Speichenlänge berechnen und Laufrad einspeichen: Eine detaillierte Anleitung

Wenn Sie ein Fahrrad-Laufrad selbst aufbauen oder ersetzen möchten, stellt sich eine der wichtigsten Fragen: Wie finden Sie die passende Speichenlänge? Die exakte Länge sorgt für ein langlebiges, stabiles Rad mit optimaler Spannung.

Warum die korrekte Speichenlänge entscheidend ist

Die korrekte Speichenlänge ist die Grundlage für die Stabilität, Langlebigkeit und Performance Ihres Laufrads. Stimmen die Maße nicht, hat das unmittelbare Folgen:

  • Zu kurze Speichen erreichen das Ende des Nippels nicht und können nicht genügend Spannung aufnehmen. Dadurch entstehen lose Stellen, das Rad wird instabil, und mit der Zeit können Nippel oder Speichen sogar brechen.
  • Zu lange Speichen ragen aus dem Nippel heraus, was zu scharfen Kanten im Felgenbett und im schlimmsten Fall zu Schäden am Schlauch führen kann. Außerdem ist das Zentrieren eines solchen Rads schwierig bis unmöglich.

Nur eine exakt berechnete Länge garantiert eine gleichmäßige Verteilung der Speichenspannung und eine perfekte Ausrichtung. Das Laufrad bleibt länger rund, ist weniger anfällig für Achter und liefert beste Fahreigenschaften.

Benötigte Messwerte zur Bestimmung der Speichenlänge

Um die richtige Speichenlänge zu bestimmen, benötigen Sie einige grundlegende Messwerte. Die wichtigsten sind der effektive Felgendurchmesser (E.R.D.), der Lochkreisdurchmesser (P.C.D.) der Nabe, der Flanschabstand (Abstand vom Nabenmittelpunkt zu den Speichenflanschen) und die Lochzahl von Nabe und Felge. Auch die Dicke der Speichen, das Einspeichmuster und der Winkel, in dem die Speichen im Flansch sitzen, spielen eine Rolle.

  • Der E.R.D. beschreibt, wie weit die Speichen vom Mittelpunkt der Felge bis zum Punkt, an dem der Nippel aufliegt, reichen müssen.
  • Der P.C.D. gibt an, wie weit die Speichenlöcher im Flansch voneinander entfernt sind.
  • Der Flanschabstand ist besonders bei asymmetrischen Naben, wie sie am Hinterrad üblich sind, ein wichtiger Faktor.

Den effektiven Felgendurchmesser (E.R.D.) messen

Der E.R.D. ist der wichtigste Wert bei der Ermittlung der Speichenlänge. Er gibt an, wie weit es von der einen Seite der Felge zur anderen ist - gemessen an der Stelle, wo die Nippel im Felgenbett aufliegen. Viele Hersteller geben den E.R.D. in technischen Datenblättern an. Wenn nicht, können Sie ihn selbst bestimmen:

  1. Stecken Sie zwei Speichen durch gegenüberliegende Felgenlöcher.
  2. Schrauben Sie je einen Nippel auf und messen Sie die Distanz von Ende zu Ende der Nippel.
  3. Ziehen Sie davon die Länge der aufgeschraubten Speichen ab - das Ergebnis ist der E.R.D.

Dieser Wert ist entscheidend, denn schon kleine Abweichungen von wenigen Millimetern machen sich bei der Speichenlänge bemerkbar. Gehen Sie bei der Messung daher sehr genau vor. Auch Felgentyp und Bauart (zum Beispiel Aero-Felge oder Doppelkammer) können den E.R.D. beeinflussen.

Die Nabe vermessen

Die Nabe bildet das Zentrum des Laufrads und bestimmt maßgeblich die Geometrie der Speichen. Für die Berechnung benötigen Sie den Lochkreisdurchmesser (P.C.D.) - also den Durchmesser des Kreises, auf dem die Speichenlöcher sitzen. Außerdem messen Sie die Entfernung vom Achsmittelpunkt zu jedem Flansch (linke und rechte Seite getrennt, da diese Abstände oft unterschiedlich sind).

Nutzen Sie dazu eine Schieblehre oder eine Speichenmesslehre, indem Sie den Mittelpunkt der Nabe als Referenz nehmen. Notieren Sie auch die Lochzahl - sie muss mit der Lochzahl der Felge übereinstimmen. Häufig finden Sie Angaben zur Nabe beim Hersteller, aber das Nachmessen empfiehlt sich immer, da es bei Produktionsserien kleine Abweichungen geben kann.

Das Einspeichmuster berücksichtigen

Das gewählte Einspeichmuster hat einen direkten Einfluss auf die erforderliche Speichenlänge. Die gängigsten Muster sind radial (Speichen verlaufen geradlinig von der Nabe zur Felge) und gekreuzt (die Speichen kreuzen sich zwei-, drei- oder vierfach mit anderen Speichen). Bei gekreuzten Mustern werden die Speichen länger, weil sie nicht auf direktem Weg, sondern in Bögen von der Nabe zur Felge geführt werden.

Überlegen Sie vorab, welches Muster Sie wählen möchten - dies hängt vom Einsatzzweck ab: Radiale Muster bieten eine schlichte Optik und sind bei Vorderrädern verbreitet, während gekreuzte Muster mehr Stabilität bieten, vor allem bei Hinterrädern und Scheibenbremsen.

Wichtig: Beim Rohloff SPEEDHUB 500/14 Laufrad dürfen die Speichen nicht radial einlegt werden, da Antriebskräfte übertragen werden müssen. Alle 26"- und 28"-Laufräder dürfen daher nur 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.

Hilfsmittel zur Bestimmung der Speichenlänge

Für die Bestimmung der passenden Speichenlänge stehen Ihnen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Am wichtigsten ist ein digitaler Messschieber, mit dem Sie präzise Messungen an Felge und Nabe durchführen können. Für den E.R.D. eignet sich auch eine klassische Schieblehre, am besten mit langem Schenkel. Ebenfalls hilfreich ist ein flexibles Maßband, wenn Sie den Abstand zwischen Nabenflansch und Felgenboden messen müssen.

Besonders für die Bestimmung des Lochkreisdurchmessers und der Flanschabstände bieten sich spezielle Speichenmesslehren an. Sie erleichtern das genaue Messen und helfen, Fehler zu vermeiden. Außerdem gibt es Speichenmesslehren mit zusätzlichen Funktionen, etwa zur Messung des Speichendurchmessers oder der Länge bereits vorhandener Speichen.

Die Speichenmesslehre

Die Speichenmesslehre ist ein besonders praktisches Werkzeug, um Speichen und Naben schnell und exakt zu vermessen. Sie sieht meist aus wie ein länglicher Metallstreifen mit Skala, häufig mit verschiedenen Aussparungen und Markierungen. Mit ihr können Sie Speichenlängen direkt ablesen, indem Sie die Speiche in die Nut legen. So vermeiden Sie Ablesefehler durch krumme Enden oder Nippel.

Einige Modelle bieten auch eine Vorrichtung zum Messen des Speichendurchmessers und spezielle Aussparungen zum Bestimmen von Nippelgrößen. Für die Nabe gibt es Varianten, bei denen die Lehre so angelegt wird, dass sie den Lochkreisdurchmesser (P.C.D.) einfach abbildet. Das macht das Messen wesentlich schneller und genauer als mit einem normalen Messschieber.

Systematische Vorgehensweise zur Ermittlung der Speichenlänge

Der beste Weg zur richtigen Speichenlänge ist eine systematische Vorgehensweise:

  1. Messen Sie zuerst den effektiven Felgendurchmesser (E.R.D.), möglichst mit Hilfe einer Speichenmesslehre oder durch das Durchführen zweier Speichen und Messen der Distanz samt Nippel. Notieren Sie den Wert exakt.
  2. Anschließend messen Sie mit dem Messschieber oder der Lehre den Lochkreisdurchmesser der Nabe (P.C.D.) und die Abstände von Nabenmitte zu den beiden Flanschen.
  3. Ermitteln Sie die Lochzahlen von Nabe und Felge sowie das gewünschte Einspeichmuster.

Nun können Sie alle Werte in einen Speichenrechner eingeben oder mithilfe von Formeln die Länge berechnen. Online-Rechner nehmen Ihnen die Arbeit ab und berücksichtigen sogar komplexere Muster und Offset-Naben.

Typische Fehlerquellen vermeiden

Beim Ermitteln der Speichenlänge gibt es einige typische Fehlerquellen, die Sie kennen und vermeiden sollten. Die häufigste Ursache für falsche Längen sind ungenaue Messungen, etwa weil die Felge schräg liegt oder die Nabe nicht mittig gemessen wird. Auch das Vertauschen der Werte für linke und rechte Seite, insbesondere bei Hinterrädern, kommt öfter vor.

Fehler entstehen, wenn Lochzahlen von Nabe und Felge nicht übereinstimmen oder wenn das Einspeichmuster in der Berechnung nicht richtig berücksichtigt wird. Auch eine falsche Handhabung der Speichenmesslehre - zum Beispiel ein falsches Anlegen oder Ablesen - kann zu falschen Ergebnissen führen.

Kontrollieren Sie daher jeden Messschritt und wiederholen Sie die Messung, wenn Sie unsicher sind. Idealerweise nutzen Sie mehrere Hilfsmittel parallel und prüfen das Ergebnis auch mit einem Online-Rechner.

Bestellung und Montage

Wenn Sie alle Werte sorgfältig ermittelt und die passende Speichenlänge berechnet haben, steht der Bestellung nichts mehr im Weg. Bestellen Sie die benötigte Stückzahl plus zwei bis drei Ersatzspeichen - im Falle eines Schadens sind Sie so bestens vorbereitet.

Wählen Sie die richtige Speichendicke und Materialqualität je nach Einsatzzweck, zum Beispiel Edelstahl für lange Haltbarkeit. Achten Sie bei der Montage darauf, dass die Speichenenden bündig mit dem Nippelende abschließen. Kontrollieren Sie dies beim ersten Laufrad-Test nach dem Einspeichen. Prüfen Sie, ob sich das Laufrad leicht zentrieren lässt - das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Ihre Messung und Berechnung korrekt waren. Heben Sie die wichtigsten Daten für künftige Projekte auf, dann müssen Sie beim nächsten Mal nicht alles neu messen.

Spezielle Hinweise für Rohloff SPEEDHUB 500/14

Für die Rohloff SPEEDHUB 500/14 gibt es einige Besonderheiten bei der Speichenauswahl zu beachten:

  • Die Rohloff SPEEDHUB 500/14 besitzt einen Speichen-Lochkreisdurchmesser von 100 mm und 2,7 mm Speichenlöcher (2,5mm bis Serien-Nr. 44321) für 32 oder 36 Speichen.
  • Aufgrund des Nabenflansches mit 32 oder 36 Speichenlöchern sind nur 32-oder 36-Loch Felgen verwendbar.
  • Beim Rohloff SPEEDHUB 500/14 Laufrad dürfen die Speichen nicht radial einlegt werden, da Antriebskräfte übertragen werden müssen.
  • Alle 26"- und 28"-Laufräder dürfen daher nur 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.

Für die Verwendung in 26”-Laufrädern werden von Rohloff silberne Sapim Race Speichen 2,0/1,8/2,0 mm (Bogenlänge 2,9mm) mit 14mm Secure Nippeln in allen geraden Längen von 128/146-154/198mm und 222-282mm angeboten. Die für 26”-Laufräder am häufigsten eingesetzte Speichenlänge von 238 mm ist auch in schwarz erhältlich.

Auswahl der richtigen Speichenbogenmaße

Am Markt gibt es eine verwirrende Vielzahl von unterschiedlichen Speichen. Diese unterscheiden sich nicht nur in Länge und Durchmesser, sondern viel entscheidender in den Speichenbogenmaßen. Für optimale Langlebigkeit des Nabenflansches und des gesamten Laufrades müssen deshalb die Speichenbogenmaße auf den Nabenflansch und die Speichenlöcher abgestimmt werden.

Es reicht nicht aus, die Speiche nur nach Durchmesser und Länge auszuwählen. Ist der Speichenbogen zu lang und/oder der Drahtdurchmesser im Speichenbogen zu klein, kann sich die Speiche nach dem Zentrieren im Speichenloch axial bewegen. Der Speichenbogen kann sich aufbiegen. Ist der Speichenbogen zu kurz und/oder der Drahtdurchmesser im Speichenbogen zu groß, kann es beim Einfädeln bzw. Spannen der Speiche am Speichenloch auf der Speichenbogenseite zu einer starken Quetschung des Nabenflansches kommen.

Die korrekte Speichengeometrie bestimmen

Die korrekte Speichengeometrie lässt sich recht einfach wie folgt bestimmen:

  1. Fädeln Sie eine Speiche von außen nach innen in den Nabenflansch Deckelseite so ein, dass der Speichenkopf in der Senkung der Speichenbohrung zur Anlage kommt. Dies sollte ohne spürbaren Widerstand geschehen.
  2. Halten Sie die Nabe so, dass die Flansche waagerecht stehen und die Ritzelseite oben ist. Die Speiche zeigt dabei radial nach außen. Das Gewindeende der Speiche sollte sich jetzt im schraffierten Bereich befinden.
  3. Wiederholen Sie den Vorgang. Diesmal wird jedoch die Speiche von innen nach außen in den Nabenflansch Ritzelseite eingefädelt. Der Speichenkopf liegt wieder lose in der Senkung.
  4. Halten Sie die Nabe so, dass die Flansche waagerecht stehen und die Speiche radial nach außen zeigt. Das Gewindeende der Speiche sollte sich jetzt im schraffierten Bereich befinden.

Felgendurchmesser am Nippelsitz ermitteln

Der Felgendurchmesser am Nippelsitz kann folgendermaßen ermittelt werden:

  1. Messen der Kopfhöhe K der Speichennippel, die verwendet werden sollen.
  2. Messen der Länge S (vom Gewindeanfang bis zur Innenseite der 90°-Biegung) der Speichen, die für die Messung verwendet werden sollen.
  3. Eine Speiche von innen nach außen in die Felge einfädeln und einen Speichennippel so weit aufschrauben, dass das Speichenende bündig mit dem Kopf des Speichennippels abschließt.
  4. In das gegenüberliegende Speichenloch der Felge eine weitere Speiche einfädeln und einen Speichennippel so weit aufschrauben, dass das Speichenende bündig mit dem Kopf des Speichennippels abschließt.

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