Viele Motorradfahrer, die in engen Kurven und Spitzkehren, wie am Stilfserjoch, unterwegs sind, haben Schwierigkeiten und stürzen aufgrund kleiner Fehler im Handling. Dieser Artikel widmet sich dem Thema Kurvenfahren in Kehren und Spitzkehren und gibt hilfreiche Tipps, um die Kurventechnik zu verbessern.
Die Bedeutung der Blickführung
Ein wichtiger Aspekt beim Kurvenfahren ist die Blickführung. "Guckst Du scheiße, fährst du scheiße!" Dieser Spruch unterstreicht, wie entscheidend eine gute Blickführung ist. Man fährt immer dahin, wohin man schaut. Also bei der Kurvenfahrt den Blick weg vom Gegenverkehr und stattdessen dahin richten, wohin man fahren will.
Die richtige Blickführung ist die Essenz des Motorradfahrens! Trotz Schräglage den Kopf gerade halten bei der Blickführung! Weg vom Neandertalblick!
Übungen zur Blickführung
- Anfangs ohne Fixpunkte probieren, um flexibler in der Kurvenführung zu sein.
- Als Fixpunkte Tennisballhälften auslegen.
Fahrstile: Legen, Drücken und Hang-Off
Die Fahrstile Legen, Drücken und Hang-Off sind in Europa bekannt. Hang-Off ist meiner Meinung nach, nur auf die Rennstrecke gehört. Natürlich gibt es immer wieder Motorradfahrer, die die öffentlichen Straßen mit einer Rennstrecke verwechseln und geeignete Kurven zum Knieschleifen mehrmals wiederholt fahren.
Kurven im "Drücken" fahren
- Die Schräglage des Motorrads ist wesentlich größer als die des Gesamtsystems.
- Bei niedrigen Geschwindigkeiten und engen Radien leichter zu fahren.
- Ermöglicht schnellere Korrektur des Kurvenradius.
Kurven im "Legen" fahren
Das Legen ist eigentlich die häufigste Form bei Motorradfahrten im Kurvenland. Im Legen, wenn du den Kurvenradius, die Griffigkeit und somit deine passende Geschwindigkeit richtig eingeschätzt hast und wenn du weißt, wie du deine Geschwindigkeit auf sich ändernde Kurvenradien oder Griffigkeitsbedingungen gefahrlos regulieren kannst, dann wirst du viele Kurven im Legen fahren.
- Komfortabelste Form des Kurvenfahrens.
- Erfordert weniger Muskelkraft zur Stabilisierung.
Die richtige Technik für Links- und Rechtskurven
Wie fahre ich die Linkskurve?
Die Linkskurve wird im äußeren Drittel angefahren, als Anhaltspunkt könnt Ihr die Fahrspur vom rechten Reifen bei einem Auto nehmen. Wenn man schon mehr Erfahrung hat, kann man auch noch näher am rechten Straßenrand fahren, doch Vorsicht, da liegt oft Split oder sonstiger Schmutz. Nach dem Einfahren in die Kurve geht der Blick in Richtung Kurvenausgang und je nach Situation, ob etwas entgegenkommt oder nicht, zieht man am Kurvenausgang wieder zur Mitte der eigenen Fahrspur.
- Eine große Bitte! Fahrt die Linkskurve bei engen Kehren und Spitzkehren möglichst weit außen, der von unten kommende Kollege wird es Euch danken, dass er genug Platz zum Hinterschneiden seiner Rechtskurve hat.
- Passt die Geschwindigkeit immer vor der Kurve an!
Wie fahre ich die Rechtskurve?
Auch hier gilt, die Geschwindigkeit immer vor der Kurve anpassen! Bei einsehbaren engen Kurven geht der Blick immer zuerst nach oben, ob größere Fahrzeuge entgegenkommen und man genug Platz zum Hinterschneiden hat. Es ist keine Schande, wenn man vor der Spitzkehre stehenbleibt um den größeren Fahrzeugen von oben den notwenigen Platz zu lassen. DIE EIGENE SICHERHEIT STEHT IMMER AN ERSTER STELLE!
Bei Kurven mit einer Mittellinie wird die Rechtskurve im linken Drittel bis zur Mittellinie angefahren, der Blick geht zum Kurvenausgang und der Einlenkpunkt sollte möglichst spät gewählt werden, dass man so weit rechts wie möglich am Kurvenausgang rauskommt. Schaut nicht in den Gegenverkehr, sonst zieht es Euch ganz automatisch Richtung Gegenfahrbahn, schaut dahin, wohin Ihr fahren wollt!
Zusätzliche Tipps für sicheres Kurvenfahren
- Hinterschneiden von Rechtskurven bringt uns sicherer um die Kurve und man kommt am Kurvenausgang dem Gegenverkehr nicht zu nahe.
- Eine große Bitte! Fahrt die Linkskurve bei engen Kehren und Spitzkehren möglichst weit außen, der von unten kommende Kollege wird es Euch danken, dass er genug Platz zum Hinterschneiden seiner Rechtskurve hat.
Weitere wichtige Aspekte
Reifendruck und Zustand
Der richtige Reifendruck ist entscheidend. Hier gibt es klare Angaben vom Hersteller, denn oft machen 0,2 bis 0,3 bar mehr oder weniger schon einiges aus. Bei zu wenig Luftdruck fängt der Reifen an zu schwimmen und die Kurvenfahrt wird unsicher, bei zu viel Luftdruck kann sich der Reifen nicht richtig mit dem Asphalt verzahnen und man rutscht leichter weg.
Der Motorradreifen darf auch nicht zu alt sein, da mit den Jahren die Gummimischung zu hart wird und dadurch kein richtiger Grip mehr entstehen kann. Die ersten Kilometer sollte man die Reifen auch etwas warm fahren, bevor man sich damit in stärkere Schräglagen begibt.
Gepäckverteilung
Achte darauf, dass das Gewicht richtig und nicht einseitig verteilt ist, denn das macht sich dann beim Kurvenfahren gleich bemerkbar. Das Topcase möglichst mit leichteren Sachen befüllen und auch nicht noch etwas Schweres auf das Gitter vom Topcase packen. Je höher aufgepackt wird, um so schlechter ist das Fahrverhalten und die Stabilität des Motorrades bei engen Kurven und Spitzkehren.
Motorradbekleidung
Eine richtige Motorradbekleidung ist sehr sinnvoll. Ein Fahrvergnügen in T-Shirt und kurzer Hose ist nur so lange angenehm, bis man in einer Kurve wegrutscht.
Konzentration und Atemübungen
Beim Motorradfahren ist ein freier Kopf ganz wichtig, damit man sich voll darauf konzentrieren kann. Atemübungen können helfen: 4 bis 6 mal durch die Nase bis in den Bauch einatmen, die Luft ein wenig anhalten und dann die ganze Luft durch den Mund ausatmen. Vorsicht, nicht zu oft, sonst wird einem schwindelig.
Moto Gymkhana
In den letzten Jahren hört und liest man immer mehr von MOTO GYMKHANA, wo sich auch bei uns in Europa immer mehr Clubs gründen. Ein Motorsport, der ein perfektes Handling des Motorrades in engsten Radien voraussetzt um einen Hütchen-Parcours in der schnellst möglichen Zeit zu fahren.
Stilfserjoch und andere Alpenpässe
Das Stilfserjoch ist wohl eine der bekanntesten Alpenpässe im Alpenraum und der spezielle Straßenverlauf mit den engen Kehren und Spitzkehren zieht die Motorradfahrer aus der ganzen Welt an. Mit dem traumhaften Bergpanorama und der Höhe bis auf 2.757 Meter zählt das Stilfserjoch zur Superlative der Passstraßen.
Tipps für das Stilfserjoch
- Die Einfahrt in die erste Kehre sollte möglichst vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr sein, dann kann man das Stilfserjoch noch mit weniger Verkehr genießen.
- Bleibt dann weit genug vor der Kurve stehen, damit diese Fahrzeuge Platz zum Ausholen haben. Sie werden es Euch danken.
DIE EIGENE SICHERHEIT STEHT IMMER AN ERSTER STELLE! Jeder ist selber verantwortlich und es lohnt sich dafür zu üben, dass man in einer sicheren Fahrlinie und mit Freude um die Kurven auf den Passstraßen kommt.
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