König Ludwig Radweg: Eine Reise durch Industriekultur und Natur

Wer sich als Paar für den Urlaub nicht auf das Meer oder die Berge einigen kann, der muss einfach ins Ruhrgebiet fahren. Zumindest vom Namen her. Auf einer relativ entspannten Radtour lässt sich beides nämlich sehr einfach kombinieren.

Die König-Ludwig-Trasse verläuft vom Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel durch Recklinghausen und endet nach knapp 9 Kilometern in den Feldern rund um Becklem.

Etwa 9 Kilometer ist der Verlauf lang, der fachlich als Bahntrassenradweg bezeichnet wird. Die König-Ludwig-Trasse ist durch das Radverkehrsnetz NRW ausgeschildert. Rostige Stahlschilder mit der Abkürzung KLT sind hier und dort zu finden.

Streckenverlauf und Sehenswürdigkeiten

Die bislang fertig gestellte Strecke startet im Süden am „Herner Meer“, dem Hafen- und Schleusenbereich am Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel.

Wir beginnen mit unserer Tour am erwähnten Herner Meer, dem so bezeichneten breiten Hafen- und Schleusenbereich am Rhein-Herne-Kanal. Es ist einfach eine große Wasserfläche an der Stelle, wo einst von hier aus eine Wasserstraße bis fast in die Innenstadt Hernes in der Nähe des Schlosses Strünkede abzweigte.

Auffallend ist das 23 Meter hohe Emscherkunst.2010-Werk „reemrenreh“ von Bogomir Ecker, das im Kanal steht. Am anderen Ufer des Kanals befand sich die Zeche Friedrich der Große.

Heute ist das alte Zechengelände ein Gewerbegebiet und statt Kohleschiffe legen hier Ausflugsschiffe auf dem Kanal ab. Der 23 Meter hohe knallgelbe Turm aus Aluminiumblech mit Löchern, geschaffen von Bogomir Ecker, trägt den offiziellen Titel reemrenreh (kaum Gesang). Was so exotisch, vielleicht asiatisch oder indianisch klingt, ist schlicht und einfach „hernermeer“ rückwärts gelesen.

An der rund 1,5 km nördlich gelegenen Emscherbrücke gibt es Anschluss an den Emscherweg. Wieder hergestellte oder restaurierte Brücken über Straßen und die Emscher sind im einheitlichen Farbschema blau gestaltet.

Hinter dem Yachthafen auf der nördlichen Kanalseite geht die Tour zunächst auf asphaltierter Straße in Nordrichtung los. Im Bereich des Umspannwerks wechselt der Weg auf wassergebundene Oberfläche und führt in einer für Bahnstrecken typisch langgestreckten und sanften Linkskurve parallel zur Straße.

Vom Kanal führt die Fahrt vorbei an den Schachtanlagen König-Ludwig 1/2/6 im Recklinghäuser Stadtteil König-Ludwig sowie vorbei an den Anlagen 4/5 und 7/8 in Suderwich. Die genannten Schachtanlagen sind überwiegend als Gewerbegebiete entwickelt worden.

Es folgt bald die Emscherbrücke, eine sehr schöne Stahlfachwerkbrücke - von der man das Fachwerk allerdings nur von unten sehen kann. Hier besteht Anschluss zum Emscherweg, den wir später ja noch zur Schließung der Rundtour befahren.

Am Wegesrand befindet sich nach wenigen hundert Metern auf der rechten Seite eine Grubenbahn als Denkmal und Ausstellungsstück. Das kleine Museum liegt direkt gegenüber dem ehemaligen Zechengelände.

Rechts steht ein rostiger Gasometer, dahinter das Beton-Skelett der alten Pechhalle der Zeche König-Ludwig I / II. Und an dieser Stelle endete die Trasse bis 2018 bereits an der Ortlohstraße direkt neben einem Supermarkt.

Heute geht es jedoch weiter. Der Belag ist nun asphaltiert und breit. Nicht ganz schnurgerade folgt er dem alten Schienenverlauf. Von der Bahnstrecke ist jedoch (fast) nichts mehr zu sehen.

Die Fahrt führt vorbei am ehemaligen Haldengelände König-Ludwig I / II. Zunächst überqueren wir die Autobahn A2 westlich der Anschlussstelle Recklinghausen-Ost. Mit Blick nach links nimmt man die Halde Hoheward am Horizont wahr. Auf dem Gipfel thront das große Horizontobservatorium. Es folgt sogleich die nächste Brücke über die Blitzkuhlenstraße.

Wir erreichen nun das ehemalige Zechengelände König-Ludwig IV / V in Suderwich, das zu einem Gewerbegebiet geworden ist. Und hier befindet sich auch die in der Einleitung beschriebene Alm.

Südlich der ehem. Anlage 4/5 liegt auch die Suderwicher Alm. Die Suderwicher Alm ist eine sanfte Anhöhe mitten im Gewerbegebiet. Sie trennt dieses auch von der benachbarten Wohnbebauung ab. Auf der Spitze des Hügels befindet sich ein Unterstand mit dem Namen „Utkiek“ (Ausblick).

Auf erhöhtem Damm geht die Fahrt durch Suderwich. Man passiert dabei eine große Gärtnerei und das Naturfreibad.

Wir passieren noch das alte Stellwerk am Abzweig der Trasse von der Bahnstrecke Hamm-Osterfeld, das sich als flacher Ziegelsteinbau im Wald versteckt. Genau an diesem Abzweig endet der derzeitige Ausbau der König-Ludwig-Trasse als Radweg.

Eine Fortsetzung des Bahntrassenradweges ist geplant, aber noch nicht umgesetzt.

Historischer Hintergrund

Starten wir, bevor wir das Fahrrad satteln, mit etwas Geschichte zum besseren Verständnis. Im Jahre 1885 begann im Süden von Recklinghausen die Förderung der Zeche König Ludwig, die nach dem bayerischen König Ludwig II. benannt ist. Dem Märchenkönig, der auch das berühmte Schloss Neuschwanstein bei Füssen errichten ließ. Der erste Schacht befand sich an der heutigen Alten Grenzstraße.

Im Jahr 1902 lief die Förderung auf der neuen Schachtanlage IV / V in Suderwich an. Östlich von Suderwich wurde zu Beginn der 1930er Jahre die Förderung auf der neuen dritten Schachtanlage VII / VIII aufgenommen.

Auf den kulturellen Sektor im Ruhrgebiet hatte die Zeche König Ludwig eine nachhaltige Wirkung. Sie belieferte nach dem Zweiten Weltkrieg Hamburger Theater unter Umgehung der Kontrollen durch die Besatzer zum Beheizen mit Kohle, weshalb sich Schauspieler schließlich zum Revanchieren für ein Gastspiel in das Ruhrgebiet begaben - aus dieser Aktion sind die Ruhrfestspiele entstanden.

Ende der 1950er Jahre folgte die schrittweise Schließung der Zeche im Zuge der allgemeinen Kohleabsatzkriese. Die alte die Schachtanlagen verbindende Zechenbahn zum Verladehafen am Rhein-Herne-Kanal wurde in Abschnitten zu einem Radweg ausgebaut - der König-Ludwig-Trasse.

Rundtour und Emscherweg

Der folgende Tourenvorschlag nutzt einen Teil des Emscherweges, um nicht dieselbe Strecke wieder zurückfahren zu müssen. Wir setzen die Tour am Stoppschild über den Wirtschaftsweg links abbiegend fort, unterqueren die Bahn und fahren immer geradeaus bis zum Ende.

Dann biegen wir rechts ab auf den Radweg, überqueren die Straße an der Ampel und fahren in die Wartburgstraße. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Wartburginsel. Hier können Radfahrende zu einem Abstecher zum Parkway EmscherRuhr zum Schiffshebewerk Henrichenburg wechseln.

Dabei passieren wir die Alte Fahrt, besagten Aussichtsturm und stoßen nach einigen Kilometern wieder auf die König-Ludwig-Trasse, die hier die Emscher überquert.

Haldenlandschaft

Wie so viele auf diesen Internetseiten vorgestellte andere Bergwerke musste die Zeche König-Ludwig in Recklinghausen unverkäufliches Nebengestein, das mit der Kohle aus der Tiefe gefördert wurde, übertage auf Halden aufschütten.

Größter Hügel ist allerdings die Suderwicher Alm an der Schachtanlage IV / V. Sie erhebt sich über die Landschaft und bietet einen Ausblick auf Suderwich und das ehemalige Zechengelände, das heute Gewerbepark ist. Allerdings ist sie keine Bergehalde.

Unmittelbar nördlich des derzeitigen Beginns der König-Ludwig-Trasse in Südrichtung wurde fächerförmig von der Eisenbahn ausgehend eine Bergehalde aufgeschüttet. Die Fläche der Halde betrug etwa 6,5 Hektar und dehnte sich bis zur Alten Grenzstraße im Westen und zur heutigen Autobahn A2 im Norden aus.

Kurz vor dem Ende der König-Ludwig-Trasse östlich von Suderwich befand sich die dritte Schachtanlage VII / VIII. Sie ging 1928 in Betrieb und wurde zusammen mit den anderen Schächten des Bergwerks 1965 stillgelegt.

Die schon angesprochene Halde liegt zwischen dem Zechengelände (dem heutigem Gewerbegebiet) und der König-Ludwig-Trasse. Sie ist Teil des Naturschutzgebietes Becklemer Busch. Ihre Fläche beträgt etwa 2,5 ha.

Zusammenfassung

Die König-Ludwig-Trasse verläuft über weite Strecken über besten Asphalt. Einige wenige Straßen müssen gequert werden, ansonsten könnt Ihr den Weg abseits des Straßenverkehrs genießen. Am Wegesrand stehen einige Relikte aus der Bergbau-Vergangenheit der Region, die sich für einen kurzen Halt lohnen. Perspektivisch soll die König-Ludwig-Trasse bis zur Halde Blumenthal in Oer-Erkenschwick ausgebaut werden.

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