Die Auswahl an Mountainbike-Reifen ist riesig und unübersichtlich: Schwalbe, MAXXIS, Conti, Pirelli, Michelin, WTB, Kenda und Co. Aus gutem Grund bieten die Hersteller eine breite Palette an Modellen und Versionen an - abgestimmt auf verschiedene Fahrertypen und - niveaus, Bikes und Trail-Bedingungen.
Grundlagen der Reifenwahl
Im ersten Teil dieses Artikels finden Sie alles, was Sie grundlegend über Reifen wissen müssen. Die vier wichtigsten Faktoren, auf die Sie bei der Reifenwahl achten müssen, haben wir im zweiten Teil erklärt. Im letzten Teil verraten wir Ihnen, wie Sie die zu Ihnen passenden Reifen finden. Und im Anschluss daran geben wir Ihnen einen Überblick über alle bekannten Hersteller.
Tubeless-Montage und Luftdruck
Die Vorteile von tubeless montierten Reifen liegen auf der Hand: weniger Gewicht, mehr Grip, geringerer Rollwiderstand und höherer Pannenschutz. Wir selbst fahren nur tubeless und haben auch alle Reifen nur ohne Schlauch für euch getestet. Der richtige Luftdruck im Reifen ist essenziell: Zu viel davon und ihr könnt euch von Komfort und Grip verabschieden.
Bei einem zu geringen Luftdruck sind ein unpräzises, schwammiges Fahrverhalten und Defekte vorprogrammiert. Wir empfehlen euch, vor jedem Ride den Luftdruck mit einem Luftdruckprüfer zu checken und etwas zu experimentieren - die Minute und Investition lohnt sich!
Reifenbreite und Gewicht
Prinzipiell gilt: Die Reifenbreite muss zur Felgenweite passen. Ein breiterer Reifen hat eine größere Aufstandsfläche und kann so mehr Grip generieren. Zudem kann das erhöhte Volumen den Pannenschutz und den Komfort erhöhen. Das Gewicht eurer Reifen solltet ihr nicht unterschätzen: Der Reifensatz alleine, ohne Tubeless-Milch und Co., trägt mit etwa 2,5 kg zum Gesamtgewicht eures Bikes bei.
Zum einen sind die Reifen Teil der rotierenden Masse, die ihr bei jedem Antritt und bei jeder Bremsung beschleunigen und abbremsen müsst. Zum anderen fungieren die Reifen - noch vor eurer Gabel - als Federelement und reagieren auf Schläge, wodurch sie massiven Einfluss auf euer Fahrwerk haben.
Anforderungen an Vorder- und Hinterreifen
Die Anforderungen am Vorderrad unterscheiden sich von denen am Hinterrad. Beim MTB gilt es, so viel Grip wie möglich am Vorderrad zu generieren, während man am Hinterrad Kompromisse zwischen Traktion und Rollwiderstand eingehen muss. Auch beim Thema Pannenschutz gibt es massive Unterschiede, die Kräfte am Hinterrad sind oftmals um ein Vielfaches höher.
Reifen als Tuning-Teil
Auch wenn ihr nicht wie so manche Profis täglich auf neuen Reifen unterwegs seid, schlagen Reifen als Verschleißteil immer wieder große Löcher in die Urlaubskasse. Fakt ist: Ein hochwertiger Reifen ist relativ teuer, hat aber auch einen massiven Einfluss auf eure Trail-Performance und kann über Frust oder Spaß im Urlaub entscheiden. Ihr solltet euren Reifen deshalb als Tuning und nicht als Verschleißteil betrachten.
Tire Inserts
Tire Inserts gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und die Preisspanne dieser Systeme ist riesig. Am Ende hat uns aber immer derselbe Reifen mit einer stabileren Karkasse überzeugt. Der Gewichtsunterschied zwischen einem Reifen mit Tire-Insert und einem Reifen mit der nächst stärkeren Karkasse fällt oft nur marginal aus.
Obendrein sind die Reifen mit stärkerer Karkasse deutlich robuster, erhalten nicht so leicht Löcher oder Risse und knicken in Kurven weniger schnell ein - mit einer stabileren Karkasse habt ihr also gleich drei Vorteile zum Preis von einem. Deshalb gilt: Erst wenn ihr mit der stabilsten Karkasse im Line-up weiterhin Probleme habt, solltet ihr über einen Tire-Insert nachdenken.
Testbedingungen
Gut Ding will Weile haben: Kein anderer Test bei ENDURO hat so lange gedauert und so viele Tester involviert wie unser Reifen-Vergleichstest. Armpump vom Reifenwechseln - ja, hatten wir. Aber nur so, mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Strecken und Bedingungen, können die Unterschiede der Reifen wirklich beurteilt werden.
Für unseren Test am Kronplatz in Südtirol sind alle Tester auf dem Pivot Firebird und dem gleichen HUNT Trail Wide MTB-Alu-Laufradsatz gefahren, um gleiche Voraussetzungen zu haben: Gleiche Bikes und gleicher Laufradsatz, unterschiedliche Reifen.
Laboruntersuchungen
Zusätzlich konnten wir mehrere Tage lang das renommierte Labor von Schwalbe in Beschlag nehmen, um alle Reifen unter standardisierten Bedingungen zu testen. Dort haben wir nicht nur alle Modelle gewogen und vermessen, sondern auch Tests zum Rollwiderstand, Durchschlagschutz und zur Pannenanfälligkeit durchgeführt, um unsere Test-Eindrücke vom Trail zu untermauern. Zudem pedalierte unser Redaktions-Praktikant - der zu seinem Glück einen Cross-Country-Background hat - für mehrere Tage die unterschiedlichsten Passstraßen und Schotterwege hinauf.
Teststrecke
Für unseren Back-to-Back-Test waren wir - wie oben erwähnt - im uns sehr gut bekannten Bikepark Kronplatz. Hier gibt es einen wilden Mix an Trails - von großen Jump-Trails mit dicken Anliegern und hohen Kompressionen bis hin zu steilen, verblockten und engen Passagen. Auch der Boden des Bikeparks war für uns ein wichtiger Faktor, denn er verändert sich selbst bei extrem trockenen oder feuchten Bedingungen nur gering und schafft so durchweg konstante Testbedingungen.
Labortests im Detail
- Labor-Durchschlagtest: Ein 19 kg schwerer Stahl-Keil wird auf die Lauffläche des Reifens (zwischen die Stollen) ausgerichtet, auf eine definierte Höhe angehoben und anschließend fallen gelassen.
- Labor-Durchstichtest: Ein Prüfkörper wird mit steigender Krafteinwirkung auf den Reifen gedrückt, bis dieser durchstochen wurde. Gemessen wird die maximale mittlere Kraft in N, die für den Durchstich notwendig war.
- Labor-Rollwiderstandsmessung: Jeder Reifen wird auf einer 30 mm breiten Test-Felge montiert, auf 1,5 bar Reifendruck aufgepumpt und mit einer Radlast von 50 kg belastet, während er auf einer Stahlrolle abrollt.
Karkasse
Die Karkasse bildet so etwas wie das Rückgrat des Reifens und ist mit der wichtigste Faktor, auf den ihr bei der Wahl eurer Reifen achten solltet. In erster Linie solltet ihr die Karkasse nicht anhand ihres Gewichts, sondern anhand eures Gewichts, eures Fahrstils und eurer Trails auswählen. Je stabiler die Karkasse, desto weiter könnt ihr den Luftdruck senken, ohne Gefahr zu laufen, an jeder Kante einen Pinch-Flat zu bekommen oder den Reifen in Kurven wegzuknicken.
Reifen für harten Untergrund
Für wirklich sehr harten Boden ist es nicht gerade leicht, einen Reifen zu finden, der den nötigen Grip bietet, eine gute Haltbarkeit aufweist, möglichst einfach zu montieren ist und dazu noch preislich im grünen Bereich liegt. Ansonsten zeichnet sich ein Hartbodenreifen durch relativ große Stollen aus, die dicht beieinander liegen. Damit besitzt er eine große Auflagefläche und ist gut geeignet für betonartige Untergründe. Die Mischung des Gummis sollte tendenziell weich sein, das heißt, man sollte die Stollen mit der Hand ein wenig verbiegen können.
Einzelne Reifenmodelle im Test
Michelin
Der Michelin „MH3“ für hinten bietet eine solide Performance auf härterem Grund und ist auch für den Medium-Boden gut geeignet. Für wirklich harten Boden empfehlen wir den in Deutschland relativ unbekannten „HP4“ für hinten und vorne, wenn man Michelin-Reifen fahren möchte.
Dunlop
Die Dunlop-Reifen zeichnen sich durch dicht aneinander angeordnete und große Stollen aus. Auf hartem Grund funktionieren beide Reifen wirklich hervorragend. Wird es allerdings etwas weicher, sind sie mit Vorsicht zu genießen.
Pirelli
Pirelli bietet mit seinem „Scorpion MX Hard 486“ eine solide Performance für sehr harten Untergrund. Mit diesem Reifen gibt es keine unerwarteten Überraschungen, er ist stets gut zu kontrollieren und berechenbar.
Shinko
Der Reifen sieht schon optisch für harten Boden geeignet aus, das bestätigt sich auch in unserem Test. Bis zu einem gewissen Punkt bietet aber auch dieser Reifen sehr guten Halt; überschreitet man jedoch diesen Punkt, rutscht er etwas abrupt weg.
Kenda
Die Besonderheit des hinteren Kenda ist, dass man ihn von zwei Seiten befahren kann. Der vordere Kenda ist nicht das passende Gegenstück zum hinteren, optisch gleicht er eher einem Enduro-Pneu.
Mefo
Der Mefo „SX Master“ wird in Deutschland hergestellt und hat keine Laufrichtung. In der Praxis bietet der „SX Master“ ein Gripniveau, das im Mittelfeld unseres Vergleichs angesiedelt ist. Die Haltbarkeit ist ebenfalls mittelmäßig.
GoldenTyre
Der „GT 523 Rocky“ ist für den Hobbyfahrer eher ungeeignet, da es ein Reifen ist, der nur für Wettbewerbe ausgelegt ist. Der vordere Reifen „GT 216 HB AA“ sieht optisch betrachtet nicht wie ein echter Hartbodenreifen aus, trotzdem zeigt er sich im Test mit gutem Gripniveau und langer Haltbarkeit.
Maxxis
Hinten erzielt man mit dem Maxxis-Pneu guten Grip bei solider Haltbarkeit. Bis es so weit kommt, ist man mit dem hinteren „Maxx Cross IT“ auf Hartboden dennoch ziemlich gut bedient.
Weitere Reifen im Test
Neben den oben genannten Modellen wurden auch verschiedene Enduro- und Reiseenduro-Reifen getestet, darunter:
- Pirelli Scorpion XC Mid Hard
- Gibson TECH6.2 Enduro Rear
- Michelin Enduro Medium
- Metzeler Tourance Front
- Mitas C-19 Super Gelb
- Metzeler MCE 6 Days Extreme Rear
- HMParts Enduro Reifen
- Michelin Enduro Hard
- Heidenau K46
- Dunlop Trailmax Raid
- Metzeler Tourance Next 2
- Michelin Anakee Adventure
- Heidenau K60 Ranger
- Continental TKC70
- Michelin StarCross 6
- Bridgestone Battlecross X40
- Dunlop Geomax MX33
- Dunlop Geomax MX71
- Maxxcross IT
- Mitas Terraforce MX
Diese Reifen wurden hinsichtlich ihrer Eignung für verschiedene Terrains und Bedingungen bewertet, wobei besonderes Augenmerk auf Grip, Stabilität und Haltbarkeit gelegt wurde.
Zusammenfassung der Testergebnisse
Die Testergebnisse zeigen, dass die Wahl des richtigen Reifens stark von den jeweiligen Fahrbedingungen und dem bevorzugten Fahrstil abhängt. Einige Reifenmodelle eignen sich besonders gut für harten Untergrund, während andere auf weichem oder gemischtem Terrain besser performen. Es ist wichtig, die individuellen Anforderungen und Vorlieben zu berücksichtigen, um die optimale Reifenwahl zu treffen.
| Reifenmodell | Geeignet für | Besondere Eigenschaften |
|---|---|---|
| Michelin MH3 | Härterer Untergrund, Medium-Boden | Solide Performance, Allrounder |
| Dunlop (verschiedene Modelle) | Harter Grund | Effektive Auflagefläche, Vorsicht bei weichem Untergrund |
| Pirelli Scorpion MX Hard 486 | Sehr harter Untergrund | Gute Kontrolle, berechenbar |
| Shinko (verschiedene Modelle) | Harter Boden | Sehr guter Grip, lange Haltbarkeit |
| Kenda (verschiedene Modelle) | Variabel | Besonderheit: Hinterreifen von zwei Seiten befahrbar |
| Mefo SX Master | Mittelfeld | Gripniveau im Mittelfeld, kontrollierte Fahrweise |
| GoldenTyre GT 523 Rocky | Wettbewerbe | Solider Grip, begrenzte Haltbarkeit |
| Maxxis Maxx Cross IT | Harter Boden | Guter Grip, solide Haltbarkeit |
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