Wie jedes bewegliche Teil, ist auch ein Fahrrad-Tretlager, im Handel wird oft der Begriff "Innentretlager" verwendet, dem Verschleiß unterworfen. Macht das Fahrrad-Tretlager Geräusche wie Knacken oder Quietschen oder ist es schwergängig, sollte es getauscht werden. Ist es defekt, kommt man um einen Austausch nicht herum. Das kann man problemlos selbst erledigen. Hier kommt die Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Tretlager-Wechsel: Welches Werkzeug?
Vor dem Wechsel ist es sinnvoll, sich das benötigte Werkzeug zurechtzulegen. Dazu gehören idealerweise:
- ein hilfreicher Fahrrad-Montageständer
- ein Inbusschlüssel (meist 5 oder 8 mm)
- ein Tretlagerwerkzeug (abhängig vom Tretlagertyp, z. B. Hollowtech II oder Vierkant)
- und ein Kurbelabzieher (bei Vierkant-Kurbeln).
Die beiden letzteren Werkzeuge hat man üblicherweise nicht im Haus. Es gibt sie zusammen oft für unter 15 Euro als Set im Fachhandel. Fett oder Montagepaste und ein alter Lappen runden das Set für den Wechsel des Tretlagers ab.
Wichtig ist natürlich das neue, passende Tretlager. Oft ist auf dem alten Lager eine Modellnummer eingeprägt. Handelt es sich um ein selbst zusammengestelltes Rad, informiert der Rahmenhersteller, welches Tretlager passt. Im Zweifelsfall gibt es im Fachhandel eine schnelle und günstige Beratung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Tretlagerwechsel
Mit folgenden 5 Schritten lässt sich das Tretlager wechseln:
1. Kurbeln entfernen
Zuerst müssen die Kurbeln abgebaut werden, also die Teile, an denen die Pedale befestigt sind. Dafür schraubt man die Pedale ab. Achtung: Eine Seite verfügt über ein Linksgewinde. Danach werden die Schrauben an den Kurbelarmen gelöst. Mit dem Kurbelabzieher zieht man nun die Kurbeln vorsichtig von der Achse.
2. Altes Tretlager ausbauen
Jetzt geht es an das eigentliche Innentretlager, das sich im Rahmen befindet. Je nach Fahrradtyp setzt man das Tretlagerwerkzeug an, um die Lagerschalen herauszudrehen. Auch hier gilt: Eine Seite hat oft ein Linksgewinde - also nicht wundern, wenn sich etwas „falsch herum“ dreht.
3. Gewinde reinigen
Jetzt ist eine gute Gelegenheit, vor dem Einbau des neuen Lagers das Tretlagergehäuse gründlich zu reinigen. Ein Lappen und etwas Entfetter helfen, alten Schmutz und Fett zu entfernen. Das Gewinde im Rahmen sollte sauber und unbeschädigt sein.
4. Neues Tretlager einsetzen
Nun kann man das neue Tretlager einsetzen. Etwas Fett auf die Gewinde auftragen, damit später nichts knarzt oder festrostet. Dann die neuen Lagerschalen einschrauben - wieder auf die richtige Seite achten - und mit dem passenden Werkzeug festziehen.
Zuerst die rechte Seite einschrauben (meist mit Linksgewinde, also nach links drehen), dann die linke Seite (normal, also nach rechts drehen). Beide Seiten sollten mit 35 bis 50 Nm angezogen werden.
5. Kurbeln wieder montieren
Zum Schluss werden die Kurbeln wieder montiert. Sie werden auf die Achse gesetzt und die Schrauben gleichmäßig festgezogen. Jetzt sollte sich alles leicht und ohne Spiel drehen - fertig!
Wer sich unsicher ist, macht vor jedem Schritt ein Foto, das zeigt, wie ursprünglich alles zusammengesetzt war.
Zusätzliche Tipps zur Fahrradwartung
Nicht nur Kette, Schaltung und Bremsen benötigen beim Fahrrad regelmäßig Pflege, sondern auch die Kugellager in den Laufradnaben, im Tretlager, in den Pedalen und in der Lenkung.
Im Bereich der Maschinenelemente (Maschinenbau) differenziert man bei den Lagern zwischen Wälzlagern und Gleitlagern. Im Vergleich zum Gleitlager erzeugt das Wälzlager weniger Reibung und läuft somit leichter. Damit sind Wälzlager die bessere Wahl für alle intensiv drehenden Bauteile am Fahrrad: Laufradnaben, Freilauf, Tretlager, Pedallager und auch Lenkkopflager.
Als Kugellager kommen beim Fahrrad entweder Konuslager oder genormte Industrielager zum Einsatz. Sie unterscheiden sich nicht nur konstruktiv, sondern auch bei Wartung und Reparatur.
Aufbau Konuslager
Konuslager bestehen aus einer äußeren Lagerschale, den Kugeln und einem sogenannten Konus, der per Gewinde von der Drehachse aufgenommen wird und die innere Lauffläche für die Kugeln bereitstellt. Dabei wird das Lagerspiel über das Gewinde eingestellt. Fixiert wird der Konus auf der Achse per Kontermutter.
Aufbau genormter Industrielager
Genormte Industrielager werden in großen Stückzahlen hergestellt und kommen in allen Bereichen der Industrie, im Maschinenbau, Fahrzeugbau und eben auch beim Fahrrad zum Einsatz. Hier beschränkt sich die Wartung auf Reinigung und Fetten von außen, denn diese Industrielager lassen sich nicht zerlegen. Sind sie verschlissen, werden sie als Ganzes ausgetauscht.
Manche Fahrrad-Komponenten enthalten Kugellager, die vom Hersteller als wartungsfrei deklariert sind oder deren Wartung ausschließlich durch den Hersteller erfolgen darf. Halte dich in diesem Fall stets an die Anweisungen des Herstellers. Schraubst du an solchen Teilen selber herum, verlierst du Garantie-Ansprüche und zerstörst unter Umständen den gesamten Zusammenbau.
Umgang mit Belastung und Verschleiß
Die meisten Kugellager am Fahrrad sind schlecht oder gar nicht vor den äußeren Einflüssen geschützt. Zudem werden sie mehr oder weniger stark belastet. Die wesentlichen Faktoren auf den Verschleiß:
- Laufleistung und Drehzahl
- Belastung durch Gewicht (Fahrer und Gepäck)
- Untergrundbeschaffenheit (Schläge, Stöße, Vibration)
- Bewitterung (Regen, Kälte, Streusalz, Hitze)
- Schmutz und Staub
- falsches Lagerspiel (zu fest, zu lose)
- Qualität der Dichtungssysteme (Abdeckungen, Labyrinthdichtungen,…)
Je nach Verwendungszweck, Komponenten-Qualität, Behandlung und Fahrstil kommen diese Einflussgrößen unterschiedlich stark zum Tragen. Daher liegt es immer in deinem Ermessen, wie oft und wann Inspektion oder Wartung an den Kugellagern nötig ist.
Du kannst den Zustand eines Kugellagers übrigens nur richtig beurteilen, wenn du es öffnest. Warte allerdings nicht so lange, bis es knirscht oder nicht mehr rund läuft. Denn dann kann es schon zu spät sein.
Konuslager zerlegen, reparieren, austauschen
Konuslager lassen sich mit den passenden Konusschlüsseln zerlegen. Dabei werden aber lediglich auf einer Seite (links oder rechts) Kontermutter und Konus gelöst, denn danach lässt sich die Achse zur anderen Seite aus dem Zusammenbau herausziehen. Du schraubst also nie an beiden Seiten einer Konuslagerung herum.
Achte beim Öffnen des Lagers darauf, dass dir keine der Kugeln verloren geht. Lege also am besten ein großes Stofftuch unter deine Baustelle und halte die Kugeln beim Öffnen des Lagers im Auge. Nutze einen kleinen Stabmagneten und / oder Pinzette zum Aufpicken der Kugeln.
Dann reinigst du die Kugeln, den Konus und die Außenschale des Lagers und prüfst alles auf Beschädigungen. In der Regel beschränken sich Beschädigungen auf den Konus. Aber auch die Kugeln können es hinter sich haben. Sobald sie stumpf aussehen oder sogar schon eine verfärbte Oberfläche aufweisen, musst du sie austauschen.
Konuslager montieren
Für die Montage fettest du auf beiden Seiten die Außenschalen der Kugellager, legst die Kugeln ins Fettbett, fettest auch die Laufflächen auf den Konen (und nur die), steckst die Achse durch die Radnabe und schraubst Konus und Kontermutter wieder auf die Achse.
Achte darauf, dass kein Wälzlagerfett auf das Gewinde von Konus und Achse gelangt, sonst wirst du selbst mit der Kontermutter keinen Festsitz erreichen (weil Wälzlagerfett druckstabil ist). Halte dieses Fett auch von den Dichtungen fern, die in unmittelbarer Nähe zu den Kugellagern im Einsatz sind.
Konuslager einstellen
Die beste Wartung nützt beim Konuslager nichts, wenn das Lager am Ende nicht perfekt eingestellt wird. Im Idealfall haben die Kugeln im Konuslager kein Spiel, werden aber auch nicht gepresst. Diese Situation herzustellen, ist nicht einfach und erfordert etwas Fingerspitzengefühl.
Grob stellst du die Radlager über Konus und Kontermutter an einer Seite der Achse ein. Die Achse zentriert sich dabei selber und sorgt in beiden Lagern (links und rechts) für die gleichen Lauf-Verhältnisse.
Halte bei dieser Einstellung ein minimales Spiel vor und ziehe die Kontermutter fest an. Die Feineinstellung des Lagerspiels erfolgt danach über die Schnellspannachse im eingebauten Zustand.
Das Radlager ist perfekt eingestellt, wenn das Laufrad seitlich kein Spiel mehr hat (Test durch Kippeln am Laufrad) und sich nach dem Ausrollen selbständig wieder in die andere Richtung bewegt.
Konuslager im Steuersatz einstellen
Die Kugellager im Steuersatz werden nicht großartig mit Rotation in hoher Geschwindigkeit beaufschlagt, sondern müssen lediglich die relativ geringen Lenkbewegungen ertragen. Dafür werden beide Lager aber an einer einzigen Stelle extrem intensiv mit Schlägen und stoßartigen Belastungen konfrontiert. Nämlich genau auf Lenkerstellung 0 ° (geradeaus).
Du prüfst durch Vor- und Zurück-Wippen mit quergestelltem Vorderrad, ob die Lager spielfrei fixiert sind (eine Hand fühlt dabei auf der oberen Lagerschale, ob sich im Lager etwas bewegt).
Tretlager / Innenlager
Die extrem hohe Varianten-Vielfalt beim Tretlager (BSA, ITA, ISIS, BBxx, Pressfit, Hollowtech II, usw.) macht es unmöglich, im Rahmen dieses Artikels Wartung, Pflege und Reparatur für sämtliche Varianten umfassend zu beschreiben.
Aber bei vielen Tretlagern lassen sich die Wälzlager ohne großen Aufwand austauschen.
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