Klaus Schwinn Kusel: Biographie und Geschichte der jüdischen Gemeinde

Jede Stadt hat ihre Geschichte. Das gilt auch für Kusel. Wir scheuen uns nicht, auch dunklere Seiten aufzuzeigen. Wir sind stolz auf Kusel. Zukunft positiv, wenn man sie gut verarbeitet.

Die jüdische Gemeinde in Kusel

Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück, spätestens Mitte des 18. Jahrhunderts gab es Juden/jüdische Familien in der Stadt. Im 19. Jahrhundert lebten in Kusel in 20 Familien von insgesamt 3.122 Einwohnern Juden. Die jüdische Gemeinde war im Leben der Stadt völlig integriert.

Einrichtungen und religiöses Leben

In Kusel war eine jüdische Familie vorhanden, die ein Bethaus (Synagoge) in der Stadt nutzte. Vermutlich ist dieses identisch mit dem 1844 genannten Bethaus. Da die höheren Etagen den Gottesdienst störten, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein neues Bethaus in der Ziegelgasse hinter dem Hutmacherbrunnen eingerichtet. Das Bethaus verfügte über eine Frauenempore.

Lehrer und Vorbeter

Vorsteher der Gemeinde waren Max Weil (1. Vors.) und Artur Steiner (3. Vors.). Lange Zeit war M. Loeser Vorbeter und Lehrer. Seine Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes S. Löser (geb. in Frankfurt, am 22.4.1806 gestorben) findet sich in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19.12.1866 S. 1051. Die Stelle des Lehrers war damals gerade unbesetzt. Das Grab eines 1761 in Kusel gestorbenen Juden ist auf dem jüdischen Friedhof in Thallichtenberg beigesetzt. Des Weiteren war ein Vorbeter und Schochet namens J. Oppenheimer tätig.

Die Zeit des Nationalsozialismus

1933 wurden 66 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Nach den Novemberpogromen 1938 sind viele jüdische Einwohner aufgrund von Repressalien weggezogen bzw. ausgewandert. Ab 1935 wurden die jüdischen Geschäfte boykottiert, und 1938 wurden die Pässe der Juden mit dem Buchstaben "J" gekennzeichnet. Am 23. Juli 1938 wurde die Reichsknochenstempelkarte eingeführt, die Juden mit dem Buchstaben "J" kennzeichnete, und für Juden galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. Juli 1938 angeordnet.

Verfolgung und Deportation

Während der Novemberpogrome wurden Wohnhäuser überfallen und demoliert. Jüdische Männer wurden in das KZ Dachau verschleppt. Am 22. Oktober 1940 wurden die in Kusel verbliebenen jüdischen Personen in das Lager Gurs nahe der französischen Grenze transportiert, um sie abzuschieben. Einige von ihnen wurden dort auf freien Fuß gesetzt; nur einige von ihnen kehrten nach Kusel zurück.

Gedenken an die Opfer

In Kusel erinnern Stolpersteine an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945. Zu den Opfern gehören Clara Bermann geb. Frank (1909), Emma Guthmann geb. Isaak (1931), Jakob Löser (1874, vgl. Stolpersteine), Mathilde Loeser geb. August (1869), Artur Anselm Maximilian Steiner (1877, vgl. Stolpersteine), Jenny (Fanny) Tuteur geb. Frank (1908, vgl. Kennkarte unten), Paula Tuteur (1905), Elise Weil geb. Mayer (1911), Markus Weil (1877), Tilly Wolf geb. Frank (1899), sowie aus Ulmet Karoline Heumann geb. Mayer (1887), Juliane Mayer geb. Mayer (1932), Leon Mayer (1876) und Olga Mayer geb. Kayem (1907) und Frieda Kayem geb. Maier (1907).

Erinnerungen an jüdische Mitbürger

Kusel setzt sich aktiv mit seiner Geschichte auseinander und gedenkt seiner jüdischen Mitbürger. Die Stolpersteine sind ein wichtiger Teil dieser Erinnerungskultur. Allen Beteiligten gilt ein herzliches Dankeschön, insbesondere Gerhard Berndt und Hans-Christian von Steinaecker. Durch die Stolpersteine wird das Schicksal der betroffenen jüdischen Familien in Kusel nachgezeichnet.

Es gibt ein Begleitheft zur Erkundung der Stolpersteine in Kusel, das im Rathaus, bei Betina Schneider sowie im Stadt- und Heimatmuseum erworben werden kann. Es kann auch als Macversion auf das Smartphone geladen werden. Die Kenntnisse im Umfeld von Tablet und Smartphone geben die Technikbotschafterinnen kompetent und geduldig an die Senioren weiter, die sich im Umgang mit Apps und Co üben.

Sally Frank: Ein besonderes Schicksal

Neu sind allerdings die Erkenntnisse zu Sally Frank. Die Quellenlage über ihn war bislang recht bescheiden. Sally Frank, der zeitweise in der Wilhelmstraße 67 wohnte, wird durch einen Stolperstein geehrt. Berta lebte in der Spargelstadt. Frank konnte aus der Fremdenlegion sowie der Internierung fliehen. Er wurde im berüchtigten Hotel Terminus in Lyon verhört und später nach Auschwitz deportiert, wo er 1943 starb. Am 6. Mai 2021 wurden Stolpersteine für Sally Frank verlegt, um an sein Schicksal zu erinnern. Seitdem ich vier Jahre alt bin, wollte ich schon in der Pflege arbeiten. Nach einem Praktikum in den Diakonie Kliniken war klar, dass ich auch hier meine Ausbildung machen, erzählt die 17-jährigen Nilsu C., die in der Mühlenstraße als Auszubildende beginnt.

Bedeutende Daten und Ereignisse

  • 1761: Grab eines Juden in Kusel
  • 1933: 66 jüdische Einwohner in Kusel
  • 1938: Novemberpogrome und Kennzeichnung der Pässe mit "J"
  • 1940: Deportation in das Lager Gurs
  • 2021: Verlegung von Stolpersteinen für Sally Frank

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