Schwarzwald statt Schottland, Bodensee statt Balearen - Urlaub im eigenen Land steht derzeit hoch im Kurs. Aber lohnt sich das auch mit dem Motorrad? Ob Tagestour, Kurztrip übers Wochenende oder längerer Motorradurlaub - Deutschland hat richtig viel zu bieten. Unterschiedliche Regionen, Landschaften und Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum.
Die weiteste Entfernung von Nord nach Süd beträgt Luftlinie gerade mal 876 km, in Ost-West-Richtung sogar nur 632 km. In Straßenkilometern ist das natürlich mehr, aber jede Region lässt sich völlig entspannt erreichen.
Tolle Motorradstrecken für jeden Anspruch
Harz oder Schwarzwald, Eifel, Thüringer Wald, Allgäu und wie sie alle heißen - unsere Mittelgebirge sind reich an tollen Strecken für jedes Können und jeden Anspruch. Anfänger und Wiedereinsteiger finden sanfte Kurven zum entspannten Cruisen, auf erfahrene Biker warten Serpentinen und enge Kehren, die sogar locker mit dem einen oder anderen Alpenpass mithalten können. Selbst das platte Land zwischen Nord- und Ostsee hat durchaus seinen Reiz.
Keine Berge, wenige Kurven, aber gerade deswegen ideal zum genussvollen Motorradwandern. Wer wie wir aus dem Süden kommt, kann einige Mittelgebirge in seine Anfahrt einbauen und somit Kurvenspaß mit Entspannung am Wasser zu einem unvergesslichen Urlaub verbinden.
Mit dem Motorrad gilt sowieso „Der Weg ist das Ziel“, deswegen mein genereller Tipp: Autobahnen meiden und auf längeren Strecken lieber eine Zwischenübernachtung einplanen. So haben wir schon häufig tolle Regionen näher kennengelernt, die wir vor der Tour gar nicht auf dem Schirm hatten.
Ideen zur Streckenplanung für einen Motorradurlaub in Deutschland
Wer keine Lust hat, sich auf langweiligen Überlandfahrten die Reifen eckig zu fahren, sollte ein wenig Zeit in die Streckenplanung investieren.
Motto-Touren
Deutschland hat unzählige Themen- und Ferienstraßen, die sich perfekt für eine kurzweilige Anreise ins Urlaubsgebiet eignen, aber auch einfach so befahren werden können. Auf der Bertha Benz Memorial Route die erste Fernfahrt des automobilen Zeitalters nachfahren und nebenbei das Weinanbaugebiet Baden entdecken? Die Bier- und Burgenstraße von Passau nach Thüringen unter die Räder nehmen, auf der Dampfbahn-Route Sachsen Eisenbahnromantik erleben oder auf der Route der Industriekultur das Ruhrgebiet von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
Weltreise in Deutschland
Oder wie wäre es mit einer Weltreise in Schleswig-Holstein? Von Amerika über Kamerum bis Grönland gibt es dort viele skurrile Ortschaften, die nach „ganz weit weg“ klingen und somit vielleicht über den ausgefallenen Urlaub im Ausland hinwegtrösten.
Motorradstraße Deutschland
Es gibt sogar eine Motorradstraße Deutschland, die mit vier Teilabschnitten auf insgesamt rund 10.000 km Bikertreffs, Motorradmuseen und schöne Motorradstrecken verbindet und somit die einzige deutsche Ferienstraße mit Motoradbezug ist.
Generell empfehle ich, bei der Routenplanung flexibel zu bleiben und die Tagesetappen nicht zu lang zu planen. Bei maximal 250 Kilometern am Tag bleibt auch Zeit für einen Plausch mit Einheimischen oder einen spontanen Abstecher.
Bikerkultur und Infrastruktur
In Sachen Bikerkultur ist Deutschland ganz weit vorn. Gerade, wer allein unterwegs ist, freut sich über Bikertreffpunkte und andere beliebte Hotspots, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Kontakte zu anderen Motorradfahrern ergeben sich in motorradfreundlichen Hotels und Unterkünften meist automatisch, sodass einsame Abende im Hotelzimmer heute wirklich nicht mehr sein müssen.
Wir haben außerdem eine hervorragende Infrastruktur rund ums Motorrad: Werkstätten aller Motorradmarken, Reifendienste und unzählige Shops für Zubehör und Bekleidung finden sich in jeder Region. So ist schnell für Ersatz oder Reparatur gesorgt, wenn unterwegs etwas fehlt. Apropos Sicherheit: Wenn doch mal etwas passiert, können wir auf ein sehr gutes Gesundheitssystem vertrauen und haben überall den gewohnten medizinischen Standard.
Jeder kennt die einschlägigen Notfallnummern und sowohl Pannendienst als auch Versicherung sind schnell zur Stelle.
Versicherung
Auf das Thema „Versicherung“ bin ich schon häufig angesprochen worden und bin da ganz ehrlich: Vollkasko ist zwar klasse, aber mir persönlich einfach zu teuer, zumal meine Maschine schon 24 Jahre auf dem Buckel hat und damit fast ein Oldtimer ist. Für den ganz normalen Alltagsgebrauch reicht auch den meisten MotorradfahrerInnen in meinem Bekanntenkreis die Teilkasko.
Gerade für den Urlaub wäre es aber doch manchmal beruhigend, eine Vollkasko zu haben, die auch für Vandalismus und selbstverschuldete Schäden haftet - gewissermaßen eine Ferien-Vollkasko, die nur im Urlaub gilt, während man den Rest des Jahres die günstigere Teilkasko nutzt.
Checkliste für den perfekten Roadtrip
Es ist endlich soweit! Das Wetter passt, du hast deine Route geplant und deinen Urlaub genehmigt bekommen. Aber bevor du ins Abenteuer aufbrichst, solltest du sicherstellen, dass du an alles gedacht hast.
1. Das Motorrad
Okay, das ist ziemlich offensichtlich, aber du wärst überrascht, wie oft jemand auf sein Bike vergisst. Zwar nicht in dem Sinne, dass die Maschine zuhause stehen bleibt, aber auch unser geliebtes Zweirad will auf die Reise vorbereitet werden. Das gilt doppelt, wenn auf der Tour materialfordernde Offroad-Strecken oder High-Speed-Passagen geplant sind. Sind die Bremsbeläge in Ordnung? Halten Kette und Ritzel die geplanten Kilometer noch aus? Wann wurden die Flüssigkeiten das letzte Mal getauscht? Es gibt wenig ärgerlicheres, wie wenn die Tour durch einen vermeidbaren technischen Defekt unterbrochen werden muss.
Starte mit einem Bike in top Zustand - Unterwegs kann auch so noch genug schiefgehen.
2. Die richtige Kleidung
Eigentlich ein Nobrainer, doch noch immer fahren sehr viele Biker da draußen mit unpassender Bekleidung auf die Tour. Egal, ob du in die Berge oder an den Strand fährst, deine Sicherheit sollte an erster Stelle stehen. Helm, Handschuhe, Motorradjacke und -hose sowie geeignetes Schuhwerk sind ein Muss. Außerdem kann die richtige Kleidung deine Tour auch noch deutlich angenehmer machen.
Eine gute wasser- und winddichte Kombi gibt dir in kalten Gegenden mehr Widerstandskraft gegen die Elemente und du hast mehr von der Reise. Auch für heiße Temperaturen gibt es passende Kleidung, ohne dass man auf Sicherheit verzichten muss. Selbst Biker-Equipment im Alltagslook gibt es für diejenigen, die den Casual-Look feiern. Wenn du deine Kleidung nicht anziehen möchtest, weil sie dir zu umständlich ist, dann ist es vielleicht Zeit für was Neues.
3. Werkzeug und Ersatzteile
Du weißt nie, wann du eine Panne hast. Ein kleiner Werkzeugsatz und einige Ersatzteile wie Sicherungen, Glühbirnen und Schläuche können den Unterschied zwischen einer kurzen Pause und einer mühsamen, langwierigen und kostspieligen Rettungsaktion ausmachen. Gerade bei modernen und größere Bikes kommt es dabei häufig vor, das an relevanten Stellen Spezialwerkzeug oder unübliche Dimensionen benötigt werden.
Also unbedingt rechtzeitig vor dem Start der Tour einmal überlegen, welche Schrauben und Muttern im Falle einer Panne gelockert werden müssen und ob man dafür auch das richtige Werkzeug besitzt. Passe dein Werkzeug an dein Motorrad und das Risiko-Level deiner Tour an.
4. Gepäcksystem
Ein zuverlässiges Gepäcksystem ist unerlässlich, um deine Sachen sicher zu verstauen. Welches Gepäcksystem dabei die beste Wahl ist, hängt stark von der Art der Tour ab und auch dein Reisestil hat großen Einfluss. Fährst du gerne dynamisch? Dann suche nach möglichst leichten Gepäcklösungen. Wirst du mehrere Nächte in einer Unterkunft verbringen? In dem Fall empfehlen sich Gepäcksysteme, welche du flott abmontieren und im Hotel lassen kannst.
Auf den folgenden, kurzen Tagestouren bietet sich dann zum Beispiel ein Tankrucksack oder leichter Rucksack an. Geht es eher in wilde Gegenden und du bis ständig in Bewegung, dann sind verschließbare und robuste Koffer dein Freund. Wird es noch abenteuerlustiger, dann wiederum könnten sich die leichteren und enger anliegenden Adventure-Softgepäcksysteme auszahlen. Wenn du die Art deiner Trips immer wieder änderst und vielseitig reist, dann schau dir erweiterbare Gepäcksysteme an. Passe dein Gepäcksystem an deine Reise an.
5. Navigation
Ob GPS-Gerät, Smartphone-Halterung oder klassische Straßenkarten, du möchtest nicht in der Pampa verloren gehen. Stell sicher, dass du weißt, wo du hinwillst. Aber stelle auch sicher, dass du weißt, wie du hinnavigierst. Denn heutzutage kann man sowohl mit 500 € teuren Navis, als auch nur mit dem Smartphone quer durch die Welt navigieren. Selbst wenn du sogar lieber auf Papierkarten vertraust, das wichtigste ist, dass du sattelfest mit deinem Navigationssystem bist.
Teure Navigationsgeräte sind nutzlos, wenn man mit der Fülle an Funktionen heillos überfordert ist. Smartphone Apps sind toll, solange man mit ihnen umgehen kann und ihre Limits kennt. Vor allem vor Abenteuer-Touren in menschenverlassene Gegenden sollte man lieber das System austesten und sichergehen, dass man zurechtkommt. Egal ob Smartphone oder High-Tech-Navi - Hauptsache, man kennt sich mit seiner Navigation zu 100% aus.
6. Weniger ist mehr
Durch den westlichen Wohlstand sind wir allgegenwärtigen Luxus gewöhnt, doch zu viel Gepäck kann durch übermäßiges Gewicht am Bike und mühsames Dauersuchen nach dem richtigen Gegenstand die Reisefreude trüben. Aus Erfahrung weiß ich, dass man selbst bei zurückhaltender Packweise noch immer mehr mitnimmt, als man eigentlich braucht. Aber einfach zu sagen "Pack halt weniger!", ist nicht gerade hilfreich.
Was mir geholfen hat, sind erstens multifunktionale Kleidungsstücke. Zum Beispiel Hosen mit abzippbaren Hosenbeinen, die sowohl lang als auch kurz getragen werden können. Mag nicht besonders modisch sein, aber zumindest bei meinen Motorradtrips stehen keine Galas oder Abendessen im Hauben-Lokal am Programm. Als warme Kleidungsstücke empfehle ich dünne Daunenjacken, die sich sehr klein zusammenpressen lassen, statt dicker Pullover oder Westen. Was mir noch geholfen hat mein Reisegepäck wesentlich zu verringern, ist das bekannte Rei in der Tube. Dieses Waschkonzentrat ist perfekt für schnelle Waschvorgänge unterwegs. Ein Waschbecken und 10 Minuten reichen aus, und schon ist die Kleidung nach dem Trocknen wieder frisch. Dadurch war es mir möglich, teils auch für längere Touren nur 3 Sets an Kleidung mitzunehmen.
7. Hygieneartikel
Mag ein kontroverserer Punkt sein und sicherlich auch stark abhängig von der Art der Tour. Doch wenn man in der Zivilisation unterwegs ist, dort bleibt und dementprechend seine Mitmenschen nicht geruchlich belästigen möchte, dann ist die Chance auch recht hoch, dass abends sowieso eine feste Unterkunft mit bereitgestellten Handtüchern, Duschgel und Seife wartet. Also kann man sich einige Hygieneartikel auch gleich sparen.
Sobald es aber abenteuerlich wird, man auf solchen Luxus verzichten muss und vielleicht auch das Gepäck knapp wird, dann ist mein Motto: Ein bisschen stinken hat noch niemanden umgebracht. Wenn es hart auf hart kommt, dann spare ich eher bei Seife und Co., nehme mir meist nur ein Duschgel in der kleinen Reisedimension (oft in Hotels verfügbar) mit und fertig. Wartet am Abend ein Luxushotel, oder nur ein rudimentärer Schlafplatz auf dich?
8. Erste Hilfe und Reiseapotheke
Unfälle passieren, also sei vorbereitet. Ein einfaches Erste-Hilfe-Set kann in Notfällen Leben retten, weshalb diese hierzulande sowieso verpflichtend mitzuführen sind. Aber selbst wenn es nicht gleich um Leben und Tod geht, lohnt es sich eine durchdachte Reiseapotheke mitzunehmen. Es braucht nur ein bisschen Pech und schon passiert ein Missgeschick, die Maschine kippt um und auf den Fuß.
Selbst ohne Bruch kann so ein Hoppala recht schmerzhaft ausfallen und die nächsten Urlaubstage vermiesen. Zum Glück gibt es moderne Medizin, also her mit den Schmerzmitteln. Voll zudröhnen ist auch nicht Sinn der Übung, aber so ein Ibuprofen oder Parkemed können Wunder wirken und das lästige Wehwehchen in den Hintergrund schieben. Auf solche Vorfälle, genauso wie auf mögliche Darmbeschwerden, Übelkeit, Kopfweh oder leichte Entzündungen, sollte man vorbereitet sein. Die notwendigen Medikamente nehmen nicht viel Platz ein, können einem die Tour im Fall des Falles aber sogar retten. Und passend dazu: Auch eine Rolle Klopapier ist meiner Meinung nach essentiell.
9. Essen und Trinken
Noch so ein vermeintlicher No-Brainer. Doch erst kürzlich haben Kollege Schaaf und ich bei unserer letzten privaten Tour im Norden Griechenlands auf die essentielle Versorgung vergessen bzw. ihr nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt und schon gab es nach einer aus dem Ruder gelaufenen Panne, inklusive Motorräder zurücklassen, in einer Ruine schlafen, Euro-Notruf und Rettungsaktion, ganze 30 Stunden lang nichts zu futtern.
Selbst wenn man eigentlich nur eine kurze Tagestour machen möchte, zahlt es sich aus zumindest ein paar Müsli-Riegel oder Snacks einzupacken. Es muss ja nicht gleich so eskalieren wie auf unserer Tour, schon ein paar Stunden mit knurrendem Magen sind lästig genug, um sich ein paar Riegel sehnlichst herbeizuwünschen. Noch wichtiger ist ausreichend Trinkwasser mitzuführen, vor allem im Hochsommer wenn man unter der Motorradkombi ausrinnt und viel Flüssigkeit verliert.
10. Flexibilität
Viele unserer Tipps sollen dir beim Planen helfen, nicht so jedoch dieser letzte. Wir tendieren dazu, wie im Arbeitsleben auch unsere Freizeitgestaltung minutiös durchzuplanen. Für die Tour wird die Route genauestens vorgeplant und jeder Tagesstopp wie ein einzuhaltender Termin behandelt. Dabei geht aber die Freiheit verloren, auf der Motorradtour einfach mal seinem Bauchgefühl zu folgen und interessante Straßen oder Orte zu erkunden, denen man zufällig begegnet.
Deshalb mein persönlicher Tipp: Lieber in der Planung etwas Raum für Ungeplantes lassen. So kann man bleiben, wo es einem gefällt und mehr die Tour selbst genießen, anstatt einem selbstauferlegten Zeitplan nachzuhetzen. In Zeiten des Internets ist es zumindest laut meinen Erfahrungen für Einzelpersonen und kleinere Gruppen kein Problem, auch spontan und rasch eine Bleibe für die Nacht zu organisieren.
Mit dieser Checkliste bist du bereit, die Straße zu erobern. Denk daran, dass die Freiheit auf zwei Rädern mit der richtigen Vorbereitung und etwas Wiggle-Room im Zeitplan noch viel mehr Spaß macht.
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