Umgang mit "wilden" Kindern: Eine Perspektive

Es ist schlimm, wie die Außenwirkung unser Innerstes manchmal so erschüttern kann. Zum Glück haben wir Mütter und Väter meistens die Kraft uns ganz auf die Liebe zu unseren Kindern zu konzentrieren.

Ich kenne diese Situationen, in denen man sich wünscht, dass die Kinder artig sind. Wenn ich in mich hineinhöre, ist das aber meist gar nicht mein Wunsch, sondern nur die Angst vor der Reaktion der anderen. Zum Glück schaffe ich es mittlerweile öfter, diesen Druck auszublenden und die Kinder einfach Kinder sein zu lassen. Ich bin mir sicher, du bist eine großartige Mutter. Halte weiter so fest zu deinem Kind (deinen Kindern) und lass die anderen die anderen sein. Die haben keine Ahnung, sie sehen nur einen Ausschnitt. Kein Kind ist immer lieb. Ganz ehrlich, was wollen wir?

Die Perspektive einer Mutter

Ich kann das so gut nachvollziehen! Ich habe auch so ein Kind. Und oft das Gefühl, mich eigentlich rechtfertigen zu müssen, weil es wenig Verständnis gibt für Kinder, die ein bisschen MEHR sind: Wilder, lauter, sensibler, unausgeglichener, unangepasst, wie Du schreibst. Und dann denke ich mir: logisch, dass das Kind so ist. Es ist ja auch MEIN Kind. Ich bin auch kein ausgeglichener Mensch und angepasst schon gar nicht. Also was soll`s. Es ist sicher anstrengender mit so einem Kind. Aber die schönen Momente strahlen um so mehr. Und wenn man genau hinschaut: es gibt ziemlich viele von der Sorte.

Die Herausforderung der Akzeptanz

Wie hier jemand schrieb: Arschlochkinder haben Arschlocheltern. Ein Kind, weil es wild ist, so zu betiteln ist bescheuert. Ich muss mir eingestehen, dass ich auch das ein oder andere Mal dachte: "Was für ein Arschlochkind!", aber ganz schnell zügle ich mich und denke an den Hintergrund des Kindes. Ich habe auch ein wildes, lautes und anstrengendes Mädchen. Von schüchtern und zuckersüß bis zum Teufelsweib hat sie alles drauf. Ich muss sie auspowern, fordern, runterpegeln und lenken. Aber ihr Kern ist so unfassbar großherzig und mitfühlend. Ich denke, die Kunst ist es, ihnen mitzugeben, dass sie ok sind, so wie sie sind, und wenn sie alt genug sind, ihnen Werkzeug mit an die Hand zu geben, um sich selbst ein wenig zu regulieren, damit sie eben auch ein paar Freundschaften entwickeln können.

Nichts ist schlimmer, als in den Modus zu verfallen: Die anderen sind immer Schuld! Ich kann da gar nichts für. Das verbittert und macht einsam. Aber zu wissen: Ich bin etwas ungestümer und schieße übers Ziel hinaus. Ich muss manchmal einfach etwas behutsamer sein und mir auch meine wildes überschäumen Wesen eingestehen….dann macht man einen Schritt in die richtige Richtung. Selbstakzeptanz und Selbstreflexion sind ein wichtiger Schlüssel. Ich wünsche dir Kraft und Humor!

Die langfristige Perspektive

Liebe Alu, Auch mein Sohn ist "so einer". Die gute Nachricht ist: Es wird besser. Es ist ein langer Lernprozess, aber sie lernen es. Und da draussen wird es immer Lehrpersonen und Erziehungspersonen geben, die unsere Kinder genau so sehen, wie sie sind. Dass sie sich Mühe geben. Dass sie es so gut machen, wie sie nur können. Dass "das Beste geben" einfach manchmal nicht ausreicht. Und wenn es Aussenstehende nicht merken, haben unsere Kinder uns, ihre Eltern, die zu ihnen halten, die an ihrer Stelle erklären, wo die Kleinen keine Worte mehr haben, sondern nur noch Fäuste. Wie gesagt: es wird besser!

Sehr schön geschrieben. Aber seit dem ich selbst Mama bin, bin ich vorsichtiger geworden mit solchen Aussagen. Man sieht meistens nur eine Momentaufnahme und diese rechtfertigt so eine Aussage nicht. Unser Nachbarsjunge ist unheimlich süss und spielt öfter mit meiner Tochter. Leider haut er ihr auch oft eine über. Ich sage dann zu seiner Mama: manchmal ist er ein satansbraten. Aber sie weiß wie das meine. Ich hab selbst erlebt wie meine Tochter (bei mir) austeilen kann.

Das Gespräch suchen

Das verstehe ich, aber so wie du schreibst, suchst du den Dialog zum Kind und zu den Eltern direkt? Hier ging es vor allem um das Reden hinter dem Rücken und Geflüster.

Die Ergo hat bei uns viele Dinge gebracht, so wissen wir nun, dass das Kind Linkshänder ist und zudem warum es nicht auf ein Rad steigen will usw. Wir probieren es weiter mit diesem Weg und mit dem Weg Sport als Ausgleich. Ansonsten gilt bei uns Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe mit ihm, das hilft bei uns am Besten. Viel Erfolg.

Wie so oft gibt es 2 Seiten: Die Mutter des wilden Kindes, das (Beispiel) beißt und tritt und haut, und dafür um Verständnis bittet. Und die Mutter des anderen Kindes, die von ihrem Kind hört, es wurde von xy gebissen, gehauen und getreten, und selbstverständlich nicht möchte, dass das zur Regel wird. Wer hat nun Recht, wer Unrecht? Welche Mutter ist doof, welches Kind? Ich möchte, dass mein Kind sicher ist, die andere Mutter möchte ihr Kind nicht beschränken. Was, wenn ich das wilde Kind hätte, und die andere Mutter das ruhigere? Wären dann auch die Rollen vertauscht? Sicherlich.

Wir sind genauso wenig perfekt wie unsere Kinder. Und das ist auch gut so.

Daher wird alles gut! Ich glaube daran.

Die Rolle der Therapeuten und Lehrer

Wilde Jungs (überhaupt Jungs) passen heutzutage oft nicht mehr wirklich ins System. Was man früher vermutlich als normales Jungsverhalten betrachtet hat, gilt heute als unangemessen. Bei unserem K2 haben die Therapeuten ganze Ordner mit Berichten und Gutachten erstellt (betraf eher ungewöhnlichen Entwicklungsverlauf als übermässige Wildheit); irgendwann haben wir alles bleiben lassen und haben ihn einfach in dem unterstützt, was er gut kann, und ihn so wie er ist, bestärkt. Zusätzlich hatte er tolle Lehrer die an ihn glaubten.

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