Mountainbike Knieschoner im Test: Schutz, Komfort und Passform

Wann sind Sie das letzte Mal ohne Knieschoner auf die Trails gestartet? Für viele Mountainbiker gehören Knieschoner neben dem Helm zur Standardausrüstung auf den Trails. Die Auswahl auf dem Markt ist riesig und die Bandbreite geht von superleicht bis heavy duty.

Wir haben 14 leichte Knieschoner sowohl im Prüflabor als auch auf den Trails getestet, da die meisten von uns hauptsächlich auf ihren Hometrails unterwegs sind und die Höhenmeter aus eigener Kraft erklimmen. Alle Schoner im Test setzen auf einen weichen Protektor aus Schaum oder Gummi. Diese Materialien haben sich in letzter Zeit bei Knieschonern durchgesetzt, da sie Stöße besser dämpfen als Hartschalen-Protektoren.

Zudem sind sie durch ihre Verformbarkeit meist komfortabler zu tragen und außerdem meist mehrschlagfähig. Das heißt, dass sie nach einem Sturz wieder ihre ursprüngliche Form annehmen und somit weiterhin zuverlässigen Schutz bieten.

Es gibt unzählige verschiedene Modelle auf dem Markt, doch nur die besten schaffen den Spagat, der einen wirklich guten Knieschoner auszeichnet: Sie müssen Ihre Knie vor Verletzungen schützen und gleichzeitig eine gute Belüftung bieten. Außerdem ist ein guter Sitz sowie ein hohes Maß an Komfort wichtig.

Schutzwirkung und Normen

Eins direkt schon mal vorneweg: Alle Schoner aus diesem Test sind zertifiziert nach der CE-Norm EN 1621-1:2012 und bieten somit sehr gute Schutzwirkung. Dennoch gibt es innerhalb dieser Norm Unterschiede: Zwei Schutz-Level geben an, wie viel Restkraft am Knie bei einem vorgegebenen Aufprall ankommen darf. Zusätzlich unterscheiden sie sich in der Größe des Protektors und wie weit er das Knie umschließt, um es auch gegen seitliche Krafteinwirkungen beim Aufprall zu schützen.

Es kommt bei der Schutzwirkung und den Dämpfungseigenschaften also nicht nur auf die Dicke und Größe, sondern auch auf die Beschaffenheit des Protektor-Materials an. Bei manchen Knieschonern sind an der Seite zusätzliche Polster eingenäht. Diese bestehen jedoch meist nur aus Schaumstoff und bieten kaum Schutzwirkung.

Selbstverständlich müssen alle Knieschoner, die in Deutschland in den Verkauf gehen, die Normprüfung EN 1621-1:2012 bestehen. Dass es innerhalb dieser Grenzen jedoch große Unterschiede gibt, beweist unser Test. Mit gerade mal 9,57 kN Restkraft würde der Flow 2.0 von IXS auch locker das schwere Level 2 der Norm erfüllen. Pearl Izumis Summit nimmt dagegen mit 30,76 kN nur knapp die Hürde zu Level 1.

Das ist ein gewaltiger Unterschied, bestätigt Sas-Tec-Experte Holger Hertneck. Um es etwas bildhafter zu machen, könnte man es mit dem Bremsweg eines Pkw vergleichen. Es ist, als würde ein Fahrzeug schon nach 30 Metern zum Stehen kommen, ein anderes erst nach 60. Die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen.

Tragekomfort und Passform

Ein leichtes Drücken auf das Schienbein, ein kleines Zwicken in der Kniekehle oder ein Reiben auf der Wade sind für ein paar Minuten nicht weiter schlimm. Wenn man aber stundenlang mit den Schonern pedaliert, werden diese kleinen Unannehmlichkeiten schnell zu großen Problemen. Das A und O eines guten Knieschoners ist, dass er gut sitzt. Denn den Schoner alle paar Minuten hochziehen zu müssen, ist nervig. Und wenn er dann bei einem Sturz nicht da bleibt, wo er hingehört, kann es böse enden. Natürlich sollte das sowohl unter langer als auch kurzer Hose funktionieren.

Je nach Hersteller gibt es im Testfeld viele verschiedene Ansätze. Manche Schoner sind nur zum Reinschlüpfen, wie ein Strumpf, während andere mit Klettverschlüssen an Oberschenkel, Wade oder in der Kniekehle fixiert werden. Die meisten Modelle besitzen zudem einen Streifen aus Gummi oder Silikon an Oberschenkel oder Wade, um zu verhindern, dass sie rutschen.

Belüftung und Design

Für die Belüftung eines Knieschoners spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen das Material selbst und seine Stärke. Zum anderen aber auch das Design des Sleeves, in das der Protektor eingesetzt ist. Hier gibt es Hersteller, die den Bereich der Kniekehle auslassen oder nur ein dünnes Mesh einsetzen. Sogar auf der Vorderseite mancher Schoner finden sich Lüftungslöcher. Zuletzt sind Knieschoner aber immer auch ein Teil des Outfits und der Style darf dabei nicht zu kurz kommen.

Weitere Aspekte

Außerdem werden noch andere praktische Aspekte der Schoner betrachtet. Wie einfach und gut kann man sie beispielsweise zusammenpacken und wie groß sind dann die Packmaße? Sind die Polster entnehmbar oder fest vernäht? Auch die empfohlenen Waschprogramme unterscheiden sich deutlich. Hier raten wir Ihnen - unabhängig von der Herstellerangabe - fest vernähte Schoner lieber von Hand waschen.

Testverfahren

Unser Test besteht aus zwei Teilen: Im Labortest sind die Schoner auf dem Prüfstand unter gleichen Bedingungen auf Stoßabsorption getestet worden. Zusätzlich hat unser Redaktionstest die Schoner auf den Trails auf Tragekomfort, Passform, Belüftung und Look geprüft.

Den Labortest haben wir bei Protektoren-Spezialist SAS-TEC in Markgröningen durchgeführt, als verkürzte Version der CE-Prüfung nach EN 1621-1:2012, die Gelenk-Protektoren für Motorrad-Schutzkleidung definiert. Da es keine offizielle Zertifizierung für Mountainbike-Schoner gibt, wird diese üblicherweise als Referenz herangezogen.

Dabei fällt ein 5 kg schweres Metallgewicht aus einer Höhe von etwa einem Meter auf den Schoner. Dieser liegt auf einem halbkugelförmigen Amboss, unter dem Sensoren die auftretenden Restkräfte messen. Ohne Schoner wirkt durch den Aufprall eine Kraft von rund 180 kN - was in etwa 18 Tonnen entspricht. Bei Schutzlevel 1 darf die durchschnittliche Kraft verteilt auf 9 Messpunkte nicht über 35 kN betragen.

Wir haben alle Protektoren an drei Messpunkten mit und ohne Stoff-Sleeve gemessen. Wie bereits erwähnt, haben alle Kandidaten Level 1 problemlos bestanden, manche sogar das höhere Level 2. Diese sind aber meist auch etwas dicker und schwerer.

Der Praxistest wurde von unseren Redakteuren durchgeführt. Hier haben wir die Knieschoner auf zahllosen Feierabendrunden, Tagestouren und Bikepark-Laps getragen. Das Testfeld besteht aus 14 Knieschonern der relevantesten Marken. Auch wenn sie alle auf ähnliche oder teils sogar gleiche Protektoren setzen, so unterscheiden sie sich doch deutlich in den oben genannten Punkten.

Das Ergebnis des Labortests ist immer mit dem Protektor im Sleeve ermittelt worden. Es ist der Durchschnitt von drei Messpunkten: einen zentral auf der Kniescheibe, einen weiter unten und einen an der Seite.

Testergebnisse und Empfehlungen

Das Testfeld ist groß und alle Schoner haben ihre eigenen Stärken und Schwächen. Diese sind detailliert in den jeweiligen Test-Artikeln zu finden.

Der Schoner, der alle - teilweise gegensätzlichen - Eigenschaften vereinen kann, ist das Rapha Trail Knee Pad. Auch ohne Klettverschluss sitzt er wie angegossen und ist auch nach langen Tagen im Sattel super bequem. Dazu weist er eine der besten Stoßdämpfungen im Test auf.

Ein Schoner, der im Testfeld wie kein anderer sitzt, ist der 100% Teratec Plus. Durch seine breite Manschette am Oberschenkel rührt er sich auch in den ruppigsten Trail-Passagen um keinen Millimeter. Zudem ist es für uns der komfortabelste Schoner beim Pedalieren.

Eine gute Nachricht des Tests: Alle getesteten Schoner bieten einen guten Schutz. Sie setzen durch die Bank auf weiche Protektoren, die hohen Komfort und starke Stoßabsorption bieten. In puncto Belüftung und Passform unterscheiden sie sich jedoch stark. Welche Schoner für Sie die besten sind, kommt also auch auf Ihren Geschmack und Ihre Körperproportionen an.

Ergebnisse im Überblick

Erstaunlich, wie gut selbst die leichten Trail-Protektoren vor Verletzungen schützen. Die besten Modelle können sogar mit guten Bikepark-Knieschonern mithalten.

Hersteller Modell Restkraftwert (kN) Zertifizierung
IXS Flow 2.0 9,57 Level 2
Pearl Izumi Summit 30,76 Level 1

Wichtige Aspekte beim Kauf

Holger Hertneck, COO/Prokurist SAS-TEC GmbH, im Interview:

  • Nach Möglichkeit Schoner mit Markenprotektoren verwenden.
  • Ein nach Motorradnorm EN 1621-1:2012 geprüfter Protektor ist die Mindestanforderung.
  • Ob ein Level-1-Protektor genügt oder ob es das höhere Schutzlevel 2 sein soll, muss jeder für sich entscheiden. Schließlich schränken dickere, schwerere Kandidaten zumeist die Beweglichkeit etwas ein.
  • Ganz wichtig: eine Anprobe oder sogar Probefahrt, um den perfekten Sitz zu prüfen.

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