Wer an Sicherheitskleidung spart, spart am falschen Ende. Doch lohnt es sich, 200 Euro und mehr zum Schutz der Hände auszugeben? PS nahm die Top-Modelle von acht Herstellern genauer unter die Lupe. Erstes Augenmerk: der Preis. Das günstigste Modell, der M-Tech Extreme, ist für 159 Euro zu haben; für das Oberklasse-Modell von Dainese muss der Biker satte 259 Euro auf den Tisch blättern. Die Topliga lässt sich teuer bezahlen. Immerhin bieten fast alle Hersteller einen weiteren Sport-Handschuh zu einem günstigeren Preis an. Empfehlenswert ist hier besonders das bisherige Spitzenmodell von Held, der Phantom, der seit der Markteinführung des Titan für 175 Euro zu haben ist und mit einem prima Preis-Leistungs-Verhältnis glänzt.
Passform, Tragekomfort und Griffgefühl
Passform, Tragekomfort und Griffgefühl sind drei der wichtigsten Kriterien beim Handschuhkauf - sie entscheiden über Beweglichkeit und Bequemlichkeit der Motorradfahrerhand. Zur Bewertung wurden diese drei Punkte unter dem Ober-begriff "Passform" zusammengefasst. Wie wichtig der perfekte Sitz eines Racing-Handschuhs ist und worauf es ankommt, erläutert Leder-Experte Stefan Röttger von Skill Skin (www.skill-skin.com). Generell gilt: Wenn der Handschuh im Neuzustand an den Fingern eng anliegt, an den Kuppen aber noch ca. 5 Millimeter Luft lässt, wird er eingetragen perfekt passen. Das Leder an den Fingern dehnt sich mit der Zeit, wodurch die Finger des Handschuhs noch etwas nach unten rutschen.
Zudem sollten die Finger an der Oberseite länger geschnitten sein als unten, sonst spannt das Leder beim Griff um die Lenkergummis unter Umständen unangenehm auf den Gelenken. Ideal sind deshalb vorgekrümmte Finger. Die gängige Methode, diese Handhaltung durch Faustballen zu simulieren, verfälscht jedoch den Eindruck. Besser ist es, einen Besenstiel, Türgriff oder Ähnliches zu umgreifen. Im Praxistest bewerteten Motorradfahrer mit unterschiedlichen Handgrößen Passform und Tragekomfort der Premium-Handschuhe. Erste Auffälligkeit: Bei allen Modellen sind die Finger vorgekrümmt. Besonders die Alpinestars GP Tech passen sich durch die starke Fingerkrümmung gut der Fahrhaltung an.
Allerdings fällt der Handgelenksbereich der GP Tech selbst bei geöffnetem Riegel recht eng aus, was das Anziehen etwas erschwert. Unterschiedlich auch die Fingerlängen: Besonders der kleine Finger passte bei -einigen Modellen nicht perfekt und hinterließ Druckstellen. Am meisten überzeugte die Passform des IXS Kando. "Griffgefühl und Beweglichkeit hervorragend", attestieren ihm die -Tester. Der teuerste Handschuh schnitt in puncto Passform am schlechtesten ab. Passform und Beweglichkeit des sehr fein anmutendenen Dainese Full Metal Racer überzeugten zwar die Tester, der Kunststoffbesatz auf der Handinnenfläche verschlechtert jedoch das Griffgefühl, was den Italiener wertvolle Punkte kostet.
Sicherheit von Motorradhandschuhen
Kunststoffschalen, Knöchelschützer, Kevlarverstärkung. Der Einfallsreichtum der Handschuhhersteller in Sachen Sicherheit ist nahezu grenzenlos. Aber bringen diese ganzen Extras wirklich was, oder dienen sie nur dem Marketing? Um das herauszufinden, ließ PS den Prüfstandshammer fallen. Die Firma Sas-Tec (www.sas-tec.de) ermittelte die Restkraftwerte der Knöchelstoßdämpfer. Das Ergebnis überzeugte auf der ganzen Linie. Die Werte aller Modelle lagen deutlich unter dem genormten Grenzwert und insgesamt sehr dicht beieinander. Auch hier ganz vorn: der IXS Kando mit einem Restkraftwert von 1,77 kN.
Außer der reinen Stoßdämpfung sind einige weitere Punkte für die Sicherheit eines Motorradhandschuhs mitverantwortlich. Dazu zählen die Abdeckung des Handgelenkriegels, die verhindert, dass sich die Lasche beim Sturz einhakt, Lederdopplungen an gefährdeten Stellen wie der Innenhand und dem Handballen sowie eine Verbindung zwischen Ringfinger und kleinem Finger, der bei Stürzen besonders leicht abknickt. Vorteilhaft und der Sicherheit zuträglich ist außerdem eine lange Handschuhstulpe, die auch in Extremsituationen die Kombiärmel überlappt.
Wer befürchtet, sich mit den teilweise recht massiven Knöchelschutzaufsätzen beim Abknicken der Hand selbst zu verletzen, kann sich beruhigen; das Risiko hierfür ist verschwindend gering. Experte Röttger sieht in den Knöchelschützern -keine Gefahr, warnt aber gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen an die Sicherheitsfunktion eines Handschuhs. Modellunabhängig empfiehlt Röttger, den Handschuh nach spätestens drei Jahren zu ersetzen. Die ständige Bewegung und der Handschweiß belasten das Leder und verringern so auf Dauer die Reißfestigkeit. Die (sicher kaum überraschende) Faustregel lautet: Je dünner das Leder und je älter der Handschuh, deto eher reißt er.
Verarbeitung und Qualität
Bei Handschuhen im Preisbereich von 200 Euro und darüber sollte eine optimale Verarbeitung eigentlich selbstverständlich sein. Und tatsächlich glänzen nahezu alle Modelle mit sauberen Nähten und hochwertigen Werkstoffen - obwohl der Groß- teil der teuren Testkandidaten in Fernost gefertigt wird. Zur Überprüfung der Farbechtheit wurden die acht Testmodelle über mehrere Stunden in warmes Wasser eingelegt, um Regenschauer oder auch eine schwitzende Hand zu simulieren. Hier fiel besonders das Modell von M-Tech auf, das nach dem Bad stark abfärbte. Beim Kushitani GPR-5 trat das Problem ebenfalls auf, jedoch deutlich weniger stark. Insgesamt bieten die Sport-Handschuhe sehr gute Qualität für viel Geld. Wer günstigere Modelle findet, die besser passen, sollte eher zu diesen greifen.
Testverfahren und Restkraftwerte
PS testete die Nehmerqualitäten der Handschuhe auf dem Prüfstand. In Anlehnung an die für Motorradprotektoren gültige Norm EN 1621 ermittelte die Firma Sas-Tec (www.sas-tec.de) die Restkraftwerte der acht Testkandidaten. Bei einer Aufprallenergie von 5 Joule (J) darf dabei der durchschnittliche Restkraftwert aus fünf Aufschlagpunkten je Handschuh die Marke von 4 Kilonewton (kN) nicht überschreiten. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Restkraftwert von Schulter-, Ellbogen- und Knieprotektoren darf bei einer Aufprallenergie von 50 J gemittelt nicht über 35 kN liegen.
Die fünf Aufschlagpunkte müssen mindestens 5 Millimeter Abstand zum Protektorenrand und 20 Millimeter untereinander haben. Um die Werte nicht durch das Leder auf der Innenhand zu verfälschen, wurden die Handschuhe aufgeschnitten und nur der Handrücken auf den Amboss gelegt.
Einzelmodelle im Detail
Alpinestars GP-Tech
Verarbeitung, Stoßdämpfung und weitere Sicherheitsaspekte des Alpinestars GP Tech sind gut. Die stark vorgekrümmten Finger machen den Handschuh in Fahrhaltung sehr komfortabel. Leider hinterlässt der Handschuh nach längerem Tragen Druckstellen an Daumennaht und kleinem Finger. Am Handgelenk ist der GP Tech recht eng, was das Anziehen etwas erschwert. Die Kunststoffschale an der Stulpe ist zwar sehr stabil, stört aber bei der Bedienung des Klettverschlusses. Beweglichkeit und Verarbeitung des Alpinestars sind sehr gut, ebenso das Griffgefühl.
BMW Pro Race
Die BMW Pro Race fallen für einen Racing-Handschuh recht schlicht aus. Statt auf Aufsehen erregende Applikationen konzentrieren sich die Bayern auf gute Verarbeitung und Trageverhalten. Griffgefühl und Beweglichkeit sind hervorragend, die Passform ist abgesehen von einer leichten Druckstelle am kleinen Finger sehr gut. Die Finger sind vorgekrümmt. Bei der Stoßdämpfung schneiden die BMW sehr gut ab, einige weitere Sicherheitsaspekte wie eine Handgelenkriegel-Abdeckung und Schleifer an der Innenhand fehlen. Die Verarbeitung ist sehr gut.
Dainese Full Metal Racer
Mit einem Preis von 259 Euro sind die Full Metal Racer die teuersten Handschuhe des Tests. Für das Geld bekommt der Kunde einen Handschuh mit sehr guter Verarbeitung, der sich sehr leicht und fein anfühlt. Die Handschuhe passen sehr gut, die Kunststoffbesätze auf den Handinnenflächen stören allerdings das Griffgefühl. Auf dem Prüfstand lieferten die Dainese gute Werte. Die Handschuhstulpen sollten etwas länger sein, außerdem vermissten die Tester die Abdeckung des Handgelenkriegels. Optisch ist der Full Metal Racer ein Traum.
Held Titan
PS-Testsieger Der Testsieger kommt von Held. In nahezu allen Punkten kann der Titan voll überzeugen. Die Passform ist sehr gut, ebenso das Griffgefühl und die Beweglichkeit. Die Stoßdämpfungswerte sind gut, großflächige Lederdopplungen, Kevlarverstärkung, Rochenhaut, die lange Stulpe und die Handgelenksriegelabdeckung erhöhen zusätzlich die Sicherheit. Praxisnah ist der Visierwischer am linken Zeigefinger. Das dicke Känguruleder und die sauberen Nähte unterstreichen den positiven Eindruck des Held Titan. Kein Wunder, dass der Neuling in Rennfahrerkreisen bereits sehr beliebt ist.
IXS Kando
PS-Preis-Hit Mit dem Kando hat IXS einen sehr guten Sporthandschuh zu einem moderaten Preis im Programm, der von PS einen Preistipp bekommt. Für 175 Euro erhält der Biker einen Racinghandschuh aus Ziegenleder, der keine wirklichen Schwächen, aber viele Stärken hat. Passform, Griffgefühl und Beweglichkeit sind hervorragend. Auch in Sachen Sicherheit überzeugt der Kando und liefert auf dem Prüfstand die besten Werte, lediglich der Handgelenkriegel könnte besser abgedeckt sein. Die Verarbeitung ist gut, erreicht aber nicht ganz das Niveau der teureren Held Titan.
KTM R-Gloves
Die extrem leichten KTM R-Gloves sind bis auf einen anderen Handballenschutz identisch mit den Dainese Full Metal Racer. Entsprechend decken sich auch die Testeindrücke: ein sehr feiner Handschuh mit sehr guter Verarbeitung, sehr guter Passform und einem störenden Kunststoffbesatz auf der Innenhand. Im Gegensatz zu dem Modell von Dainese ist das KTM-Modell gebrandet und nur in Schwarz/Orange erhältlich. Wer auch bei den Handschuhen seiner Marke treu bleiben möchte, bekommt mit den R-Gloves hochwertige Handschuhe zu einem hohen Preis.
Kushitani GPR-5
Trotz ordentlicher Testwerte können die Kushitani GPR-5 insgesamt nicht so richtig überzeugen. Die Handschuhe sind mit 393 Gramm pro Paar sehr schwer, nur in wenigen Größen erhältlich und belasten zudem mit 249 Euro die Bikerkasse recht stark. Dafür ist das Griffgefühl der GPR-5 sehr gut, Passform und Beweglichkeit sind gut. Die Restkraftwerte vom Prüfstand sind ebenfalls gut, sturzgefährdete Stellen sind kevlarverstärkt. Allerdings dürfte der Handgelenkriegel besser abgedeckt sein. Im Nasstest färbten die Kushitani minimal ab.
M-Tech Extreme
Die günstigsten Kandidaten des Testfelds tragen die rote Laterne. Dabei sind die M-Tech Extreme keine schlechten Handschuhe. Das Griffgefühl ist sehr gut, Passform und Beweglichkeit sind gut, an Fingerwurzeln und kleinem Finger bilden sich nach einiger Zeit allerdings leichte Druckstellen. Die roten Knöchelschützer liefern auf dem Prüfstand zwar die schlechtesten Werte, liegen aber noch deutlich innerhalb der Norm. Auch die Verarbeitung geht in Ordnung. Abzüge gibt es hauptsächlich für das extreme Abfärben nach dem Nasstest. Hier sollte der Hersteller nachbessern.
Tipps vom Experten
Stefan Röttger von Skill Skin (www.skill-skin.com), Lederexperte und seit Jahren Anlaufstelle etlicher Profiracer, erklärt, worauf es ankommt. Das wichtigste Kriterium ist die Passform; fast jeder kauft seine Handschuhe zu groß. Im Neuzustand sollten die Finger sehr eng anliegen, an den Kuppen aber noch zirka 5 mm Luft haben, da das Leder nach einiger Zeit etwas nachgibt und die Finger dadurch noch herunterrutschen. An der Innenhand muss der Schnitt schon im Neuzustand passen; kauft man zu groß, stören Falten beim Griff um den Lenker.
-Empfehlenswert sind deshalb Handschuhe, die bereits statisch leicht vorgekrümmt sind. Die Naht zwischen Innenhand und Stulpe sollte exakt am Übergang von Handballen zu Unterarm verlaufen. In Sachen Sicherheit sind vor allem Lederdopplungen an Handballen und Innenhand sowie eine saubere Verarbeitung wichtig.
Materialien und Technologien
Motorradhandschuhe gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich durch ihre spezifischen Eigenschaften und Einsatzbereiche unterscheiden. Die Wahl des richtigen Modells spielt eine zentrale Rolle für Sicherheit und Komfort beim Fahren. Sporthandschuhe sind auf Geschwindigkeit und Leistung ausgelegt. Sie bieten optimalen Grip und maximale Beweglichkeit. Marken wie Alpinestars und Dainese bieten hervorragende Modelle an. Der Alpinestars GP Tech hat integrierte Knöchelprotektoren und eine ergonomische Passform, ideal für Rennfahrer. Tourenhandschuhe sind für lange Fahrten konzipiert und kombinieren Komfort mit einem hohen Maß an Schutz. Produkte von Marken wie Held und BMW Motorrad bieten optimale Lösungen für Tourenfahrer.
Die Bedeutung der Passform
Die Größe der Motorradhandschuhe muss perfekt zur Hand passen. Zu enge Handschuhe schränken die Beweglichkeit ein, während zu lockere Modelle den Grip und die Kontrolle über die Steuerelemente gefährden. Ich empfehle, die Handschuhe vor dem Kauf anzuprobieren. Der Komfort spielt eine enorme Rolle, insbesondere bei längeren Fahrten. Motorradhandschuhe sollte atmungsaktiv sein, um Schweißbildung zu minimieren. Materialien wie Mesh und perforiertes Leder fördern die Luftzirkulation und sorgen für ein angenehmes Tragegefühl.
Material: Leder oder Textil?
Beim Material müssen Motorradfreunde eine Entscheidung treffen. Soll es ein Lederhandschuh sein oder doch eher ein Textilhandschuh? Beide Varianten haben ihre speziellen Vor- und Nachteile:
| Lederhandschuhe | Textilhandschuhe |
|---|---|
| - Passt sich besonders gut der Hand an (+) | - Guter Schutz vor Wasser (+) |
| - Von Natur aus atmungsaktiv (+) | - Sehr pflegeleicht (+) |
| - Nicht wirklich wasserdicht (-) | - Passen sich weniger gut der Hand an (-) |
| - Schwerer als Textilhandschuhe (-) |
Heute stellen viele Hersteller auch Motorradhandschuhe aus einem Materialmix zur Verfügung, um die besten Eigenschaften der Materialien zu vereinigen.
Preisspanne und Kosten
Wer Motorradhandschuhe kaufen möchte, sollte je nach Modell und gewünschter Ausstattung zwischen 20 und 400 Euro an Kosten kalkulieren. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie eine so große Preisspanne entstehen kann. Die meisten Motorradhandschuhe liegen preislich zwischen diesen beiden Extremposten. In vielen Fällen bieten die hochpreisigen Modelle gerade in Sachen Sicherheit und Komfort nicht selten viele Zusatzfunktionen. Besondere Preistreiber sind dabei Heiztechnologie und auch Funktionstextilien für Membranen. Trotz können Motorradfreunde heute auch hochwertige Handschuhe für 70-150 Euro bekommen.
Verwandte Beiträge:
- Heizbare Motorradhandschuhe: Test & Kaufberatung 2024
- BMW Motorradhandschuhe Damen: Test & Kaufberatung
- Handschuhe zum Radfahren: Kaufberatung, Materialien & Modelle
- MTB Handschuhe mit Protektoren: Schutz & Komfort für Mountainbiker
- Unglaubliche Motorradreise: So erlebt ein großer Mann das Abenteuer auf zwei Rädern!
- Unschlagbarer FLM Motorradtasche Test: Finde jetzt die perfekte Ausrüstung für echte Ritter der Landstraße!
Kommentar schreiben