Das Laufrad ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Fahrrads. Selbstgebaute Laufräder sind eine ausgezeichnete Alternative zu fertigen Laufradsätzen, die im Fachhandel erhältlich sind. Radfahrer haben grundsätzlich zwei Optionen, individuelle Laufräder zu organisieren: Sie lassen es von Profis herstellen oder nutzen die eigene Werkbank, um ein Laufrad selbst zu bauen.
Grundsätzlich ist der Bau eines Laufrades keine Raketenwissenschaft, die ein Studium erfordert. Vielmehr sind bei diesem Thema einfach nur Geduld, das entsprechende Werkzeug und ein wenig Geschick notwendig. Ein guter Fahrradmechaniker muss mit dem Bau von Laufrädern vertraut sein. Es gehört zum Rüstzeug einfach dazu, ein Vorder- oder Hinterrad zusammenzuschrauben. Entscheidend für den Erfolg ist das Gefühl, wie ein Laufrad beim Einspeichen und Zentrieren auf Veränderungen der Komponenten reagiert.
Allgemein sind Laufräder im Eigenbau eine gute Variante, um sein Fahrrad nach persönlichen Vorlieben zu gestalten und speziell auf die individuelle Nutzung abzustimmen. Wichtig ist allerdings die Wahl der passenden Komponenten, damit das Laufrad später auch rund läuft. Ein Laufrad muss in der Praxis langlebig, haltbar und belastbar sein. Die einzelnen Bestandteile eines Laufrads sind oft genau aufeinander abgestimmt. Im Normalfall dauert es etwa eine Stunde, ein Laufrad selbst zu bauen.
Warum ist ein selbst gebautes Laufrad besser?
Jeder Fahrradfahrer genießt sein Fahrerlebnis auf andere Weise. Schon deshalb, weil es schon verschiedene Typen von Rädern gibt. Aus persönlichen Erfahrungen beim Radeln werden individuelle Vorlieben. Dabei spielen technische Fragen genauso eine Rolle wie die Optik. Denn das Auge fährt mit, um mal ein bekanntes Sprichwort in veränderter Form zu bemühen. Wer gern Fahrrad fährt, liebt sein Gefährt und es entsteht eine innige Beziehung zwischen Fahrer und Rad. Vielleicht sogar so etwas wie Liebe. Geschmäcker sind verschieden und daher ist der Kreativität beim Laufradbau keine Grenze gesetzt.
Doch wer ein Laufrad selbst bauen möchte, muss sich in erster Linie darüber klar sein, welchen Nutzen ein Laufrad hat und welches Laufrad für die Art des Fahrradfahrens am besten ist. Denn natürlich unterscheiden sich Laufräder von Rennrädern von denen bei Mountainbikes. Beim Laufradbau steht also die Frage im Mittelpunkt, was ein Rad können muss und welche Einzelteile dafür passend sind. Wichtig ist zum Beispiel die Belastbarkeit, der Luftwiderstand beim Fahren und das Verhalten beim Bremsen.
Ausgehend von den Eigenschaften und Bedürfnissen des Fahrers ist daher zunächst ein Augenmerk auf die passende Nabe und Felge zu legen. Die Felge bildet quasi das erste Grundgerüst, wenn das Laufrad selbst gebaut wird. Sie sind entweder zusammengesteckt oder verschweißt und bestehen mittlerweile vorwiegend aus Aluminium. Früher wurde häufig auch Stahl verwendet. Das nun leichtere Gewicht und die Rostfreiheit sorgen für eine längere Lebensdauer. Wie bei den Speichen wirkt sich auch die Form der Felgen auf den Luftwiderstand beim Fahren aus. Die Felgenbreite beeinflusst dabei die Steifigkeit. Eine Felge mit einem flachen und kantigen Profil ist nicht empfehlenswert.
Die Komponenten im Detail:
- Felgen: Die Felge nimmt innen die Speichennippel und außen den Reifen auf. Felgen für Felgenbremsen weisen eine Bremsflanke auf und verschleißen mit der Zeit, Felgen für Scheibenbremsen können ohne diese Funktion konstruiert werden, sind daher leichter und leben theoretisch länger. Moderne Felgen sind aus stranggepresstem Aluminium hergestellt.
- Nippel: Es handelt sich dabei um die Verbindung zwischen Felge und Speiche im Laufrad. Ein Speichennippel wird jeweils in einem Loch der Felge verbaut. Beim Einspeichen können die Speichen dann nach und nach festgespannt werden. Die Nippel sind aus Aluminium oder Messing, wobei jedes Material seine Vor- und Nachteile hat.
- Naben: Naben beeinflussen das Fahrgefühl nur minimal. Sie müssen lediglich zuverlässig sein. Gute Naben sind auch gar nicht so teuer. Naben besitzen entweder austauschbare Industrielager oder einstellbare Kugel- und Konuslager. Alle modernen Naben von ordentlicher Qualität sind aus Aluminium. Naben von höherer Qualität sind geschmiedet. Nur geschmiedete Naben sollten für radial eingespeichte Vorderräder benutzt werden. Falls Du neue Naben kaufst, haben Shimano-Naben in den meisten Fällen das beste Preis-Leistungsverhältnis.
- Speichen: Speichen am Laufrad haben anders als die Nabe schon wesentlich mehr Einfluss auf die aerodynamischen Verhältnisse. Sie sind rund oder flach in der Form. Die Aerodynamik schwächelt, je runder die Speichen ausfallen. Nachteil der flachen Speichen ist der deutlich teurere Preis. Allgemein ist wichtig, dass verbaute Speichen idealerweise eine hohe Elastizität aufweisen, um von einer langen Lebensdauer zu profitieren. Das Material der Wahl für Speichen ist rostfreier Stahl. Rostfreier Stahl ist haltbar und rostet nicht.
Meist werden in einem Laufrad 36 Speichen verbaut, die dreifach gekreuzt sind. Es gibt hier aber viele weitere Gestaltungsvarianten. Je größer Durchmesser und Länge der Fahrradspeichen ausfallen, desto instabiler kann ein Laufrad werden. Herauszufinden, welche Speichenlänge korrekt ist, geht ganz einfach. Im Netz gibt es Speichenlängenrechner mit relevanten Daten und Maßen, zum Beispiel von Damon Rinard. Das Kriterium für ein gutes Laufrad ist die Vorspannung der Speichen. Diese sollte hoch und gleichmäßig verteilt sein, so dass auch die Nippel immer festbleiben.
Um die Speichen zusätzlich zu festigen, können die Enden in Öl getaucht und dadurch noch besser mit dem Speichengewinde verbunden werden. Es ist eine Legende, dass gute Laufräder nur mit Spezialwerkzeug angefertigt werden können. Das stimmt aber nicht. Im Prinzip reicht eine Ausstattung mit Schlitz-Schraubenzieher, Nippeldreher beziehungsweise -spanner, Zentrierstand, Zentrierlehre und einem Tensiometer. Das Tensiometer wird verwendet, um die Spannung der Speichen zu messen. Ein elektrischer Schraubenzieher rundet das Werkzeug-Set für den Laufradbau ab.
Anleitung zum Aufbau eines Laufrads
Neben der Auswahl der Einzelteile ist natürlich auch wichtig, die Arbeitsschritte in einer sinnvollen Reihenfolge durchzuführen. Sorgfalt beim Bau steigert dabei die Haltbarkeit und macht das Laufrad so perfekt wie möglich. Die Kreativität kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn wer sein Laufrad selbst baut, kann es ganz nach seinen Vorstellungen und Bedürfnissen gestalten. Beim Zentrieren des zusammengebauten Laufrades sind mehrere Durchläufe notwendig, denn ohne gleichmäßig hohe Spannung wird das fertige Rad den Anforderungen nicht gerecht.
Vorbereitung
Zuerst einmal sollte man sich alle benötigten Teile zurechtlegen, damit man später nicht abgelenkt wird. Optimal ist ein Zentrierdorn. Ich benetze die Speichenenden vorher mit Leinöl. Das Leinöl trocknet in den nächsten Tagen und wird dann zähelastisch. Man sollte die Drehrichtung von Zug- und Druckspeichen beachten. Shimano dreht bei Disclaufrädern am Hinterrad noch einmal zusätzlich die Drehrichtung links, was auch die meisten anderen Hersteller machen.
Die Ausrichtung wie im Foto neben dem Ventilloch gilt nur für die linke Seite! Wir beginnen nun die ersten 2 Speichen einzufädeln, nachdem wir uns entschieden haben (siehe oben) welche Richtung Druck- und Zugspeiche haben sollen. Wird dies nicht beachtet, steht die Speiche im schlechtesten Fall schräg über dem Ventil. Die Löcher werden zum jeweiligen Flansch hin ausgerichtet. Bei manchen Felgen z.B. In dem Foto wird von der linken Seite der Nabe ausgehend an der Felge das erste Loch links und das zweite Loch rechts vom Ventilloch verwendet, dies wird gemacht damit das Ventil möglichst viel Freiraum hat. Fängt man auf der rechten Seite an (wo der Flansch üblicherweise kleiner ist), ändern sich die Löcher natürlich auch entsprechend: An der Felge zweites Loch links und erstes Loch rechts vom Ventilloch. Aber eben nur wenn der Versatz oder die Ausrichtung der Felgenlöcher überein stimmt, falls vorhanden.
Tip: Falls ein Nabenflansch größer ist, sollte man jedoch entgegen dem Foto mit dem kleineren Flansch beginnen, denn das einfädeln geht auf der zweiten Seite dann einfacher. Die Nippel sollte man zu beginn nur ganz wenig einschrauben, dann tut man sich später leichter.
Schritte beim Einspeichen
Nun eine weitere Speiche mit Kopf nach aussen einfädeln. unterkreuzt werden muss d.h. über die Kopf innen Speiche gezogen. Nun werden alle 6 weitere Speichen mit Kopf nach aussen eingefädelt. Immer noch auf der selben Nabenseite folgen nun alle 7 weiteren Speichen mit Kopf nach innen. Die beiden rot markierten Speichen müssen in die selbe Richtung zeigen.
Nun kommt die zweite Laufradseite und man muss noch einmal etwas acht geben. In diesem Schritt wird nur eine Speiche mit Kopf nach aussen eingefädelt, dort wo sich die Speichen auf der anderen Seite kreuzen. Wie man auf dem Bild sieht, sind die Löcher auf der anderen Flanschseite etwas versetzt. am Flansch sitzt d.h. beim Vorderrad auch üblich ist. Das einfädeln der Kopf aussen Speichen auf der zweiten Seite ist am schwersten. anstatt gerade im Bild oben, auch quer einfädeln und muss sie dann nicht so verbiegen um an den anderen Speichen vorbeizukommen.
Man fädelt nun nacheinander alle 8 Speichen mit Kopf nach aussen ein. Nun fehlen nur noch die weiteren 8 Speichen mit Kopf nach innen, die wir wieder unterkreuzen müssen. so wie im Bild aussehen. Nun sollte man alle Nippel möglichst gleichmäßig aufschrauben, man kann sich hier am Speichengewinde orientieren. später viel Arbeit beim zentrieren. Dann alle Speichen auf Spannung bringen, jedoch alle mit gleicher Umdrehung anziehen. Mittigkeit kontrollieren und falls nötig, eine Seite anziehen, die andere lösen. Dann Höhen- und Seitenschläge beseitigen. Zum Schluss korrigiere ich einzelne Speichen die weit vom Wert abweichen. Das Rad sollte danach noch rund genug laufen.
Detaillierte Anleitung für ein 36-Speichen-Rad mit dreifach gekreuztem Muster:
- Die erste Speiche muss am richtigen Platz montiert werden, sonst ist das Ventilloch am Ende an der falschen Stelle (schwer zugänglich für Luftpumpen) und die Bohrungen der Felge passen möglicherweise nicht zu den Winkeln der Speichen.
- Die Schlüsselspeiche ist eine folgende Speiche auf der Freilaufseite. Es ist am einfachsten, mit den folgenden Speichen zu beginnen, da sie auf der Innenseite des Nabenflansches herauskommen. Da die Schlüsselspeiche eine folgende Speiche ist, sollte sie entlang des Inneren des Nabenflansches verlaufen. Der Speichenkopf ist auf der Außenseite des Flansches. Es ist gebräuchlich, die Felge so zu orientieren, dass man den Beschriftung von der rechten Seite das Fahrrads lesen kann.
- Von der rechten (Freilauf-)Seite der Naben gesehen, verläuft die Schlüsselspeiche gegen den Uhrzeigersinn und endet im nächsten oder übernächsten Loch neben dem Ventilloch je nachdem, wie die Felge gebohrt ist. Drehe einen Speichennippel so weit auf die Schlüsselspeiche, dass sie am Platz gehalten wird.
- Als nächstes steckst Du (in gleicher Richtung und zwei Löcher entfernt von der Schlüsselspeiche) eine weitere Speiche in die Nabe, sodass ein leeres Loch zwischen den beiden in der Nabe bleibt. Fahre so fort, bis alle neun Speichen der ersten Gruppe angebracht sind. Versichere Dich, dass die Abstände in der Nabe (jedes zweite Loch bleibt leer) und Felge (es bleiben immer drei Löcher leer) um das ganze Laufrad herum stimmen. Alle Speichen sollten auf der Felge auf der gleichen Seite durch die Löcher gehen wie auf der Nabe.
- Drehe nun das Rad auf die andere Seite und schaue Dir die Nabe genauer an. Die Löcher am linken Nabenflansch liegen nicht genau auf einer Linie mit den Löchern des rechten Flansches. Sie liegen ziemlich genau zwischen zwei Löchern der rechten Seite.
- Falls die Schlüsselspeiche ein Loch weiter vom Ventilloch entfernt ist, fädele die Speiche auf der linken Flanschseite so ein, dass sie rechts von der Schlüsselspeiche liegt (von links betrachtet)! Wenn du diesen Schritt korrekt ausgeführt hast, kreuzt die Speiche die Schlüsselspeiche nicht.
- Drehe das Laufrad wieder so herum, dass die Freilaufseite zu Dir zeigt. Führe eine Speiche durch ein freies Loch, sodass die Speiche nach außen gelangt - der Speichenkopf liegt also im Inneren des Flansches. Drehe die Nabe (nur die Nabe, nicht die Felge!) im Uhrzeigersinn, so weit wie es noch leicht geht.
- Die restlichen 17 führenden Speichen werden nach dem gleichen Muster verlegt. Falls Du Speichen hast, die nicht die Felgenöse erreichen, versichere Dich, dass alle folgenden Speichen in Ihren Löchern sitzen.
- Sobald das Laufrad eingespeicht ist, drehe die Speichennippel soweit hinein, bis alle Nippel in etwa gleich weit auf die Speichen gedreht sind. Dies solltest Du mit einem Schraubendreher oder einem Akkuschrauber leicht erledigen können. Ein guter Startpunkt wäre es, die Nippel alle so weit aufzudrehen, dass die Gewinde gerade so im Speichennippel verschwinden.
Zentrieren des Laufrads
Nach dem Einspeichen wird die Felge in den meisten Fällen noch nicht ganz rund laufen. Du ermittelst den Zustand, indem du das Rad anschiebst und anhand der Umdrehung den Lauf kontrollierst. Fehler lassen sich durch Zentrieren leicht ausmerzen. Bei einem Seitenschlag ziehst du die Speichen, die auf der gegenüber liegenden Seite sitzen, etwas fester. Beim Spannen und Festziehen empfehlen wir, immer sehr langsam und vorsichtig vorzugehen. Schon die kleinste Umdrehung kann sich auf den Lauf der Felge auswirken. Lass das Rad deshalb immer wieder drehen, bevor du die Speichennippel fester schraubst. Manchmal reicht bereits eine halbe Umdrehung, um eine perfekte Spannung der Felge zu erreichen oder sie zu überspannen.
| Werkzeug | Verwendung |
|---|---|
| Schlitz-Schraubenzieher | Zum Eindrehen der Speichennippel |
| Nippelspanner | Zum präzisen Anziehen der Speichennippel |
| Zentrierständer | Zur Fixierung des Laufrads beim Zentrieren |
| Zentrierlehre | Zur Überprüfung der Mittigkeit des Laufrads |
| Tensiometer | Zur Messung der Speichenspannung |
Ein Laufrad selbst zu bauen, ist heute kein Problem mehr. Selbst Laien können sich mit etwas Übung und Geduld beim Einspeichen ihr individuelles Laufrad gemäß den Nutzungsanforderungen und Vorlieben zusammenschrauben. Dabei sollten allerdings hochwertige und dem Zweck angemessene Komponenten ausgewählt werden. Das Laufrad muss am Ende zuverlässig und beständig funktionieren, weil davon auch die Sicherheit beim Fahrradfahren abhängt.
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