Einmal mit dem eigenen Motorrad die Welt bereisen - das ist der erklärte Traum von Vielen. Doch um diesem Traum wahr werden zu lassen, braucht man vor allem zwei Dinge: Zeit und Geld.
Viele Monate sind nun schon wieder vergangen seitdem ich Katze in Vancouver geparkt hatte. Nur 4 Monate sollten wir getrennt sein, im Frühjahr sollte die Große Reise weiter gehen und zwar wieder ohne feste Ziele, ohne Zeitplan und mit ganz viel Spontanität. Denn eines habe ich gelernt, zuviel Abhängigkeit ist einem freien Geist hinderlich. Man verliert den Blick für das Wesentliche, verliert den Blick für neue Impulse und neue Geschichten, welche einem vielleicht direkt vor der Nase liegen.
Lea Rieck und ihre Triumph auf Weltreise
Mit der Motorrad- Weltreise folgt sie quasi einer Familientradition: Nachdem ihr Vater in den 1970er Jahren Australien mit dem Motorrad umrundet und durchquert hatte, möchte Lea Rieck nun dafür sorgen, dass die noch weißen Teile in der Weltkarte der Riecks mit befahrenen Routen ergänzt werden. Die Wahl des Motorrads für diese Reise fiel ihr dabei nicht schwer, denn seit der ersten Probefahrt mit einer Dreizylinder -TRIUMPH ist sie vernarrt in die charakteristischen Triple -Motoren.
Der Dreizylindermotor läuft elastisch undbutterweich und macht ‚Cleo‘ für mich zum perfekten Reisemotorrad - --nie wieder taube Gliedmaßen wegen der Vibration‘‘, schwärmt Rieck. Von Bangkok oder Kuala Lumpur fliegen die Großkatze und ihre Besitzerin dann nach Südamerika, um dort Chile, Argentinien, Bolivien, Peru, Kolumbien, Mittelamerika, Mexiko und die USA unter die Räder zu nehmen. Ein weiterer Flug bringt das Duo laut aktueller Planung dann nach Marokko, von wo es quasi nur noch ein letzter, kleinerer Katzensprung über die Straße von Gibraltar nach Spanien, Frankreich und wieder zurück nach Deutschland ist.
Ein neues Gefährt und unerwartete Gedanken
Eigentlich wollte ich mit diesem Post nur kurz mein neues Gefährt vorstellen. Für Zuhause und vielleicht auch für die ein oder andere Reise in Europa. Aber als ich noch in Gedanken um die Bilder und Worte dieses Posts war, kam es zu einer kleinen Begegnung die mich etwas zum nachdenken brachte. Und na ja - sieht so aus als könnte ich mir nicht einmal ein Motorrad kaufen ohne gleich den Sinn hinter meinem Tun zu erfragen.
„Ne das passt nicht - das ist nicht Martin!“ - mit diesen Worten blickt mich Udo an als er mich auf meinem neualten Motorrad sieht. Ein Bekannter, Biker mit Leidenschaft ist er, schreibt für Magazine und hat sicherlich schon abertausende Kilometer mit seinen verschiedenen Motorrädern abgerollt. Zufällig hatten wir uns, es liegen Jahre seit dem letzten Treffen, vor einem Motorradladen getroffen, wo ich mir kurz zuvor noch eine neue Motorradjeans geholt hatte.
Fesch steht er in besten Klamotten neben seiner neuen 700er Yamaha. Gerade hat er mit seiner Liebsten - damit meine ich seine Frau ;-) - eine spannende Tour abgerollt. Wir scherzen, quatschen über dies und das und versinken in kleinen und großen Motorradgeschichten. Lange ist es her, dass ich jene Art von Gespräch hatte. Notgedrungen für mich, steht Katze ja in Vancouver und viel war hierzulande nicht los auf zwei Rädern. Es war ein ziemlich verrückter Tag, ich hatte mich total verquasselt und war irgendwie entspannt. Ja - endlich entspannt nach all dem Viruswahn, der langen Zeit Zuhause und den vielen Stunden vor dem Computer. Nun bei top Wetter einmal wieder eine Brise von Freiheit zu erspüren hatte wirklich gut getan. Es war nämlich der erste Tag an dem ich mit der R1100 auf die Straße durfte. Und es war einfach herrlich - trotzdem - was passt da nicht?
Die Reise als Lebensveränderer
Seit dem Beginn meiner Südamerikareise sind nun schon mehr als sieben Jahre vergangen. Es war jene Reise die mein Leben und wohl auch mich sehr verändert hat. Das war möglich, da ich damals alle Freiheiten ausschöpfen konnte. Das Bankkonto war voll, ich hatte ein neues Motorrad, alle Ausrüstung, keinen Plan und die große, weite Welt direkt vor mir. Und zurückblickend denke ich macht es jene 3.5-jährige Geschichte genau deswegen so besonders.
Ich hatte mir Zeit genommen, viel Zeit, die Welt zu sehen, mich besser zu verstehen, Empathie für die Menschen der fremden Länder aufzubauen und eben nicht wie blind durch die Länder zu ziehen. Geplant hatte ich das so eigentlich nicht wirklich. Es sollte eine Weltreise werden. Nun gut. Die Realität lehrt einem immer des besseren. In 2017 hatte ich angefangen meine Geschichte auf den Bühnen zu erzählen, hatte ein Buch geschrieben und immer versucht mir meine Freiräume weiter aufzubauen.
Eine Weiterreise war nach dem Chaos in Kolumbien und Kuba nämlich aus familiären, finanziellen und technischen Gründen einfach nicht mehr möglich. Aber bis zu Ende hatte ich gekämpft und auch wenn mir einige eine „Niederlage“ in Bezug auf meine Welt-Südamerikareise zuschreiben, sehe ich das rückblickend nicht zwangsweise auch so. Klar fehlten damals noch vier weitere Kontinente und dutzende von Länder. Aber was ist denn nun wichtig - die zurückgelegte Strecke oder das was man während jener daraus macht?
Mit Scheuklappen durch die Welt zu wandeln war noch nie wirklich mein Ding. Und so wird Martin irgendwie zum Entertainer und ist aber doch eher ein zurückhaltender Mensch? Das war eine wirkliche spannende Erfahrung und auch in diesem Prozess konnte ich ganz neue Stärken meinerseits entdecken. All das hat aber seinen Ursprung in einem starken inneren Verlangen die Welt zu sehen und die Tage intensiv zu leben, zu spüren auch wenn es vielleicht einmal schmerzt.
Die Zeit nach Südamerika durfte ich in Deutschland dann wieder denn Zusammenhang zwischen Geld und Zeit -> Freiheit spüren und das ohne Arbeit und Anstrengung einem einfach nichts geschenkt wird. Alltag wie für viele sozusagen. Gelegentlich stelle ich fest, und das habe ich sicherlich auch schon andernorts hier auf Freiheitenwelt angemerkt, dass wohl der Eindruck entsteht als würden mir die Abenteuer und der „Traum von Freiheit“ irgendwie geschenkt. Ich will das Thema hier nicht zu sehr vertiefen, aber manchmal gehen die Vorstellungen der Realität schon sehr auseinander.
Sponsoring und Spendengelder machen keine Reise und schon gar keine „freie Reise“ möglich. Das müssen sich die Meisten unserer Gattung schon selber erarbeiten. Solche Worte schmerzen gerade auch im Moment doch sehr, wenn ich beobachte wie im Kreise der Vortragsreferenten und Veranstalter die Segel derzeit ziemlich flau hängen und einige auch Schiffbruch erleiden. Nun liegt mir tatsächlich weniger an den Veranstaltungen als an den Reisen und dem Bedürfnis mich im Sinne meiner Fotografie weiterzuentwickeln.
Ein neues Motorrad muss her
Auch hatte ich ohnehin kein Motorrad und bis zuletzt gab es die Hoffnung im Sommer doch noch nach Kanada zu kommen. Mit Katze ging es schließlich immer irgendwie weiter, wenn auch turbulent. Aber jene Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt. Der liebe Trumpl schafft wenigstens klare Verhältnisse, indem er niemand mehr ins Land lässt bis zum Jahresende. Zwangsläufig zieht sich das dann wohl auch auf den Nachbarn Kanada.
Und so stehe ich nun da. Wie immer suche ich meine Lösungen auf eher pragmatischem Wege. Eines war klar es muss zuerst ein fahrbarerer Untersatz her und somit kommen wir nun auch einmal zu dem roten Motorrad auf den Bildern. Die Suche nach einem spaßbringenden Gefährt gestaltet sich deutlich leichter wenn man sich an einige Einschränkungen halten muss. Somit hatte ich ein Motorrad für max 2500€, incl. allem was man für eine kleine oder große Reise benötigt, gesucht. Die Anzeigen mit diesen Ansprüchen vielen in unserer Region dann ziemlich übersichtlich aus.
Ein paar Japaner reihten sich unter eine Vielzahl alter Boxermotorräder. Hum - eine BMW - da hatte ich als Kürbistreiber natürlich schon erstmal überlegt. 23 Jahre ist das gute Stück alt, hat aber einfach alles an Bord was ich für meine spontanen Pläne benötige. Koffer, Taschen, Navi, Fahrwerk und einen schicken Endtopf von Zach gibts auch noch dazu. So ganz nackt, mit großen Alufelgen und ganz ohne lange Federwege ist die R sicherlich kein „Adventurebike“ nach neuster Definition. Aber alles was Räder hat kann dich um die Welt bringen und warum sollte es dann nicht auch mit etwas vintage Stil möglich sein? Gut an den passenden Klamotten muss ich vielleicht noch etwas arbeiten…
Die R (ein Name fehlt noch) schafft es tatsächlich mir ein breites Grinsen unter den Helm zu zaubern wie schon lange nicht mehr. Keine Elektronik, kein Blinken, kein flatterndes Windschild oder wackelnde Reifen. Wie auf Schienen fahren sich die ersten Kurven in der Heimat und der Gedanke mit dem Gerät Europa zu erkunden schmeichelt schon sehr. Nun ist das nicht mein erster Boxer aber den gnädigen und stabilen Charakter des Motorrades weiß ich doch von neuem sehr zu schätzen. Das schreibend heist aber nicht, dass ich nicht auch moderne Motorräder mag - und ich glaub darauf wollte Udo mit seinen Worten anspielen.
Katze war (oder ist) frisch, rebellisch voller Energie und versprüht einen enormen Abenteuercharakter. In Bezug auf meine Geschichten in aller Welt, meiner Leidenschaft auch für das Motorradfahren abseits der Asphaltstraßen, bietet solch eine Reiseenduro natürlich eine ganz andere Vorstellungskraft der Möglichkeiten, welche sich wohl auch auf meine Person überträgt. Auch damals in 2012 war es übrigens eine reine Bauchentscheidung gewesen als ich Katze aufgenommen hatte. Denn der Zweck ist überhaupt nicht definiert!
Sie ist aber vielleicht ein Abbild meiner momentanen Möglichkeiten. Die große Reise ist nämlich weiterhin Katze vorbehalten. Dafür haben wir schon zu viel erlebt und abgesehen davon steht sie gerade in bestem gewarteten Zustand die Coronazeit weiterhin durch. Ich sehe den alten Boxer fast schon wie ein Sammlerstück und wenn die Technik hält was andere Versprechen kann mich dieses Gefährt ganz nebenbei noch viele lange Jahre begleiten. Mobilität ist wichtig in unserer Zeit und ich stelle doch fest wie schön es ist wieder seine eigene Fortbewegung in der Garage zu haben.
Spaß steht an erster Stelle
Somit geht es mir nicht um ein Image - oder was zu mir passt - sondern einfach nur genau um eine Sache. Spaß! Und genau jener soll helfen die oben genannte Depression der jetzigen Zeit auch etwas spielend zu überwinden. Und genau in dieser selbstheilenden Idee sehe ich mich dann doch mit einem verlegenen Schmunzeln wieder. Und das ist dann auch ein Stück Martin, das nicht jeder kennt und auch nicht kennen muss. Es ist schon kurios wie Gegenstände manchmal auf unsere Persönlichkeit übertragen werden.
Das geht in Motorradkreisen ja schon los ob man nun Harley, BMW, KTM oder sonst welche Marke fährt. Es bleibt kompliziert! Ich begrüße „Red R“ auf jeden Fall in der Familie und hoffe auf die ein oder anderen netten Geschichten. Ob in die Ferne oder nur zum Einkaufen im nächsten Ort. Das spielt keine Rolle.
Martin Klauka und Katze Mogli: Eine außergewöhnliche Freundschaft
Martin Klauka ist kein gewöhnlicher Reisender: Wenn er die Welt bereist, ist seine Katze Mogli immer an seiner Seite. Mit 31 Jahren hatte der gebürtige Brandenburger seinen Alltag und seinen Job in Rosenheim aufgegeben, um auf Reisen zu gehen. Bei einer Testfahrt in Marokko lief ihm das zirka zwei Monate alte Straßenkätzchen Mogli zu und wich seitdem nicht mehr von seiner Seite. In den ersten zwei Jahren bereisten Martin und Mogli insgesamt 16 Länder und legten mehr als 30.000 km auf dem Motorrad zurück.
Sein Buch darüber „Einmal mit der Katze um die halbe Welt“ wurde zu einem Überraschungserfolg und ermöglichte ihm, mit Mogli weitere faszinierende Reiseabenteuer zu bestehen, nachzulesen in seinem neuen Buch bei Malik.Martin und Mogli, die „Prinzessin“, sind längst ein eingespieltes Reiseteam. In seinem neuen spannenden Buch erzählt der sympathische Motorradreisende von neuen Abenteuern auf zwei Rädern und vier Pfoten durch Wüsten, Großstädte und über steile Pässe: der Durchquerung Südindiens, Pakistans, Irans, Armeniens, Georgiens, der Türkei, Rumäniens und Bulgariens bis zur Rückkehr nach Deutschland.
Bei dieser unzertrennlichen Freundschaft immer mit dabei: ein kleines Kratzbrett und die im Rucksack eingebaute Lüftung. Denn extreme Hitze oder Schlaglöcher können ebenso gefährlich werden wie Greifvögel, streunende Hunde, Leoparden oder Elefanten, und Martins Fürsorge für Mogli ist mindestens so groß wie seine Unternehmungslust.Spannend, nahbar und ehrlich berichtet der Weltenwanderer von seinen Erfahrungen und Eindrücken und zeigt, wie gut man mit einer Katze überall hinreisen kann und wie Mogli Türen und Herzen öffnet.
Klimaanlage für Katze Mogli auf dem MotorradOb Mogli die Reise genießt? „Direkt lieben tut sie es nicht, aber sie kennt es nicht anders“, sagte Klauka am Telefon. Er achte immer darauf, dass sie sich sicher fühle. „Dann läuft sie auch nicht weg. Sie hat ihre Routine, schnüffelt umher.“ In der Motorradtasche habe er ihr sogar eine Klimaanlage eingebaut. Tierschützer seien noch nicht bei ihm vorstellig geworden.
Er habe Mogli auf der Straße gefunden, als sie etwa zwei Monate alt, voller Flöhe und verschreckt war. Da die Mutter des Kätzchens tot war, habe er Mogli aufgenommen, die erste Spritztour mit ihr gemacht. Von da an war offensichtlich klar: Die Katze muss überall mit. „Reisen mit anderen Menschen wäre wohl schwieriger, Mogli hat ja keine anderen Pläne und kein Budget.“
Eine Rückkehr ins „normale“ Leben in Deutschland kann Klauka sich derzeit nicht vorstellen. Für ein alternatives Leben sei das nicht der richtige Ort, „da fressen einen die Fixkosten auf“, sagte er, der auch ein Buch über seine Reise geschrieben hat. Auf die Frage, wovon er lebe, sagte er dem „Focus“: von Ersparnissen, Jobs, seinem Buch und finanzieller Unterstützung etwa von Freunden und Familien. In Rosenheim arbeitete Klauka zuvor bei einer Spedition und als Pizzabote.
Kosten einer Motorrad-Weltreise
Eines gleich vorweg: Es kann natürlich niemals pauschal gesagt werden, wie viel so eine Reise im Einzelfall kostet. Denn: Reisekosten hängen immer vom individuellen Reisestil ab. Schläfst du in Hotels oder campst du lieber? Gehst du in schicken Restaurants essen oder kochst du selbst? Nimmst du ein Taxi oder läufst du? Dass man auch mit relativ wenig Geld reisen kann, beweisen viele Menschen. Wir zählen sicher nicht zu den hardcore low-Budget-Reisenden.
Trotzdem sind wir im Vergleich mit anderen Langzeitreisenden, die wir getroffen haben, schon recht sparsam unterwegs. Dabei ist interessanterweise ziemlich egal, ob jemand mit Van, Motorrad, Rucksack oder Fahrrad reist! Stichwort Prioritäten. Da muss man sich vorher ganz ehrlich fragen, was einem wirklich wichtig ist. Ist eine heiße Dusche für mich unentbehrlich? Brauche ich täglich meine Lieblings-Limo, um glücklich zu sein? Wenn man mit wenig Geld lange unterwegs sein möchte, dann muss man auch konsequent sein. Reisen ist eben kein Urlaub!
Das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht auch mal was gönnen kann. Nein, gelegentlich sollte man sich auch das was leisten, was glücklich macht. Reisen kann auch anstrengend sein. Dies haben wir aus den zurückgelegten zwei Jahren errechnet, in denen wir von Europa über den Atlantik und einmal quer durch den südamerikanischen Kontinent gefahren sind. Spannend ist, dass sich unsere Ausgaben in teuren und günstigen Ländern Südamerikas nicht unterscheiden.
Beim größten Kosten-Kuchenstück sind wir direkt wieder bei den Prioritäten. Für unseren Transport über den Atlantik - direkt zu Beginn unserer Reise - haben wir nämlich nicht die günstigste Variante (mit dem Flieger), sondern die langsamere Alternative einer Seereise gewählt. Das war für unsere Verhältnisse zwar sehr teuer, aber wir haben uns damit einen Traum erfüllt. Würde man dieses Geld übrigens von der Gesamtrechnung abziehen, dann würden unsere durchschnittlichen Ausgaben pro Tag auf 16 Euro pro Person schrumpfen.
Dies ist zwar der zweitgrößte Posten, insgesamt sind wir bei der Wahl unserer Übernachtungsmöglichkeit aber ziemlich genügsam. Wir campen viel und wenn es geht, dann auch gerne wild. Wildcampen ist kostenlos. Ob das in dem jeweiligen Land für uns bezahlbar ist. Pro Nacht haben wir eine Schmerzgrenze von 20 € für uns beide. Dafür würden wir beispielsweise in den USA noch nicht mal eine Besenkammer ergattern, wohingegen wir in Mexiko schon für weniger Geld ein schönes Zimmer bekommen.
Um Kosten zu sparen, versuchen wir so viel wie möglich selbst zu erledigen. Trotzdem geht für die Motorradwartung ein ganz ordentliches Stück Kuchen drauf. Wenn man fast jeden Tag mit dem Motorrad fährt, ist das einfach so. Da unser Tiger alt ist und wir damals beim Kauf nicht viel bezahlt haben, ist das okay für uns. Denn selbst wenn wir alle Wartungskosten auf den Kaufpreis addieren, dann könnten wir uns von dem Geld noch lange kein neues Motorrad kaufen.
Wenn Essen gehen teurer als kochen ist, dann wird bei uns der Kochlöffel selbst geschwungen. Das ist zwar immer zeitaufwendig , aber es macht auch Spaß, neue Kreationen mit lokalen Zutaten auszuprobieren. Als Luxus gönnen wir uns dazu manchmal ein Bier, achten dafür aber sonst darauf, möglichst günstig einzukaufen.
Zugegeben: Wir lieben (gutes) Essen. Und die Küche eines Landes ausgiebig zu probieren, gehört zum Reisen einfach dazu. Trotzdem heißt das nicht, dass wir wir uns in die teuren Schuppen setzen. Wir bevorzugen die Küchen, die nicht bei TripAdvisor zu finden sind. Hier bekommt man einfaches, authentisches Essen und uns gefällt die Atmosphäre meistens auch besser. Das hat uns selbst ein bisschen überrascht: Wir hätten mit einem größeren Anteil gerechnet.
Es gibt Reisende, die sich auch diese Kosten „sparen“. Wir haben dann aber doch lieber die Gewissheit, im Notfall abgesichert zu sein. Das sind die Eintrittsgelder für Nationalparks, Museen, archäologische Stätten oder Konzerte. Wie der Name schon sagt - hierunter fallen die Dinge, die man nicht essen kann, aber trotzdem braucht. All das, wofür man meistens nicht gerne Geld ausgibt: Visa, Motorradversicherung, Einreise- und Importgebühren, Mautstraßen und sowas.
Ich hoffe, dass die gewählten Kategorien ziemlich selbsterklärend sind. Trotzdem will ich kurz ausführen, was unter jede Kategorie fällt und warum die einzelnen Posten einen so großen bzw. kleinen Anteil unseres Budgets ausmachen. Nicht nur die große Überfahrt, sondern auch Tickets für Bus, Bahn oder Fähre sind hier mit drin. Alle Fähren und der große Transport über den Ozean für die Bikes. Ob wir arbeiten müssen. Wie einige von euch wissen, verdienen wir Geld durch Arbeit am Computer. Dafür braucht man schon mal mindestens einen Stromanschluss und in unserem Fall auch stabiles WiFi. Mal schauen, inwiefern sich unsere Kosten auf anderen Kontinenten verschieben werden.
Alltag auf Weltreise
Dieser Tage ist wieder ordentlich was los in meinem (Reise)alltag. Oh Boy - wird mir wieder was abverlangt! Einmal mehr wird mir klar, dass solche eine „Weltreise“ keineswegs nur die große Entspannung oder gar ein Urlaub ist. Träumer und Lebenskünstler aufgepasst! Die Globetrotter Realität kann mitunter auch anstrengend sein. Nach dem Grenzchaos in Venezuela und den gigantischen Umweg von knapp 9000 Kilometern durch Brasilien, den Amazonas, zurück nach Peru und weiter in den Norden, dachte ich jetzt die Reise nun einmal so richtig schön laufen lassen zu können. Ecuador und Kolumbien - Yepaaaa.
Zumindest sind es derzeit wenigstens sehr abwechslungsreiche Tage, keinesfalls langweilig, schreiben wir es einmal so. Katze streckte vor zwei Wochen die Flügel und ich komme aus dem stauen, hier in der Werkstatt von KTM Ecuador, überhaupt nicht mehr heraus. Das Herz von Katze liegt auf einem vielleicht drei Meter langen Tisch, ausgeschlachtet bis ins kleinste Detail, vor mir. Kolben, Federn, Ventile und sonst noch so einiges Metal stapelt sich nebeneinander, als wollte ein ambitionierter Künstler das beeindruckendste Deckenmobile Südamerikas daraus basteln. Ein Motomobile sozusagen. Cooles Word - ist mir eben eingefallen. Oh Boy zum zweiten - wo bin ich nur mit meinen Gedanken! Wenn die Welt um einen zusammenbricht muss man sich zumindest im Kopf lustiges vorstellen. Punkt! Genug des Leids.
Nach nunmehr fast drei Jahren Reiseerfahrung, vielen Höhen und Tiefen, großen Abenteuern und ruhigen Zeiten ist eigentlich nur noch wenig von der einstigen perfekten Vorstellung der „Großen Reise“ zu Beginn meines Weltreiselebens übrig geblieben. Oft bekomme ich Nachrichten, wie es denn so ist - ständig im Urlaub zu sein. „Du lebst meinen Traum, mein Leben“, heißt es so oder in ähnlicher Form in dem ein oder anderen Kommentar. „Ich möchte auch einmal gerne raus aus meinem Trott“, in einem anderen. Klar - im Internet gibt es tausende spannende Geschichten von den unterschiedlichsten Globetrottern.
Reisende sind einfältig. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, Auto oder Motorrad, alle schreiben sie spannende Geschichten und scheinen nicht müde zu werden die glorreichsten Momente unter das große Volk zu mischen. Das inspiriert und ermutigt noch mehr Menschen den großen Schritt zu tun. Schnell kann auch ein Weltreiseleben zum Alltag werden. Zum Trott? Hoffentlich nicht, dennoch fühlt es sich mitunter manchmal aber auch genau so an. Die Tagesabläufe ähneln sich, man spielt sich im Reisealltag ein und findet auch hier seinen eigenen Rhythmus.
Auch bei mir hat sich über lange Zeit mitunter genau solch ein Gefühl eingestellt. Versteht mich nicht falsch! Was ich sagen will ist, dass sich eine gewisse Routine einspielt. Anfänglichen Problemen begegnet man mit anderen Herangehensweisen, stellt fest, dass es vielleicht gar keine Probleme gibt. Die Reiseeindrücke werden anders wahr genommen und verarbeitet. Ich bin mehr als glücklich dieses ungebundene und zumeist freie Leben führen zu können.
Und ganz klar passiert so einiges. Neue Bekanntschaften inspirieren, Probleme, Pannen müssen gelöst werden, es wird geplant für die Weiterreise, hier und da tun sich ganz neue Möglichkeiten auf und man lässt sich schon auch gerne einmal treiben. Als ziemlich planloser Weltenbummler ergibt sich das zumeist von ganz alleine. Ich denke was das angeht erreiche ich bald Profiniveau. Tage wie diese holen mich aus meiner gedanklichen Reise dann immer wieder schnell zurück. Es ist nicht gut für die Seele eines Globetrotters, wenn der Reisefluss für lange Zeit unterbrochen ist. Es fehlen Impulse, es fehlen neue Gedanken und Inspirationen. Urlaub von der Weltreise - danke nein!
Schneller als man sich umschauen kann bastelt man sich sein Alltagsleben zurecht, steckt sein Territorium ab, schiebt sich sein Leben zurecht. Ja - man baut seinen persönlichen Komfortbereich aus. Mit dem Lauf der Zeit fängt man auch an die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man fängt an anders zu denken und es findet eine Art Entfremdung von der Umwelt statt. Stefan von HowFarCanWeGo hatte vor kurzen über eine Alienifizierung geschrieben. Das trifft es irgendwie doch ziemlich genau. Wenngleich wohl niemand so recht weiß wie ein Alien eigentlich empfindet, sollte es sie geben.
Ich persönlich nehme zum Beispiel scheinbar unwichtige kleine Momente viel mehr wahr als ich es vor Jahren getan habe. Das erfüllt mich mit Glück und Freude, zum Teil aber auch mit tiefster Traurigkeit. Die Impulse sind der unterschiedlichsten Art. Wer Urlaub sucht - sucht für gewöhnlich Entspannung, Ruhe und Gedankenlosigkeit. Auf Weltreise kann man sicherlich auch das finden. Zum Großteil fordern die vielen Eindrücke aber genau das Gegenteil. Das ist großartig, schön und einzigartig. Das fördert den Geist und erweitert den Horizont um ein vielfaches. Einfach ist es hingegen nicht und man darf sich nicht in der Isolation verlieren.
Bücher über Motorradreisen
- Samtpfoten und heiße Reifen:Indien-Deutschland mit Mogli und Motorrad - von einer Weltreise zu zweit und einer außergewöhnlichen FreundschaftMartin Klauka
- Lois Pryce tourte allein von London nach Kapstadt auf der Suche nach echten Abenteuern. Ergo scheute sie weder Schotterpisten, Schlammpfade, noch Asphaltschluchten.
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