Sicher Radfahren mit Kopfhörern: Was ist erlaubt und wie vermeidet man Risiken?

Viele Radfahrer möchten auch unterwegs nicht auf Musik verzichten. Es ist bekannt, dass Musik beim Sport motivieren kann, was natürlich auch fürs Radfahren gilt. Auf dem Fahrrad eignen sich besonders In-Ear-Modelle mit Bluetooth, da das Smartphone sicher im Rucksack verstaut werden kann und man sich nicht am Kabel verheddert.

Rechtliche Aspekte des Musikhörens auf dem Fahrrad

Kopfhörer auf dem Fahrrad? Ja, das ist rein rechtlich zulässig. Der Gesetzgeber fordert aber, dass die Lautstärke der Verkehrssituation angepasst sein muss. Der Sound aus dem Kopfhörer darf die Umgebungsgeräusche nicht überdecken. Bei zu lauter Musik drohen 15 Euro Bußgeld. Die ARAG warnt, dass im Falle eines Unfalls sogar der Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld verloren gehen kann, selbst wenn der Unfallgegner schuld war.

Unter welchen Voraussetzungen es möglich ist, auf dem Fahrrad auch Kopfhörer zu tragen, ist im Paragraf 23 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung nachzulesen. Dort ist formuliert, dass Personen, die ein Fahrzeug führen, jederzeit dafür verantwortlich sind, die Sicht und das Gehör nicht durch Geräte beeinträchtigt werden. Es spielt also weniger eine Rolle, ob jemand auf dem Fahrrad nun Musik hört oder nicht, sondern entscheidend ist vielmehr die Lautstärke der Musik.

Eine Strafe für das Fahrradfahren mit Kopfhörer droht erst, wenn der Radfahrer dadurch andere Verkehrsteilnehmer behindert, gefährdet oder selbst an einem Unfall beteiligt ist. Im Bußgeldkatalog ist die Höhe der Strafgelder festgeschrieben. Interessant ist hierbei noch der Aspekt, dass auch Fahrradfahrer bestraft werden, die beim Fahren mit dem Rad ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. Allerdings fällt das Bußgeld mit 55 Euro im Vergleich zu Autofahrern deutlich geringer aus.

Allgemein ist mit höheren Strafen zu rechnen, wenn Fehlverhalten zu Gefahren führt. Das gilt auch für das Tragen von Kopfhörern auf dem Fahrrad. Wer eine Sirene von Einsatzfahrzeugen überhört, weil die Musik zu laut war, zahlt 240 Euro. Kommt eine Gefährdung der Einsatzkräfte hinzu, kostet laute Musik beim Fahrradfahren schon 280 Euro. Passiert durch Musikhören ein Fahrradunfall, führt das zu einem Bußgeld von 320 Euro.

Neben den hohen Bußgeldern hat ein Unfall auch versicherungsrechtliche Folgen, wenn es darum geht, die Schuldfrage zu klären. Und diese Frage stellt sich häufig, wenn ein Fahrradfahrer auf seinem Rad über Kopfhörer laute Musik gehört hat. Selbst dann, wenn er den Unfall nicht selbst verursacht hat, spricht die Haftpflichtversicherung eine Teilschuld zu, weil das Gehör durch laute Musik beeinträchtigt war. Daraus ergibt sich, dass sich die Ansprüche für Schadenersatz und Schmerzensgeld verringern oder ganz aufheben. Zusätzlich können Versicherungen einen Anteil der Kosten zurückfordern, die aus dem Anspruch des Unfallgegners entstehen. Darüber hinaus übernimmt die Kaskoversicherung eventuell auch nicht alle Zahlungen, die sich durch Reparaturen summieren.

Mit angepasster Lautstärke ist es kein Problem, Kopfhörer beim Fahrradfahren zu tragen. Entweder bietet das Kopfhörer-Modell die Möglichkeit, Schallwellen durchzulassen oder es bietet sich an, einen Hörer nur auf einem Ohr aufzusetzen. Wichtig ist, dass der Fokus auf dem Straßenverkehr und nicht auf der Musik liegt. Diese Credo gilt auch für das Fahrradfahren unter Alkoholeinfluss.

Technische Aspekte und Awareness-Modus

Viele Kopfhörer dämpfen Umgebungsgeräusche ab. Um trotzdem nichts zu verpassen, haben viele Geräte einen Awareness-Modus. Mikrofone im Kopfhörer nehmen die Außengeräusche auf und geben sie 1:1 ans Ohr weiter, anstatt sie zu unterdrücken.

Sollten Sie Musik hören, telefonieren oder einem Podcast lauschen, achten Sie darauf, die Lautstärke gering zu halten. Vor allem Musik- oder Podcast-Hören sollten unterbleiben. Auch Telefonieren lenkt ab. Auf Touren in der Natur und bei wenig Verkehr hingegen können Sie die Geräte alle gut nutzen. Vor allem, wenn Sie sie nur zum Navigieren aufsetzen. Dann spielen Laborwerte der Soundqualität keine echte Rolle.

Auch werden Windgeräusche, die durch kleine Wirbel an den Mikrofonen entstehen, im Awareness-Modus ebenfalls nicht immer sauber gefiltert, sondern ans Gehör weiter gegeben. Hörbare Verwirbelungen entstehen auch am Träger der Knochenschall-Kopfhörer und an der Freisprecheinrichtung. Diese Windgeräusche sind größer als die, die bei schneller Fahrt am freiliegenden Ohr selbst entstehen.

Alternativen zu herkömmlichen Kopfhörern

Es gibt Alternativen: Knochenschall-Kopfhörer übertragen Schallwellen über die Schädelknochen ins Gehör, wodurch der Gehörgang frei bleibt und Außengeräusche wahrgenommen werden können. Außerdem gibt es spezielle Lautsprecher für Fahrradhelme, die einer Fahrrad-Freisprecheinrichtung entsprechen.

Test verschiedener Soundsysteme für Radfahrer

Hier eine Übersicht verschiedener getesteter Soundsysteme, die sich für Radfahrer eignen:

Produkt Beschreibung Fazit
Adidas FWD-02 Sport In-Ear-Kopfhörer mit Awareness-Funktion Geheimtipp für Radfahrer, perfekter Sitz, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Sena Bluetooth-Headset Pi Headset zur Befestigung am Helmriemen Gute Klangqualität, vereint viele sinnvolle Funktionen.
Apple AirPods Pro Kabellose Kopfhörer mit Transparenz-Modus Hoher Preis, tolles Klangbild, aber Nachteile im Verkehr.
Livall Kopfhörer LTS21 Helm-Kopfhörer, der nicht auf dem Knochenschallprinzip beruht Klangbild über Shokz-Niveau, benötigt Fingerspitzengefühl bei der Befestigung.
JBL Clip 4 Bluetooth-Box zur Befestigung am Lenker Hält die Ohren frei, beeinträchtigt die Außenwahrnehmung kaum.
Shokz Openrun Pro Knochenschall-Kopfhörer Umgebungsgeräusche werden nicht beeinträchtigt, Tonqualität könnte besser sein.

Wichtige Hinweise und Empfehlungen

Grundsätzlich empfehlen wir, im Straßenverkehr keine Kopfhörer zu tragen. Trotzdem kann es manchmal praktisch sein, gekoppelt mit dem Fahrradnavi sorgen Kopfhörer für verständliche Richtungsansagen, wie wir sie aus dem Auto kennen.

Over-Ear-Kopfhörer mit großen Ohrenschalen und Noise-Cancelling-Funktion, die die Umgebungsgeräusche unterdrücken, haben auf dem Fahrrad nichts zu suchen. Sollten Ihre Kopfhörer eine Noise-Cancelling-Funktion bieten, deaktivieren Sie diese unbedingt, bei Apples AirPods zum Beispiel ist das problemlos möglich. Unser Tipp: Beschallen Sie mit In-Ear-Kopfhörern nur eine Seite - idealerweise lassen Sie das Ohr der der Fahrbahn zugewandten Seite frei.

Für alle Modelle gilt: Laute Musik überdeckt oft den übrigen Geräuschpegel. Somit werden Gefahren schlechter oder gar nicht mehr wahrgenommen. Darum empfehlen wir: Am besten fahren Sie ganz ohne Extra-Beschallung.

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