Die Pläne für eine Karwendel-Durchquerung mit dem Bike reiften schon seit zwei Jahren. Von West nach Ost, von Scharnitz bis Stans im Inntal. Irgendeine lohnende Karwendel-Passage - jenseits der klassischen West-Ost-Route - musste es doch auch für Mountainbiker geben. Den Klassiker von Scharnitz durchs Karwendel-Tal kann ja jeder.
Über Pfeishütte und Stempeljoch ins Halltal
Wie aus einer Infusion tröpfelt der Schweiß von meinem Kinn aufs Oberrohr. Dazu weht mir die Knoblauchfahne aus Andis Mund in die Nase. Weit über den Vorbau gebeugt, stapfen wir die letzten Meter zum Stempeljoch hinauf. Meine Fersen brennen in den Carbon-Tretern, als würde ich durch glühende Kohlen laufen. Doch als wir im Felsentor des Stempeljochs unsere Nasen erst in den nächsten Abgrund halten und dann in die laue Föhnbrise, herrscht betretenes Schweigen.
Im engen Zickzack windet sich der Steig die lose Geröllflanke hinunter. Gerade mal so breit wie ein iPad, teils über morsche Holzplanken und von Drahtseilgeländern flankiert. Mit geschulterten Bikes tasten wir uns Meter für Meter nach unten. Als würden wir ohne Steigeisen am Gipfelgrat des Mont Blancs umherschleichen. Ob ich meine Begleiter damit nicht überfordere?
Als Fotograf Markus, der wegen seiner schweren Ausrüstung mit einem E-Bike unterwegs ist, seinen 20-Kilo-Brummer um den ausgesetzten Felsvorsprung wuchtet, biegen zwei Wanderer um die Ecke. "Habt’s euch verlaufen? Wo wollt’s denn hin mit den Radln?", fragt der Eine und stützt seine Schultern in die Griffe seiner Carbon-Stöcke. Wir zeigen auf die mächtige Schotterschneise, die sich ins Halltal hinunterwalzt und schleichen weiter. Die gepunktete Linie in der Karte hatte bereits verraten, dass dieser Abschnitt eher die Trittsicherheit fordert als den Reifen-Grip.
Als sich die Steigung etwas freundlicher gibt, schwingt sich Ludi auf ihr Bike und zirkelt in Vertrider-Manier an uns vorbei. Kein Wunder, schließlich liebt die Innsbruckerin anspruchsvolle Trails und technische Passagen. Dabei würde hier selbst einem Wanderer der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Wenig später zweigen wir rechts ab, surfen über Geröllpisten und kopfgroße Schotterwürfel ins Halltal hinab. Immerhin sind wir unserer selbst zusammengebastelten Route treu geblieben.
Zum Finale über den Gröbner Hals an den Achensee
Gestern war es bereits lange dunkel, als wir mit leeren Akkus die Lamsenjochhütte erreichten. Entsprechend unausgeschlafen knabbern wir heute, am zweiten Tag, an der Schotterrampe des Schleims-Sattels. Die Sonne brennt. Wir fühlen uns wie gerupfte Hähnchen am Spieß. Andi drückt die Kurbel seiner Einfach-Übersetzung im Zeitlupen-Tempo um die Achse, während Ludi sich die Schinderei an dieser nicht enden wollenden Schotterrampe spart und schiebt.
Von den Vertrider-Touren kennt sie es nicht anders, da wird das Bike bergauf fast immer geschleppt. Markus flucht trotz E-Motor, das Gesicht ist schmerzverzerrt. Auch er schwitzt, leidet, kämpft. Um den Akku zu schonen, fährt er mit niedrigster Unterstützung. Dazu zerrt der 15-Kilo-Fotorucksack erbarmungslos an seinen Schultern. Als wir wenig später am Schleims-Sattel endlich an unseren Käsebroten kauen, erschlage ich die euphorische Stimmung mit einem Ausblick auf den weiteren Routen-Verlauf. "Da hinten müssen wir drüber, das ist der Gröbner Hals", erkläre ich und deute auf den fernen Grasrücken am nächsten Talende. Gut 400 Höhenmeter dürften es noch sein. Und, ja doch, dafür reichen bestimmt auch noch die letzten zwei Balken an deiner Akku-Anzeige, Markus.
Gut, da wusste ich ja noch nicht, dass der letzte Anstieg von Schlammlöchern überzogen ist. Offensichtlich hatte schon eine ganze Herde Kühe mit dem matschigen Untergrund zu kämpfen. An Fahren ist deshalb auch hier wieder nicht zu denken. Ein falscher Tritt und der Fuß ist im Morast einbetoniert. Eine satte halbe Stunde brauchen wir, um Markus’ Schuhe mit vereinten Kräften aus dem Schlamm zu zerren. So ist es wieder dunkel, als wir nach zwei Tagen endlich unser Ziel Achenkirch erreichen.
Im Shuttle-Bus zurück zu unseren Autos nach Innsbruck wirft Markus seinen Rucksack von sich und sackt auf die Rückbank. Er ist sich sicher: Das Gewicht von E-Bike und Rucksack auf seinen Schultern haben ihn fünf Zentimeter seiner Körpergröße gekostet. Fahrtechnik-Ass Ludi resümiert, dass sie noch nie auf einer Tour so viel Energie ins Fahren gesteckt hat. Und Andi kramt verzweifelt in Hosentaschen und Rucksack: "Ach Mist", zuckt er erschrocken zusammen: "Ich habe die Autoschlüssel verloren."
Die goldene Sieben: Top Bike-Touren im Karwendel
- Zum Soiernsee (36 km, 1544 hm, Schwierigkeit: schwer)
- Große Karwendel-Runde (68,2 km, 1838 hm, Schwierigkeit: schwer)
- Pleisenhütte (15,8 km, 788 hm, Schwierigkeit: schwer)
- Lamsenjochhütte (37,6 km, 1578 hm, Schwierigkeit: schwer)
- Falkenhütte (30,4 km, 1123 hm, Schwierigkeit: mittel)
- Schleims-Sattel (61,21 km, 1792 hm, Schwierigkeit: schwer)
- Alternative Route & weitere Tipps
Im Anschluss an die steile Abfahrt vom Hochalmsattel zum Naturparadies "Kleiner Ahornboden" bietet sich hier die Möglichkeit einer kurzen Verschnaufpause unter einem der großen, knorrigen Ahornbäume. Dort genießt man außerdem einem unvergleichlichen Blick zu den fast senkrechten, 900-Meter hohen "Laliderer Wänden".
Parkmöglichkeiten: Parkplatz "P1" am Bahnhof in Mittenwald (kostenpflichtig)
Beste Jahreszeit: von Juni bis Oktober befahrbar (witterungsabhängig)
In Notfällen: Im Notfall verständigen Sie bitte die nächstgelegene Rettungsleitstelle. Die Begehung bzw. die Befahrung aller beschriebenen Touren der Alpenwelt Karwendel erfolgt auf eigene Gefahr. Die Aktualität und Vollständigkeit der Inhalte kann nicht garantiert werden.
Karwendelrunde klassisch
Von Scharnitz zum Karwendelhaus und über die Fereinalm zurück nach Mittenwald - die klassische Karwendelrunde. Direkt vom Parkplatz in Scharnitz kann man sich auf eine schöne Tagestour mit dem Mountainbike rund um die Karwendelspitzen begeben. Vom Parkplatz fährt man taleinwaerts zur Isarbrücke und gleich links hinauf ins Karwendeltal.
Nun fährt man den Weg taleinwärts bis man ca. nach 1 - 2 Stunden das Karwendelhaus erreicht, um dort die erste Rast einzulegen. Nach dem Genuss des schönen Panoramas und der guten Tiroler Küche, geht es gestärkt weiter über den Hochalmsattel hinunter zum Kleinen Ahornboden (Hermann von Barth Denkmal) und durchs Johannistal hinaus nach Hinterriss.
Hundert Meter nach dem Ortsschild Hinterriss zweigen Sie links ab auf den Asphaltweg Richtung Parkplatz Rontal, Vordersbacherau, Fereinsalm ab und nach ca. 220 m beim Wanderparkplatz folgen sie dem Forstweg bergauf. Jetzt immer Richtung Fordersbachau und Fereinsalm (Fereinsalpe) halten. Nach kurzer Rast auf der Fereinsalm auf den Weg Richtung Aschaueralm, Mittenwald halten und nach ca. 1,8 km vor der Unterführung links auf den Weg Richtung Karwendelbahn, Mittenwald fahren. Beim nächsten Schild einfach Richtung Innsbruck, Leutasch halten bis sie wieder in Scharnitz ankommen.
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