SHIMANO ULTEGRA Di2 im Test: Erfahrungen und Neuerungen

Ich fahre fast täglich mit meinem ULTEGRA Di2 Rad. Letztes Wochenende konnte ich bei strahlendem Sonnenschein eine wunderbare Radtour genießen. Die Wege waren leer und die Blätter hatten sich bunt gefärbt.

Gestern war der Akkustand komplett leer, es ging keine Schaltung mehr. Wie lange hält nun der Akku einer Di2? Ich habe heute den Akku der DI2 für ca. 2 Stunden geladen, beim Ladegerät war dann die Orangeanzeige erloschen. Bisher habe ich immer bei grün blinkender LED geladen.

Allerdings kann man nur abschätzen, wie weit man von der nächst niedrigeren Stufe entfernt ist. Denn rot leuchtend bedeutet noch 25% Restkapazität des Akkus. Die unten stehende Grafik verdeutlicht die einzelnen Stufen des (Ent-)Ladungszustandes.

Seit die Gruppe vor zweieinhalb Jahren montiert wurde, waren keinerlei Einstellungsarbeiten nötig. Ich bin beileibe kein Technik-Nerd. Reicht der Saft auch nicht mehr zum Schalten hinten, verharrt die Kette in dem zuletzt eingelegten Gang. Der SHIMANO-Logik folgend, konnte ich jedoch noch problemlos die Gänge am hinteren Schaltwerk schalten. Das kleine Malheur passierte etwa bei Kilometer fünf, also noch zehn Kilometer bis Ludwigsburg. Bei dieser Distanz und darüber hinaus kann nach wie vor hinten geschaltet werden.

Die neue Shimano Dura-Ace Di2 und Ultegra Di2 im Detail

Shimano stellt die Top-Gruppe Dura-Ace unter das Motto "For those who never compromise". Das Update von Shimanos Flagschiff ist überfällig, jetzt wurde die neue Top-Gruppe endlich vorgestellt. Shimano bringt 12-fach! Was noch vor wenigen Jahren als Sensation durchgegangen wäre, klingt im Spätsommer 2021 wenig spektakulär.

Lautet das Motto bei der lang erwarteten Top-Gruppe aus Japan also eher "Evolution denn Revolution"? Im Fall der neuen Dura-Ace ist es die Vielzahl von Verbesserungen - Shimano nennt es "Science of Speed" -, die am Ende ein Bild ergeben. Und zwar ein sehr eindrucksvolles, wie der erste Praxistest der neuen Top-Gruppe gezeigt hat.

Dura-Ace nur noch elektronisch

Die Dura-Ace steht für Perfektion. Um diesem Ziel möglichst nahezukommen, wird es die R9200 nur noch als Di2 geben, die mechanische Dura-Ace ist Geschichte. Die Schalt-/Bremshebel zum Beispiel, die mit längerem Griffkörper und höheren Höckern großen Händen mehr Platz bieten und mehr Variationen beim Greifen ermöglichen.

Auch die Ergonomie wurde weiter optimiert. Die Hebel sind leicht nach außen gestellt, die Schalttasten fallen etwas größer aus, sind klarer voneinander abgesetzt - und treffsicherer bedienbar. Schaltbefehle werden vom STI-Hebel nun per Funk übertragen, wenn gewünscht.

Weiterhin mit FelgenbremsenEine Knopfzelle (CR1632) in jedem Hebel liefert den Strom und soll bis zu zwei Jahre halten. Alternativ ist weiterhin eine Anbindung per Kabel möglich. Bei den Hebeln für mechanische Felgenbremsen, die Shimano auch zur neuen R9200-Gruppe optional anbietet, ist die Verkabelung obligatorisch: Felgenbrems-Anhänger müssen auf die Funkschaltung verzichten, deren Hebel gibt’s nicht drahtlos. Aber zumindest müssen Felgenbrems-Fans nicht komplett auf die neue Dura-Ace mit 12 Ritzeln verzichten.

Die bekannten "Junctions", wo alle Kabel zusammenlau­fen, und auch das "D-Fly"-Funkmodul entfallen künftig, die "Intelligenz" samt Funksender (ANT+ und Bluetooth) sitzt im Schaltwerk, das nur noch in einer Käfiglänge zu haben ist und alle verfügbaren Kassetten (11-28, 11-30, 11-34) bedient.

Schneller Schalten trotz Funk

Umwerfer und Schaltwerk werden auch künftig von einem zentralen Akku mit Strom versorgt, kommen also nicht komplett kabellos. Über diese interne Verkabelung laufen auch die Schaltbefehle vom Funkempfänger im Schaltwerk zum Umwerfer. Das zahlt nicht nur auf die Optik und Größe der Komponenten ein, die ohne aufgesetzten Akku auskommen. Shimano verspricht auch "absolute Zuverlässigkeit" sowie eine "massiv erhöhte Schaltgeschwindigkeit". In Zahlen: 58 % schnellere Gangwechsel am Schaltwerk, 45 % schneller am Umwerfer.

Trotz Funk versprechen die Japaner eine vergleichbare Akku-Laufzeit wie beim Vorgänger, also "über 1000 Kilometer". Wie gehabt erlaubt auch die R9200 die Anpassung typischer Di2-Features an eigene Vorlieben über die - ebenfalls überarbeitete - E-Tube-App, namentlich: Schaltgeschwindigkeit, Belegung der Schalttasten, Schaltmodi (Synchro- und Semi-Synchro-Shift mit automatisierter Umwerfer-Betätigung sowie Multi-Shift zum Durchschalten beliebig vieler Gänge mit einem Knopfdruck).

Neuer Freilaufkörper, aber mit 11-fach Freilauf kompatibel

Einen kundenfreundlichen Weg geht Shimano beim neuen 12-fach-Standard und setzt nicht auf ein kleines 9er- oder 10er-Ritzel, sondern hält am 11er fest. Heißt: Das neue 12-fach-Ritzelpaket passt auf alle Laufräder mit Shimano 11-fach-Freilaufkörper.Die neuen 12-fach Kassetten sind weiterhin mit 11-fach Freiläufen kompatibel.

Die klassische "Heldenkurbel" 53/39 entfällt, 54/40 ist das neue Maß der Dinge. Semikompakt- (52/36) und Kompaktkurbel (50/34) bleiben im Programm. Ebenso wie die bereits erwähnten Felgenbremsen, was Traditionalisten freuen wird.

Die neue 54/40-Kurbel ersetzt die alte "Heldenkurbel" mit 53/39. Dank neuer Hebelübersetzung ("Servo Wave"-Technologie) packt die Bremse schneller kräftig zu, einteilige Bremskörper bringen mehr Steifigkeit bei minimalem Gewicht, 10 % mehr Abstand zwischen Belägen und Scheibe sollen für weniger Geräusche sorgen.

Neue Dura-Ace Laufräder

Last but not least stellen die Japaner der neuen Gruppe auch neue Laufräder zur Seite: mit aero-optimierten Vollcarbon-Felgen (deshalb nur für Disc-Bremsen freigegeben) und neuem Freilauf, der 63 % schneller greifen soll als der Vorgänger.

Die Ergonomie der Hebel: noch etwas besser als bei der alten Dura-Ace, große Hände haben mehr Platz, die höheren Hörnchen bieten mehr Möglichkeiten zu greifen. Die größeren Schalttasten mit definierterem Feedback: ebenfalls ein Schritt nach vorn. Die Geschwindigkeit beim Gangwechsel: spürbar schneller.

Unabhängig vom Pedaldruck und der Umlaufgeschwindigkeit - die Kette wechselt in atemberaubender Geschwindigkeit von einem Blatt aufs andere. Kein Kettenabwurf, kein Klemmer, egal unter welchen Umständen. Dieser Antrieb legt die Messlatte ein gutes Stück höher, so viel steht fest. Das Test-Set-up mit 52/36-Kurbel und 11-30er-Kassette bietet ausreichend Entfaltung und ein eng gestuftes Getriebe mit Eingang-Sprüngen vom 11er- bis zum 17er-Ritzel.

Auch die Scheibenbremse präsentiert sich stabiler, glänzt mit toller Dosierbarkeit ohne große Handkräfte, dank "Servo Wave"-Übersetzung mit sanft ansteigendem Bremsdruck. Der größere Abstand der Beläge zur Scheibe zeigt ebenfalls Wirkung: Das gefürchtete Klingeln bei heißgebremster Anlage ließ sich im Test nur mutwillig provozieren.

Dass sich der Akku-Ladestand und die Schaltmodi nun nicht mehr an der Junc­tion unterm Vorbau oder im Lenker­ende abfragen bzw. einstellen lassen, sondern direkt am Schaltwerk, mag dagegen mancher bedauern. Das cleanere Erscheinungsbild macht den Verlust teilweise wett wie auch die Tatsache, dass sich jede Di2 ab sofort ohne zusätzlichen Funksender per App individualisieren oder mit einem Radcomputer koppeln lässt.

Shimano Ultegra R8100

Parallel zur Dura-Ace präsentierte Shimano auch eine neue Ultegra. 12-fach. Mit Funk. Und allen wesentlichen Neuerungen des Top-Ensembles.

Wermutstropfen: Eine mechanische Version der beliebten Nummer 2 im Shimano-Portfolio mit zwölf Ritzeln soll es nicht geben! Käufer der neuen R8100-Serie profitieren bis auf wenige Details von den technologischen Neuerungen der Top-Gruppe: Das 2 x 12-Getriebe wird per Funk angesteuert, soll genauso schnell schalten, die Discs genauso kraftvoll bremsen wie die der großen Schwester.

Günstigere Materialien (keine Carbon-Hebel oder Titanritzel) und die etwas einfachere Verarbeitung (kein einteiliger Bremssattel, einfachere Nabentechnolgie bei den drei Laufradmodellen) sowie der Verzicht auf wenige Ausstattungsoptionen erlauben einen geringeren Preis (siehe Tabelle) bei rund 200 g Mehrgewicht für eine typische Konfiguration.

Da sich die Gruppe nicht primär an Profis richtet, entfallen die große 54/40-Kurbel, die 11-28-Kassette und die Laufräder mit Schlauchreifenfelgen. Dafür wird es auch von der R8100 eine Version mit mechanischer Felgenbremse geben und - erstmals - eine Ultegra-Kurbel mit integriertem Powermeter.

Welche elektronische Schaltgruppe ist am besten (für dich)?

Saßen wir nicht alle schon einmal vor dem Bike-Konfigurator und überlegten uns, welche Schaltgruppe es an dem neuen Rennrad werden soll? Heute wollen wir euch einmal eine Schnelleinführung in die Unterschiede der Schaltgruppen geben, die euch beim nächsten Rennradkauf eine Hilfe sein könnten.

Alle mechanischen Schaltungen (egal ob Force oder 105) schalten seit Jahrzehnten problemlos die Gänge hoch und runter. Die Schaltperformance jeder mech. Schaltung ist vollkommen in Ordnung. Man muss zugeben, durch die Weiterentwicklung der Technologien bei den mech. Gruppen wird der Vorteil der elektronischen immer geringer.

Angefangen damit, dass sich die Züge leichter verlegen lassen - ein Di2 Kabel ist wesentlich dünner und flexibler als eine Zughülle mit Zug. Züge werden natürlich nicht mehr dünn durch die Abnutzung, d.h. man muss ein Kabel eigentlich nie tauschen. Das ist bei jeder elektronischen Gruppe gleich!

Die SRAM eTap AXS kommt komplett ohne Züge, von den Hebeln weg muss einzig die Bremsleitung verlegt werden. Die Gruppe schaltet elektronisch per Funk und es wird kein Kabel benötigt. Das erleichtert eine Installation merklich und man muss nach der Montage des Schaltwerks/Umwerfer nur noch die Kette auflegen und feinjustieren.

Eine Besonderheit bei SRAM ist, dass wenn der Akku des Schaltwerk leer gehen würde, man einfach vorne auf das gewünschte Kettenblatt schaltet und im Anschluss den Akku tauscht. Somit könnte man vorübergehend noch weiterfahren.

Seitdem SRAM die AXS mit 12-fach eingeführt hat, gibt es Kassetten und Kurbeln in neuen Abstufungen. XDR heißt der neue Freilauf Standard, der für die AXS Kassetten ausgelegt ist, dein Laufrad muss also zwingend diesen Freilauf verbaut haben, sonst kannst du keine XDR Kassetten fahren.

Man hat pro Hebel 2 Tasten, mit denen man die Schaltung bedient. Bei der Ultegra- und Dura-Ace 12-fach kommt ein zusätzlicher Knopf oben an den Hebeln dazu, der für eigene elektronische Vorgänge benutzt werden kann (z.B. Mit der neuesten Generation der 12-fach Schaltungen bei Shimano hat nun auch endlich das Semi-Wireless-Schalten Einzug gehalten. Die beiden Hebel werden, wie bei SRAM, nun nur noch mit einer Bremsleitung verbunden.

Anders als bei SRAM wird bei Shimano ein Akku fest in die Sattelstütze eingebaut. Geladen wird dieser über den neuen Port am Schaltwerk. Laut Shimano soll der Akku, je nach Schaltvorgänge, ca. 2000-2500 KM halten. Erreicht der Akku eine kritische Kapazität, funktioniert der Umwerfer nicht mehr und man hätte die Chance, noch mit der Bandbreite der Kassette nach Hause zukommen.

Auch wenn Shimano mit der 12-Fach- und der “Semi-Wireless” Funktion nachgezogen hat, punktet SRAM mit einer komplett kabellosen Lösung. Auch die Unterschiedlichen Kabellängen bei einer DI2 müssen passen, sonst hat man ggf. zu lange oder zu kurze Kabel und ist nicht in der Lage, die Komponenten korrekt anzuschließen.

Der Fakt bleibt bestehen: Wenn ich die Akkus nicht lade, stehe ich irgendwann mal mit einer Schaltung am Berg, die sich nicht mehr schalten lässt. Beide Systeme sind ausgereift und haben ihre Vor- und Nachteile.

Shimano macht es vor, es wird kein neuer Freilauf benötigt, wenn man 12 Ritzel montieren möchte. Die höhere Bandbreite ist bei SRAMs System auf jeden Fall vorhanden, sie gestaltet sich in der Praxis aber eher als minimal.

Dabei spielt eine elektronische Rival eTap AXS auf dem gleichen Level wie eine Shimano 105 Di2. Eine Force eTap AXS im gleichen Bereich einer Ultegra Di2 und eine Red eTap AXS konkurrieren mit einer Dura-Ace Di2. Aktuell (11/2022) spielt die Verfügbarkeit immer noch eine große Rolle. Vereinzelt hat man Glück und bekommt eine SRAM Red eTap AXS oder Dura-Ace 12-fach beim Händler seines Vertrauens.

Einzig die Shimano 105 Di2 bietet keinen kurbelbasierten-Leistungsmesser an. Aber hier muss man SRAM lassen, dass Sie es geschafft haben, mit der Einsteigergruppe SRAM Rival einen günstigen Powermeter für jedermann anzubieten.

Akkuladestandanzeige

Die folgende Tabelle zeigt die Bedeutung der LED-Anzeigen für den Akkuladestand der Shimano Di2:

LED Anzeige Bedeutung
Grün blinkend Hoher Ladestand
Rot leuchtend 25% Restkapazität

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