KTM in der MotoGP Geschichte

Der größte europäische Motorrad-Hersteller, KTM, ist in allen bekannten Rennserien im Motorsport vertreten. Und das ziemlich erfolgreich. Über 340 Weltmeistertitel wurden bislang eingefahren. Absolutes Highlight: Der Einstieg in die MotoGP (höchste Motorsport-Klasse auf zwei Rädern) im Jahr 2017.

Das Unternehmen konnte dank hohen Investments in die MotoGP den Umsatz nahezu verdoppeln. Welche mutigen Entscheidungen liegen dem Erfolg zugrunde? Wie nutzt KTM Motorsport als exklusives Marketing-Tool? Und was passiert, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt?

Im neuen Sports Maniac Podcast gibt Pit Beirer, selbst ehemaliger deutscher Motorradrenn- und Motocrossfahrer und seit 2004 Motorsport Director bei KTM, exklusive Einblicke in die erfolgreiche Marken-Strategie von KTM im Motorsport - von Sponsoring bis Merchandising.

Der größte europäische Motorrad-Hersteller, KTM, konnte dank MotoGP den Umsatz nahezu verdoppeln. Wie? Das beantwortet Motorsportchef Pit Beirer. „Wir wollen der Firma mit dem Motorsport helfen. […] - Win on Sunday, sell on Monday - der alte abgedroschene Spruch, gilt.

Es ist noch so, dass wir den Großteil des Motorsport-Budgets […] selber refinanzieren. Etwas mehr als 30 Prozent sind über Sponsoring abgedeckt. Hier ist noch Raum nach oben.

Anfänge und Rückschläge

Es gibt Entscheidungen, die von Ereignissen überrollt werden. So auch die von KTM-Chef Stefan Pierer, mit einem eigenen Motorrad in den Olymp des Motorrad-Grand-Prix-Sports, die MotoGP-Klasse, aufzusteigen. Getroffen vor eineinhalb Jahren, musste sie im Juli 2003 revidiert werden. Die wirtschaftliche Entwicklung zwang dazu.

Dennoch besteht bis dato kein Grund zur Resignation. Das Motorenprojekt liegt nämlich noch lange nicht auf Eis. Es ist im Gegenteil schon relativ weit gediehen. Im September 2002 hatte Projektleiter Kurt Trieb mit sieben Ingenieuren bei null begonnen und bis Weihnachten bereits den Entwurf abgeschlossen.

Trotz des Stopps des Gesamtprojekts im Juli letzten Jahres existieren heute fünf komplette Triebwerke, die derzeit die ersten Schleppversuche absolvieren und in den nächsten Tagen zum Leben erwachen sollen. Denn auch wenn der Traum vom eigenen MotoGP-Team Geschichte ist, könnte das Triebwerk zumindest in Kundenhand den Einzug in die Königsklasse halten.

Technische Details des KTM-MotoGP-Motors

Auf dem Montagebock im Werk in Mattighofen präsentiert sich ein kompakter V4 mit 75 Grad Zylinderwinkel. Für die Zylinderzahl hat Kurt Trieb folgende Argumente: »Ein Dreizylinder war nie im Kalkül, weil der Motor zu groß ausgefallen wäre. Der Fünfzylinder hat einen zu hohen Verbrauch, wie man in der Saison 2003 bereits an der Honda RC 211 V von Weltmeister Rossi sehen konnte, zumal die FIM für 2005 die Reduzierung des Tankvolumens von 24 auf 22 Liter angekündigt hat. Für uns bot der Vierzylinder den besten Kompromiss.«

Der Zylinderwinkel von 75 Grad ergab sich analog zum hauseigenen LC8- Zweizylindermotor fast von selbst. Diese Konfiguration benötigt nach Meinung der KTM-Konstrukteure den geringsten Einbauraum. Der Nachteil: Die freien Massenkräfte erster Ordnung sind im Gegensatz zur 90-Grad-Konfiguration nicht vollständig ausgeglichen. Deshalb rotieren links und rechts unterhalb der Kurbelwelle zwei Zahnräder, welche beruhigende Ausgleichsgewichte tragen.

Auffällig am Prototyp ist das klare Erscheinungsbild. Bis ins letzte Detail sauber verarbeitet, ohne das übliche Gewirr von Wasser- und Ölschläuchen, wirkt der Rennmotor wesentlich aufgeräumter als moderne Serienvierzylinder oder die Aggregate der MotoGP-Konkurrenz.

Die Kurbelwelle treibt über Zahnräder die beiden oben liegenden Nockenwellen pro Zylinderbank an. Die Nockenwellen betätigen die jeweils vier Titanventile über Schlepphebel und pneumatische Ventilfedern. So bietet das Triebwerk in puncto Drehzahl enorme Reserven. Die maximale Leistung soll bei 15500/min anfallen, die maximale Drehzahl bei 17500/min liegen.

Merkmal Details
Zylinder V4 mit 75 Grad Winkel
Ventilsteuerung Pneumatisch unterstützt
Maximale Leistung 15500/min
Maximale Drehzahl 17500/min

Erfolgreiche Jahre und Meilensteine

Absolutes Highlight: Der Einstieg in die MotoGP (höchste Motorsport-Klasse auf zwei Rädern) im Jahr 2017. Red Bull KTM ist mit Rookie Brad Binder im Jahr 2020 in ganz neue, emotionale Höhen vorgedrungen. Am 9. August 2020 wurde KTM-Geschichte geschrieben: An jenem Tag gewann Binder für den Hersteller das erste Rennen in der Königsklasse und sorgte damit dafür, dass die ‚orange‘ Mannschaft nun in jeder wichtigen, von der FIM ausgetragenen Disziplin einen Goldpokal aufweisen kann.

Laut Jonny ist die KTM RC16 ‚ein echtes Race-Bike. Sie wurde so entwickelt, dass man leicht an ihr arbeiten kann. Es gibt nichts an diesem Motorrad, das schwierig oder nervig ist. Es wurde zum Rennfahren gebaut und auch dafür, auseinander genommen zu werden.

Die Rolle von Mika Kallio

Nur ein Rennfahrer weiß, wie ein Rennfahrer tickt: Mika Kallio hat eine einzigartige Rolle im MotoGP-Projekt von KTM inne. Anfang 2022 wurde Mika dann zum offiziellen „Rider Coach“ für das Unternehmen und die vier Personen, die die Kontrolle über die RC16 haben. Bei meinem Job geht es also eher darum, sie zu unterstützen und ihnen mitzuteilen, was ich auf der Strecke und an bestimmten Stellen sehe.

Zusammenarbeit und Teamdynamik

Die Ergebnisse des jungen Südafrikaners machten das Jahr 2020 noch surrealer für Eyre und seine Crew. „Brad hat sich seit dem letzten Jahr in jeder Hinsicht gewandelt“, gibt er zu Protokoll. „Er will lernen. Er will alles richtig machen. Es macht ihm nichts aus, zu testen und Dinge herauszufinden, und das macht den Unterschied.

„Wenn jeder eine gute Beziehung zum Fahrer hat, schafft das eine positive Stimmung“, fügt Eyre hinzu. „Als er in Jerez einen Unfall hatte, kam er zu uns und sagte: ‚Tut mir leid, Jungs‘. Wir antworteten: ‚Hauptsache, du bist in Ordnung, das Bike können wir reparieren‘.

Andrés Madrid und Brad Binder

Es gibt 22 hochqualifizierte, hoch erfahrene (sie fahren seit ihrer Kindheit), hoch motivierte und äußerst mutige Athleten auf der Rennstrecke. Doch hinter jedem Einzelnen steht ein kompetenter, in vielen Stürmen erprobter und diplomatischer Crew-Chef.

„Als Student an der Universität in meiner Heimatstadt Valencia habe ich bei einer kleinen nationalen Meisterschaft mitgearbeitet“, blickt der schlanke 37-Jährige zurück. Irgendwann teilten wir uns schließlich eine Box. Dort saß ich in meiner Ecke und sah mir an, wie das Team arbeitete und wie professionell es war.

Binder hat in drei Jahren acht Grands Prix gewonnen. 2019 war er dem Titel sehr nahe. Ein Jahr später, in Österreich, mit Madrid in seiner Ecke, errang er einen weiteren Sieg. Ja, Binder ist das größte und wertvollste Rädchen in dieser Maschine, und es gibt nur wenige, die die Nr. 33 so zu drehen verstehen wie Andrés.

Blick in die Zukunft

Noch größer wird das Fragezeichen für KTMs Teilnahme nach der Regelreform in der Saison 2027, in der mit den neuen 850er-Bikes gefahren wird. Die Entwicklung der 2027er-Maschine wurde bereits gestoppt.

Keine guten Nachrichten für Pedro Acosta und Brad Binder, sowie das Tech-3-Duo Maverick Vinales und Enea Bastianini. Seitens KTM wurde nie in Frage gestellt, an der MotoGP-Saison 2025 teilzunehmen.

Es wird erwartet, dass ein Rückzug aus dem Rennsport einen großen Effekt auf die Verkaufszahlen haben könnte. Ob KTM der MotoGP langfristig erhalten bleibt, lässt sich momentan nur abschätzen. Der österreichische Hersteller hat sich bis Ende 2026 vertraglich verpflichtet.

Saison Hubraum
Bis 2001 125 ccm, 250 ccm, 500 ccm
Ab 2002 Viertaktmotoren mit maximal 990 ccm
Ab 2012 1.000 ccm (max. 4 Zylinder)

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