Die Frage, wie viele Kilometer ein gebrauchtes Motorrad haben darf, ist ein häufig diskutiertes Thema unter Motorradfahrern. Dabei spielen sowohl die Laufleistung als auch das Alter des Motorrads eine wichtige Rolle. Es ist jedoch nicht immer einfach, eine pauschale Aussage darüber zu treffen, welche Laufleistung noch akzeptabel ist und ab wann man von einem Kauf Abstand nehmen sollte.
Kilometerstand als Kaufkriterium
Die Laufleistung ist für viele ein wichtiges Kaufkriterium, um Maschinen zu vergleichen. Viele gebrauchte Motorräder sind nur wenige Jahre alt und haben deswegen geringe Laufleistungen. Außerdem sind sie oft in einem guten Pflegezustand. Vereinzelt kommen auch Notverkäufe vor, bei denen Käufer und Käuferinnen echte Schnäppchen machen können.
Es ist aber so, wie "henne" es auch so schön beschrieben hat, dass ein Motorrad nicht nur aus dem Motor besteht sondern auch alle anderen Teile die Kilometer fressen müssen. Die meisten Motorradfahrer hegen und pflegen aber ihr "Baby" und meistens sind auch defekte Teile irgendwann mal ersetzt worden. Ich glaube das es einige ältere Motorräder gibt an denen nur noch der Rahmen original ist und alles andere schon im Laufe der Jahre getauscht wurde.
Die gefahrenen Kilometer werden für den Wiederverkaufswert zugrunde gelegt und da ist dann ein Fahrzeug mit wenigen Kilometern natürlich höher bewertet, als eins mit vielen Kilometern. Bei den Autos ist die Situation ähnlich. In die Bewertung kommt dann noch das Alter und der Zustand des Motorrades. Je gepflegter, desto teurer. Ansonsten regelt der Markt/die Nachfrage und/oder das Image den Preis für ein gebrauchtes Motorrad.
Früher galt ein Motorrad mit einer Laufleistung von 40.000 Kilometern als überholungsbedürftig. Das sieht heute anders aus. Gebrauchte Motorräder mit mehr als 100.000 Kilometern Laufleistung sind heute nicht selten. Achten Sie deshalb nicht nur auf die Laufleistung. Denn: Hat ein Bike in wenigen Jahren viele Kilometer gesammelt, hat es wahrscheinlich viele Langstrecken zurückgelegt. Schlimmer ist, wenn es viele Jahre im schädlichen Kurzstreckenverkehr unterwegs war.
Beispiele für Kilometerstände und Alter beim Kauf
- Mein erstes Motorrad hatte beim Kauf 21.000km und war 5 Jahre alt (rund 4000km/Jahr).
- Mein zweites Motorrad hatte 18.000km und war 17 Jahre alt (rund 1000km/Jahr).
- Die Versys habe ich mit 26.000km und 4 Jahren gekauft (rund 6500km/Jahr).
- Meine Bandit war 12 Jahre alt und hatte etwa 24.000 km runter. Im Schnitt also 2000 km/Jahr.
Einfluss von Hubraum und Literleistung
Einige Motorradfahrer machen ihre Entscheidung vom Hubraum bzw. von der Literleistung abhängig. 30.000km sind für ne 125er ne Menge, wie ich finde. Für meine Bandit ist das eigentlich ok, lediglich die Kupplung ist jetzt etwas durch. Bei nem riesen Chopper mit 1.6l dürfte das wohl kein Problem sein. Natürlich kann man das nicht pauschalisieren, aber ich stelle das zusammen mit dem Alter des Fahrzeuges stark in einen Zusammenhang.
Man kann schon sagen, je mehr Hubraum und je weniger Leistung dabei desto besser halten die Dinger. Eine 1000 er mit 100 PS und vier Zylindern - geht doch so gut wie gar nicht kaputt! Nichts desto trotz: Pflege muss sein - da stimme ich biboty voll zu. Aber wie gesagt - Maschinen wie eine XJR 1300 oder eine 1250 er Bandit oder eine Honda CB 1300 kannste fahren bis der Arzt kommt. Schönes Beispiel dafür sind auch die alten Eisenschweine von Yamaha - eine XS 1100 mit Kardan gilt ja erst ab 100.000 als "eingefahren!
Weitere wichtige Faktoren
Es ist abhängig vom Alter, welcher Motor, wie genutzt, Zustand usw. Bei einer gepflegten GS mit 10 Jahren und 60.000 auf der Uhr habe ich deutlich weniger Bauchschmerzen wie bei ner 10 Jahre alten R 6 mit 30.000. Auch oder gerade wenn beide Artgerecht bewegt wurden. Mir ist die Laufleistung weniger wichtig.
Ich achte auf den Pflegezustand und darauf, wie sich der Motor anhört und "anfühlt" ,wenn ich eine Probefahrt mache. Serviceheft interessiert mich auch nicht sonderlich,da bei den alten Motorrädern,die ich eigentlich immer habe, fast nie noch eins vorhanden ist. Das würde mich nur bei neueren Moppeds interessieren. Und ich achte darauf, was für einen Eindruck der Verkäufer auf mich macht."Labertaschen" und Klugscheißer können ihre Moppeds behalten,auch wenn sie noch so wenig auf der Uhr haben.
Wenn rein vom Gefühl her da etwas nicht stimmt,auch wenn ich in dem Moment noch nicht mal den Finger direkt darauf legen kann,bleibt das Motorrad da,wo es ist.Ich habe in meinem Leben auch schon zweimal dieses Bauchgefühl ignoriert und bin dabei jedes mal gewaltig reingefallen.
Vollkommen Banane wieviel Kilometer der Ofen auf der Uhr hat. Wie schon erwähnt zählt der Eindruck des Verkäufers und der Pflegezustand. Und das Wichtigste: Es sollte einem immer bewusst sein, dass je nach Motorradtyp, Motorradgewicht und Fahrprofil bestimmte Verschleissteile einfach an der Reihe sind. Das kann bei einem 600er Rennsemmel, der 30.000km schonungslos betrieben worden, ist der Motor sein. Das kann aber auch bei einem dicken Tourenschiff das Federbein sein, welches nach 100.000 km mit voller Beladung durch ist. Nur kann man es den (Verschleiss)teilen nicht ansehen ob sie in den nächsten 1000, 5000 oder 10.000km den Geist aufgeben.
Auch wenig gefahrene Bikes können Nachteile, sogenannte Standschäden, haben: Rost im Tank, korrodierte Steckverbindungen und alte Reifen sollten Sie eher vom Kauf abhalten. Bevor Sie ein Motorrad gebraucht kaufen, machen Sie sich Gedanken über das für Sie passende Modell.
Typische Verschleißteile und Reparaturen bei älteren Motorrädern
Hier eine kleine Auflistung, was so auf einen zukommen kann, wenn man sich ein älteres, leistungstarkes und schweres Mopped anschafft und den Gaul dann auch artgerecht bewegt (Gelistet sind nur die grossen Posten, Bremsflüssigkeitswechsel, Ventilspielkontrolle, den normalen Inspektionskram mal nicht mitberechnet):
Beispiel: Gekauft mit 140.000km (0km) [TEILEpreise in €]:
- neuer Kupplungsnehmerzylinderdichtsatz 140.500 (500km) [30]
- neue Reifen 141.000km (1000km) [180]
- Gabeldichtringe & Öl 144.000km (4000km) [35]
- neues Radlager vorne 146.000km (6000km) [20]
- neue gebrauchten Bremsscheiben vorne & neue Beläge 146.000km (6000km) [170]
- neue Sitzbank 150.000km (10.000km) [200]
- neue (gebrauchte) Kette 150.000km (10.000km) [0]
- neuer (gebrauchter) Anlasserfreilauf 152.000km (12.000km) [100]
- Hinterradumbau auf FZR-Felgen vorne und hinten und dementsprechend neue (Reifen Avon Azaro) 154.000km (14.000km) [Nur Reifen: 120]
- neues Lenkkopflager 154.000km (14.000km) [50]
- neue (gebrauchte) Bremse hinten und dementsprechend neue Beläge 154.000km (14.000km) [35]
- R1-Bremsen vorne und dementsprechend neue Beläge 154.000km (14.000km) [100]
- gebrauchtes Öhlins Federbein hinten 154.000km (14.000km) [150]
- Wilbers vorne + Gabeldichtringe & Öl 154.000km (14.000km) [100]
- neuer Kettensatz (DID ZVMX) 154.000km (14.000km) [120]
- neue (gebrauchte) Auspuffanlage, Sammler und Krümmer von XJR (alter Sammler weggerostet und spektakulär auf der A2 verabschiedet) 158.00km (18.000km) [200]
- neuer Kupplungsnehmerzylinderdichtsatz 158.00km (18.000km) [35]
- neue Bremspumpengeberzylinderdichtsatz 159.00km (19.000km) [35]
- neuer (gebrauchter) Motor mit ca.
Kilometerstände und erwartete Defekte
Sorgen mache ich mir um die Erhaltungswürdigkeit von japanischen Viertaktern (ohne Supersportler) allgemein ab:
- 1-Zylinder 50000 km
- 2-Zylinder 80000 km
- 4-Zylinder 120000 km
Das ist der Bereich, wo ich erste Defekte erwarte, für die man seltene Teile benötigt (Vergasermembran?) oder den Motor öffnen muss (Kettenspanner?).
Ich bin fest davon überzeugt, dass Motorräder (okay, Roller vielleicht auch …) eine Seele haben. Sie sind wie Haustiere und spüren ganz genau, ob man es gut mit ihnen meint. Und wenn dem so ist, geben sie ganz viel zurück. Zum Beispiel Zuverlässigkeit. Ob bei Genusstouren oder auf dem täglichen Weg zur Arbeit/Uni ist dann völlig egal.
Hier eine Tabelle mit Beispielen gebrauchter Motorräder mit hoher Laufleistung und den Erfahrungen der Besitzer:
| Modell | Kilometerstand | Baujahr | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| BMW K 1100 LT | 302.617 km | 1993 | Originalzustand, erste Hand, Langstreckentouren |
| Yamaha XJ 900 F | 181.032 km | 1987 | Liebevoll gepflegt, von Profis gewartet |
| Ducati ST2 | 121.766 km | 2002 | Regelmäßige Wartung in Fachwerkstatt |
| Kawasaki Z 1000 | 144.703 km | 2004 | Technisch gut in Schuss, optische Mängel |
| BMW K 75 Ultima | 267.347 km | 1997 | Ehemaliges Polizeimotorrad, gut gepflegt |
| Piaggio Beverly 250 | 126.402 km | 2005 | Täglicher Einsatz, regelmäßige Wartung |
Tipps für den Gebrauchtkauf
Neben der Laufleistung und dem Alter sollten Sie beim Kauf eines gebrauchten Motorrads auch auf folgende Punkte achten:
- Gesamtzustand: Betrachten Sie den Gesamtzustand kritisch und notieren Sie sich Schäden und Mängel.
- Undichtigkeiten: Undichtigkeiten an Motor, Kühlsystem, Kraftstoffanlage und Getriebe sind vor allem für die Umwelt schädlich und sollten möglichst schnell beseitigt werden.
- Schleifspuren: Schleifspuren an den Lenkerenden, Schwingungsdämpfern und den Armaturen geben Hinweise auf Stürze.
- Umbauten: Klären Sie mit dem Verkäufer, welche Komponenten und Bauteile verändert oder umgebaut wurden, weshalb dies vorgenommen wurde und wie diese eingetragen bzw. zugelassen wurden.
- Sitzbank: Nehmen Sie in jedem Fall die Sitzbank herunter, um auch hier den Pflegezustand der Maschine zu prüfen.
- Probefahrt: Machen Sie unbedingt eine Probefahrt, um das Fahrverhalten und den Zustand des Motors zu testen.
Checkliste für den Gebrauchtkauf
Vergleichen Sie als Erstes die Fahrgestellnummer am Motorradrahmen mit der im Fahrzeugbrief. Lassen Sie sich nicht vom ersten Eindruck blenden: Zum Verkauf stehende Motorräder sind meist auf Hochglanz poliert. Betrachten Sie den Gesamtzustand kritisch und notieren Sie sich Schäden und Mängel.
Bei Maschinen, die längere Zeit nicht bewegt und zudem für die Einlagerung bzw. Standzeit nicht vorbereitet wurden, sollten Sie folgende Komponenten prüfen:
- Kunststoff- und Gummiteile
- lackierte oder durchgefärbte Verkleidungsteile
- elektrische Anlage inkl. Batterie
- Kraftstofftank und Kraftstoffleitungen
- Bremsanlage, besonders die Bremszangen und -kolben
Wichtige Fragen an den Verkäufer:
- Ist der Verkäufer der Eigentümer oder der Besitzer?
- Wie lautet die genaue Modellbezeichnung?
- Stammt das Motorrad ursprünglich von einem offiziellen Importeur, einem Re- oder Parallelimporteur?
- Wann wurde das Motorrad erstmalig zugelassen?
- Wie hoch ist die tatsächliche Kilometerleistung? Stimmt sie mit dem Tachostand überein?
- Wurden die regelmäßig fälligen Inspektionen von einer Fachwerkstatt durchgeführt?
- Wie viele Vorbesitzer hatte das Motorrad bereits?
- Ist das Motorrad unfallfrei?
- Welche Ausstattung hat das Motorrad ab Werk?
- Wann wurde das Motorrad zuletzt gefahren?
- Werden sonstige Zubehörteile mit angeboten? In welchem Zustand sind diese?
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