Die Antriebskette ist eine altbewährte und gleichzeitig die gängigste Art der Kraftübertragung bei einem Motorrad. Durch die hohe Belastung ist die Lebenszeit allerdings begrenzt. Regelmäßige Kettenpflege kann den Moment des Kettenwechsel hinauszögern, aber irgendwann kommt er: Der alte Kettensatz ist durch, ein neuer muss her.
Woran erkennst Du, ob Du Kette, Antriebsritzel oder das Kettenrad wechseln solltest?
Im Zuge der Kettenpflege - beispielsweise beim Nachspannen - gilt es, regelmäßig zu prüfen, ob der Kettensatz noch voll funktionsfähig ist oder bereits ein Sicherheitsrisiko darstellt. Überprüft regelmässig, beispielsweise beim Nachspannen der Kette ob der Kettensatz noch in Ordnung ist. Indizien dass der Kettensatz gewechselt werden muss können folgende sein:
- Wenn der Kettenspanner am hinteren Limit ist und schon mehrfach nachgespannt wurde.
- Wenn sich die Kette am Kettenrad mehr als eine halbe Zahnhöhe abheben lässt.
- Wenn die X- bzw. O-Ringe heraustreten.
- Eindeutig verschlissen ist die „Hardware“ wenn die Ritzel- und Kettenradzähne spitz werden, in etwa so wie eine Haifischflosse.
- Haifischzahnform der Ritzel.
- Das Lebensende der Kette deutet sich an, wenn die Zähne der Kettenräder spitz werden, die Kette am hintersten Punkt des Kettenrads sich um mehr als eine halbe Zahnhöhe abheben lässt oder der Kettenspanner am hinteren Ende der Skala steht.
Spätestens wenn du eines dieser Indizien feststellst, solltest Du Kettenrad, Antriebsritzel und Kette wechseln. Als Online-Fachhändler für Motorradersatzteile empfehlen wir von Kettenmax immer alle drei Komponenten (Ritzel / Silentritzel, Kettenrad und Kette) auszutauschen.
Ist der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen, wird nahegelegt, direkt alle drei Komponenten des Kettensatzes auszutauschen. Das bedeutet also, bei defekter Motorradkette auch das Kettenrad sowie das Ritzel am Getriebe zu erneuern. Dies hat folgenden Grund: Eine neue Kette wird auf einem stark abgenutzten Ritzel bzw. Kombinierst du alte mit neuen Teilen, nutzen die Teile schneller ab. Deshalb empfehlen wir, gleich alles auszuwechseln. Das erspart dir auch die permanente Erneuerung einzelner Teile.
Die Wahl des richtigen Kettenkits
Für die Auswahl des passenden Kettenkits kannst du unser Kettenkit-Konfigurator nutzen. Gib einfach dein MX- oder Enduro-Motorrad ein und unser Kettenkit-Konfigurator berechnet Dir die passende Kettenlänge. Das erspart dir die Zeit für das anstrengende und langwierige Kürzen Deiner Kette.
Werkzeug und Vorbereitung
Zum Wechseln von Kette und Kettenrädern ist eine gut sortierte Werkzeugkiste und etwas Spezialgerät nötig. Je nach Motorrad werden gebraucht: eine Nuss für die Hinterachsmutter, Gabelschlüssel für die Kettenspannschrauben und die Kontermuttern, eine Drehmomentschlüssel bis mindestens 120 Nm, Innensechskantschlüssel, eine Nuss für die Ritzelmutter mit Verlängerung zum Drehmomentschlüssel, eine Nuss für die selbstsichernden Bundmuttern am hinteren Kettenrad, ein Kettentrenn- und Vernietwerkzeug, ein mittlerer Hammer, ein kleiner Meißel, Reinigungsmittel (Bremsenreiniger, WD-40), reichlich Lappen, Wälzlagerfett für die Keilnuten der Getriebeabtriebswelle.
Weiterhin hilfreich ist ein Schlagschrauber, um die Ritzelmutter zu öffnen. Für die Montage wird evtl. ein Kettennietwerkzeug benötigt, welches Hohlnietschlösser Nieten kann. Es gibt verschiedene Nietwerkzeuge, wie z.B. das DID KM500R (Top-Gerät für den professionellen Einsatz) oder den Whale 50 Nieter (preiswerter, aber weniger hochwertig).
Vor Montage des neuen Kettenkits altes Fett und Schmutz von sonst versteckten Stellen entfernen.
Demontage des alten Kettensatzes
- Ritzel demontieren: Ritzelabdeckung entfernen, dahinterliegende Sensoren / Regler / Kupplungsstange usw. abbauen. Meist muss auch vorher der Schalthebel entfernt werden. Das Hinterrad mittels Bremse und / oder Hammerstiel sichern, keinen Gang einlegen, das kann die Getriebezahnräder/-wellen schädigen. Falls das alte Sicherungsblech noch vorhanden ist dieses gerade biegen, dann mit der Knarre das Ritzel lösen. Bei sehr fest sitzenden Ritzelmuttern einen Schlagschrauber zur Hand nehmen. Manchmal ist es auch sinnvoll ein paar Stunden vorher sogenanntes Kriechöl, z.B. WD-40, zu verwenden.
- Kettenrad demontieren: Spätestens jetzt erweist sich ein Montageständer zum Anheben des Hinterrads als sehr praktisch. So werden alle notwendigen Teile wie z. B. Kettenradmuttern demontiert. Montageständer für diverse Modelle sind auf Anfrage erhältlich. Jetzt, ganz wichtig: Die Antriebsruckdämpfer sind zu sehen oder fallen einem schon entgegen, rausnehmen und anschauen, falls sie spröde/rissig und nicht mehr richtig elastisch sind unbedingt austauschen, generell überlebt ein Ruckdämpferset ca. 2 Kettensätze.
- Kette trennen: Lockert das Hinterrad und die Kettenspanner vor dem Trennen der alten Antriebskette. Positioniert den Kettentrennbolzen des KM500R am rechten Kettenstift des zu trennenden Kettenglieds. Jetzt mit Gefühl an der großen Schraube oben am Werkzeug im Uhrzeigersinn drehen, bis der Kettentrennbolzen exakt gerade auf dem Kopf des Kettenstifts anliegt der heraus gedrückt werden soll.
- Kettenrad-Befestigungsmuttern am Hinterrad lösen und zwei Umdrehungen öffnen.
- Nietglied suchen, Kettentrenner ansetzen, Gewindebuchse festziehen, Durchschlag einschieben, Kettentrenner festhalten, mit dem Hammer auf den Durchschlag klopfen: Bolzen wird entnietet.
- Kette abheben.
- Kettenritzel vorne abziehen, Getriebewelle säubern.
- Hinterrad ausbauen, Kettenradmuttern abdrehen, altes Kettenrad abnehmen.
- Anlageflächen am Kettenblattträger und Gewinde der Stehbolzen reinigen und ölen.
Montage des neuen Kettensatzes
- Kettenrad montieren: Anlageflächen des Kettenrads fetten oder ölen, Kettenrad mit Aufschrift nach außen aufstecken, Muttern handfest anziehen.
- Ritzel montieren: Keilnuten mit Fett schmieren. Neues Ritzel mit der Aufschrift nach außen aufschieben. Scheibe aufstecken; gereinigte, leicht geölte Mutter handfest aufdrehen.
- Kette montieren: Kettenspann-Einstellschrauben ganz weit in die Schwinge eindrehen, Rad einbauen, Achse so weit es geht nach vorne schieben. Neue Kette auf Kettenräder auflegen; Nietglied gut mit Kettenfett einfetten, neue O- oder X-Ringe auf Bolzen schieben. Enden der Kette mit Nietglied verbinden: Kette muss sicher auf Kettenrädern sitzen. Neue O- oder X-Ringe auf die herausstehenden Bolzen des Nietglieds aufsetzen, Kettenlasche gleichmäßig ansetzen, aufschieben und mit Kettenwerkzeug etwas aufpressen Abstandslehren auf beiden Seite der Kette einstecken; Kettenlasche aufpressen.
- Kette vernieten: Mit einem solchen speziellen Werkzeug lässt sich die Kette fachgerecht vernieten. Verniet-Gewindebolzen in Kettenwerkzeug montieren. Kettenwerkzeug ansetzen und mit der Gewindebuchse die Kettenlasche gleichmäßig auf beide Bolzen aufpressen, bis sie auf den Abstandslehren ansteht. Überstände vernieten. Lehren herausziehen; Vernietung kontrollieren.
- Ritzel und Kettenrad festziehen: Ritzelmutter festziehen: Hinterrad mit Bremse blockieren. Bundmuttern der hinteren Kettenblatt-Befestigung festziehen. Kettendurchhang justieren. Hinterachsmutter festziehen nicht vergessen.
- Abschlussarbeiten: Abgebaute Teile wieder anschrauben. Fett außen von der Kette abwischen.
Detaillierte Schritte zum Vernieten einer Kette mit Nietschloss
- Verbindet die alte Kette und die neue Kette z. B. mit einem Draht oder mit dem von Hand eingesteckten Nietschloss.
- Das Motorrad in den Leerlauf schalten.
- Zieht nun langsam an der alten Kette unterhalb der Schwinge, so dass die neue Kette in Fahrtrichtung hin zum Antriebsritzel oberhalb der Schwinge gezogen wird.
- Solange ziehen bis die neue Kette ihr eigenes Ende erreicht.
- Vor dem Vernieten, die beiden Buchsen an den Kettenenden der neuen Kette mit dem mitgelieferten Fett ordentlich einfetten. Ebenso die Stifte des Nietschlosses.
- Jetzt das Nietschloss in die Buchsen an den Kettenenden der neuen Kette von Hand eindrücken, so dass beide Kettenenden verbunden sind.
- Die beiden verbliebenen O/X-Ringe auf die Nietschlossstifte stecken und die Aussenlasche von Hand auf die Stifte drücken. Alle vier O-/X-Ringe sind nun verbaut. Das Nietwerkzeug auf die Position A einstellen.
- Das U-Teil des Nieters von hinten an das Nietschlosses halten, so dass beide Pins vollkommen in die dafür vorgesehenen Aussparungen am U versenkt sind.
- Benutzt nun einen 27 mm Ringschlüssel und einen 19 mm Steckschlüssel mit Knarre.
- Nach dem Aufdrücken der Kettenschlossplatte den Kettenschlossplattenhalter des Werkzeugs abbauen.
- Als nächstes werden die Nietköpfe der Kettenschlossstifte einzeln aufgeweitet, sodass die Kettenschlossplatte fixiert ist und sich nicht mehr von elbst lösen kann.
- Hierzu die U-Halterung weiterhin so am Nietschloss halten wie bisher.
- Den Nieter ohne den Kettenschlossplattenhalter erneut aufschieben, so dass der Nietkopf des Werkzeugs genau auf einen der Nietkopfstifte des Nietschlosses ruht.
- Dann den Nietkopfstift durch drehen des 19 mm Steckschlüssel und gegenhalten des 27 mm Ringschlüssel aufpreitzen.
- Setzt den Vernietbolzen des Nieters in den Nieter KM500R ein. Das Werkzeug wird entlang der Kette geschoben, sodass es sich mit dem U-Halter verbindet. Auf Markierungsposition „B“ ausrichten.
- Benutzt nun den 27 mm Ringschlüssel und den 19 mm Steckschlüssel mit Knarre. Nun das 19 mm Ende im Uhrzeigersinn drehen und mit dem Ringschlüssel gegenhalten bis die Nietköpfe des Nietschlosses an dem Vernieterbolzen anliegen.
Wichtige Hinweise
Auf jeden Fall sollte für die Montage ausreichend Fachwissen vorhanden sein. Es ist aber auch kein Hexenwerk. Das Wechseln der Motoradkette ist mit dem richtigen Werkzeug und etwas handwerklichem Geschick kein Hexenwerk, bedarf aber etwas Übung. Eure eigene Sicherheit sollte immer Vorgehen. Im Zweifel sucht Euch eine gute Fachwerkstatt um den Wechsel vorzunehmen. Im Regelfall sollte der Kettensatzwechsel zwischen 40 Minuten und einer Stunde dauern.
Kosten für den Wechsel
Die Preise für Motorradketten variieren insbesondere hinsichtlich der maximalen Belastung bzw. Zugkraft, der sie standhalten können. Interessanter als die Kosten der Kette an sich sind jedoch ohnehin die Preise für ganze Kettenkits, da in der Regel alle drei Komponenten benötigt werden. Kettensätze sind für sehr leicht motorisierte Maschinen bereits ab 30 Euro erhältlich. Die meisten Kits bewegen sich allerdings knapp ober- bzw. unterhalb der 100-Euro-Marke.
Die vielen Arbeitsschritte lassen bereits vermuten, dass die Montage eines neuen Kettensatzes in der Werkstatt recht kostspielig werden kann. In erster Linie sind die Gesamtkosten des Wechsels der Motorradkette zwar abhängig vom Einkaufspreis des Kettensatzes. Als weiteren Kostenfaktor für die Montage gilt es zudem, die Art der Motorradkette zu beachten. Wer sich den Kettensatz selbst bestellt, sollte vorher mit der Werkstatt des Vertrauens abklären, ob für eine Endloskette ein höherer Preis verlangt wird.
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