Das Laufrad Einspeichen am Fahrrad gilt als Königsdisziplin in der Fahrrad-Werkstatt. Doch tatsächlich ist das Montieren von Nabe, Felge und Speichen zu einem Laufrad nicht wirklich schwierig. Ich habe es mir selber beigebracht.
Grundlagen des Einspeichens
Einspeichen ist eine relativ einfache handwerkliche Arbeit, man muss es nur richtig machen und sich an gewisse Regeln halten.
Da komplette Laufräder vergleichsweise billig sind, kommt das Einspeichen eigentlich nur bei hochwertigen Komponenten in Frage. Die größte Stabilität bringen bei gleichen Bedingungen klassisch gekreuzte Einspeichung, man bekommt auch überall Ersatzteile. Je höher der Nabenflansch einer Nabe ist, umso stabiler wird das Laufrad, da die Speichen dadurch kürzer gewählt werden können. Aus diesem Grund werden auf der Bahn gern Hochflanschnaben benutzt, die zwar das Gesamtgewicht erhöhen, aber eine wesentlich größere Steifheit aufweisen.
All diese Punkte sind in meiner Anleitung vermerkt. Somit ist meine Anleitung für mich selbst narrensicher. Meine Anleitung zum Einspeichen ist auf folgende Bedingungen am Laufrad ausgelegt: 36 Loch, Felgenbremse, 3-fach-Kreuzung.
Werkzeug und Material
Natürlich muss man auch das passende Werkzeug haben. Sonst funktioniert es nicht. Um ein Laufrad einzuspeichen, benötigst du eine Felge mit 36 Löchern, eine dazu passende Nabe und 36 neue Speichen. Diese Variante ist die häufigste. Eine wichtige Kenngröße beim Laufradbau ist die korrekte Länge der Speichen. Die Länge hängt meist von der Bauart der Nabe und der Felge ab. Außerdem treten oft Unterschiede zwischen einem Vorderrad und einem Hinterrad auf.
Du benötigst lediglich einen Schraubenzieher und einen Nippelspanner (Nippeldreher). Damit das Zentrieren des Laufrades einfacher von der Hand geht, ist ein Zentrierständer sehr praktisch. Lade dir die folgende Anleitung herunter und drucke sie aus.
Damit du auch richtig arbeiten kannst und alles so sitzt wie es soll darf das passende Werkzeug natürlich nicht fehlen. Im wesentlichen sind es eigentlich nur 4 Dinge die du benötigst. Dieser sollte sich eigentlich in jeder Werkstatt vorhanden sein. Es empfiehlt sich eine großer Schlitzschraubendreher. Damit das Laufrad möglichst stabil ist sollte jede Speiche die gleiche Spannung haben. Ich verwende einen ParkTool TM-1. Dieser ist schon für knapp 80 Euro zu haben und funktioniert nach meinen Erfahrungen sehr gut. Klinkt etwas merkwürdig, heißt aber wirklich so. Diesen benötigst du um deine Nippel an der Speiche drehen zu können. Je nachdem welche Speichen und Nippel verwendet werden musst du hier den passenden parat haben. Ich empfehle hier nicht an Geld zu sparen, da billige Produkte hier sehr schnell rund werden und so euren Nippel an der Felge rund machen.
Um das Laufrad gut zentrieren zu können benötigst du noch einen Zentrierständer. Hier braucht es nicht unbedingt das teuerste Modell. Wichtig ist, dass Laufradgröße und Felgenmaulweite eingestellt werden kann. Ich benutze einen Rose 2-Zent.A:-XL Zentrierständer. Dieser bietet alles was man braucht um alle gängigen Laufräder zu zentrieren.
Auswahl der Komponenten
Damit am Ende auch alles zusammen passt musst du aufpassen, dass alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Hier kann ich nun natürlich nicht detailliert auf alle Variationen eingehen. Grundlegend muss die Nabe zur Felge passen. Beispielsweise gibt es 28, 32 oder 36 Loch Naben. Entsprechend dazu auch die Felgen. WICHTIG! Hier muss die Anzahl der Speichen an Nabe und Felge gleich sein.
Nun darf man nicht zu schnell sein, da Naben und Felgen auch unterschiedliche Aufnahmen für Speichen haben. Die meisten Naben und Felgen sind für Rundspeichen mit 2 mm Nippel konzipiert. Doch es gibt auch Felgen und Naben mit besonderen Speichenaufnahmen. Hier ist eine normale Rundspeiche mit 2 mm Nippel zu sehen. Dies Art von Speiche sieht man am häufigsten und wird auch an den meisten Laufrädern verwendet.
Speichenmuster und Speichenlänge
Um die richtige Länge der Speichen errechnen zu können musst du dich als erstes entscheiden wie du einspeichen möchtest. Die gängigsten und am weitesten verbreiteten Arten sind die 2-fach und 3-fach Kreuzung. Wie es schon im Namen Steckt kreuzt eine Speiche entweder 2 oder drei andere. Solltest du ein Laufrad mit 36 Loch Nabe und Felge fahren musst du es 3-fach einspeichen. 28 Loch Naben und Felgen müssen 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.
Damit du jetzt die richtigen Speichen bestellen kannst müssen die Längen passen. Dafür gibt es online einige Rechner. Ich verwende den Speichenlängenrechner von Sapim. Hier trägst du alle erforderten Wert einfach ein und der Rechner ermittelt dann alle Speichenlängen für dich. WICHTIG: Die Speichenlänge sind oft unterschiedlich auf Brems und Antriebsseite.
Der Einspeichvorgang
Ein Rad einzuspeichen, ist im Grunde sehr leicht. Generell ist es so, dass die Speichen zwischen Nabe und Felge niemals gerade eingesetzt werden. Die als Verbindung liegenden Speichen zwischen Felge und Nabe verlaufen tangential. Diese Schräglage verbessert den sogenannten Anlenkwinkel am belasteten Nabenflansch.
Ein Rad lässt sich auf verschiedene Arten einspeichen. Die unterschiedlichen Varianten ergeben sich einmal durch die Anzahl der Kreuzungen von zwei benachbarten Speichen. Außerdem ist relevant, mit welchen Speichen sich die Verbindungen kreuzen. Sie werden immer abwechselnd von links nach rechts gestellt. Bei der Dreifachkreuzung wird die neue Fahrradspeiche mit drei benachbarten Speichen auf der gleichen Seite der Nabe gekreuzt.
Die folgende Anleitung zum Einspeichen gilt für ein Laufrad mit 36 Speichen und einer Dreifachkreuzung. Stecke die erste Speiche durch ein Loch in der Felge. Nimm eine noch nicht verschraubte Speiche und führe sie in entgegengesetzter Richtung an zwei verschraubten Speichen vorbei, so dass eine Kreuzung entsteht.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Da ihr bei der Wahl der Speichenlängen schon entscheiden musstet welche Einspeichart ihr wählt müsst ihr diese nun eigentlich nur noch anwenden. Sind alle Speichen schon mal an der richtigen Stelle muss man langsam damit anfangen Spannung ins Rad zu bekommen. Hier zieht man nach und nach in kleine Schritten die Speichen an. Wenn man Speichen zu schnell zu viel festzieht führt das später beim zentrieren zu mehr Arbeit und kann unter Umständen die Felge verdrücken.
Wir starten auf der rechten Seite des Laufrades - also der Antriebsseite. Da wir hier eine Felge mit europäischem Lochspeichenmuster vorliegen haben, starten wir mit dem ersten Loch links neben dem Ventil und mit der Blick auf die rechte Seite des Laufrades - „Antriebsseite“ anderen Speiche geht es in das zweite Loch rechts neben dem Ventil. Jetzt kann man die restlichen 7 führenden Speichen einziehen.
Nun geht es auf der linken Seite des Laufrades weiter. Der Knackpunkt beim Einspeichen auf der linken Seite ist nur, dass man weiß wo es weitergeht. Hier ist es wichtig zu wissen, dass sich die Speichenlöcher in der Nabe auf beiden Flanschseiten nicht genau gegenüberliegen. Hier gibt es also einen kleinen Versatz. Wie der Pfeil in der Zeichnung zeigt, fängt man von der linken Seite aus gesehen hinter dem Loch der rechten Seite an. Mit dem Einziehen der restlichen Zugspeichen ist der Vorgang des Einspeichens abgeschlossen.
Europäisches und Französisches Speichenlochmuster
So kann die Art der Speichenlochanordnung in der Felge für Verwirrung sorgen. Es geht um das Speichenlochmuster. Wenn man sich eine gute Felge anschaut, sieht man , dass die eine Hälfte der Löcher sich rechts außerhalb der Mitte und die andere Hälfte links außerhalb der Mitte befinden. Da das europäische Speichenlochmuster die gängigere Variante ist, soll diese hier erstmal erklärt werden. Das europäische Speichenlochmuster ist daran zu erkennen, dass das erste Speichenloch oberhalb vom Ventil in Fahrtrichtung gesehen rechts außerhalb der Mitte sitzt.
Wenn es jetzt anstatt französisches englisches Speichenlochmuster heißen würde, könnte man sich das leichter merken. Aber hier sind die Franzosen die Querdenker, denn es ist einfach andersherum, als es der Rest von Europa macht.
Zentrieren des Laufrads
Nach dem Einspeichen wird die Felge in den meisten Fällen noch nicht ganz rund laufen. Du ermittelst den Zustand, indem du das Rad anschiebst und anhand der Umdrehung den Lauf kontrollierst. Fehler lassen sich durch Zentrieren leicht ausmerzen. Bei einem Seitenschlag ziehst du die Speichen, die auf der gegenüber liegenden Seite sitzen, etwas fester. Beim Spannen und Festziehen empfehlen wir, immer sehr langsam und vorsichtig vorzugehen.
Schon die kleinste Umdrehung kann sich auf den Lauf der Felge auswirken. Lass das Rad deshalb immer wieder drehen, bevor du die Speichennippel fester schraubst. Manchmal reicht bereits eine halbe Umdrehung, um eine perfekte Spannung der Felge zu erreichen oder sie zu überspannen. Die genannten Hinweise gelten allgemein sowohl für das Vorderrad und das Hinterrad sowie für die allermeisten Felgengrößen. Einziges Kriterium, das du berücksichtigen musst, ist die bereits erwähnte Speichenlänge.
Nun kommen wir zur Königsdisziplin. Das Laufrad muss zentriert werden. Bei einem Seitenschlag verläuft die Felge an einer oder mehreren Stellen außerhalb der Mitte. Beim Achter ist es ähnlich wie bei einem Seitenschlag. Hier folgt nach einem Seitenschlag nach links oder rechts unmittelbar ein Seitenschlag in die entgegengesetzt Richtung. Beim Höhenschlag schlägt die Felge an einer oder mehren bestimmten Stelle nach oben aus.
Man zieht erstmal alle Nippel so weit, daß noch 2 oder 3 Gewindesteigungen sichtbar sind. In diesem Zustand sollte das Laufrad schon so fest sein, daß man verbogene Speichen nicht mehr als solche erkennt. Ab jetzt sollte man spätestens im Zentrierständer arbeiten und erstmal kontrollieren, ob das Rad einen Höhenschlag hat, was eigentlich unmöglich ist.
Falls ein Höhenschlag vorhanden ist, beseitigt man ihn durch vorsichtiges anziehen der rechten und linken Speiche in dem Bereich, in dem die Felge zu dicht an der Lehre ist. Danach werden Speichen rundum gleichmäßig angezogen, sinnvollerweise beginnt man am Ventilloch. Ich empfehle ausdrücklich, die Nippel dabei nicht mehr als eine Viertelumdrehung zu spannen. 2-3 mal rund ums Laufrad sollte genügen.
Ob das Rad in diesem Moment einen Höhen- oder Seitenschlag hat, ist unerheblich. Also raus aus dem Zentrierständer und ein erstes Mal malträtieren. Man legt das Rad auf den Boden oder einen stabilen Tisch und drückt es beidseitig relativ brutal nach unten, wiederholt das ganze mehrmals von beiden Seiten. Wieder im Zentrierständer, kann es sein, daß das Rad deutlich eiert.
Nach Kontrolle des Höhenschlages beseitigt man grobe Seitenschläge durch maximal Viertelumdrehungen der Nippel gegenüber der Seite, die die Zentrierlehre berührt. dabei zieht man die 1 oder 2 Speichen an der Stelle des stärksten Schlags ¼ Umdrehung an und die anderen jeweils etwas weniger.
Sicherung der Nippel
Die Meinungen über Sicherung der Nippel gehen auseinander. Man trifft die Auffassung, daß es empfehlenswert ist, Nippel mit Schraubensicherung gegen selbstständiges Lockern zu sichern. Ich lege die Nippel vor dem Einspeichen in Öl, so kann man die Speichen schärfer anziehen.
Alternativen und Überlegungen
Systemlaufräder werden mit den Argumenten geringerer Masse und besserer Aerodynamik verkauft. In Wirklichkeit soll der Käufer an eine Marke gebunden werden, da die Felgen und/oder Naben und Speichen anderer Produkte nicht kompatibel sind.
Exotische Speichenbilder bedingen auch sehr unterschiedliche Speichenspannungen und Belastungen der Nabe, bei radialer Einspeichung ist die Nabe am stärksten belastet.
Zusammenfassung
Mit unserer Schritt für Schritt-Anleitung hast du eine gute Orientierung, um dein Laufrad einspeichen zu können. Das Einspeichen ist ein Arbeitsschritt von mehreren, wenn du dir ein individuelles Laufrad selbst bauen willst.
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