Gerade in Zeiten des Überflusses bieten Radreisen ein minimalistisches touristisches Erlebnis. Um Übernachtungen kommt man dabei nicht herum. Hier sind einige Optionen, die Radfahrern helfen können, ihre Reisekasse zu schonen und gleichzeitig unvergessliche Erfahrungen zu sammeln.
1. Zelten in der Natur
Die erste Möglichkeit, an die man denkt, wenn man kostenlos auf Radreisen übernachten möchte, ist das Zelten. Doch hier ist, jedenfalls in Deutschland, Obacht geboten. Denn wenn man in Naturschutzgebieten übernachtet, kann es sogar sehr, sehr teuer werden! Auch im Wald ist es in der Regel verboten zu zelten. Nur in der freien Natur, außerhalb des Waldes, ist das Zelten erlaubt. Allerdings gilt das auch dann nicht, wenn man sich auf privatem Gebiet befindet, was aber auch schwierig herauszufinden ist.
Ganz anders ist das in Ländern wie in Schweden und Norwegen, wo es das sogenannte Jedermannsrecht gibt. Dort kann man, wenn man sich fair verhält und die Natur mit Respekt behandelt, an vielen Stellen wild campen.
Beim Thema Übernachten in der Natur sollte man nicht nur auf die rechtlichen Bedingungen achten, sondern auch mit Vernunft handeln. Jede*r will eine intakte Natur und kann dazu beitragen. Wenn man irgendwo übernachtet, stört man im Zweifel auch außerhalb von Naturschutzgebieten Tiere und schränkt deren Lebensraum ein.
2. NITE TENT
Wer dennoch zelten möchte, aber möglichst kein Risiko eingehen will, der kann solche Anbieter wie NITE TENT (zu Deutsch: Nachtzelt) nutzen. Auf dieser Webseite findet man Angebote von privaten Nutzern, die es erlauben, dass man auf ihrem Grundstück nächtigt. Als Anbieter muss man sich einfach anmelden, ein paar Kriterien angeben, und kann so seine Fläche zur Verfügung stellen. Das ist eine einfache Möglichkeit, um kostenlos als Radler übernachten.
3. Couchsurfing
Der Klassiker fürs kostenlose Übernachten ist Couchsurfing. Inzwischen zahlt man dort auch eine geringe jährliche Gebühr. 2016 war ich mit dem Rad fast nur via Couchsurfing und Warmshowers unterwegs.
Die günstigste Alternative zu Hotel und Campingplatz ist das Couchsurfing, auch wenn die Nutzung der Plattform mittlerweile nicht mehr ganz kostenlos ist. Der Gedanke dahinter: Privatpersonen bieten Übernachtungsmöglichkeiten an - sei es auf der Couch im Wohnzimmer oder auf der Matratze in der Küche oder im separaten Zimmer - wo auch immer. Charmant ist das Angebot für viele aber vor allem deshalb, weil man „mittendrin“ ist.
4. Warmshowers
Was so ähnlich ist wie Couchsurfing, aber sich explizit an Radfahrende richtet, das ist Warmshowers. Dort geht es auch darum, dem oder der anderen einen Schlafplatz anzubieten. Gleichzeitig bietet man auch sein eigenes Zuhause an.
Wer eine Unterkunft sucht und soziale Kontakte pflegen möchte, sollte sich einmal das Netzwerk warmshowers.org anschauen. Es ist eine weltweit nutzbare, kostenfreie Möglichkeit als Radtourist die Gastfreundschaft anderer in Anspruch zu nehmen. Die 1993 gegründete Gemeinschaft erinnert ein wenig an das Couchsurfing-Prinzip. Ein Gastgeber kann zum Beispiel seine Couch, ein freies Zimmer oder auch einfach seinen Garten als Zeltplatz zur Verfügung stellen. Der Vorteil ist, dass viele Gastgeber selbst schon mit dem Rad auf Reisen waren. Dadurch verstehen sie oft die Bedürfnisse ihrer Gäste sehr gut.
Mit fast 85.000 aktiven Mitgliedern, wovon ca. 39.000 auch aktive Gastgeber sind (Zahlen von 2017), finden sich in vielen Ländern der Welt Unterkünfte. Die meisten gibt es in Europa und Nordamerika.
5. Dachgeber
Schon etwas älter, aber weiterhin sehr funktionsfähig ist das Netzwerk Dachgeber, das aus dem ADFC-Umfeld stammt. Um hier Mitglied zu sein, muss man auch seine eigene Wohnung Radreisenden zur Verfügung stellen. Das private, nicht-kommerzielle Projekt entstand schon 1987, also weit vor den sozialen Netzwerken und auch vor der Erfindung des Internets.
Es sind 3.600 Menschen, die ein Dach zur Verfügung stellen (Stand 2023) angemeldet und man kann den ADFC-Dachgeber auch als Printprodukt nutzen und auf die Radreise mitnehmen.
Umsonst, spannend und kommunikativ: Der ADFC-Dachgeber bietet rund 3400 Adressen mit mehr als 17.000 kostenfreien Schlafplätzen bei Fahrradfreunden in allen Bundesländern. Er ist ein Verzeichnis, das auf das Gegenseitigkeitsprinzip setzt: Nur wer selbst im Verzeichnis vermerkt ist oder ihm beitritt, kann von den privaten, nicht kommerziellen Übernachtungsangeboten Gebrauch machen.
So funktioniert der ADFC-Dachgeber: Nur wer selbst Radfahrerinnen und Radfahrer auf Tour eine kostenfreie Unterkunft gewährt, kann die Adressenliste bei seinen Radreisen in Anspruch nehmen. Das eigene Unterkunftsangebot darf einfach sein, ob Zimmerecke oder Rasenfläche für Radreisende mit Zelt. Dachgeber-Mitglieder können auch Übernachtungsverzeichnisse anderer Länder nutzen. Derzeit gibt es ähnliche Verzeichnisse in der Schweiz und in Frankreich.
6. WWOOF
Wer ganz langsam auf dem Rad unterwegs ist, für den ist auch ein Angebot wie WWOOF interessant. Für jeden ist das sicherlich nicht etwas, da das Radfahren ja selbst körperliche Aktivität ist. Zusätzlich noch Arbeiten ist für viele nicht möglich.
Weitere Tipps zur Kostensenkung bei Radreisen
- Frühbucherrabatte: Wer frühzeitig sein Reiseziel kennt, kann beispielweise mit Frühbucherrabatten sparen. Kurz vor Ferien- bzw. Urlaubsbeginn ist es aber bereits zu spät, eine Schnäppchenreise zu buchen.
- Last-Minute-Angebote: Wer dann noch kurzfristig seine Reisekasse schonen will, muss Last-Minute-Angebote suchen.
- Reisezeit: Besonders in den Sommermonaten Juli und August ist auf und um den beliebten Radwegen viel Verkehr. In dieser Zeit sind aufgrund der hohen Nachfrage die Kosten für Unterkünfte usw. deutlich höher als in der Vor- oder Nachsaison. Besonders günstig gestaltet sich Ihre Radtour also im späten Frühjahr und im frühen Herbst.
- Verpflegung: Wenn Sie sich bereits morgens bei einem Bäcker oder in einem Supermarkt mit Proviant für Ihre bevorstehende Etappe versorgen, sind Sie über den Tag nicht auf teure Restaurants angewiesen.
- Nebenkosten beachten: Kurtaxe, Kurzaufenthaltszuschlag, Bettwäsche - diese und noch mehr versteckte Kosten können sich zu Ihrem Urlaubspreis addieren.
- Souvenirs und Restaurants: Besichtigt daher ruhig alle Top-Sehenswürdigkeiten, aber shoppt und diniert dort, wo auch die Einheimischen Essen gehen würden. Ist nicht nur besser für die Geldbörse, sondern auch gleich authentischer!
Die Rolle des ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Der ADFC hat aus diesen Wünschen Qualitätskriterien für fahrradfreundliche Gastbetriebe entwickelt. Das Bett+Bike-Siegel steht für die Erfüllung dieser Kriterien. In allen ausgezeichneten Gastbetrieben können sich Radreisende darauf verlassen, einen fahrradfreundlichen Service vorzufinden.
Vorteile einer ADFC-Mitgliedschaft
- Einflussnahme auf politische Entscheidungen zur Förderung des Radverkehrs
- ADFC-Pannenhilfe deutschlandweit
- ADFC-Magazin Radwelt
- Sonderkonditionen bei Mietrad- und Carsharing-Unternehmen sowie Versicherungen
Weitere Gastfreundschaftsnetzwerke
Neben den bereits genannten Netzwerken gibt es weitere Optionen, um preiswerte oder kostenlose Unterkünfte zu finden:
- BeWelcome: Ein kleines Netzwerk für den europäischen Raum, bei dem die Mitglieder die Plattform mitgestalten.
- GlobalFreeloaders: Netzwerk mit Schwerpunkt in Australien.
- Hospitality Club: Dieses Netzwerk unterstützt vor allem den kulturellen Austausch zwischen Gastgeber und Gast.
Preiswerte Unterkünfte weltweit
Jedes Land bzw. jeder Kulturkreis bietet individuelle Möglichkeiten, kostenfreie oder sehr preiswerte Unterkünfte zu nutzen. Frage am besten vor Ort die Einheimischen, die schon auf ähnliche Art und Weise durch ihr Land gereist sind, wie du es vorhast.
Beispiele
- Dänemark: Netzwerk für preiswerte Unterkünfte aus privater Hand und kostenfreie Übernachtung auf offiziell ausgewiesenen Waldlagerplätzen.
- Estland: RMK-Übernachtungsplätze mit Picknick-Bänken, WC-Häuschen und Feuerstellen samt Brennholzlager.
- Türkei: Tankstellen erlauben oft den Zeltaufbau und bieten Tee und heißes Wasser kostenlos.
- Iran: Spontane Einladungen der Einheimischen zu einer Übernachtung in deren Haus.
- Indien: Hindu-Tempel und Gurudwaras der Sikhs erlauben oft eine Übernachtung.
- Indonesien: Viele Polizei-Stationen erlauben eine Übernachtung und bieten hierfür sogar Räumlichkeiten an.
- Argentinien / Paraguay / Uruguay: Die Freiwillige Feuerwehr (Bomberos Voluntarios) erlaubt oft eine Übernachtung.
| Netzwerk | Fokus | Kosten |
|---|---|---|
| Warmshowers | Reiseradler | Kostenlos |
| Couchsurfing | Alle Reisenden | Geringe jährliche Gebühr |
| ADFC-Dachgeber | ADFC-Mitglieder | Kostenlos (für Mitglieder) |
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