Laufrad Einspeichen Anleitung

Das Laufrad Einspeichen am Fahrrad gilt als Königsdisziplin in der Fahrrad-Werkstatt. Doch tatsächlich ist das Montieren von Nabe, Felge und Speichen zu einem Laufrad nicht wirklich schwierig. Einspeichen ist eine relativ einfache handwerkliche Arbeit, man muss es nur richtig machen und sich an gewisse Regeln halten.

Wann lohnt es sich ein Laufrad aufzubauen?

Da komplette Laufräder vergleichsweise billig sind, kommt das Einspeichen eigentlich nur bei hochwertigen Komponenten in Frage. Die weit verbreitete Verfügbarkeit von preiswerten und (teilweise) gut gebauten Ersatzlaufrädern hat die Notwendigkeit in Fahrradläden reduziert, Laufräder zu bauen. Trotzdem gibt es Gelegenheiten, bei denen speziell angefertigte (oder neu aufgebaute) Laufräder benötigt werden. Ein Neuaufbau von Laufrädern ist auch der beste Weg, die Kunst des Zentrierens zu erlernen. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie das Laufrad auf Veränderungen des Speichenzugs reagiert.

Voraussetzungen und Werkzeuge

Um ein Laufrad selber zu bauen, erfordert es doch einiges an Wissen und Vorarbeit. Welche Naben gibt es und welche Felgen passen dazu? Wie wähle ich die richtigen Speichen und die richtige Speichenlänge? Welche Nippel soll ich verwenden? All diese Fragen kommen auf, wenn du dein Rad selber bauen möchtest.

Damit du auch richtig arbeiten kannst und alles so sitzt wie es soll darf das passende Werkzeug natürlich nicht fehlen. Im Wesentlichen sind es eigentlich nur 4 Dinge die du benötigst:

  • Einen Zentrierständer: Hier braucht es nicht unbedingt das teuerste Modell. Wichtig ist, dass Laufradgröße und Felgenmaulweite eingestellt werden kann.
  • Einen Speichennippelschlüssel: Je nachdem welche Speichen und Nippel verwendet werden musst du hier den passenden parat haben. Ich empfehle hier nicht an Geld zu sparen, da billige Produkte hier sehr schnell rund werden und so euren Nippel an der Felge rund machen.
  • Einen Speichentensiometer: Damit das Laufrad möglichst stabil ist sollte jede Speiche die gleiche Spannung haben.
  • Einen kleinen Schlitz-Schraubendreher: Dieser sollte sich eigentlich in jeder Werkstatt vorhanden sein. Es empfiehlt sich ein großer Schlitzschraubendreher.

Materialien

  • Felge mit 36 Löchern
  • Passende Nabe
  • 36 neue Speichen

Eine wichtige Kenngröße beim Laufradbau ist die korrekte Länge der Speichen. Die Länge hängt meist von der Bauart der Nabe und der Felge ab. Außerdem treten oft Unterschiede zwischen einem Vorderrad und einem Hinterrad auf.

Wahl der Nabe, Felge, Speichen und Speichennippel

Damit am Ende auch alles zusammen passt musst du aufpassen, dass alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Grundlegend muss die Nabe zur Felge passen. Beispielsweise gibt es 28, 32 oder 36 Loch Naben. Entsprechend dazu auch die Felgen. Hier muss die Anzahl der Speichen an Nabe und Felge gleich sein. Nun darf man nicht zu schnell sein, da Naben und Felgen auch unterschiedliche Aufnahmen für Speichen haben. Die meisten Naben und Felgen sind für Rundspeichen mit 2 mm Nippel konzipiert. Doch es gibt auch Felgen und Naben mit besonderen Speichenaufnahmen.

Das Material der Wahl für Speichen ist rostfreier Stahl. Rostfreier Stahl ist haltbar und rostet nicht. Titan wird ebenfalls für Speichen eingesetzt, was allerdings nach Sheldon Browns Meinung herausgeworfenes Geld ist. Carbonspeichen sind ebenfalls am Markt erhältlich. Diese haben sich als bruchanfällig und gefährlich herausgestellt.

Speichen haben entweder einen gleichmäßigen oder variablen (konifizierten) Durchmesser. Doppelt konifizierte Speichen sind an den Enden dicker als in der Mitte. Die gebräuchlichsten Durchmesser sind 2,0/1,8/2,0mm (auch 14/15er Maß) und 1,8/1,6/1,8 (auch 15/16er Maß).

Anleitung zum Einspeichen

Ein Rad einzuspeichen, ist im Grunde sehr leicht. Du benötigst lediglich einen Schraubenzieher und einen Nippelspanner (Nippeldreher). Damit das Zentrieren des Laufrades einfacher von der Hand geht, ist ein Zentrierständer sehr praktisch.

Speichenkreuzungen und Speichenlänge

Um die richtige Länge der Speichen errechnen zu können musst du dich als erstes entscheiden wie du einspeichen möchtest. Die gängigsten und am weitesten verbreiteten Arten sind die 2-fach und 3-fach Kreuzung. Wie es schon im Namen Steckt kreuzt eine Speiche entweder 2 oder drei andere. Solltest du ein Laufrad mit 36 Loch Nabe und Felge fahren musst du es 3-fach einspeichen. 28 Loch Naben und Felgen müssen 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.

Wenn Du Speichen erwerben willst, die zu einer vorhandenen Felge, Nabe und einem gewünschten Speichenmuster passen, sollte Dein Fachhändler die korrekte Speichenlänge(n) für Dich berechnen können. Die meisten Händler machen das heutzutage mit einem Computerprogramm namens Spokemaster, welches mit einer Datenbank namens Bike-alog on disc geliefert wird. Speichen werden jedoch in 1mm Längenschritten (manche Marken sogar nur in 2mm Schritten) verkauft.

Damit du jetzt die richtigen Speichen bestellen kannst müssen die Längen passen. Dafür gibt es online einige Rechner. Ich verwende den Speichenlängenrechner von Sapim. Hier trägst du alle erforderten Wert einfach ein und der Rechner ermittelt dann alle Speichenlängen für dich. Die Speichenlänge sind oft unterschiedlich auf Brems und Antriebsseite.

Im wesentlichen wird hier die Nabe nicht mit Speichen vorgefüllt. Ein gängiges Laufrad hat 36 Speichen und ist 3 fach gekreuzt. Das heißt, dass jede Speiche zwischen Nabe und Felge drei mal von anderen Speichen „geschnitten“ werden.

Die folgende Anleitung zum Einspeichen gilt für ein Laufrad mit 36 Speichen und einer Dreifachkreuzung.

Schritt 1: Stecke die erste Speiche durch ein Loch in der Felge.

Schritt 2: Nimm eine noch nicht verschraubte Speiche und führe sie in entgegengesetzter Richtung an zwei verschraubten Speichen vorbei, so dass eine Kreuzung entsteht.

Generell ist es so, dass die Speichen zwischen Nabe und Felge niemals gerade eingesetzt werden. Die als Verbindung liegenden Speichen zwischen Felge und Nabe verlaufen tangential. Diese Schräglage verbessert den sogenannten Anlenkwinkel am belasteten Nabenflansch.

Es gibt 3 verschiedene "Öffnungen" am fertigen Laufrad, die größte, rote Öffnung "3" am Ventil soll sicherstellen, daß man Luftpumpe oder Kompressorschlauch bequem positionieren kann. Deshalb ist die Nabe nach Einfädeln der ersten 9 Speichen so zu drehen, daß diese große Öffnung entsteht. Die große Öffnung ist für die Funktion des Laufrades nicht zwingend erforderlich, das Rad funktioniert auch anders. Der häufigste Fehler ist es, daß das Ventil durch falsches Verdrehen in Öffnung 1 liegt. So etwas ist unschön, entspricht nicht dem "Stand der Technik" und man sollte sich hüten, das als eigene Arbeit zu deklarieren.

Ein konventionell gebautes Laufrad hat vier Speichengruppen: Die Hälfte der Speichen kommen auf den rechten Nabenflansch und die andere Hälfte auf den Linken. Ein gängiges Laufrad hat 36 Speichen und ist 3 fach gekreuzt. Diese erste Speiche muss am richtigen Platz montiert werden, sonst ist das Ventilloch am Ende an der falschen Stelle (schwer zugänglich für Luftpumpen) und die Bohrungen der Felge passen möglicherweise nicht zu den Winkeln der Speichen. Es ist gebräuchlich, die Felge so zu orientieren, dass man den Beschriftung von der rechten Seite das Fahrrads lesen kann. Falls die Nabe auf dem Nabenkörper beschriftet ist, sollte dieser Schriftzug durch das Ventilloch und aus Fahrerposition lesbar sein. Dies hat keinerlei Auswirkung auf die Leistung oder Haltbarkeit des Laufrads.

Drehe einen Speichennippel so weit auf die Schlüsselspeiche, dass sie am Platz gehalten wird. Als nächstes steckst Du (in gleicher Richtung und zwei Löcher entfernt von der Schlüsselspeiche) eine weitere Speiche in die Nabe, sodass ein leeres Loch zwischen den beiden in der Nabe bleibt. Fahre so fort, bis alle neun Speichen der ersten Gruppe angebracht sind. Versichere Dich, dass die Abstände in der Nabe (jedes zweite Loch bleibt leer) und Felge (es bleiben immer drei Löcher leer) um das ganze Laufrad herum stimmen. Alle Speichen sollten auf der Felge auf der gleichen Seite durch die Löcher gehen wie auf der Nabe.

Drehe nun das Rad auf die andere Seite und schaue Dir die Nabe genauer an. Die Löcher am linken Nabenflansch liegen nicht genau auf einer Linie mit den Löchern des rechten Flansches. Sie liegen ziemlich genau zwischen zwei Löchern der rechten Seite. Drehe das Rad solange, bis das Ventilloch nach oben zeigt. Da Du das Rad gerade von der Nicht-Freilaufseite anschaust, ist die Schlüsselspeiche links vom Ventilloch. Falls die Schlüsselspeiche ein Loch weiter vom Ventilloch entfernt ist, fädele die Speiche auf der linken Flanschseite so ein, dass sie rechts von der Schlüsselspeiche liegt (von links betrachtet)!

Wie die erste Speichengruppe sind auch diese Speichen der zweiten Gruppe "folgende" Speichen und sie verlaufen auf der Innenseite des Flansches. Das heißt, dass der Speichenkopf aus dem Flansch nach Außen zeigt. Am Ende dieses Schritts hat das Laufrad 18 folgende Speichen.

Drehe das Laufrad wieder so herum, dass die Freilaufseite zu Dir zeigt. Führe eine Speiche durch ein freies Loch, sodass die Speiche nach außen gelangt - der Speichenkopf liegt also im Inneren des Flansches. Drehe die Nabe (nur die Nabe, nicht die Felge!) im Uhrzeigersinn, so weit wie es noch leicht geht. Auf den beiden ersten Kreuzungen verläuft diese Speiche außen an den folgenden Speichen entlang. Für die letzte Kreuzung muss die Speiche verwoben werde. Die Speiche muss zu diesem Zweck verbogen werden, um sie unter die dritte gekreuzte Speiche zu bekommen. Nachdem die Speiche die drei folgenden Speichen gekreuzt hat, gibt es zwei mögliche Felgenlöcher, in die die Speiche gelangen könnte. Nimm das Loch, welches zur richtigen Nabenflanschseite ausgerichtet ist.

Die restlichen 17 führenden Speichen werden nach dem gleichen Muster verlegt. Falls Du Speichen hast, die nicht die Felgenöse erreichen, versichere Dich, dass alle folgenden Speichen in Ihren Löchern sitzen.

Falls Du andere Kreuzungsmuster bauen möchtest, musst du die zugehörigen Zahlen aus der Anleitung oben ersetzen.

Die Nabe hängt zu diesem Zeitpunkt noch sehr lose in der Felge, man hat den Eindruck, als wären die Speichen zu lang. Laßt euch Zeit für diesen Schritt, dreht ruhig mal in jede Richtung und überlegt, welche Auswirkungen das hat.

Bei der 10. Speiche wird erstmals hinterzogen, die Kreuzungen 1 und 2 liegen vor der anders gerichteten Speiche, bei der 3. Kreuzung liegt die Speiche davor. Diese Methode ist beim gesamten Laufrad anzuwenden. Auf der Felge wird somit jedes 2.

Im Bild links ist zu erkennen, daß an den Kreuzungen 1 und 2 die waagerechte Speiche hinter den jeweils anderen liegt, an Kreuzung 3 jedoch davor. Diese Lage nennt man "Hinterziehen", das ist heute Standard.

Wenn alle Speichen drin sind, sollte man nochmal kontrollieren, ob sie gleich weit aus der Felge ragen. Ist dies nicht der Fall, müssen alle bis zur 18.

Wenn alle Speichen drin sind, sollte man nochmal kontrollieren, ob sie gleich weit aus der Felge ragen. Ist dies nicht der Fall, müssen alle bis zur 18.

Beim Einfädeln der Speichen muß man diese etwas verbiegen, das ist nicht kritisch, weil sie ausreichend elastisch sind. Beim Zentrieren werden sie so stark gespannt, daß Verbiegungen verschwinden.

Speichenspannung

Sind alle Speichen schon mal an der richtigen Stelle muss man langsam damit anfangen Spannung ins Rad zu bekommen. Hier zieht man nach und nach in kleine Schritten die Speichen an. Wenn man Speichen zu schnell zu viel festzieht führt das später beim zentrieren zu mehr Arbeit und kann unter Umständen die Felge verdrücken.

Ich empfehle ausdrücklich, die Nippel dabei nicht mehr als eine Viertelumdrehung zu spannen. 2-3 mal rund ums Laufrad sollte genügen.

Zentrieren

Nach dem Einspeichen wird die Felge in den meisten Fällen noch nicht ganz rund laufen. Fehler lassen sich durch Zentrieren leicht ausmerzen.

Ein ganz wichtiger Grundsatz, den man stets beherzigen sollte: "langsam ist schneller".

Nach Kontrolle des Höhenschlages beseitigt man grobe Seitenschläge durch maximal Viertelumdrehungen der Nippel gegenüber der Seite, die die Zentrierlehre berührt.

Danach werden Speichen rundum gleichmäßig angezogen, sinnvollerweise beginnt man am Ventilloch.

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