Giant E-Bike Ladegerät Test: Mehr Akkuleistung für E-Mountainbikes

Kann es bei einem E-Mountainbike zu viel Akkuleistung geben? Reichen mir 625 WH und wieviel Höhenmeter mehr komme ich durch den 250 WH Zusatzakku „Energy Pak Plus“, den Giant als Ergänzung für mein Liv anbietet? Und wie fühlt sich das noch schwerere E-Mountainbike mit dem „Range Extender“ auf dem Trail an?

Der Giant Energy Pak Plus - Range Extender

Der Energy Pak Plus - Range Extender lässt sich an alle Giant und Liv E-Bikes montieren, die über zwei zusätzliche Schraubenlöcher ober- und unterhalb der Flaschenhalterschrauben verfügen. Bitte schaut Euch die verlinkte Installationsanleitung an, hier wird die Montage genau erklärt mit Fotos.

Der Energy Pak Plus - Range Extender hat sich immer noch nicht zugeschalten und leuchtet auch nicht, was mich so langsam etwas nervös macht. Ich ertappe mich dabei wie ich für einen kurzen Moment bange, ob sich der Range Extender überhaupt zuschalten wird, bevor ich den Gedanken schnell weg schiebe.

Als plötzlich der Energy Pak Plus - Range Extender zu leuchten beginnt und sich zuschaltet, zeigt meine Garmin 1.750 HM und 40 km an und mein Rahmenakku hat ca.

Das durchdachte Gesamtkonzept des Energy Pak Plus Range Extender von Giant erweitert meine Reichweite enorm. Bergab ist das Mehrgewicht schon zu spüren, aber dem agilen Handling meines Liv Intrigue X1 schadet es nur wenig.

Der Mehrgenuss an Trails, macht das etwas trägere und härtere Fahrgefühl grandios wett, weshalb der Range Extender ideal ist für Fahrer und Fahrerinnen, die lange Touren mit hohem Trailanteil und vielen Höhenmetern lieben. Ich finde es außerdem toll, wie schnell ich ihn montieren kann.

Die Anleitung könnte noch ausführlich hinsichtlich der Bedienung und Zuschaltung des Energy Pak Plus Range Extender sein. Da ich kein RideControl Display habe, konnte ich den Ladestand meines Hauptakku und des Energy Pak Plus Zusatzakku nicht kombiniert anzeigen lassen.

Akkuleistung und Reichweite in der Praxis

Wer mich kennt, der weiß, dass Micha und ich früher viele Marathons und auch Etappenrennen gefahren sind. Wir kommen also auch vom Tourenfahren und lieben es vor allem viele Höhenmeter zu strampeln. Daher war der Einzug meines Liv Intrigue X E+ Trail E-Bike diesen Frühling schon eine wahre Bereicherung.

Denn allein der Rahmenakku verfügt bereits über 625 WH, so dass Touren auch mit hoher Unterstützung für mich von über 1.600 HM ohne Probleme wieder möglich sind.

Mein Ziel war es so viele Anstiege mit mittlerer bis hoher Unterstützung zu erstrampeln, bis beide Akkus leer sind. Die Anstiege die ich ausgewählt hatte sind in Teilen sehr steil und vor allem der Schloss Annaberg Uphill muss in hohen Unterstützungsstufen gefahren werden, da er einige Rampen mit grobem Schotter enthält.

Die Sonne wärmt mich bereits um kurz nach 10 Uhr und es verspricht ein wundervoller Biketag zu werden. Schnell lasse ich Goldrain hinter mir und pedaliere ausversehen in alter Gewohnheit zuerst zum Propain Trail, weshalb ich spontan die Uphill Reihenfolge ändere.

Vorbei geht es auf der Asphaltstraße und den vielen Mäuerchen, auf denen sich bunt glitzernden Eidechsen sonnen. Immer höher schraube ich mich und genieße es, dass am Sonntag Morgen keine Shuttles fahren dürfen und die Schmetterlinge um mich rum flattern.

Wenn ich Mountainbiker überhole, drossle ich mein Tempo, grüße freundlich und quatsche kurz nett, bevor wir uns viel Spaß bei der Weiterfahrt wünschen. Da ich hauptsächlich in der 3. und der 4. Unterstützungsstufe (von 5) fahre, komme ich etwa mit einem 14,5 km/h Schnitt recht schnell voran.

Oben angekommen ziehe ich meine Protektoren an und staune, dass ich nach dem ersten Anstieg hoch zum Propain Trail immer noch etwa 70% und noch 4 Punkte von meinem Rahmenakku zur Verfügung habe.

Um so erstaunter nehme ich bewusst wahr, wie ich genauso sicher wie immer fröhlich um die ersten Kurven zirkle. Das schwere Gewicht zieht einzig beim Absprung schneller wieder nach unten, weshalb ich bei Bodenwellen deutlich aktiver abspringen muss, um nicht zu schnell zu landen.

Dass die Front etwas härter als sonst ist merke ich zwar, empfinde es aber nicht als störend. Unten angekommen bin ich happy und überrascht wie schnell ich die erste Etappe meiner Tagestour geschafft habe.

Glücklich mache ich mich direkt in Richtung Göflan auf, von wo aus der zweite lange Anstieg hoch zum Haslhof auf mich wartet. Inzwischen ist es ziemlich heiß geworden und ich schraube mich Kurve um Kurve kurz vor der Mittagszeit in konstantem Tritt immer weiter nach oben.

Meine Unterstützungsstufen wähle ich genau gleich wie beim letzten Anstieg aus und weiß, dass sich die Auffahrt bis zum Haslhof recht lange hinzieht, von wo aus ich in den Holy Hansen einsteigen will.

Oben angekommen freue ich mich, denn der Haslhof hat das erste mal in unserer Urlaubswoche tatsächlich geöffnet. Ich entscheide mich also für eine kurze Pause und bestelle - aufgrund der Vielzahl an Gästen - nur ein belegtes Brötchen, obwohl die Südtiroler Spezialitäten sehr vielversprechend aussehen.

Natürlich checke ich meinen Akkustand und siehe da: mein Rahmenakku hat bei 1.640 HM noch 3 von 5 Punkte. Bei 1.657 HM springt dann auch schon mein Rahmenakku von 3 auf 2 Ladepunkte.

Richtig staubig ist es heute und ich habe Pudding in den Armen und Beinen als ich unten nach nur ca. 19 min ankomme. Fast ohne Pause bin ich den Holy Hansen noch nie gefahren und das erste Mal ohne Kind unterwegs kostet ganz schön Körner.

Nachdem ich ein gutes Stück hinter zwei langsameren Bikern fahren muss, brennen meine Augen und ich ärgere mich etwas, dass ich meine Goggle vergessen habe. Unten angekommen merke ich, dass ich inzwischen ganz schön müde bin und die gefahrenen ca. 1.650 Höhenmeter sich bemerkbar machen.

Doch der Energy Pak Plus - Range Extender hat sich immer noch nicht zugeschalten. Kurz überlege ich, ob ich es für heute nicht lieber sein lassen soll, aber die Neugier wie weit ich fahren kann mit den beiden Akkus ist dann doch größer.

In der Mittagshitze brennt inzwischen die Sonne schonungslos auf dem ersten steilen Asphaltanstieg, als ich auf den Schloss Annaberg Uphill einbiege.

Weiter geht es in Richtung Schloss Annaberg. Als ich das Schloss das erste Mal in der Ferne erspähe, habe ich 40,77 km und 1.855 HM auf dem Tacho und der erste Balken den Energy Pak Plus - Range Extender ist demnach nach etwa 100 HM Geschichte.

Bereits nach nur 41,90 km und 1.962 HM schwindet bereits der 2. Beim Schloss Annaberg angekommen, steht mein Garmin bei 42,49 km und 2.037 HM und der Energy Pak Plus - Range Extender hat immer noch knapp 3 von 5 Balken.

Nach einer kurzen Trinkpause mache ich mich weiter auf in Richtung Sunny Benny. Genau beim schönen Aussichtspunkt mit Blick auf Schloss Annaberg springt dann recht schnell mein Rahmenakku auf einen Punkt, obwohl der Range Extender noch bei 3 Balken steht.

Weiter geht es und es wird immer steiler und technischer. Der Schotter wird grober und ich merke, das zieht Akku und meine Kräfte schwinden immer mehr.

2 Balken zeigt der Energy Pak Plus - Range Extender an, nachdem ich 43,15 km und 2.102 HM gefahren bin und mein Rahmenakku sagt ich habe noch 17 %. Bei 44 km und 2.210 HM verliere ich einen weiteren Balken am Range Extender und habe nur noch einen.

Plötzlich blinken alle Akku LED an meiner Ride Control Bedieneinheit und der Range Extender schaltet sich bei 44,03 km und 2.210 HM aus. Jetzt wird es spannend, ob ich es noch voll bis oben schaffe.

Ich fahre richtig steile Rampen mit groben Schotter hoch, das kostet Akkuleistung und meine letzte Kraft, weshalb ich alles gebe. Ich merke deutlich wie ich Körner gelassen habe und konzentriere mich sicher und innerhalb der Komfortzone runter zu düsen.

Froh bin ich als ich das schwere letzte Teilstück mit hohen Absätzen sicher unten bin. Unten angekommen will ich mich eigentlich rechts halten, um über die Obstplantagen nach Goldrain zurück zu fahren und werde von einem Biker leider in die falsche Richtung geschickt.

Nachdem mein Akku aber immer noch rot leuchtet und ich viele Tiefenmeter bereits gemacht habe bleibt kein Umdrehen mehr. In der Residence Obstgarten komme ich mit ca. 54 km und 2.420 HM und immer noch einem roten Punkt am Rahmenakku an. Meine reine Bewegungszeit war laut Garmin 3:11 h während Komoot sagt, ich war 4:26 insgesamt unterwegs.

Giant Akku Energy Pak Smart 800: Technische Daten im Überblick

Als einer der ersten E-Bike-Hersteller stellt Giant einen neuen Akku mit 22.700er Zellen von Panasonic vor. Denn dank der kompakten Bauform passt der Energieträger auch in viele ältere E-Bikes ab Modelljahr 2019.

Er ist damit eine zusätzliche Option zu den bestehenden 500er, 625er und 750er Akkus, die aktuell in Mountainbikes von Giant verbaut werden. Eventuell muss nur ein neues Akku-Cover her.

Giant Akku Energy Pak Smart 800: Technische Daten im Überblick

  • Kapazität: 811 Wattstunden (Werksangabe)
  • Zellenart: Li-Ion 22700
  • Abmessungen: 44 x 8,5 x 7,8 Zentimeter
  • Gewicht: 4347 Gramm (EMTB Messung)
  • Wetterschutz-Rating: IPX6 (geschützt gegen kurzzeitiges Untertauchen)
  • Preis: 1099,90 Euro (UVP)

Mit 1099,90 Euro UVP und Straßenpreisen ab 900 Euro ist der neue Fahrrad-Akku nicht gerade günstig. Für E-Bikes die aktuell noch mit 500 oder 625 Wattstunden laufen, könnte sich das Upgrade in Sachen Reichweite aber lohnen, zumal das Zusatzgewicht gegenüber kleineren Akkus erstaunlich überschaubar ausfällt.

4365 Gramm bringt der neue Giant Akku in unserem Testlabor auf die Waage - keine 400 Gramm mehr als der Giant-Akku mit 625 Wattstunden (3987 Gramm - EMTB Messung). Insbesondere der 625er fällt hier mit 6,4 Gramm/Wattstunde gegenüber den 5,45 Gramm/Wattstunde des neuen Akkus deutlich ab.

Der neue 800er Akku liegt in der Kapazität nach Herstellerangabe 28 Prozent über dem Fahrrad-Akku mit 625 Wattstunden und kann diesen Vorteil auch nahezu Eins-zu-Eins in Reichweite ummünzen.

1417 Höhenmeter erkletterte der 625er Akku in unseren standardisierten Reichweitentests im Turbo-Modus, mit 90-Kilo-Fahrer und 150 Watt Tretleistung. Der Bosch-Akku hat mit 100 Gramm weniger Gewicht und einer oft noch etwas besseren Reichweite noch die Nase vorne, aber nur noch leicht.

Dies schlägt sich dann allerdings auch in einer größeren Ladearbeit von regelmäßig über 850 Wattstunden nieder.

Die Giant Fullys Reign und Stance sind ab Modelljahr 2020 mit der neuen Batterie kompatibel, das Trance sogar ab Modelljahr 2019. Der neue 800er ist da ein wesentlicher Fortschritt und bewegt sich sowohl in Puncto Wattstunden pro Kilogramm als auch bei der absoluten Reichweite wieder auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Schick: Der neue Akku ist mit vielen älteren Modellen kompatibel und kann daher auch als - wenn auch teures - Upgrade Sinn ergeben.

Das Ladegerät als Alternative zum Ersatz-Akku

Das Ladegerät kann auf E-Bike-Tour eine sinnvolle Alternative zum Ersatz-Akku sein. Doch die Modelle unterscheiden sich nach Ladegeschwindigkeit und Gewicht.

Quizfrage: Wie viel Ampere hat das Ladegerät, das bei Ihnen im Schrank liegt? Nie drauf geachtet?

Vier Ampere sind es meist bei Bosch, oft nur zwei bei Shimano. Das sind Unterschiede mit erheblichen Auswirkungen. Denn die Ampere-Zahl bestimmt, wie schnell das Ladegerät den Akku lädt.

Ganz entscheidend ist das, wenn auf Tour nachgeladen werden soll, zum Beispiel in der Mittagspause.

Vereinfacht gesagt: Ein Ladegerät mit zwei Ampere müsste eigentlich halb so schnell laden wie eines mit vier Ampere. Doch wie groß ist der Unterschied tatsächlich?

Da Bosch drei Ladegeräte von zwei bis sechs Ampere im Sortiment hat, bot sich ein exemplarischer Test an (auch von Shimano gibt es unterschiedlich schnelle Lader).

90 Minuten lang ließen wir die Ladegeräte die Akkus aufladen - und die Unterschiede sind mehr als markant. Genau hinzuschauen, lohnt sich also, denn Ladegeräte landen immer öfter als Alternative zum Zweit-Akku im Rucksack - mit 625 Wattstunden und mehr sind die Batterien mittlerweile einfach zu schwer.

Schnellere Ladegeräte: Vor- und Nachteile

Doch schnellere Ladegeräte haben auch Nachteile. Sie sind größer, schwerer und teurer in der Anschaffung als ihre kleineren Brüder. Aber immer noch günstiger und kompakter als der Zweit-Akku, und vor allem viel leichter: Mit 788 Gramm wiegt der schnellste 6A-Charger von Bosch nur etwa ein Viertel einer 500-Wh-Batterie.

Aber schnelle Ladegeräte sollen den Akku auch stärker verschleißen. Ob das zutrifft, klären wir mit Prof. Dr. Bohlen von der Hochschule München.

Bohlen ist überzeugt, dass in Ladegeräten noch viel Potenzial steckt. Besonders, was das Packmaß angeht. „Bis in die Größenordnung einer Zigarettenschachtel kann man kommen“, sagt der Experte.

Mitgetestet haben wir auch das Gerät eines Drittanbieters: den Lion Smart Charger von Ongineer. Der Smart Charger lädt automatisch das passende Ladeprotokoll für den angeschlossenen Akku und kann so zuverlässig Akkus mehrerer Hersteller laden.

GIANT Stormguard E+ 1: Ein wuchtiges SUV E-Bike im Test

Bei GIANT ist der Name Programm: Mit dem Stormguard E+ 1 schickt der Bike-Riese ein super-wuchtiges SUV E-Bike in den Test. Das komplett eigenwillige Stormguard E+ neigt in vielen Punkten zu Extremen statt zu einem gesunden Mittelmaß.

GIANT ist - je nach Sichtweise - der größte Bike-Hersteller der Welt und deckt mit der eigenen Produktpalette jedes Szenario auf zwei Rädern ab. Die Marke ist für ihre soliden, gut ausgestatteten und vor allem preiswerten Bikes bekannt, die das Brot- und Buttergeschäft ausmachen.

Doch hin und wieder beweist GIANT auch, dass man Vorreiter in Innovation und Design sein kann und prescht mit Bikes auf den Markt, die deutlich aus dem eigenen Portfolio herausstechen. Das GIANT Stormguard E+ 1 ist ohne Zweifel eines davon.

An dem 8.000 € teuren SUV E-Bike verbaut GIANT fast alles, was der Markt in diesem Segment und das eigene Sortiment hergibt. Der Range-Extender gehört zur Serienausstattung des von uns getesteten Top-Modells.

Der bullige Alu-Rahmen ist in vier Größen von S-XL verfügbar, besitzt in allen Größen 100 mm Federweg in den Sprunggelenken und rollt auf 27,5” großen Mountainbike-Reifen. Damit wirkt es wie ein Expeditionsfahrzeug für den Nordpol und schenkt sich im Vergleich dazu auch beim Gewicht nicht mehr viel.

Denn mit 34,1 kg in Größe L ist es mit Abstand das schwerste Bike in unserem Testfeld. Aufgabe einer Sturmwache ist es, nach schlechtem Wetter Ausschau zu halten - Aufgabe des GIANT Stormguard ist es, unbeirrt in den Orkan hineinzufahren.

Der Bronze-Lack hat einen leichten Metallic-Effekt und schafft es, die ein oder andere Schweißnaht etwas zu kaschieren. Ein imposanter Auftritt ist mit dem GIANT Stormguard gewiss.

Statt eines klassischen Hinterbaus hat GIANT für das Stormguard eine Hinterbauschwinge konzipiert - ähnlich wie bei einem Motorrad. Ein Vorteil der Schwingenkonstruktion: Der Riemenantrieb verläuft komplett darunter.

Hat man erstmal 10.000 km drauf, die der Riemen laut GIANT durchhalten soll, kann man ihn einfach wechseln, ohne ein Rahmenschloss öffnen und den Riemen durchfädeln zu müssen. Der Hinterbau und die FOX AWL-Federgabel besitzen 100 mm Federweg, womit das GIANT die geringsten Fahrwerksreserven für schnelles Trail-Geschepper im Testfeld vorzuweisen hat.

Das ist schon mal ein Indiz dafür, wohin die Reise mit dem GIANT Stormguard gehen soll: ein gemächliches, aber unaufhaltsames und auf alles vorbereitete Entdeckerfahrzeug.

Neben der Hinterradschwinge fällt noch der markant-riesige und frei schwebende Heckgepäckträger auf, der am Sattelrohr und nicht an der Schwinge befestigt ist. So werden Gepäckstücke vom Hinterrad entkoppelt und durch das Fahrwerk mitgefedert.

Die breite Form garantiert, dass keine Taschen in die Speichen oder an den Riemen und die Bremsscheibe geraten, wie es beim BULLS Vuca der Fall ist. Die Oberseite besitzt zudem die praktische MIK-Aufnahme, wodurch Taschen innerhalb von Sekunden angeklipst werden können.

Mit einer erlaubten Zuladung von 15 kg bleibt der Träger jedoch etwas hinter den anderen im Test zurück, besonders wenn man sich das maximal zulässige Gesamtgewicht von 156 kg des Stormguard vor Augen führt (das höchste im Testfeld).

Beim Motorsystem vertraut GIANT wie bei allen E-Bikes im Portfolio überwiegend auf sich selbst. Der GIANT SyncDrive Pro 2-Motor basiert auf einem Yamaha-Aggregat, ist aber von GIANT abgestimmt und liefert viel Power - vor allem im Power-Modus. Da reagiert das Kraftpaket bereits auf leichten Pedalkontakt und schiebt stark nach vorne.

Der Motor hat eine ausgeprägte Tropfenform, ist aber dennoch durch einen sauberen Übergang zum Unterrohr und Akku-Cover schön in die Silhouette integriert. Der Akku versteckt sich hinter einem werkzeuglos abnehmbaren Akku-Cover und wird von einem Schloss im Rahmen fixiert.

Für die Entnahme muss man sich zwar etwas bücken, aber anders wäre eine Range-Extender-Aufnahme auf der Oberseite des Unterrohrs nicht realisierbar gewesen. Der Range-Extender sitzt sehr sicher auf einer eigenen Aufnahme und wird in den Ladeport über der Motoraufnahme eingesteckt, um den Hauptakku zu unterstützen.

Will man den Hauptakku und den Range-Extender gleichzeitig aufladen, benötigt man auch zwei Ladegeräte. Ein kleines Feature, das uns am GIANT Smart Charger-Ladegerät besonders gefällt, ist die Schonladungsfunktion, die den Akku nur bis 60 % auflädt, um die Zellen zu schonen und das Bike beispielsweise in den Winterschlaf zu schicken.

Da der Range-Extender den Platz einnimmt, an dem für gewöhnlich die Trinkflasche sitzt, hat das SUV E-Bike einen speziellen zweiseitigen Flaschenhalteradapter auf dem Oberrohr.

Das GIANT-eigene Motorsystem macht auch vor dem Cockpit nicht halt, wobei der überladene GIANT-Lenker als einziges auch die Bezeichnung Cockpit verdient hat. Gut gelöst ist das RideDash EVO-Display, das formschön auf dem Vorbau integriert wurde.

Es bietet nur eine geringe Informationsvielfalt, ohne zu überfordern, ist scharf wie ein japanisches Katana und kann sogar Richtungspfeile von der RideControl-App wiedergeben. Die restlichen Steuerelemente wie die große RideControl Ergo 2-Motorsystemfernbedienung und die Sattelstützen-, Fernlicht-, und Enviolo Funkschaltungs-Remote überfordern selbst den geübtesten Daumenwrestler und haben eine schlechte Ergonomie.

Viele Hebel und Tasten lassen sich nur erreichen, wenn man die Hand leicht vom Lenkergriff löst. Trotz der zahllosen Fernbedienungen ist GIANT ein gut sortiertes Kabelmanagement vor dem Cockpit gelungen.

Erwähnenswert sind noch die leicht konturierten GIANT Connect Ergo-Griffe mit Flügel, Hörnchen und einer Gummimischung in Kork-Optik, die zur Rahmenfarbe passt. Sie verpassen dem GIANT-Cockpit eine Old-School-Optik und ein gemütliches Trekking-Flair.

GIANT Stormguard E+ 1: Ausstattung und technische Daten

GIANT Stormguard E+ 1

Ausstattung

  • Motor Giant SyncDrive Pro2 85 Nm
  • Akku EnergyPak Smart & Energy Pak Plus Range Extender 1.050 Wh
  • Display RideDash Evo
  • Federgabel FOX AWL 100 mm
  • Dämpfer FOX Float DPS 100 mm
  • Sattelstütze GIANT Contact Switch Vario 100 - 170 mm
  • Bremsen Shimano DEORE BR-M6120 203 mm
  • Schaltung Enviolo Automatiq HD 380%
  • Vorbau GIANT Contour 80 - 100 mm
  • Lenker GIANT Contour Comfort 720 mm
  • Laufradsatz GIANT AM 27,5"
  • Reifen MAXXIS Rekon EXO 2,6"

Technische Daten

  • Größe S M L XL
  • Gewicht 34,1 kg
  • Zul. Gesamtgewicht 156 kg

Am besten startet man mit dem GIANT Stormguard die eigene Expedition noch mitten in der Nacht. Dann stehen die Chancen gut, dass es einem gelingt, die 1.050 Wh Akku-Kapazität an einem Tag leer zu bekommen. Das gleißend helle Supernova M99 Mini Pro-Frontlicht mit Fernlicht-Funktion sorgt für eine super Lichtausbeute. Das etwas niedrig am Schutzblech platzierte E3-Rücklicht wird da schon eher übersehen.

Nimmt man auf dem Stormguard Platz, wird man in einer kompakten und aufrechten Körperhaltung positioniert. Für gewöhnlich würde man eine so entspannte Sitzposition eher einem komfort-orientierten Tiefeinsteiger zutrauen, doch das GIANT erweist sich als nochmals kompakter als das CONWAY oder Advanced im Testfeld. Einen winkelverstellbaren Vorbau besitzt es nicht, der wird bei den meisten Körpergrößen aber auch nicht nötig sein.

Die absenkbare Sattelstütze mit 150 mm Hub erleichtert den Aufstieg, die Bedienung der Sattelstütze über die unergonomische Remote erschwert den Vorgang wiederum etwas. Startet man den E-Motor, wählt die stufenlose Enviolo Automatiq Heavy Duty-Nabenschaltung einen „Startgang“, den man zuvor per Enviolo-App vordefiniert hat.

Unterwegs stellt man fest, dass trotz der geringsten Federwegsreserven das FOX-Luftfahrwerk für hohen Fahrkomfort sorgt. Unterstützt wird es von den sehr voluminösen MAXXIS Rekon-Reifen mit 2,6” Breite. Zusammen mit dem Moustache stellt GIANT hier die dicksten Reifen im Testfeld, die nicht nur für eine bullige Optik sorgen, sondern durch ihre schiere Größe bereits feine und etwas gröbere Fahrbahnunebenheiten ausfiltern, bevor das FOX-Fahrwerk aktiv werden muss.

Beim entspannten City-Cruisen oder Durchqueren der Tornado Alley im Mittleren Westen der USA wechselt die Nabenschaltung automatisch das interne Übersetzungsverhältnis. Dafür legt man per Smartphone-App oder per Lenkerremote eine Zieltrittfrequenz fest. Echtes Schalten ist nicht möglich. Was in der Ebene noch für ein sehr relaxtes Fahrgefühl sorgt, kann sich in anderen Situationen als durchaus ärgerlich erweisen.

Wählt man eine entspannte Trittfrequenz von 50 U/min und rollt auf einen steilen Hügel zu, fällt die Geschwindigkeit schnell ab, und man wird trotz hoher Motorpower mit viel Tretwiderstand vom Pedal konfrontiert.

Will man den Himalaya auf der nepalesischen Seite wieder hinabsteigen, sollte man Zeit und viel Sauerstoff im Gepäck mit sich bringen. Das GIANT ist für einen schnellen Bergabstieg nicht ausgelegt. An den Bremsen liegt es nicht: Die Shimano DEORE-Vierkolbenbremsen mit großen 200-mm-Bremsscheiben sorgen auf steilen Abfahrten für gute Verzögerung.

In gerader Fahrtrichtung und bei moderatem Tempo können auch die MAXXIS Rekon-Reifen gut greifen und das FOX-Fahrwerk vereinzelte Schläge ausfiltern, sodass man mit dem massiven Stormguard über Hindernisse einfach hinweg rollt. Das Stormguard hat jedoch einen recht steilen Lenkwinkel, was für gewöhnlich zu direktem und - bei ungeübten Bikern - zu hektischem Lenkverhalten führt.

Bei moderater Gangart verhält es sich trotz seines hohen Gewichts noch überraschend feinfühlig und agil, wendet auf engstem Raum, ohne dabei an Fahrstabilität einzubüßen. Will man jedoch bei höherem Tempo ähnlich präzise Fahrmanöver vollführen, reagiert das GIANT nervös.

Besonders im hügeligen Terrain ist die FOX AWL-Gabel schnell überfordert und liefert zusammen mit den voluminösen Reifen ein schwammiges Lenkverhalten mit wenig Feedback. Auch das hohe Gewicht des GIANT zahlt dann auf das Handling ein: Auf losem oder feuchtem Grund muss man die eigenen Lenkbefehle dosiert abgeben, um ein Schieben über das Vorderrad zu vermeiden.

Für Extrembergsteiger und Entdecker wie Edmund Hillary oder Reinhold Messner ist das GIANT das falsche E-Bike, denn extremes Gelände liegt ihm nicht. Auch agile Topathleten werden auf dem bei schneller Gangart eher trägen Stormguard nicht glücklich.

Das GIANT Stormguard E+ 1 vereint einen imposanten Auftritt mit hohem Langstreckenkomfort und relaxtem Fahrfeeling. Durch das hohe Gewicht und Komponenten wie die Automatikschaltung ist es für einen sportiven Einsatzzweck nicht geeignet, also nur ein Utility Vehicle und kein SUV E-Bike.

In besonders schroffem Gelände kann es Fahranfänger überfordern, bei moderater Gangart ist es jedoch sehr gutmütig.

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