Zum Saisonstart ist oft die Batterie des Motorrads leer, daher muss Starthilfe her. Die Batterie eines Motorrads lässt sich auch mit einer Autobatterie überbrücken. Dabei gelten ein paar wichtige Regeln, denn sonst kann es im schlimmsten Fall sogar zu einem Brand kommen.
Vorbereitung für die Starthilfe
Am besten ist es, gar nicht in die Verlegenheit zu kommen, die Maschine fremdstarten zu müssen. Hier sind einige Tipps, wie man die Maschine winterfest macht und trotzdem allzeit startbereit bleibt:
- Motorrad richtig einwintern: Wir haben Tipps zusammengetragen, wie man die Maschine winterfest macht und trotzdem allzeit startbereit bleibt.
- Prüfen Sie, ob alle Verbraucher (Licht, Blinker usw.) nach Drehen des Schlüssels mit Strom versorgt werden.
Was Sie Benötigen
- Starthilfekabel (DIN-Norm 72.553 oder ISO-Norm 6722)
- Rotes Kabel
- Schwarzes Kabel
- Ein Auto als Spenderfahrzeug (kein Hybrid- oder Elektroauto)
Schritt-für-Schritt Anleitung zum Überbrücken
Hier ist die richtige Reihenfolge beim Überbrücken:
- Zündungen ausschalten: Die Zündungen beider Fahrzeuge sind zunächst ausgeschaltet.
- Rotes Kabel anschließen: Verbinden Sie zunächst das rote Kabel mit dem Pluspol des Pannenautos. Danach klemmen Sie das andere Ende an den Pluspol der Batterie des Spenderautos.
- Schwarzes Kabel anschließen: Das schwarze Kabel verbinden Sie nun mit dem Minuspol der Batterie des Spenderautos bzw. mit dem vorgegebenen Massepunkt. Das andere Ende kommt an den vorgegebenen Masseanschluss/Massepunkt des Pannenautos (siehe Betriebsanleitung) oder eine freie metallische Stelle am Motorblock.
- Motor des Spenderautos starten: Sitzen beide Kabel fest an ihren Kontaktpunkten, wird der Motor des Spenderfahrzeugs gestartet.
- Pannenauto starten: Nach einigen Minuten versuchen Sie, das Pannenauto kurz zu starten. Falls es nicht klappt, nach einer Minute erneut probieren.
- Beide Autos laufen lassen: Ist das Pannenauto angesprungen, beide Fahrzeuge noch einige Minuten laufen lassen.
- Verbraucher beim Pannenauto anschalten: Wenn der Motor läuft, im Empfängerauto größere Verbraucher wie Gebläse, Lüftung und Licht einschalten, um Spannungsspitzen zu vermeiden und so die Bordelektronik zu schützen.
- Kabel entfernen: Nun zuerst das schwarze Kabel vom Pannenauto, dann vom Spenderauto trennen. Danach das rote Kabel entfernen.
- Verbraucher wieder ausschalten: Lassen Sie den Motor des Pannenautos laufen. Schalten Sie die nicht benötigten Verbraucher nun wieder aus.
- Vorsichtig weiterfahren: Achten Sie auf Fehlermeldungen des Fahrzeugs. Bei Fehlfunktionen anhalten und fachkundige Hilfe rufen.
- Batterie laden: Laden Sie die Batterie mit einem geeigneten Ladegerät an einer Haushaltssteckdose.
Detaillierte Schritte
In dieser Reihenfolge werden die Batterien von Spender- und Empfängerfahrzeug verbunden bzw.
- Zuerst wird die Polzange des roten Pluskabels mit dem Pluspol der Maschine mit Startschwierigkeiten, also dem »Empfängerfahrzeug« verbunden, danach mit dem Pluspol des Spenderfahrzeugs.
- Sitzt das Pluskabel an beiden Pluspolen, folgt der Anschluss der Zange des schwarzen Kabels (Massekabel) an den Minuspol des Spenderfahrzeugs.
- Das andere Ende des Minuskabels wird anschließend an ein unlackiertes Metallteil am Motorblock oder Rahmen des Fahrzeugs mit der schwachen Batterie geklemmt.
Sitzen beide Kabel fest an ihren Kontaktpunkten, wird der Motor des Spenderfahrzeugs gestartet.
Bei einer tiefentladenen Batterie des Empfängerfahrzeugs (wenn bei zuvor eingeschalteter Zündung selbst die Armaturenlampen nicht mehr leuchten), sollte dieser mindestens zehn Minuten vor dem ersten Startversuch laufen.
Während dieser Zeit kann die Batterie des Empfängerfahrzeugs genügend Strom ziehen.
Danach folgt ein erster Startversuch des Pannenfahrzeugs.
Das Abklemmen der Kabel geschieht in umgekehrter Reihenfolge:
- Zunächst ist das schwarze Minuskabel am Massepunkt des Empfängerfahrzeugs zu lösen, danach am Minuskontakt des Spenders.
- Dann kann man das rote Pluskabel erst vom Kontakt des Empfänger- und dann vom Pol des Spenderfahrzeugs abklemmen.
Um sicher zu gehen, dass die Lichtmaschine des Empfängers die leere Batterie wieder ausreichend lädt, muss der Motor weiterlaufen.
Achten Sie auf die Betriebsanleitung, da sie Hinweise zu den speziellen Anforderungen für das jeweilige Fahrzeug geben.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Plus- und Minuspol nicht verwechseln: Wer bei der Starthilfe Plus- und Minuspol verwechselt, riskiert teure Schäden an der Fahrzeugelektrik. Die entsprechenden Zeichen sind im Umfeld der Pole in den Kunststoff eingegossen, vereinzelt auch direkt in die Pole eingeschlagen. Ist die Kennzeichnung nur schwer zu finden oder sind Sie sich mit der Polarität im Spender- oder Empfängerfahrzeug nicht sicher, nicht einfach ausprobieren. Lieber einen Fachmann rufen!
Das schwarze Kabel beim Pannenauto nicht an dessen Batterie anschließen - sonst droht Funkenflug!
Nach mehreren erfolglosen Startversuchen kann es zu Schäden kommen. Spätestens nach dem dritten erfolglosen Versuch lieber professionelle Hilfe holen.
Wenn der Motor läuft, im Empfängerauto größere Verbraucher wie Gebläse, Lüftung und Licht einschalten, um Spannungsspitzen zu vermeiden und so die Bordelektronik zu schützen.
Bei Problemen kann die elektrische Unterstützung von Fahrfunktionen wie etwa die Servolenkung ausfallen.
Sollte das Problem erneut auftreten, kann es sein, dass Ihre Batterie kaputt oder einfach zu alt ist.
Starthilfe für Elektroautos
Auch E-Fahrzeuge sind mit einer klassischen 12-Volt-Starterbatterie ausgestattet, um das Hochvoltsystem zu aktivieren.
Leere oder defekte Starterbatterien sind deshalb auch bei dieser Fahrzeugkategorie möglich.
Die Starthilfe funktioniert im Grunde genommen gleich wie bei jedem Benziner oder Diesel.
Starthilfe zu empfangen ist bei Elektroautos meist erlaubt, Starthilfe geben hingegen meistens vom Hersteller aus nicht.
Vorsicht ist deshalb geboten, und die Betriebsanleitung ist immer ausschlaggebend.
Elektrofahrzeuge sind üblicherweise mit kleineren Starterbatterien ausgestattet.
Deswegen könnte es bei einem Strom spendenden Elektroauto im schlimmsten Fall zu Schäden an der Spenderbatterie oder den elektrischen Bordnetzen kommen.
So erkennen Sie passende Starthilfekabel
Zu schwache Überbrückungskabel taugen nichts: Ein Starthilfekabel sollte der DIN-Norm 72.553 oder der ISO-Norm 6722 entsprechen und biegsam sein.
Bei Kälte verhärtet sich das Isoliermaterial zusätzlich.
Die Pol-Zangen müssen komplett in Kunststoff eingehüllt sein.
Nur die Kontaktteile in der Zangenspitze dürfen aus Metall bestehen.
Häufige Ursachen für Startprobleme
Neben einer leeren Batterie gibt es noch weitere Ursachen für Startprobleme:
- Kraftstoffsystem
- Zündsystem
- Anlasser und Co.
- Motor und Verdichtung
- Sicherungen
- Defektes Zündschloss
Tipps zur Fehlersuche
Wichtig ist es, bei der Fehlersuche systematisch und logisch vorzugehen.
Batterieprüfung
Hier ist in den meisten Fällen, besonders bei tiefen Temperaturen, die Batterie der Verursacher der Probleme.
Sobald wie möglich sollten dann aber Batterie, Ladestromkreis und Lichtmaschine mithilfe eines Multimeters geprüft werden.
Anlassersystem
Sind Batterie und Ladestromkreis in Ordnung, liegt vermutlich ein Defekt im Anlassersystem vor.
Der simpelste Fehler ist dabei der Sicherheitsschalter am Seitenständer, der ein Losfahren mit ausgeklapptem Seitenständer verhindern soll.
Ein Anlasser wird in der Regel über ein Relais, den sogenannten Anlasser-Magnetschalter gesteuert.
Alternativ kann man mit einem Motorrad-Starthilfekabel den Pluspol der Batterie auch mit dem zum Anlasser führenden dicken Kabel oder direkt mit dem Pluspol des Anlassers kurz verbinden.
Achtung: Aufgrund des hohen Starterstroms kann es zu heftiger Funkenbildung kommen.
Dreht der Anlasser nun, so ist der Magnetschalter defekt und muss getauscht werden.
Anlasser selbst
Die nächste Möglichkeit ist der Anlasser selbst.
Zur Prüfung muss er ausgebaut (das ist bei vielen Motorrädern recht einfach) und zerlegt werden.
Kontrolliert werden die Bürstenfedern, Kohlebürsten, Kollektornuten und ein eventueller Masseschluss des Rotors.
Anlasser-Freilauf
Noch unangenehmer und oft auch teurer ist ein Schaden am Anlasser-Freilauf.
Bei einem Defekt dieser sogenannten Anlasser-Kupplung wird der Startvorgang meist von bösen metallischen Geräuschen begleitet, und der Anlasser dreht zwar, nimmt den Motor aber nicht oder nicht immer mit.
Motor dreht, Maschine springt nicht an
Wenn der Motor beim Starten kräftig durchgedreht wird, liegt es zumindest nicht am Anlassersystem.
Geht es nur darum, die Maschine möglichst schnell zum Laufen zu bringen, hilft manchmal Startpilot oder alternativ auch einfach Bremsenreiniger, der in den Einlass des Luftfilterkastens gesprüht wird.
Überprüfung des Kraftstoffsystems
In diesem Fall wird die Fehlersuche mit einer Überprüfung des Kraftstoffsystems fortgesetzt.
Dazu gehören Benzinhahn, Leitungen, Filter und - falls vorhanden - die Benzinpumpe.
Tückisch sind auch per Unterdruck gesteuerte Benzinhähne (Unterdruckschlauch prüfen) und eine verstopfte Tankbelüftung (Tankdeckel öffnen).
Auch ein komplett verunreinigter oder verölter Luftfilter kann die Ursache für Startprobleme sein, denn das Benzin/Luft-Gemisch wird dadurch zu fett.
Ein poröser oder verrutschter Ansaugstutzen führt hingegen zum Ansaugen von Nebenluft, sodass der Motor zu mager läuft und zumeist im kalten Zustand nicht anspringen will.
Vergaser
Zum Kreis der "üblichen Verdächtigen" gehören bei dieser Art von Startproblemen vor allem die Vergaser.
Nach längerer Standzeit verflüchtigen sich die brennbaren Bestandteile des Benzins.
Der verbleibende Restkraftstoff ist nicht mehr zündfähig, und der Motor säuft beim Startversuch ab.
Deshalb sollte man nicht vergessen, bei einer zeitweisen Stilllegung den Sprit aus der Schwimmerkammer abzulassen.
Hat man das versäumt, muss im schlimmsten Fall der Vergaser ausgebaut und komplett im Ultraschallbad gereinigt werden.
Defekter Benzinhahn
Ein defekter Benzinhahn und/oder ein undichtes Schwimmernadelventil sorgen ebenfalls dafür, dass zu viel Kraftstoff ins System gelangt.
Indiz ist oft eine kleine Benzinpfütze nach kurzer Standzeit.
Beim Startvorgang saugt sich dann der Isolator der Zündkerzen-Mittelelektrode mit Benzin voll, es entsteht ein Kriechstrom, der Zündstrom wird ohne Funkenbildung abgeleitet, und der Motor"säuft ab".
Kaltstartsystem
Falls der Motor nur in kaltem Zustand schwer anspringt, bei Betriebstemperatur aber problemlos startet, kann logischerweise auch das Kaltstartsystem eine mögliche Fehlerquelle sein.
Der Chokehebel muss sich leichtgängig bis zur Maximalstellung bewegen lassen.
Moderne Maschinen mit Einspritzanlage
Moderne Maschinen mit Einspritzanlage vertragen in der Regel auch längere Standzeiten klaglos.
Nichtsdestotrotz kann auch hier altes Benzin zu Verstopfungen und Verharzungen führen und damit für Probleme sorgen.
Frischer Sprit mit Kraftstoffsystemreiniger schafft meist Abhilfe.
Überprüfung der Zündung
Sofern man einen Fehler im Kraftstoffsystem ausschließen kann, steht die Überprüfung der Zündung an.
Aufgrund der sehr hohen Spannung sind Arbeiten an der Zündung nicht ungefährlich.
Unbedingt Werkstatthandbuch und Sicherheitshinweise beachten!
Zuerst prüft man, ob alle Zündkerzenstecker fest auf den Kerzen sitzen, sich nicht gelockert haben und Zündkabel und Kerzenstecker keine Haarrisse aufweisen.
Wesentlich aussagekräftiger ist allerdings eine Kontrolle mit einem sogenannten Zündspannungsprüfer, der außerdem den Vorteil hat, bei dieser Prüfaktion die empfindliche Zündelektronik vor eventuellen Spannungsspitzen zu schützen.
Bei intakter Zündanlage sollte der Funke einen Spalt von 15 mm überspringen.
Das Kerzenbild
Auch das Kerzenbild sagt einiges über mögliche Fehlerursachen aus:
- Ist die Kerze hell und trocken, liegt es wahrscheinlich an der Benzinzufuhr.
- Ist sie hingegen braun/verrußt und nass, deutet vieles auf keinen oder einen zu schwachen Zündfunken, eventuell aber auch auf einen Kraftstoffüberschuss und damit ein Vergaserproblem hin.
Zündspulen
Mit einem Multimeter und den Angaben in der Reparaturanleitung lässt sich mit einer Widerstandsmessung prüfen, ob die Zündspule funktionsfähig ist.
Motordefekt als Ursache für Startprobleme
Als letzte Ursache für die Startprobleme bleibt noch ein Motordefekt, der dazu führt, dass das Kraftstoff/Luft-Gemisch nicht genügend komprimiert wird, um zünden zu können.
In diesem Falle stoßen die meisten Hobbyschrauber schnell an ihre Grenzen, denn Motorreparaturen sind relativ aufwendig und von Laien kaum zu bewältigen.
Erste Auskunft über eine ausreichende Verdichtung gibt ein Kompressionstest.
Liegt das Messergebnis (auch auf nur einem Zylinder) deutlich unter dem vom Hersteller vorgegebenen Wert, besteht dringender Handlungsbedarf.
Benötigtes Werkzeug und Material
Das wird für die Wartung benötigt:
- Kerzenschlüssel
- Neue Zündkerze
- Fühlerlehre
- Kupferpaste
- Startpilot/Bremsenreiniger
- WD 40 oder Ähnliches
- Starthilfekabel
- Benzinstabilisator
- Multimeter
- Zündspannungsprüfer
- Kompressionsmesser
- Colortune-Kerze
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