Kalorienverbrauch im Vergleich: E-Bike vs. Fahrrad

E-Bikes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, doch oft werden sie als Option für Menschen angesehen, die zu faul zum „echten“ Radfahren sind. Eine aktuelle Studie widerspricht diesem Vorurteil und zeigt interessante Ergebnisse zum Kalorienverbrauch von E-Bike-Fahrern im Vergleich zu herkömmlichen Fahrradfahrern.

Studienergebnisse im Überblick

Die Studie, die im Transportation Research Interdisciplinary Perspectives Journal veröffentlicht wurde, analysierte die Daten von über 10.000 Teilnehmern aus sieben europäischen Ländern. Die Ergebnisse zeigen, dass E-Bike-Fahrer kaum weniger Kalorien verbrauchen als Fahrradfahrer ohne Motorunterstützung.

  • Der wöchentliche Stoffwechselumsatz (Metabolisches Äquivalent) ist bei E-Bikern und Fahrradfahrern vergleichbar (4.463 vs. 4.085).
  • Der absolute Wert ist beim E-Bike sogar um rund neun Prozent höher als beim Fahrrad.

Die tägliche Distanz macht den Unterschied

Die Studie berücksichtigt die täglich zurückgelegte Distanz, die bei E-Bike-Fahrern mit durchschnittlich 8 Kilometern deutlich höher ist als bei Fahrradfahrern (5,3 Kilometer). Mit dem Elektrofahrrad ist die Schmerzgrenze für die tägliche Pendelstrecke einfach eine andere. Wer einen Motor als Hilfe zu der eigenen Muskelkraft unter dem Hintern hat, nimmt im Schnitt eine anderthalb mal so lange Strecke für das Rad in Kauf.

Würden Radler und E-Biker die identische Strecke zurücklegen, wäre der Kalorienverbrauch und damit der sportliche Effekt mit dem Fahrrad natürlich deutlich höher.

E-Bike-Fahrer sind nicht faul

E-Bike-Fahrer sind keineswegs faul. Sie steigen weniger schnell ins Auto und legen längere Strecken mit dem Rad zurück. Dadurch verbrauchen sie unter dem Strich nicht nur mehr Kalorien, sondern sind auch umweltfreundlicher unterwegs als diejenigen, die schneller zum Autoschlüssel greifen.

Übrigens verbraucht E-Bike-Fahren nicht nur Kalorien, sondern ist auch eine schonende Art des Workouts und damit etwa für Übergewichtige eine empfehlenswerte Art, Sport zu treiben.

Weitere Studien bestätigen positive Effekte

Eine weitere Studie aus Dänemark aus dem Jahr 2017 kommt zu dem Schluss, dass Radfahren zu einer ordentlichen Fettverbrennung führt. Die Radfahrer hatten nach den sechs Monaten im Durchschnitt satte 4,5 Kilo mehr Fettmasse verloren.

Egal ob mit E-Bike oder Fahrrad: Radfahren hat enorm viele positive Effekte, sowohl für das Individuum als auch die Gesellschaft als Ganzes, etwa beim Platzbedarf, dem Schadstoffausstoß oder den benötigten Ressourcen. Grund genug, über einen Umstieg von vier auf zwei Räder zumindest einmal nachzudenken.

E-Bikes machen fit und motivieren zu mehr Bewegung

Das E-Bike ist seit mehr als zehn Jahren ein fester Bestandteil des Straßenverkehrs, zwischen 2011 und 2021 hat sich der Absatz dieses Fahrradtyps in Deutschland von 330 000 auf zwei Millionen gut versechsfacht. Doch bis heute hat das E-Bike ein Imageproblem.

Die Forschung steht längst auf der Seite des E-Bikes. Natürlich spricht auf den ersten Blick einiges gegen das Pedelec. Abhängig von Fahrweise und Strecke bringt es der klassische Radler auf einen Kalorienverbrauch von bis zu 600 Kilokalorien pro Stunde, während der Energieverbrauch beim E-Bike im kleinsten Unterstützungsmodus nur 300 Kilokalorien beträgt. Aber Gesundheitseffekte lassen sich nicht allein in der Menge der verbrauchten Kalorien bemessen.

Herz-Kreislauf-Training und Gelenkschonung

Ebenso wie Joggen ist Radfahren ein erstklassiges Herz-Kreislauf-Training - mit dem Vorteil, dass die Runde auf dem Fahrrad deutlich gelenkfreundlicher ist als die Laufrunde und dadurch ideal für Menschen mit Übergewicht oder Gelenkproblemen. „Regelmäßiges Radfahren senkt den Blutdruck, beeinflusst Blutzucker-und Cholesterinwerte positiv und hält die Gefäßwände elastisch“, sagt Sportkardiologe Martin Halle, Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Und das hat erfreuliche Folgen für die Lebenserwartung: „In Kombination mit gesunder Ernährung, wenig Alkohol und dem Verzicht auf Zigaretten kann man mit regelmäßigem Ausdauertraining sein Herzinfarktrisiko um 80 Prozent senken.“

E-Bikes als Einstieg in mehr Bewegung

In einer britischen Studie wurde 18 übergewichtigen Typ-2-Diabetikern über einen Zeitraum von fünf Monaten ein E-Bike zur Verfügung gestellt. Der abschließende Fitnesstest am Ende belegte eine Steigerung der Ausdauer um knapp elf Prozent.

„E-Bikes sind perfekt geeignet, um gerade Menschen mit wenig Ausdauer und Trainingserfahrung wieder in Schwung zu bekommen“, bestätigt auch Sportprofessor Halle. „Der Motor ermöglicht ihnen, die Belastung selbst zu dosieren und somit eine Überlastung zu vermeiden.“

Alltagsintegration und Umweltentlastung

Die Entfernung zum Arbeitsplatz beträgt bei 48,4 Prozent der berufstätigen Deutschen maximal zehn Kilometer. Eine Distanz, die vielen Menschen zu lang erscheint für das herkömmliche Fahrrad - aber ideal, um mit dem E-Bike bewältigt zu werden. Laut Bundesumweltamt sind die Kohlendioxidemissionen bei einem Pkw um das Vierzigfache höher als beim Pedelec.

Faktoren, die den Kalorienverbrauch beeinflussen

Der Kalorienverbrauch beim E-Bike-Fahren hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Unterstützungsmodus: Je geringer die Unterstützung, desto mehr Kalorien werden verbraucht.
  • Gewicht des E-Bikes: Das höhere Gewicht im Vergleich zu einem normalen Fahrrad kann den Energieverbrauch erhöhen.
  • Fahrmodus: Der größte Einfluss auf den Kalorienverbrauch.
  • Gelände: Hügelige Strecken erhöhen den Kalorienverbrauch.
  • Geschwindigkeit: Eine höhere Geschwindigkeit steigert den Energiebedarf.

Berechnung des Kalorienverbrauchs

Die Sportwissenschaft bietet komplexere Formeln zur Berechnung des Kalorienverbrauchs:

Kalorienverbrauch = Dauer in Minuten x MET-Wert x 3,5 x Körpergewicht in kg / 200

Der MET-Wert (Metabolisches Äquivalent) drückt aus, wie viel Energie der Körper bei einer bestimmten körperlichen Tätigkeit aufwenden muss.

Beispielrechnung für eine 95 kg schwere Person (45 Minuten Radfahren)
Fall Unterstützung MET-Wert Kalorienverbrauch
1 Hoch 2,2 ca. 166 kcal
2 Niedrig 4,0 ca. 302 kcal
3 Fahrrad (ohne Unterstützung) 8,0 ca. 603 kcal

Effektive Strategien zur Steigerung des Kalorienverbrauchs

Um den Kalorienverbrauch beim E-Bike-Fahren zu steigern, können folgende Strategien angewendet werden:

  • Verringerung der Motorunterstützung
  • Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit
  • Wahl hügeliger Strecken
  • Fahren längerer Strecken
  • Integration des E-Bikens in den Alltag (z.B. durch Umwege)

Kalorienverbrauch im Vergleich zu anderen Sportarten

Der Kalorienverbrauch beim Radfahren liegt im Vergleich zu anderen Sportarten im Mittelfeld. Laufen aktiviert mehr Muskeln und verbraucht daher mehr Kalorien, während Schwimmen aufgrund des Auftriebs im Wasser weniger anstrengend ist.

Kalorienverbrauch verschiedener Sportarten (Durchschnittswerte für eine 80 kg schwere Person in 60 Minuten)
Sportart Kalorienverbrauch (kcal)
Rudern 780
Kraulschwimmen 500
Laufen 480
Aerobic 450
Badminton 320

Insgesamt zeigt sich, dass E-Bikes eine sinnvolle Alternative zum herkömmlichen Fahrrad darstellen, um aktiv zu bleiben, Kalorien zu verbrennen und die Umwelt zu schonen. Die individuelle Anpassung der Motorunterstützung ermöglicht es jedem, das Training an die eigenen Bedürfnisse und Ziele anzupassen.

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