Anleitung zum Einspeichen eines Laufrads mit Scheibenbremse

Um ein Laufrad selber zu bauen, erfordert es doch einiges an Wissen und Vorarbeit. Wann lohnt es sich, ein Laufrad aufzubauen, und welche Voraussetzungen sollte ich haben? Welche Naben gibt es und welche Felgen passen dazu? Wie wähle ich die richtigen Speichen und die richtige Speichenlänge? Welche Nippel soll ich verwenden? All diese Fragen werden auf dich zukommen, wenn du dein Rad selber bauen möchtest.

Werkzeug für den Laufradbau

Damit du auch richtig arbeiten kannst und alles so sitzt, wie es soll, darf das passende Werkzeug natürlich nicht fehlen. Im Wesentlichen sind es eigentlich nur 4 Dinge, die du benötigst.

  • Schlitzschraubendreher: Es empfiehlt sich ein großer Schlitzschraubendreher. Dieser sollte sich eigentlich in jeder Werkstatt befinden.
  • Speichentensiometer: Damit das Laufrad möglichst stabil ist, sollte jede Speiche die gleiche Spannung haben. Ich verwende einen ParkTool TM-1. Dieser ist schon für knapp 80 Euro zu haben und funktioniert nach meinen Erfahrungen sehr gut.
  • Speichenschlüssel: Klinkt etwas merkwürdig, heißt aber wirklich so. Diesen benötigst du, um deine Nippel an der Speiche drehen zu können. Je nachdem, welche Speichen und Nippel verwendet werden, musst du hier den passenden parat haben. Ich empfehle hier nicht an Geld zu sparen, da billige Produkte hier sehr schnell rund werden und so euren Nippel an der Felge rund machen.
  • Zentrierständer: Um das Laufrad gut zentrieren zu können, benötigst du noch einen Zentrierständer. Hier braucht es nicht unbedingt das teuerste Modell. Wichtig ist, dass Laufradgröße und Felgenmaulweite eingestellt werden kann. Ich benutze einen Rose 2-Zent.A:-XL Zentrierständer. Dieser bietet alles, was man braucht, um alle gängigen Laufräder zu zentrieren.

Wahl der Nabe, Felge, Speichen und Speichennippel

Damit am Ende auch alles zusammenpasst, musst du aufpassen, dass alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Hier kann ich nun natürlich nicht detailliert auf alle Variationen eingehen. Grundlegend muss die Nabe zur Felge passen. Beispielsweise gibt es 28, 32 oder 36 Loch Naben. Entsprechend dazu auch die Felgen. WICHTIG! Hier muss die Anzahl der Speichen an Nabe und Felge gleich sein.

Nun darf man nicht zu schnell sein, da Naben und Felgen auch unterschiedliche Aufnahmen für Speichen haben. Die meisten Naben und Felgen sind für Rundspeichen mit 2 mm Nippel konzipiert. Doch es gibt auch Felgen und Naben mit besonderen Speichenaufnahmen. Mavic Laufräder besitzen zum Beispiel ein völlig eigenes Speichenkonzept.

Hier ist eine normale Rundspeiche mit 2 mm Nippel zu sehen. Diese Art von Speiche sieht man am häufigsten und wird auch an den meisten Laufrädern verwendet. Auf diesem Bildern ist ein Mavic Deemax Laufradsatz abgebildet. Hier werden komplett andere Speichen verwendet. Auch sind in der Felge keine Bohrungen, sondern Gewinde, in die die Speichen eingeschraubt werden.

Art der Speichenkreuzungen und Speichenlänge

Um die richtige Länge der Speichen errechnen zu können, musst du dich als erstes entscheiden, wie du einspeichen möchtest. Die gängigsten und am weitesten verbreiteten Arten sind die 2-fach und 3-fach Kreuzung. Wie es schon im Namen steckt, kreuzt eine Speiche entweder 2 oder drei andere. Solltest du ein Laufrad mit 36 Loch Nabe und Felge fahren, musst du es 3-fach einspeichen. 28 Loch Naben und Felgen müssen 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.

Damit du jetzt die richtigen Speichen bestellen kannst, müssen die Längen passen. Dafür gibt es online einige Rechner. Ich verwende den Speichenlängenrechner von Sapim. Hier trägst du alle erforderten Wert einfach ein und der Rechner ermittelt dann alle Speichenlängen für dich. WICHTIG: Die Speichenlängen sind oft unterschiedlich auf Brems- und Antriebsseite.

Da ihr bei der Wahl der Speichenlängen schon entscheiden musstet, welche Einspeichart ihr wählt, müsst ihr diese nun eigentlich nur noch anwenden. Sind alle Speichen schon mal an der richtigen Stelle, muss man langsam damit anfangen, Spannung ins Rad zu bekommen. Hier zieht man nach und nach in kleinen Schritten die Speichen an. Wenn man Speichen zu schnell zu viel festzieht, führt das später beim Zentrieren zu mehr Arbeit und kann unter Umständen die Felge verdrücken.

Zentrieren des Laufrads

Nun kommen wir zur Königsdisziplin. Das Laufrad muss zentriert werden. Bei einem Seitenschlag verläuft die Felge an einer oder mehreren Stellen außerhalb der Mitte. Beim Achter ist es ähnlich wie bei einem Seitenschlag. Hier folgt nach einem Seitenschlag nach links oder rechts unmittelbar ein Seitenschlag in die entgegengesetzt Richtung. Beim Höhenschlag schlägt die Felge an einer oder mehren bestimmten Stelle nach oben aus.

Man beginnt stets an einem Nippelloch neben dem Ventil. Die ersten 9 Speichen werden so eingesetzt, dass 3 freie Löcher Abstand zwischen 2 Speichen im Felgenring sind. Die Nippel werden so weit auf die Speichen gedreht, dass mindestens noch 5 Gänge Gewinde der Speiche zu sehen sind. Dies gilt nur bei exakt korrekter Speichenlänge, die man mit dem Speichenrechner ermitteln kann. Die Speichen können bis maximal 3 mm zu kurz gewählt werden, dann riskiert man aber ein Ausreißen des Gewindes. Sind die Speichen zu lang, riskiert man, dass sie den Schlauch durchstechen. In diesem Fall müssen die Speichen abgefeilt werden.

Es gibt 3 verschiedene "Öffnungen" am fertigen Laufrad, die größte, rote Öffnung "3" am Ventil soll sicherstellen, dass man Luftpumpe oder Kompressorschlauch bequem positionieren kann. Deshalb ist die Nabe nach Einfädeln der ersten 9 Speichen so zu drehen, dass diese große Öffnung entsteht. Die große Öffnung ist für die Funktion des Laufrades nicht zwingend erforderlich, das Rad funktioniert auch anders.

Der häufigste Fehler ist es, dass das Ventil durch falsches Verdrehen in Öffnung 1 liegt. So etwas ist unschön, entspricht nicht dem "Stand der Technik" und man sollte sich hüten, das als eigene Arbeit zu deklarieren.

Die Nabe hängt zu diesem Zeitpunkt noch sehr lose in der Felge, man hat den Eindruck, als wären die Speichen zu lang. Lasst euch Zeit für diesen Schritt, dreht ruhig mal in jede Richtung und überlegt, welche Auswirkungen das hat.

Bei der 10. Speiche wird erstmals hinterzogen, die Kreuzungen 1 und 2 liegen vor der anders gerichteten Speiche, bei der 3. Kreuzung liegt die Speiche davor. Diese Methode ist beim gesamten Laufrad anzuwenden. Auf der Felge wird somit jedes 2.

Besonders steife Laufräder erhält man, wenn die Kreuzung "3" mit dünnem Kupferdraht mehrmals umwickelt und danach verlötet wird.

Im Bild links ist zu erkennen, dass an den Kreuzungen 1 und 2 die waagerechte Speiche hinter den jeweils anderen liegt, an Kreuzung 3 jedoch davor. Diese Lage nennt man "Hinterziehen", das ist heute Standard. In den 80er und 90er Jahren waren Einspeichautomaten teilweise nicht dazu in der Lage, heraus kamen billige und sehr weiche Laufräder. Erst mit dem Hinterziehen werden Laufräder stabil, andernfalls kann man das fast als fabrikneuen Schrott bezeichnen.

Fluchten mit der 19. Mit der 19. Speiche (grün) fluchtet man senkrecht durch ein beliebiges Loch in der Nabe zur gegenüberliegenden Seite. Ist die 19. Speiche drin, hält man das Laufrad an der Nabe und schüttelt es hin und her.

Es empfiehlt sich, erst die Speichen mit Außenkopf einzuziehen, weil sonst das Ganze zur Fummelei ausartet. Der Rest ist nur noch Fleißarbeit. Wenn alle Speichen drin sind, sollte man nochmal kontrollieren, ob sie gleich weit aus der Felge ragen. Ist dies nicht der Fall, müssen alle bis zur 18.

Beim Einfädeln der Speichen muss man diese etwas verbiegen, das ist nicht kritisch, weil sie ausreichend elastisch sind. Beim Zentrieren werden sie so stark gespannt, dass Verbiegungen verschwinden.

Außerdem benötigt man eine Zentrierlehre, die es in mehreren Ausführungen gibt. Mit etwas Routine und Augenmaß kann eine Zentrierlehre verzichtbar sein, was anfangs - gerade bei Hinterrädern mit Zahnkranzpaket - kaum gegeben ist.

Ein guter Zentrierständer ist Grundvoraussetzung. Es ist illusorisch, zu erwarten, dass Zentrieren beim ersten Versuch gelingt. Ein ganz wichtiger Grundsatz, den man stets beherzigen sollte: "langsam ist schneller". Man ist versucht, nach einem geglückten Versuch beim zweiten Mal alles schneller hinzubekommen, indem man alle Nippel gleich mehrere Umdrehungen anzieht.

Man zieht erstmal alle Nippel so weit, dass noch 2 oder 3 Gewindesteigungen sichtbar sind. In diesem Zustand sollte das Laufrad schon so fest sein, dass man verbogene Speichen nicht mehr als solche erkennt. Ab jetzt sollte man spätestens im Zentrierständer arbeiten und erstmal kontrollieren, ob das Rad einen Höhenschlag hat, was eigentlich unmöglich ist. Falls ein Höhenschlag vorhanden ist, beseitigt man ihn durch vorsichtiges anziehen der rechten und linken Speiche in dem Bereich, in dem die Felge zu dicht an der Lehre ist.

Danach werden Speichen rundum gleichmäßig angezogen, sinnvollerweise beginnt man am Ventilloch. Ich empfehle ausdrücklich, die Nippel dabei nicht mehr als eine Viertelumdrehung zu spannen. 2-3 mal rund ums Laufrad sollte genügen. Ob das Rad in diesem Moment einen Höhen- oder Seitenschlag hat, ist unerheblich.

Also raus aus dem Zentrierständer und ein erstes Mal malträtieren. Man legt das Rad auf den Boden oder einen stabilen Tisch und drückt es beidseitig relativ brutal nach unten, wiederholt das ganze mehrmals von beiden Seiten. Wieder im Zentrierständer, kann es sein, dass das Rad deutlich eiert.

Nach Kontrolle des Höhenschlages beseitigt man grobe Seitenschläge durch maximal Viertelumdrehungen der Nippel gegenüber der Seite, die die Zentrierlehre berührt. dabei zieht man die 1 oder 2 Speichen an der Stelle des stärksten Schlags ¼ Umdrehung an und die anderen jeweils etwas weniger. Für derartige Feinsteinstellungen gibt es eine spezielle Meßuhr, Zentriboy genannt. Dieses Meßgerät ist mit 100 Euro aber auch recht teuer. Das Gerät wurde ursprünglich entwickelt, um ein Laufrad im eingebauten Zustand zu zentrieren.

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