, den ursprünglichen Hub von 39 mm auf 42 mm zu erhöhen, was im Geländesport eine Leistungsentfaltung über ein breiteres Drehzahlband ermöglicht. Dazu passend gab es im Tuningshop eine Auspuffanlage von Polini mit einem kleinen Schalldämpfer aus dem Hause SEM. Die Befeuerung erfolgt natürlich über einen italienischen Dellorto Vergaser.

Die Detailverliebtheit unseres restaurierenden Italienliebhabers zeigt sich schlussendlich auch in der Verwendung rot und blau eloxierter Aluminiumschrauben oder gar der Erleichterung des Kickstarters in Form von kleinen Bohrungen.

Fantic: Ein Wiederaufstieg mit Yamaha als Partner

Kaum zu glauben: Fantic legt einen atemberaubenden Wiederaufstieg hin. Ohne Kapital aus China, dafür mit Eignern aus Norditalien und Yamaha als Partner. Gut möglich, dass sich eine solche italienische Erfolgsstory nur im Veneto, der Region rund um Venedig, schreiben lässt. Die Menschen im Nordosten Italiens gelten als die Schwaben südlich der Alpen: arbeitsam, erfinderisch, mit technischer Affinität. Beispiele gefällig? Aprilia und Laverda kommen aus dem Veneto, ebenso Alpinestars, Dainese und Spidi, außerdem viele kleinere Spezialisten wie Stiefelhersteller Gaerne.

Das dritte Leben von Fantic

Das dritte Leben der Marke, die 1968 gegründet wurde, begann im Oktober 2014 mit der Übernahme durch die Aktiengesellschaft VeNetWork, ein Zusammenschluss von Unternehmern aus dem Veneto. Die Produktion bestand damals aus wenigen Offroad-Maschinen, der Umsatz lag bei nicht einmal einer Million Euro. Die neuen Eigner unter Führung des erfahrenen Ingenieurs Mariano Roman blieben bei der Positionierung im Offroad-Bereich, machten sich flugs daran, neben Motorrädern gewinnträchtige E-Bikes zu entwickeln, ebenso zwei Motards, die bei den jungen Fahrern gut ankamen. Ende 2016 kündigten sie ihr erstes echtes Straßenmotorrad an: die Caballero, benannt nach dem bekanntesten historischen Fantic-Modell, zunächst mit 125, 250 und 500 Kubik.

2019 folgte der große Coup: die Partnerschaft mit Yamaha. Die beiden Hersteller verband bereits eine Zusammenarbeit, denn Fantic bezog einen 50er-Zweitakter und einen 125er-Viertakter von Yamahas italienischem Motorenwerk Motori Minarelli in Calderara di Reno, einem Vorort von Bologna. Durch Yamaha kamen weitere Motoren mit 125 und 250 Kubik hinzu, was Fantic den Ausbau seiner Cross- und Enduro-Palette erlaubte. Danach ging es Schlag auf Schlag: 2020 kehrte Fantic mit der Enduro-EM in den Rennsport zurück und übernahm obendrein das Minarelli-Werk. Daneben ließen die umtriebigen Manager in Santa Maria di Sala nahe Venedig ein Hightech-Entwicklungszentrum errichten, inklusive energiesparender Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach.

2022 wagte Fantic den Schritt in die Königsdisziplin des Offroad-Sports, die Motocross-Weltmeisterschaften der Klassen MXGP und MX2. Schließlich schickte Fantic werbewirksam den italienischen Altmeister Franco Picco zur Rally Dakar, denn ab 2023 zählt ein 450er-Rallye-Modell zur Produktpalette.

Italienischer Hans Dampf

So viele Neuerungen in kurzer Zeit reichen, um selbst Kennern der Szene den Kopf schwirren zu lassen. Doch das Konzept, in allen Töpfen zu rühren, egal ob Offroad- oder Straßenmotorräder, Fahrräder, E-Mobilität für die Stadt, Rennsport oder eine eigene Motorenproduktion - es funktioniert. Der Erfolg verhalf der Marke zu Anerkennung in der Branche. Das war nicht immer so: Weil der aus China stammende Motor der Caballero 500 zunächst mit technischen Problemen kämpfte und Fantic als italienischer Importeur des Herstellers Mash fungierte, der in China produziert, wurden die Newcomer aus dem Veneto gelegentlich mit chinesischen Marken über einen Kamm geschoren. Das wurmt bis heute, denn das Kapital der Firma stammt zu 100 Prozent aus Italien.

Doch statt darüber zu jammern, lässt Fantic-Chef Mariano Roman lieber Zahlen sprechen. Aus den sechs Angestellten, die der Hersteller 2014 hatte, sind in acht Jahren 600 geworden, gleichzeitig kletterte der Umsatz von nicht mal einer Million auf 200 Millionen Euro. 20.000 E-Bikes produzierte Fantic im Jahr 2022, dazu 21.000 Motorräder. Ohne die Probleme in der Lieferkette hätten es laut Roman sogar 4.000 mehr sein können.

700er und Moto2-WM

Doch das soll’s noch nicht gewesen sein. Die aktuellen Fantic-Aktivitäten zielen auf die Straße, nicht nur mit der Caballero 700. Ab sofort startet der Hersteller in der Moto2-WM, und zwar mit dem VR46-Team von Valentino Rossi. Dahinter steckt wohl nicht nur italienische Rennsport-Begeisterung, sondern der Plan, weitere Straßenmodelle zu bringen, denn irgendwo muss das angepeilte Wachstum ja herkommen. Für das Jahr 2025 plant Fantic einen Umsatz von über 500 Millionen Euro, erwirtschaftet mit bis dahin 1.600 Mitarbeitern - das wären etwa so viele wie beim italienischen Motorrad-Primus Ducati. Der venezianische Weg scheint weiter steil bergauf zu führen.

Was heißt eigentlich Fantic?

Der Name sollte zünden bei den jungen Italienern, die gerade die US-Popkultur für sich entdeckten. Daher verpassten Mario Agrati und Henry Keppel, beide zuvor beim Hersteller Garelli, ihrer Neugründung den englisch klingenden Namen Fantic. Das war 1968, in Barzago nahe des Comer Sees. Bald erschien die erste Caballero, benannt nach der niederländischen Zigarettenmarke, die Keppel rauchte.

Die 50er-Geländemaschine war ein voller Erfolg - und blieb es für viele Jahre. Weitere ungewöhnliche 50er folgten, etwa die Chopper, inspiriert vom Film "Easy Rider". Entscheidend für Fantic blieb der Offroad-Bereich, der um Trial-Modelle erweitert wurde, mit denen die Marke sogar drei WM-Titel holte. Doch gute 50er boten inzwischen die Japaner, größere Modelle brachten keine Rettung; 1997 machte Fantic dicht.

Fünf Jahre später kaufte der Espresso-Maschinenhersteller Federico Fregnan, ein begeisterter Geländesportler, die Marke und verpflanzte sie vom Nordwesten Italiens in den Nordosten, ins Veneto. Er hielt eine kleine Offroad-Produktion am Leben, doch vom Markt war Fantic faktisch verschwunden.

Fantic im Motocross

Die letzten Jahrzehnte bestimmten mit Honda, Husqvarna, Kawasaki, KTM, Suzuki, TM und Yamaha sieben Hersteller den MX-Markt. Dass Fantic mit der XX125 und XX250 mit zwei neuen Zweitaktern auf den Markt drängen möchte, ist zwar seit der Eicma Messe im vergangenen Herbst bekannt, doch so richtig auf dem Schirm hat dies niemand. Fakt allerdings ist, dass die beiden Zweitakter in Serie kommen und auch käuflich zu erwerben sind. Die Technik dahinter beruht auf Yamaha Motoren. Nicht nur die Antriebsaggregate, sondern auch Rahmen, Schwinge und Federung sind Komponenten aus den Yamaha Modellen YZ125 und YZ250. Ob diese technisch verändert sind, ist zur Zeit noch unklar.

Für den italienischen Flair sorgt allerdings eine eigene Tank-Sitzbank-Linie als auch zu den Yamahas differierende Anbauteile wie Räder, Auspuff und Gabelbrücke.

Weitere Italienische Motorradmarken

Neben AIM und Fantic gibt es noch zahlreiche weitere italienische Motorradmarken, die in der Geschichte eine Rolle gespielt haben oder noch immer aktiv sind:

  • Aprilia: Ein italienischer Motorrad- und Motorrollerhersteller mit Sitz in Noale.
  • Cimatti: Ein vom Radrennfahrer und Olympiateilnehmer Marco Cimatti in Bologna gegründetes Unternehmen, welches zunächst Fahrräder produzierte.
  • Garelli: Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Garelli überwiegend schlitzgesteuerte Motoren von 34 bis 125 cm³.
  • Gilera: Einer der ältesten italienischen Motorradhersteller und eine Tochterfirma des Piaggio-Konzerns.
  • Malaguti: Ein italienischer Hersteller von Motorrädern, Motorrollern und Mofas mit Sitz bei Bologna.
  • Moto Guzzi: Ein italienischer Hersteller von Motorrädern mit Sitz am Comer See.
  • Piaggio: Ein italienischer Fahrzeughersteller mit Sitz in Pontedera.
  • Vespa: Ein Motorroller, welcher zu den weltweit bekanntesten und beliebtesten Rollertypen zählt.
  • Laverda: Die Firma Laverda hat seit ihrer Wiederbelebung zu Beginn der 90er Jahre ein recht hügeliges Auf und Ab erlebt.

Moto Guzzi: Eine Glorreiche Vergangenheit

Moto Guzzi. Das älteste italienische Motorradwerk. Eine glorreiche Vergangenheit mit Rennsportsiegen in Serie und technischen Highlights vom Ein- bis zum Achtzylinder. Airone, Falcone, V7, Le Mans - um wenigstens ein paar beim Namen zu nennen. Mit dem Militärfahrzeug »Mulo meccanico« begann in den 60er Jahren der Niedergang, denn das geländegängige Vierrad kippte im Einsatz um. Von diesem Tiefschlag hat sich Guzzi bis heute nicht erholt.

Der Betrieb dümpelte still vor sich hin, doch als das Werk im letzten Jahr vom Comer See nach Monza verlegt werden sollte, wachten Fans und Beschäftigte auf. »Eine Guzzi, die nicht aus Mandello kommt, ist keine Guzzi«, tönten sie unisono. Und setzten sich durch: Die Firma bekam Bleiberecht in Mandello und einen neuen Geschäftsführer, der behutsam an den Erfolg früherer Zeiten anknüpfen will.

Ducati Desmo450 MX: Eine Neue Ära im Motocross

Ducati präsentierte die Desmo450 MX, das erste Motocross-Motorrad in der Geschichte des Unternehmens. Dieses leichte und zuverlässige Motorrad verfügt über einen leistungsstarken Motor mit desmodromischer Ventilsteuerung und eine elektronische Ausstattung, die in dieser Kategorie Maßstäbe setzt. Die Desmo450 MX ist das erste Modell einer ganzen Reihe von Spezialmotorrädern für den Geländeeinsatz.

Die Desmo450 MX wurde um den Einzylindermotor mit 449,6 cm³ Hubraum und desmodromischer Ventilsteuerung herum entwickelt und stellt ein Unikat im Bereich des Offroad-Sports dar. Der leichte Aluminiumrahmen wurde so konzipiert, dass er so wenig Schweißnähte wie möglich aufweist, was der Festigkeit, Leichtigkeit und Steifigkeit der Struktur zugutekommt. Den Technikern des Unternehmens aus Borgo Panigale ist es gelungen, eine Struktur mit einem Gewicht von 8,96 kg zu schaffen, die sich durch die geringstmögliche Anzahl von Schweißnähten auszeichnet und so die gewünschten Ziele hinsichtlich Leichtigkeit, Zuverlässigkeit und Steifigkeit erreicht. Das Fahrwerk der Desmo450 MX basiert auf einem Aluminium-Rahmen.

Die maximale Leistung des Desmo450-Motors beträgt 63,5 PS bei 9.400 U/min, das maximale Drehmoment liegt bei 53,5 Nm bei 7.500 U/min. Der Drehzahlbegrenzer setzt erst bei 11.900 U/min ein.

Die Desmo450 MX bietet außerdem eine sehr starke Drehmomentkurve bei niedrigen Drehzahlen, die für eine Fülle von Leistung aus den Kurven heraus sorgt, mit einer linearen Leistungsentfaltung und einer für diese Kategorie beispiellosen Beschleunigung. Diese einzigartige Leistungskurve, die dem Fahrer bereits bei 4.200 U/min 70 % des maximalen Drehmoments zur Verfügung stellt, macht die Desmo450 MX weniger anstrengend und ermüdend als eine herkömmliche 450er, was der Performance auf der Rennstrecke und dem Fahrvergnügen zugutekommt.

Enduro-Motorräder: Ein Spezialfall

Enduro-Motorräder sind eine spezielle Art von Motorrädern, die für Langstreckenrennen auf Offroad-Strecken entwickelt wurden. Sie sind dafür bekannt, dass sie sowohl auf der Straße als auch im Gelände gut zurechtkommen, und sind daher bei Abenteuerliebhabern und Rennfahrern gleichermaßen beliebt. Die Geschichte des Enduro-Motorrads beginnt im frühen 20. Jahrhundert, als Motorräder erstmals für den Offroad-Einsatz modifiziert wurden. In den 1950er und 1960er Jahren begannen Motorradhersteller, spezielle Enduro-Modelle zu entwickeln. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Enduro-Sport immer beliebter, und die Motorradhersteller reagierten darauf mit immer fortschrittlicheren Modellen.

Es gibt viele Motorradhersteller, die einst Enduro-Motorräder produzierten, aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr existieren oder ihre Produktion eingestellt haben. Zu diesen Herstellern gehören unter anderem Bultaco, CZ, Maico, Ossa, Husaberg, CCM, Simson, MZ, Aspes, Hercules, Jawa, Laverda, Löwer-Sachs, Montesa, Puch, Tribsa, Triumph und Zündapp.

Punktwertung in der Motorrad-WM

In der WM werden Punkte für Plätze vergeben.

Zusammenfassende Tabelle: Italienische Motorradmarken

Hier ist eine Tabelle, die einige der genannten italienischen Motorradmarken zusammenfasst:

Marke Typ Bemerkungen
AIM Moto-Cross und Geländesportmotorräder Montage italienischer Motorräder, Produktion eingestellt
Fantic Offroad- und Straßenmotorräder, E-Bikes Erfolgreicher Wiederaufstieg mit Yamaha als Partner
Moto Guzzi Motorräder Ältestes italienisches Motorradwerk
Ducati Sportmotorräder, Motocross Bekannt für Desmodromik und Rennsporterfolge
Aprilia Motorräder und Motorroller Jung, dynamisch, erfolgreich
Laverda Motorräder Hügeliges Auf und Ab seit der Wiederbelebung

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