Nicht nur bei älteren Motorrädern ist das Vermessen und Einstellen der Spur ein wichtiges Thema. Leider haben die meisten Motorradfahrer das überhaupt nicht auf dem Schirm. Beim Motorrad ist es wichtig, dass die beiden Räder exakt fluchten, also in einer Ebene stehen und eine gerade Linie bilden.
Wenn die Räder nicht fluchten, merkt man das aber nicht sofort. Ich wage zu behaupten, dass sehr viele Motorräder unterwegs sind, bei denen die Spur nicht stimmt. Denn dadurch, dass das Vorderrad drehbar ist, passt es sich einem gewissen Versatz automatisch an. Die Räder fahren dann nicht auf einer Linie, sondern leicht versetzt in zwei parallelen Spuren. Und die Längsachse des Fahrzeugs ist leicht versetzt, das Motorrad steht bei Geradeausfahrt also schräg.
Spürbar wird es höchstens beim Kurvenfahren, weil dann das Vorderrad in Links- oder Rechtskurven unterschiedlich stark einschlägt. Das Motorrad fällt dadurch unterschiedlich leicht in Schräglage. Richtig problematisch werden kann es beim Bremsen. Ein Motorrad, das leicht schräg fährt, bei dem die Längsachse also nicht exakt in Fahrtrichtung zeigt, neigt natürlich stärker zum Ausbrechen. Und natürlich neigt so ein Motorrad auch stärker zu Unruhe im Fahrwerk.
Diese Probleme beim Fahren sind aber nicht die einzige Folge. Eine verstellte Spur sorgt für ungleichmäßige Belastungen an fast allen Teilen des Fahrwerks. Das sorgt für höheren Verschleiß an Reifen und Lagern. Auf lange Sicht und bei extremer Abweichung kann sogar der Rahmen Schaden nehmen. Am schlimmsten leidet aber normalerweise die Antriebskette, wenn sie dadurch verspannt wird und seitlichen Kräften ausgesetzt ist.
Ursachen für eine verstellte Spur
Prinzipiell können es verschiedene Gründe sein. Wenn zum Beispiel durch einen Unfall der Rahmen oder die Gabel krumm sind. Oder wenn ein Rad nicht exakt mittig eingespeicht wurde, die Radnabe also zur Felge seitlich versetzt ist. Denkbar wäre auch, dass Distanzstücke auf der Achse an der falschen Stelle montiert wurden und das Rad dadurch zur Seite wandert.
Die häufigste Ursache für eine verstellte Spur ist aber (zumindest bei Motorrädern mit Antriebskette) viel banaler: Ein schräg montiertes Hinterrad. Die Achse des Hinterrades lässt sich auf beiden Seiten ein paar cm vor- und zurückbewegen. Dadurch wird die korrekte Kettenspannung eingestellt.
Die Ursache dafür ist einfach: Die meisten Schrauber, egal ob Profi oder Hobbybastler, verlassen sich dabei aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit auf Markierungen an der Schwinge oder die Anzahl der Gewindegänge an den Kettenspannern. Hauptsache, die Kettenspannung stimmt wieder (was mitunter schon schwierig genug ist). Dann wird noch mal das Hinterrad durchgedreht, und wenn dabei nichts offensichtlich wackelt oder schleift, dann passt das schon.
Methoden zur Spurmessung und -einstellung
Dachlatten-Methode
Wenn es um die Spurmessung und -einstellung eines Motorrades geht, liest man häufig von der berühmten Dachlatte. Diese wird wie ein Lineal ans Hinterrad gelegt und dann misst man, wie groß der Abstand zwischen Latte und Vorderrad ist. Das Gleiche macht man auf der anderen Seite. Ist der Abstand auf beiden Seiten des Vorderrades gleich, stimmt die Spur. Diese Methode taugt meines Erachtens nur zur groben Orientierung. Erstens, weil Dachlatten nie exakt gerade sind. Einige Millimeter Versatz haben fast alle, manche deutlich mehr. Dazu kommt, dass es schwierig ist, die Dachlatte sauber auszurichten. Eigentlich müsste man die Räder an ihrer breitestens Stelle, also in der Mitte auf Höhe der Achse messen, um die sauberste Messung hinzubekommen. Aber dort ist kein Platz, um sie anzulegen, man muss weiter runter. Je nach Motorrad muss man fast am Boden messen. Dort hat man aber nicht viel Anlagefläche am Reifen und entsprechend viel Spiel. Manch einer verwendet statt der Dachlatte ein Stahlprofil. Vielleicht sogar zwei, direkt von beiden Seiten mit Schaubzwingen an das Hinterrad gedrückt.
Laserpointer-Methode
Ich verwende deshalb eine andere Methode, die ich wesentlich präziser und obendrein einfacher finde: Ich nehme einen Laserpointer!
- Das Motorrad wird gerade hingestellt. Also nicht auf den Seiten-, sondern den Haupt- oder Montageständer. Der Laserpointer (in meinem Fall ein Kettenfluchttester mit Laser) wird an einem Fotostativ befestigt und ausgerichtet.
- Man stellt sich mit dem Laserpointer hinter das Motorrad und richtet ihn so aus, dass der Laserstrahl den hinteren Reifen an der Seite vorne und hinten streift. Und zwar möglichst weit oben am Reifen. Dabei muss der Laser leicht schräg nach unten gerichtet sein, damit er neben dem Vorderrad auf dem Boden auftrifft. Für die Ausrichtung nehme ich gerne ein Stativ, da das ruhiger steht, als wenn man den Laserpointer mit der Hand hält.
- Man wiederholt die Prozedur auf der anderen Seite. Der Laserstrahl streift das Hinterrad vorne und hinten und trifft dann neben der Aufstandsfläche des Vorderrades auf den Boden.
- Tut er das nicht, muss man die Spur einstellen. Dafür muss man das Hinterrad lösen und die Achse korrekt ausrichten.
Die Messprozedur dauert mit etwas Übung keine 5 Minuten, das Einstellen vielleicht 10. Wenn die Spur stimmt, sollte eigentlich auch die Kette fluchten. Das kann man bequem mit einem Kettenfluchttester prüfen. Das ist nicht anderes als ein Laserpointer, der an das Kettenblatt gedrückt wird und dessen Laserpunkt man dann die Kette entlangwandern lässt. Ist der Punkt immer an der gleichen Stelle der Kettenglieder, passt es. Wenn nicht, kann das allerdings auch andere Ursachen haben (Kettenblatt schief, Motoraufhängung defekt etc.). In dem Fall also erstmal die möglichen Ursachen eingrenzen, indem noch mal an einer anderen Stelle des Kettenrades gemessen und zur Not auch noch mal die Spur der Räder geprüft wird.
Auf diese Skala kann man sich nicht verlassen. Dazu kann ich nur sagen, dass erstaunlich viele Schwingen, auch die von moderneren Motorrädern, messbar schief sind. Auf herausstehende Gewindelängen oder die Markierungen an der Schwinge oder dem Kettenspanner kann man sich deshalb nie verlassen.
Wie oft muss die Spur gemessen bzw. eingestellt werden?
Wenn man die Spur einmal korrekt gemessen und eingestellt hat, reicht das eigentlich. Man muss nur in Zukunft darauf achten, beim Spannen der Kette auf beiden Seiten exakt gleichmäßig zu spannen, damit die Achse nicht wieder schräg steht. Und beim Ausbau des Hinterrades muss man die Kettenspanner fixieren oder markieren, damit man sie nach dem Einbau wieder exakt einstellen kann. Da der Aufwand nicht so groß ist, prüfe ich trotzdem alle paar Jahre mal.
Meine Empfehlung lautet deshalb: Nehmt Euch doch einfach mal einen Laserpointer und prüft, ob Eure Räder korrekt ausgerichtet sind. Vielleicht erkennt Ihr Eurer Motorrad danach nicht wieder.
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