Vermutlich bin ich nicht die Einzige hier, die ab Herbst unter extrem kalten Fingern beim Radeln zu leiden hat. Meine Hände sind extrem kälteüberempfindlich. Mein Hausarzt hat mir auch mal den Namen für dieses Syndrom gesagt. Bei Temperaturen so ab 12 Grad abwärts geht bei mir ohne Handschuhe gar nichts mehr. Das ist wie tausend Nadeln in den Fingerspitzen. Da ich aber ganzjährig radel, hoffe ich immer noch darauf, daß die Outdoor-Industrie mit ihren immer neuen Hightech-Fasern mal was erfindet, was auch mir hilft.
Viele Radfahrer kennen das Problem: Kalte Hände beim Radfahren in der kalten Jahreszeit. Das Frieren an den Händen kann verschiedene Ursachen haben und sehr unangenehm sein. Glücklicherweise gibt es einige Lösungen, um dem entgegenzuwirken.
Ursachen kalter Hände beim Radfahren
Eine mögliche Ursache für kalte Hände ist eine allgemeine Kälteempfindlichkeit. Manche Menschen frieren schneller als andere, und dies betrifft oft zuerst die Hände und Füße. Eine Freundin von mir hat das gleiche Problem wie du, weiss jetzt natürlich nicht, ob der medizinische Hintergrund identisch ist. Laienhaft ausgedrückt liegt in ihrem Fall die Ursache darin, dass ihr Körper fälschlicherweise leichtes Frösteln als extreme Kältebedrohung überinterpretiert.
Daraufhin wird die Durchblutung der äußersten Gliedmaßen (also z.B. der Finger) reduziert, um den restlichen Organismus vor dem vermeintlichen Kältetod zu bewahren. Soweit mal meine etwas vereinfachte Widergabe. Sollten die Symptome bei dir gleichen Ursprungs sein (weiss leider auch nicht die korrekte medizinische Bezeichnung), so liegt das Problem also weniger an der tatsächlichen Kälteeinwirkung auf deine Finger, sondern vielmehr an deinem gesamten Temperaturhaushalt. Hier gilt es dann vielleicht anzusetzen.
Ein weiterer Grund kann das Raynaud-Syndrom sein. Der französische Arzt Maurice Raynaud beschrieb das Phänomen als erster, auf ihn gehen die Namen Raynaud-Syndrom, Raynaud-Phänomen oder Morbus Raynaud zurück, die alle dieselben Beschwerden beschreiben. Wegen der plötzlichen Blässe der Haut sagen manche aber auch „Weißfingerkrankheit“.
Symptome des Raynaud-Syndroms:
- Die Finger werden plötzlich blass.
- Nach mehreren Minuten nehmen sie erst wieder die gewohnte Farbe an.
- Vor allem Frauen im jüngeren Lebensalter leiden unter dieser Durchblutungsstörung.
Auslöser kann ein äußerer Reiz sein, etwa Kälte. Bei manchen Betroffenen sorgt schon ein Griff in den Kühlschrank oder ein kaltes Getränk dafür, dass sich die Blutgefäße schlagartig zusammenziehen. Emotionale Belastungen oder anderweitiger Stress können ebenfalls das Raynaud-Syndrom sichtbar werden lassen.
Trikolore-Phänomen beim Raynaud-Syndrom
Ein Raynaud-Anfall kann in bestimmten Phasen ablaufen:
- Weiß: Durch die Gefäßverengung werden die Finger weniger durchblutet - sie werden blass.
- Blau: Durch die Minderdurchblutung kommt es zu einem Sauerstoffmangel, wodurch sich die Haut nach einer gewissen Zeit blau färbt.
- Rot: Die Arterien weiten sich schließlich wieder. Es kommt zu einer Überdurchblutung, die Finger werden warm und die Haut rötet sich.
Wegen dieser Farbabfolge (weiß-blau-rot) sprechen Mediziner und Medizinerinnen auch vom „Trikolore-Phänomen“. Es kann jedoch sein, dass nicht alle Phasen auftreten.
Primäres und sekundäres Raynaud-Syndrom: Was ist der Unterschied?
Das primäre Raynaud-Syndrom ist ein eigenständiges Phänomen, dem keine andere Erkrankung oder erkennbare Ursache zugrunde liegt. Etwa drei bis sieben Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, Frauen deutlich häufiger. Das primäre Raynaud-Syndrom manifestiert sich meist schon im jungen Erwachsenenalter. Manchmal kann es sich auch spontan wieder abschwächen oder zurückbilden, zum Beispiel bei Frauen in und nach den Wechseljahren.
Wird das Raynaud-Phänomen durch andere Erkrankungen oder Ursachen hervorgerufen, sprechen Ärzte und Ärztinnen vom sekundären Raynaud-Syndrom. Es ist deutlich seltener als das primäre Raynaud-Syndrom. Treten die Beschwerden erstmals nach dem 40. Lebensjahr auf, kann das auf ein sekundäres Raynaud-Syndrom hindeuten. Die Unterscheidung der beiden Formen ist manchmal auch schon durch äußere Anzeichen möglich: Bei der primären Variante betrifft die Verfärbung meist die Finger beider Hände symmetrisch, wobei der Daumen in der Regel nicht betroffen ist. Beim sekundären Raynaud-Syndrom ist die Symptomatik häufiger asymmetrisch. Welche Form des Raynaud-Syndroms vorliegt, ist für die Behandlung wichtig, weswegen der Arzt oder die Ärztin eine genaue Untersuchung durchführt.
Das primäre Raynaud-Syndrom ist abgesehen von den etwas unangenehmen Taubheitsgefühlen oder Schmerzen während des Anfalls in der Regel ein harmloses Phänomen. Es wird im Ausschlussverfahren diagnostiziert - also dann, wenn der Arzt oder die Ärztin keine zugrunde liegende Erkrankung oder andere auslösende Faktoren feststellen kann. Beim Verdacht auf das Raynaud-Syndrom kann der Arzt oder die Ärztin zum einen verschiedene körperliche Untersuchungen durchführen, zum Beispiel die Prüfung des Pulses an beiden Handgelenken und eine Faustschlussprobe um Durchblutungsstörungen der Hände festzustellen. Er wird zudem nach Zeichen suchen, die beispielsweise auf die Autoimmunerkrankung Kollagenose oder andere mit dem sekundären Raynaud-Syndrom in Verbindung stehende Grunderkrankungen hindeuten - zum Beispiel Verhärtungen der Haut oder kleine Geschwüre an den Fingerspitzen.
Lösungen für warme Hände beim Radfahren
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um kalten Händen beim Radfahren entgegenzuwirken:
1. Die richtige Kleidung
Die meiste Wärme geht normalerweise über Kopf und Oberkörper verloren, bist du in diesen Bereichen ausreichend warm bekleidet? Die Wirkung von Mützen wird hierbei oft unterschätzt, der Kopf macht m.w. ungefähr 30% des gesamten Temperaturhaushaltes aus.
Es ist wichtig, den gesamten Körper warm zu halten, da kalte Hände oft ein Zeichen dafür sind, dass der Körper insgesamt auskühlt. Ich habe festgestellt, hier muss ich dem Jan zustimmen, das Frieren einzelner Körperteile bekommt man besser in den Griff, wenn die komplette Ausrüstung stimmt. Ich achte darauf das sämtliche Körperteile in einem sog. geschlossenen System verpackt sind. D.h. Hand- und Fussgelenke, sowie der Hals werden durch Klettverschlüsse b.z.w. Gummizüge winddicht verschlossen.
Eine Mütze gehört bei mir grundsätzlich zur Winterausrüstung. Hier ist es etwas wetterabhängig, ob eine Fleecemütze ausreicht, oder ob darüber ggf. noch etwas Windabweisendes gezogen wird (z.B. Kapuze einer winddichten Jacke). Zusätzlich, ein Buff wärmt den Hals und kann auch mal gut über das Kinn und die Nase gezogen werden. Und wenn es so richtig windig und frostig ist, sind Ohrlinge eine wunderbare Lösung den gesamten Wärmehaushalt des Körper zu unterstützen Also, der Anteil an Fleece- bzw windabweisender Bekleidung hängt bei mir von Windstärke und Minusgraden ab.
2. Die Wahl der Handschuhe
Ich hab schon eine ganze Schublade voller Handschuhe, die nicht wirklich was taugen....Nun habe ich für den Herbst recht günstig Fleece-Rad-Handschuhe von Röckl mit Gore-Windstopper-Membran erstehen können. Und die haben bisher erstaunlich gut geholfen. Da aber angesichts sinkender Temperaturen, ich mit diesen Handschuhen langsam an meine Grenzen stoße, habe ich mich heute mal nach dicken Winterradhandschuhen umgeschaut. Aber die richtig guten mit Windstopper kosten locker mal eben 60 Euro. Das finde ich ganz schön happig. Obwohl, wenn ich damit erstmals einen Winter ohne ewig schmerzende Finger überstehen könnte, wär`s mir das evtl. noch wert. Aber ich will meine Handschuhschublade nicht mit noch mehr teurem Müll füllen.
Viele Radfahrer schwören auf spezielle Winterradhandschuhe mit Windstopper-Membran. Diese Handschuhe sind oft teuer, aber können sich lohnen, wenn sie die Hände wirklich warm halten. Ich habe 2 Paar Winter-Radhandschuhe, beide mit Gore-Windstopper-Membran ausgestattet, und die waren nicht gerade billig, und in beiden friere ich schrecklich, wenn das Thermometer weniger als etwa 5°C zeigt und ich länger als 20 Minuten unterwegs bin.
Empfehlungen für Handschuhe:
- Fäustlinge: Bei extremer Kälte sind Fäustlinge oft die beste Lösung, da sie die Finger zusammen warm halten. Die billige und erprobte Lösung sind Ski-Fäustlinge, aber die Dinger hab ich schon als Kind gehasst. Ich schwöre bei extremer Kälte auf die dick gepolsterten Lobster Handschuhe mit 3 Fingern von Pearl Izumi. Die Verbindung von Fäustling und Fingerhandschuh ist für's Radfahren IMHO wirklich gut.
- Unterziehhandschuhe: An sehr kalten Tagen können Unterziehhandschuhe aus Fleece unter den eigentlichen Handschuhen getragen werden. Die sind dann Zweigefinger und Mittelfinder bzw. Ringfinger und kleiner Finger zusammen. Ist recht gut zum Schalten und wärmer als normale Handschuhe.
- Skihandschuhe: Ich habe mir mal relativ günstig (WSV) Finger-Skihandschuhe gekauft, winddicht da mit Goretex, und schön warm, da dick mit Thinsulate gepolstert. Obwohl man die Aufschrift "-30°" nicht wörtlich nehmen sollte.
3. Weitere Tipps für warme Hände
- Bewegung: Während der Tour gymnastische Fingerübungen machen, um die Durchblutung anzuregen.
- Pausen: Unterwegs eine Pause mit einem heißen Tee machen. Also! die Tour immer gut ausgeschlafen starten und unter der Zeit mal ne Pause mit nem Brot und nem heißen Tee machen.
- Vermeidung von Wind: Der größte Kältefaktor ist immer der Wind. Von daher dachte ich halt, daß Windstoppermembran da hilfreich ist.
4. Medizinische Aspekte
Sollten die Symptome sehr stark sein oder regelmäßig auftreten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um mögliche Ursachen wie das Raynaud-Syndrom abzuklären. Zudem können Betroffene die Muskulatur der Finger trainieren. Dafür können Sie beispielsweise einen kleinen Therapieball drücken, mit der ganzen Hand oder zwischen zwei Fingern.Gegen Stress können Entspannungsübungen helfen, etwa Yoga oder Autogenes Training.Rauchen verengt die Gefäße. Am besten ist es, wenn Betroffene ganz darauf verzichten.Ob Kaffee den Verlauf beeinflusst, ist umstritten. Betroffene sollten daher darauf achten, ob die Symptome mit dem Konsum häufiger auftreten und gegebenenfalls auf Kaffee verzichten.Für das primäre Raynaud-Syndrom reichen diese Alltagstipps normalerweise aus, eine darüber hinausgehende Behandlung benötigen Betroffene in der Regel nicht.Bei der sekundären Variante ist es wichtig, zunächst die Grunderkrankung zu therapieren. Das beeinflusst auch das Raynaud-Syndrom. Reicht das nicht aus und besteht beispielsweise ein Risiko für Gewebeschäden, können gefäßerweiternde Medikamente, wie Kalziumantagonisten, eingesetzt werden.
Verwandte Beiträge:
- Radfahren im Winter: Tipps & Tricks für kalte Tage
- Kalte Hände beim Motorradfahren: Ursachen & Lösungen
- Knie schmerzen beim Radfahren bei Kälte? Ursachen & Tipps zur Vorbeugung
- Kalte Füße beim Radfahren? Tipps & Tricks gegen Frostbeulen
- Ultimative Anleitung zum Zahnriemenwechsel bei der Ducati Hypermotard 821 – So gelingt's garantiert!
- Einarmschwinge am Motorrad: Unglaubliche Vorteile & versteckte Nachteile enthüllt!
Kommentar schreiben