Die MotoGP-Prototypen gibt es nicht zu kaufen. Geschätzt werden die Dienstfahrzeuge von Marc Márquez & Co auf einen Wert von 2 Millionen Dollar aufwärts. Pro Stück! Immerhin sind es unangefochten die mächtigsten einspurigen Boliden, die derzeit auf Rennstrecken unterwegs sind. Was macht eigentlich den Unterschied zu jenen Motorrädern aus, die du um ein Hundertstel dieses Preises kaufen kannst und fahren darfst?
Vergleich MotoGP vs. Straßenmotorrad
Ein Vergleich:
Motor
Die 1000 cm³ Hubraum der MotoGP und Vierzylinder-Bauweise sind auch bei den großen Straßen-Maschinen Standard, also wo kommt die Mehrleistung her? Zunächst rauben weder Katalysator, noch Schalldämpfer Kraft. Den Rest besorgen nutzbare Drehzahlen von bis zu 19.000 U/min, ermöglicht durch pneumatische Ventilsteuerung: Druckluft schließt die Motorventile schneller und verlässlicher, als es vergleichsweise träge Metallschraubenfedern könnten. Im Rennsport ist diese Technologie essentiell, für die Straße schlicht unbrauchbar.
Getriebe
Aus der Formel 1 stammt das sogenannte Seamless Getriebe. Diese elektromechanischen Wunderwerke vollziehen den Wechsel der Gangstufen quasi verschliffen, ohne Kupplungseinsatz und Zugkraftunterbrechung. Nur so funktioniert das Hochschalten in Schräglage.
Bremsen
Die Lösung lautet Carbon-Keramik-Bremsscheiben für das Vorderrad. Bei Regen wird hingegen Stahl verwendet, denn Carbon käme nicht auf Arbeitstemperatur.
Reifen und Felgen
Die Reifenmischungen unterscheiden sich je nach Strecke erheblich, am Sachsenring brachte Michelin erstmals einen asymmetrischen Aufbau zum Einsatz. Felgen werden aus ultraleichtem Magnesium angefertigt, ihr Durchmesser beträgt seit 2016 die handelsüblichen 17 Zoll (statt 16,5) - mit ein Grund für das schwierigere Handling der Bikes.
Winglets und Devices
Vor allem Ducati hat bei der Entwicklung der Bikes in den vergangenen drei Jahren Vollgas gegeben und sowohl die Winglets als auch Ride-Height-Devices erfunden. Die neuen Flügel machen die Motorräder zwar stabiler und schneller, sorgen in den Zweikämpfen aber für aerodynamische Turbulenzen und machen Überholmanöver extrem schwer. Die mögliche Absenkung des Fahrwerkes je nach Rennsituation (Ride Height) wiederum benötigt bis zu 12 Knöpfe am Lenker und setzt sogar die besten Fahrer der Welt unter Druck. Deshalb sind die Upside-down-Gabeln mit 48mm deutlich stärker als gewöhnlich. Federrate, Vorspannung und Dämpfung (Zug- und Druckstufe getrennt) ist wie beim Federbeinen im Heck einstellbar. Elektronische Dämpfungssteuerung ist verboten, für die MotoGP aber ohnehin zu langsam.
Karosserie & Packaging
Die Hüllen von MotoGP-Prototypen sind selbstverständlich aus federleichter Kohlefaser gefertigt - unvorstellbar in der Massenfertigung. Bei der Gewichtsverteilung und Aerodynamik kann ein Prototyp ebenfalls aggressivere Wege beschreiten. Ein straßenzugelassenes Bike schleppt eine voluminöse Abgasanlage, sowie Dinge wie Startermotor, Licht, Soziussitz und eine großen Batterie mit. Aktuell bringt ein MotoGP-Bike gerade einmal 158 kg auf die Waage.
Sensorik & Traktionskontrolle
40 bis 50 Sensoren trägt ein MotoGP Motorrad, vom Reifendruck über verschiedene Motorparameter, Chassisbalance, Schräglage, Position bis hin zu den Drehgeschwindigkeiten von Vorder- und Hinterrad. Einige füttern die Elektronik der Motorsteuerung, die 2016 stark vereinheitlicht und vereinfacht wurde und die Teams so vor Herausforderungen gestellt hat. Genauso wie käufliche Traktionskontrollen verhindert sie Wheelies und Highside-Crashes, ist in der Rennsportversion hinsichtlich Präzision und sanfter Arbeitsweise aber weit überlegen.
MotoGP-Bikes für jeden?
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und knapp 190.000 Euro im Sparschwein hat, für den haben wir gute Neuigkeiten: Technik, die der MotoGP sehr nahe kommt, ist doch auf dem Markt! Honda (RC213V-S) und KTM (RC16) bieten eine straßentaugliche Replika ihres WM-Motorrads an, so wie es einst Ducati mit der Desmosedici RR getan hat. KTM-Boss Stefan Pierer hatte beim Einstieg in die MotoGP angedeutet, dass es auch irgendwann entsprechende Bikes für Normalsterbliche geben könnte.
Jetzt kann dieser Traum zumindest für zwei Fans in Erfüllung gehen, denn KTM bietet zwei RC16-Werksrennmaschinen aus der Saison 2019 zum Verkauf an. Als Stückpreis werden 288.000 Euro plus Steuern aufgerufen. Im Packetpreis enthalten sind jeweils noch ein Rennkombi von Pol Espargaro und ein signierter Helm des Spaniers sowie VIP-Tickets für einen MotoGP-Event in der Saison 2021 nach Wahl.
Die Rennbikes stammen aus erster Hand, wurden immer top gepflegt und standen mehr oder weniger fast immer in der Garage. Als technische Eckdaten für die 1.000er-V4 nennt KTM über 265 PS und über 340 km/h Topspeed bei nur 157 Kilogramm Gewicht.
Kosten durch Stürze
In der MotoGP passierten 2019 über alle Trainingsessions, Qualifyings und Rennen hinweg insgesamt 220 Stürze. Zum Glück gingen die meisten davon glimpflich aus, nur wenige Fahrer verletzten sich ernsthaft. Denn je nachdem, wie schwer das Motorrad nach einem Sturz beschädigt ist, werden horrende Summen benötigt, um es wieder fahrbereit zu machen. Insgesamt beziffert er die Kosten für die beiden Motorräder von Crutchlow auf zwei Millionen Euro. Das beinhalte auch einige Software.
"Wir haben außerdem zwei HRC-Techniker, die bei jedem Rennen dabei sind. Sie sind auch Teil des Preises. Kommt es zu einem Sturz, summieren sich diese mitunter genauso schnell wie die Kosten für Ersatzteile und Ähnliches. Je nach Ausmaß des Schadens können sie enorm schwanken. "Ein Sturz in der MotoGP kann zwischen 15.000 und 100.000 Euro kosten.
Wenn wir Glück haben, müssen wir nur ein paar Teile auswechseln, die wir auf Lager haben. Aber ein großer Unfall oder selbst eine Reihe aufeinander folgender kleinerer Stürze kann einem sofort jede Menge Ärger machen. Da einige schon während der Trainings in Gebrauch sind, können schwere Stürze während des Wochenendes schnell zum Problem werden.
"Wenn ich ein Teil bei HRC bestelle, gibt es eine Mindestzeit für Produktion und Lieferung. Er betont, dass es in der MotoGP faktisch keine kleinen Unfälle gibt: "Die Motorräder sind schwer und sehr schnell. Wenn man über das Vorderrad stürzt, nehmen mindestens die Verkleidung, die Lenkerstummel und viele andere Carbonteile Schaden.
"Aber wenn man einen Unfall hat wie wir in Australien 2018, als der Rahmen und die Schwinge zerstört wurden, ist das etwas anderes. Solche Dinge sind praktisch unbezahlbar", fährt Bourguignon fort. Genauso gibt es am Motorrad besonders empfindliche Teile. "Ein Satz Carbon-Bremsscheiben kostet um die 10.000 Euro. Und jedes Mal, wenn ein Motorrad im Kies landet, könnte das die Scheiben ruinieren", erklärt der Experte.
Gleiches gilt laut Bourguignon für die Magnesiumfelgen. Weil die Michelin-Reifen eher klein und nicht sehr schützend seien, müssten die Felgen oft selbst bei kleineren Stürzen getauscht werden. Kostenpunkt: 4.000 Euro pro Satz.
"Das hängt stark vom Hersteller und den Spezifikationen ab, aber ein Bauteil wie der Kühler kann rund 10.000 Euro kosten. In der Frontpartie sind Elektronikteile mit 2D-Technik verbaut, die allein 2.500 Euro kostet. Dann gibt es die Kontrolleinheit mit all den Sensoren.
Doch es gibt auch Elemente, die weniger fragil sind und größere Erschütterungen besser verkraften. Dazu zählt unter anderem der Motor: "Seit die Zahl der Motoren limitiert ist, kann ich mich nicht erinnern, jemals einen Motor aufgrund eines Unfall ersetzt zu haben.
Bonhams-Auktion: MotoGP-Bikes zu ersteigern
Im Rahmen der zweitägigen Live-Auktion "Autumn Stafford Sale" versteigert Bonhams fünf MotoGP-Bikes. Verhältnismäßig günstig. Bei den fünf Rennmotorrädern handelt es sich um Stücke aus der Phil Morris-Kollektion. Die angebotenen Moto GP-Maschinen waren beim Team des britischen Geschäftsmanns Paul Bird während der sogenannten Claiming Rule Teams-Ära (CRT) zwischen 2012 und 2014 im Einsatz.
Das PBM-ART-Grand-Prix-Rennmotorrad von 2014 wurde von Broc Parkes pilotiert, der im Paul Bird Motorsport-Team fuhr. Schätzung: 40.000 - 60.000 Pfund Sterling, also umgerechnet rund 46.980 - 70.470 Euro soll das Motorrad bringen. Broc Parks war 2014 Fahrer Nummer zwei im Team. Sein Ex-Bike wird von einem werksseitig gebauten Aprilia RSV4-Motor angetrieben und kommt auf 230 PS Leistung. Begleitet wird das Ganze von einer Magneti Marelli-Elektronik begleitet, einschließlich der ECU, die mit Daten vom Ende der Saison 2014 neu programmiert wurde. Das Motorrad verfügt außerdem über originale FGR-Gabelbrücken, Öhlins-Gabel, Brembo-Bremsen und PBMs eigene Auspuff- und Kohlefaserkarosserie. Es wird in fahrbereitem Zustand angeboten.
Die 2014 PBM-ART 1.000cc Grand Prix wurde von Michael Laverty, ebenfalls im Paul Bird Motorsport-Team, gefahren. Der Wert des Motorrads wird auf 40.000 - 60.000 Pfund Sterling, also umgerechnet auf rund 46.980 - 70.470 Euro geschätzt. Laverty erzielte in dieser Saison neun Punkte. Auch dieses Bike rollt in seiner Moto GP-Spezifikation an, begleitet von der originalen ECU mit den Saisondaten 2014 und der Race-Karbon-Bremsscheiben, Öhlins-Gabeln usw. Auch dieses Exemplar wird in fahrbereitem Zustand angeboten.
Die 2012er-Aprilia Art 1, 1.000cc Grand Prix war das Rennmotorrad von James Ellison, Yonny Hernandez, Team Paul Bird Motorsport. Schätzung: 40.000 bis 60.000 Pfund Sterling. Das Motorrad wurde erstmals 2012 von PBMs einzigem Fahrer James Ellison beim Moto GP-Debüt des Teams eingesetzt und im Jahr darauf dem Kolumbianer Yonny Hernandez zur Verfügung gestellt. Seit es in die Phil Morris Collection aufgenommen wurde, ist es aus praktischen Gründen mit einem serienmäßigen 1.000cc Aprilia RSV4 Rennradmotor und zugehöriger ECU und Elektronik ausgestattet. Wer das Bike ersteigert, bekommt aber neben dem originalen Werksmotor auch die original ECU, Teile und Karosserie dazu, sodass die Maschine auf die Moto GP-Spezifikation zurückgebaut werden kann.
Ex-Bike von James Ellison, Yonny Hernandez, Michael Laverty, Team Paul Bird Motorsport: 2012 Aprilia Art 1.000cc Grand Prix Rennmotorrad. Schätzung: 30.000 bis 50.000 Pfund Sterling, also umgerechnet rund 35.260 - 58.770 Euro soll das Motorrad kosten. Es wurde eine Saison lang von James Ellison gefahren, bevor er zu British Superbikes zurückkehrte. Neuzugang Hernandez erbte dieses Ex-Ellison-Motorrad im Jahr 2013, wobei es auch von Teamkollege Michael Laverty gefahren wurde. Zustand und Spezifikation entsprechen dem, wie es 2012 zuletzt im Rennsport gefahren wurde.
Parkes' Nummer-Eins-Bike der Saison 2014 mit dem britischen GPMS-Chassis von Bird. Es rollt mit Moto GP-Spezifikation, Magneti Marelli-Elektronik und -Komponenten an, wird jedoch unvollständig angeboten.
Phil Morris‘ persönlicher Favorit der versteigerten Sammlungsstücke ist aber der Elektroroller Yamaha EC 03 von 2018: "Vor sechs Jahren wurden Benzinroller aus dem GP-Fahrerlager verbannt, und Yamaha hat mir diesen Roller für das Paddock zur Verfügung gestellt. Ich hatte ihn zum Herumdüsen. Er wurde von der Liquid Paint Factory gesponsert, die alle Kunststoffteile umgestaltete."
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