Kettensatz Motorrad Lebensdauer: Alles, was Sie wissen müssen

Die Antriebskette zählt nach wie vor zu den gängigsten Arten der Kraftübertragung zwischen Motor und Hinterrad. Der Kettentrieb ist gegenüber den Alternativen Kardan und Zahnriemen nicht nur günstiger in der Herstellung, die Kette bietet auch nach wie vor den besten Wirkungsgrad.

Als Motorradkette hast du es nicht leicht. Du bist bei Wind und Wetter draußen, bekommst ständig den gesamten Straßenschmutz ab, musst Unmengen von Pferdestärken an Leistung übertragen und kein Mensch kümmert sich um deine Pflege und Wartung.

Faktoren, die die Lebensdauer einer Motorradkette beeinflussen

Die durchschnittliche Lebensdauer von Motorradketten liegt bei etwa 20.000 Kilometern. Vernachlässigte Motorradketten erreichen wiederum kaum die 10.000er-Marke. Wer sich regelmäßig um korrekte Spannung kümmert, penibel reinigt und ordentlich schmiert, den belohnt das Verschleißteil mit teilweise weit über 50.000 Kilometern Laufleistung - in Abhängigkeit von Fahrzeugtyp und Fahrstil.

Ein Kettenkit ist mehr als nur eine Verbindung zwischen Ritzel und Kettenrad - es ist das Herzstück des Antriebsstrangs eines Motorrads.

Es gibt mehrere Faktoren, die die Lebensdauer einer Motorradkette beeinflussen können:

  • Qualität der Kette: Wenn du von vornherein Mist erworben hast, wirst du das natürlich auch spüren. Beim Kauf einer Motorradkette hast du die Wahl zwischen drei oder vier verschiedenen Anbietern. Die dann jeweils noch in zwei Ausführungen, dann wars das schon. Ob du jetzt eine Kette von DID, Regina oder Afam aufziehst, ist eigentlich ziemlich egal. Die einzige Möglichkeit, Schrott zu erwerben, wären diese erstaunlich günstigen Ebay-Anbieter, die dann Ware komplett ohne oder mit merkwürdig chinesischer Produktbezeichnung anbieten.
  • Leistungsübertragung: Eins ist ja klar, je mehr Leistung übertragen wird, desto mehr wird die Kette belastet. Viel Kraft wird übertragen, wenn du schnell fährst. Je weiter du den Gashahn an deinem Motorrad aufmachst, desto mehr arbeitet der Motor und desto mehr Kraft wird übertragen.
  • Fahrweise: Die andere (und meiner Meinung nach gravierendere) Form der Belastung ist der „ruckartige“ Zug auf die Motorradkette. Wenn du „explosiv“ Kraft überträgst, geht das in Form eines Schlags durch den gesamten Sekundärtrieb, also deine Kette samt Kettenrad. Ein gutes Beispiel ist hier der „Gaswheelie“, d.h. das schlagartige Aufziehen des Gasgriffs, um die Maschine auf das Hinterrad zu bekommen. Genauso ruckartige Leistungsentfaltung entsteht bei kurzen Ampelsprints. Impulsives Fahren/Beschleunigen fördert eine ungleichmäßige Längung.
  • Wartung: Die Wartung der Motorradkette umfasst zwei Punkte. Eine Kette zu schmieren, hat gleich mehrere Gründe. Zunächst einmal ist eine Motorradkette aus vergütetem Stahl. Und egal, wie die genaue Legierung aussieht, bleibt es Stahl, d.h. die Motorradkette wird irgendwann anfangen, zu rosten. Dies kann ganz einfach vermieden werden, wenn du die Kette regelmäßig fettest. Viel Fett=wenig Rost. Das regelmäßige Nachspannen der Motorradkette gehört auch zu den Tätigkeiten, die deine Kette länger „frisch“ halten. Der Grund ist ganz einfach. Wenn deine Motorradkette zu locker ist, geht bei jedem Griff ans Gas ein kleiner Lastwechselruck durch den Antriebsstrang. Viele kleine „Rucke“ belasten die Motorradkette eben auch dauerhaft.

Wartung der Motorradkette

Die regelmäßige Schmierung ist dabei an erster Stelle zu nennen. Dies gilt auch für die heute fast ausschließlich verwendeten Dichtringketten, die eine Fettfüllung zur inneren Schmierung dauerhaft bunkern. Für die äu­ßere Schmierung ist weiterhin der Mensch zuständig. Die regelmäßige Schmierung ist wichtig, um Rost zu vermeiden und die Lebensdauer der Kette zu verlängern.

Hier sind einige Tipps zur Wartung der Motorradkette:

  • Reinigung: Für die Reinigung der Kette bietet der Markt vielfältige Mittel und Systeme. Die komfortabelste Lösung ist der Ketten-Max. Der zweigeteilte Kunststoffkasten reinigt die Kette mit zwölf Bürsten von allen Seiten. Die Reinigung mit der guten alten Zahnbürste oder Pinsel ist dagegen deutlich weniger »clean«, funktioniert aber auch. Als Lösungsmittel sollte aber auf jeden Fall ein spezieller Kettenreiniger verwendet werden, alternativ Diesel, Petroleum oder Kerosin. Benzin und andere Lösungsmittel sind nicht geeignet, da sie die O-Ringe beschädigen. Etwa alle 2.000 Kilometer, bei im Gelände bewegten Fahrzeugen deutlich häufiger, sollten spezielle Reinigungsmittel zum Einsatz kommen - scharfe Reinigungsmittel oder gar Benzin können die O-Ringe zerstören. Die Anwendung von Kettenreinigern ist sehr einfach: auftragen, eventuell mit Pinsel oder Bürste nacharbeiten, einwirken lassen und anschließend abwischen oder gegebenenfalls abspritzen. Erst nachdem die Kette wieder völlig trocken ist, kommt Kettenfett zum Einsatz.
  • Schmierung: Jede Art Motorradkette benötigt regelmäßige Schmierung. Für den manuellen Auftrag sollte unbedingt spezielles Kettenfett zum Einsatz kommen. Kettensprays kombinieren Eigenschaften wie Korrosionsschutz und Reibungsreduzierung mit guten Hafteigenschaften. Um die Fettschicht gleichmäßig aufzutragen, wird das Hinterrad während des Sprühvorgangs von Hand gedreht. Eine optimale Stelle für den Schmiermittelauftrag ist die Innenseite der Kette, am unteren Kettenstrang. Ein Sprühkopf mit Röhrchen und ein Stück Pappe hinter der Kette schützen Schwinge und Reifen vor unerwünschter Verschmutzung. Generell gilt: besser öfter wenig Schmiermittel als selten und zu dick auftragen. Unter trockenen Bedingungen kann das Schmiermittel-Intervall bis zu tausend Kilometer betragen, nach Fahrten im Nassen sollten die Kettenglieder generell frisch konserviert werden. Mit etwas Erfahrung kann man sich getrost auf die Finger-Prüfmethode verlassen.
  • Spannen: Deine Motorradkette muss regelmäßig nachgespannt werden, da sie im Laufe der Zeit länger wird. Eine falsch justierte Kettenspannung - egal ob zu stramm oder zu locker - führt immer zu erhöhtem Verschleiß und kann sogar gefährlich werden. Bei großem Spiel im Antriebsstrang kann die Kette vom Kettenrad springen. Zu straff gespannt, drohen Schäden am Getriebeausgangslager. Zum Justieren wird die Achsmutter gelöst, dann kann das Spiel an der Kettenspannvorrichtung neu eingestellt werden. Weiterhin ist unbedingt darauf zu achten, dass die Radachse nicht schräg in der Schwinge positioniert wird.

Anzeichen für Verschleiß

Der Verschleiß äußert sich zunächst in einer überproportionalen Längung der Kette. Ungepflegte Ketten müssen entsprechend häufig nachjustiert werden. Mit zunehmendem Spiel im Antriebsstrang verschlechtern sich die Fahreigenschaften drastisch. Lästige Lastwechselreaktionen und Kettenschlagen sind die Folge.

Hier sind einige Anzeichen dafür, dass eine Motorradkette ausgetauscht werden muss:

  • Die Kettenspannvorrichtung ist am Ende ihres Verstellbereichs angekommen.
  • Es liegt Sägezahnbildung am Kettenrad vor.
  • Beim Rückwärtsschieben knackt es.
  • Die Kette lässt sich mehr als drei Millimeter vom Kettenblatt abheben.
  • Deine Motorradkette eben ungleichmäßig gelängt, was bedeutet, dass sie ungleichmäßig durchhängt oder eben nicht durchhängt, wo sie es sollte.

Wenn diese nicht mehr gleichmäßige und gestaltete gebogene Zähne aufweisen, sondern optisch mehr was von einem Kreissägenblatt haben, dann spricht man von der Sägezahnbildung.

Austausch des Kettensatzes

Je nach Pflegeaufwand, Beanspruchung und Qualität muss der Kettensatz früher oder später erneuert werden. Grund­sätzlich sollten nicht einzelne Komponenten, sondern immer Ritzel, Kettenrad und Kette gemeinsam gewechselt werden. Bei nahezu allen Anbietern findet sich eine umfangreiche Typenliste, mit der das passende Ketten-Kit schnell gefunden ist.

Mit steigender Motorleistung und Gewicht des Motorrades wachsen die Anforderungen an eine Kette. Entscheidender Faktor für die Qualität einer Kette ist die Höhe der Zugfes­tigkeit. Diesen Wert sucht man auf den ersten Blick meist vergeblich.

Heute verbauen alle Hersteller ausnahmslos abgedichtete Ketten mit Dauerfettfüllung zur inneren Schmierung. Je nach Hersteller finden sich Dichtring-Bauformen mit der Bezeichnung X-, Z-, XW-, RZ- oder Quad-Ring. Gegenüber dem O-Ring bieten diese Typen nicht nur zwei, sondern mehrere Kontaktpunkte zur Abdichtung.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0