Kette spannen am Motorrad: Eine detaillierte Anleitung

Die Kette ist bei Motorrädern oft der einfachste und günstigste Weg, um die Kraft vom Motor zum Hinterrad zu übertragen. Im Vergleich zu anderen Antriebskonzepten erfordert die Kette jedoch regelmäßige Wartung, da sie Verschleiß unterliegt. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung, wie du die Kette deines Motorrads richtig spannst, um eine optimale Leistung und Lebensdauer zu gewährleisten.

Vorbereitung

Für das beste Ergebnis sollte das Hinterrad aufgebockt werden, sodass es sich frei drehen kann. Stelle sicher, dass der Motor aus ist und das Getriebe im Leerlauf ist. Vor dem Messen der Kettenspannung sollte die Kette gereinigt und geschmiert werden, um eine exaktere Messung zu gewährleisten.

Prüfe den Kettenschleifschutz (oder Schwingenschutz) vorne auf der Schwinge auf Beschädigungen. Wenn er beschädigt ist, muss er erneuert werden, um Schäden an der Schwinge zu vermeiden.

Kettenspannung prüfen und einstellen

Eine exakte Kettenflucht ist die erste Voraussetzung, damit Hinter- und Vorderrad in einer Spur laufen. Beachte die Markierungen für gleichmäßiges Spannen der Kette.

  • Merke 1: Beim aufgebockten, unbelasteten Motorrad mit voll ausgefedertem Hinterrad ist die Kette am lockersten.
  • Merke 2: Durch das Gewicht des Fahrers und Gepäcks federt das Hinterrad ein, wodurch sich die Hinterachse von der Getriebeabtriebswelle wegbewegt und die Kette straffer wird.

Messstelle suchen

Da sich eine Kette unregelmäßig verzieht und sich Ritzel und Kettenrad ungleichmäßig abnutzen können, suche die straffste Stelle der Kette, indem du das Hinterrad drehst und die Kette am unteren Teil leicht nach oben drückst.

  • Regel 1: Wenn das Motorrad auf dem Hauptständer abgestellt und das Hinterrad voll ausgefedert ist, ist der Kettendurchhang größer.
  • Regel 2: Wenn das Motorrad auf dem Seitenständer abgestellt und dadurch das Hinterrad etwas eingefedert ist, ist die Kette "kürzer".

Wenn kein Hauptständer vorhanden ist, bewege das Motorrad langsam vor und zurück, um die straffste Stelle der Kette zu finden.

Kettendurchhang messen

Drehe das Hinterrad so, dass sich die gefundene straffste Stelle der Kette unten in der Mitte zwischen Kettenritzel und Kettenrad befindet. Lege einen Zollstock an der Schwinge zur Kette hin an. Ziehe die Kette mit dem Finger so weit nach unten wie möglich und notiere das Maß. Drücke die Kette so weit nach oben wie möglich und notiere das Maß. Die Differenz zwischen den beiden Maßen ist der Kettendurchhang.

Die vorgeschriebene Kettenspannung ist je nach Hersteller und Modell unterschiedlich und liegt meistens im Bereich von 20 bis 40 mm oder 30 bis 50 mm. Die exakte Angabe findest du im Handbuch deines Fahrzeugs oder auf einem Aufkleber an der Schwinge.

Kettenspanner und Kettenspannung einstellen

Das Einstellen der Kettenspannung ist bei allen Motorrädern prinzipiell gleich: Durch Verschieben der Hinterachse nach hinten wird die Kette gespannt.

  1. Hinterachsmutter um mindestens zwei Umdrehungen lösen.
  2. Kontermuttern der Kettenspanner auf beiden Seiten um zwei Umdrehungen lösen.
  3. Mit den Einstellschrauben/Einstellmuttern die Hinterachse nach hinten verschieben. Gehe dabei in Vierteldrehungen rechts-links-rechts-links vor, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht.
  4. Orientiere dich an den Markierungen am Ende der Schwinge, um sicherzustellen, dass das Hinterrad gerade steht.
  5. Beachte: Wenn keine Einstellschrauben vorhanden sind, musst du die Einstellmuttern drehen, um die Kette zu spannen.
  6. Achsmutter mit dem vorgeschriebenen Anziehdrehmoment festziehen.
  7. Kontermuttern festziehen, nachdem die Kettenspannschrauben leicht gegen die Achsaufnahmen gedreht wurden.

Wichtig: Beim Festziehen der Hinterachsmutter kann sich die Kette wieder etwas spannen. Daher die Kette vor dem Festziehen eher etwas zu locker als zu stramm einstellen.

Überprüfung und Abschluss

Nachdem die Kettenspannung wieder korrekt ist, darfst du nicht vergessen, die Hinterachse wieder zu befestigen. Greife dafür zum Drehmomentschlüssel und suche in der Betriebsanleitung das vorgegebene Drehmoment heraus. Schließlich senke das Motorrad vorsichtig ab, wenn es auf einem Hauptständer oder Montageständer steht, und überprüfe die Kettenspannung erneut, um sicherzustellen, dass sie stabil ist.

Sollte das erste Einstellen nicht zum gewünschten Ziel geführt haben, wiederhole den Vorgang.

Zustand der Ritzel prüfen

Prüfe bei der Kettenwartung auch den Zustand der Ritzel. Achte auf ein gleichmäßiges Bild der Ritzelzähne und darauf, dass alle Zähne vorhanden sind. Die Abnutzung erkennst du an der Form der Zähne. Sind sie noch flach und gut ausgeprägt, ist alles in Ordnung.

Wichtigkeit der korrekten Kettenspannung

Insgesamt ist die korrekte Einstellung der Kettenspannung entscheidend für die Leistung und die Langlebigkeit des Motorrads. Es ist wichtig, die spezifischen Anweisungen des Herstellers in der Bedienungsanleitung zu beachten, da verschiedene Motorräder unterschiedliche Anforderungen haben können.

Die regelmäßige Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Kettenspannung sind Schlüsselmaßnahmen, um vorzeitigen Verschleiß der Kette und der Ritzel zu verhindern. Eine gut eingestellte Kettenspannung trägt nicht nur zur Sicherheit bei, sondern sorgt auch für eine reibungslose Fahrt und minimiert unerwünschte Vibrationen.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Kettenschmierung: Verwende ein hochwertiges Kettenspray, um die Kette regelmäßig zu schmieren.
  • Kettenreinigung: Reinige die Kette regelmäßig, um Schmutz und Ablagerungen zu entfernen.
  • Kettensatz: Ersetze Kette, Ritzel und Kettenrad gleichzeitig, um eine optimale Leistung zu gewährleisten.
  • Alternativen zur Kette: Zahnriemen und Kardanantrieb sind wartungsärmere Alternativen, aber teurer und weniger effizient.

Kettendurchhang Tabelle

Motorradtyp Empfohlener Kettendurchhang (mm)
Sportmotorräder 20-30
Touringmotorräder 30-40
Enduros 40-50

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