Laufradfahren lernen: Tipps, Alter und worauf Eltern achten sollten

Sobald die Kleinen laufen können, ist ihr Bewegungsdrang kaum noch zu bremsen. Ein Mittel, ihre Energie in sinnvolle Bahnen zu lenken? Ein Laufrad!

Ab wann sind Kinder bereit für ein Laufrad?

Tatsächlich gibt es keine klare Antwort auf die Frage, ab welchem Alter Kinder Laufrad fahren können oder sollten. Vielmehr gibt es Empfehlungen der Hersteller, ab wann ihr jeweiliges Modell grundsätzlich geeignet ist. Aber was kein Hersteller wissen kann, ist, wie ein Kind sich individuell entwickelt. Manche sind schon mit 18 Monaten kaum noch aufzuhalten und rennen recht koordiniert durch die Welt, andere haben im gleichen Alter vielleicht erst richtig laufen gelernt.

Konkret heißt das: sicher vorwärts, rückwärts und seitwärts gehen können. Dann ist ein Kind zumindest motorisch bereit für diesen Entwicklungsschritt. Genauso wichtig ist aber, dass das Kind überhaupt Interesse an einem Laufrad zeigt. Oft können Eltern intuitiv feststellen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Denn wenn ihr Nachwuchs neugierig auf die Laufräder anderer Kinder reagiert und sie sich am liebsten auf dem Spielplatz stibitzen würde, dann lohnt es sich, das Thema anzugehen.

Vorteile eines Laufrads

Laufräder fördern die Koordinationsfähigkeit, lenken überschüssige Energien der Kinder in sinnvolle Bahnen und helfen beim Lernen grundsätzlicher Verkehrsregeln. "Mit dem Laufrad wird zusätzlich der Gleichgewichtssinn ständig trainiert und verbessert“, so Dr. med. Jörg Schriever, Unfallbeauftragter des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) gegenüber "Kinder-und Jugendärzte im Netz".

Gleichzeitig sieht er Gefahrenquellen für Kleinkinder eher beim Dreirad. Das erklärt der Mediziner so: "Das kreisförmige, ungewohnte Treten beim Dreirad erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, erschwert das Lenken und die stetige Orientierung in Fahrtrichtung mehr als die dem Kind bekannten Schrittbewegungen beim Laufrad, welche Zweijährige gerade perfektionieren.

Sicherheitsvorkehrungen

Die Grundregel: Egal wie alt ein Kind ist und wie kurz die Strecke: Rad fahren immer nur mit Helm! Selbst auf sicherem Terrain sollte ein Kleinkind mit dem Laufrad nie ohne Helm unterwegs sein. Denn nur so vermeidet ihr bei euren Kindern schwere Kopfverletzungen, wenn sie doch mal unglücklich hinfallen.

Gerade am Anfang empfiehlt es sich, wenn eure Kinder mit dem Lauflernrad nur auf ebenen Flächen fahren üben. Für die ersten Versuche bieten sich Orte fern von Straßen und Gewässern an. Am besten sucht ihr euch einen Park mit geteerten Wegen. An manchen Orten gibt es sogar bestimmte Übungsplätze, wo ihr in Ruhe euren Rhythmus finden könnt.

Am Anfang können Eltern noch neben dem Kinderlaufrad herlaufen und im Notfall eingreifen, sollte der Nachwuchs doch mal zu viel Geschwindigkeit aufnehmen. Denn gerade bei den ersten Versuchen muss das Kind noch ein Gefühl fürs Gleichgewicht und vor allem auch das Bremsen mit den Füßen finden.

Worauf sollten Eltern beim Kauf besonders achten?

Es gibt beim Kauf tatsächlich einiges zu beachten. Das fängt bei simplen Fragen an, wie: Ist der Sattel höhenverstellbar? Bis hin zu: Wie hat das Kinderlaufrad XY im Test der Stiftung Warentest abgeschlossen? Hier kommen die wichtigsten Punkte:

Einstiegshöhe

Die sollte für Anfänger:innen ganz klar so niedrig wie möglich liegen und Kindern so einen tiefen Einstieg ermöglichen. Manche Lauflernräder haben erst gar keine Mittelstange, und falls sie doch eine haben, dann sollte sie so tief gebogen sein, dass die Kinder leicht über sie steigen können, ohne hängenzubleiben.

Gewicht und Lenkung

Euer Kind muss sein neues Kinderlaufrad vor allem selbstständig manövrieren können. Ist das Laufrad zu schwer oder die Lenkung zu steif, dann macht das Ganze gleich keinen Spaß mehr. Deshalb lohnt sich ein Test im Geschäft. Da kann euer Kind direkt ausprobieren, ob es das Laufrad aufrecht gerade halten kann und wie es mit der Lenkung klarkommt.

Höhenverstellbarer Lenker und Sattel

Viele Laufräder werden von ihren Herstellern nicht für ein bestimmtes Alter empfohlen, sondern für einen Zeitraum. Oft liegt dieser bei zwei bis fünf Jahren. Damit dies auch realistisch ist und das Lauflernrad mit den Kindern mitwächst, sollten sowohl Sattel als auch Lenker höhenverstellbar sein. Übrigens: Die Zollangabe hilft bei der richtigen Auswahl der Laufradgröße eher wenig!

Ausschlaggebend ist die Größe des Kindes oder vielmehr dessen Beinlänge im Verhältnis zur Sattelhöhe. Manche Hersteller geben die Höhenverhältnisse in Zentimetern auf ihren Webseiten an, andere nicht. Wer sich mit der Höhe unsicher ist, schaut sich die Modelle am besten vor Ort in einem Geschäft an. Da kann euer Kind sein bevorzugtes Laufrad dann auch direkt Probe fahren.

Trittbrett in der Mitte

Bei ihrem Test von Laufrädern hat die Stiftung Warentest festgestellt, dass die Kinder aus ihrer Testgruppe Räder mit einem Trittbrett in der Mitte bevorzugt haben. Grund war wohl, dass sie in Zeiten, in denen sie nicht aktiv Anschwung geben mussten, ihre Füße bequem darauf abstellen konnten. Bei Laufrädern ohne Trittbrett hängen die Füße der Kinder in solchen Situationen dann nämlich einfach in der Luft.

Bremse, ja oder nein?

Im gleichen Test wurde auch festgestellt, dass Laufräder OHNE Bremse sicherer waren als solche mit. Grund dafür war wohl, dass gerade Kleinkinder oft noch kein Gefühl für das Bremsen hatten und es deshalb leichter zu Stürzen kam. Tatsächlich haben die meisten Laufräder auch noch gar keine Bremsen.

Radständer, ja oder nein?

Radständer sind bei Fahrrädern kaum wegzudenken. Bei Kinderlaufrädern sind sie aber eher überflüssig, wenn nicht sogar eine Stolperfalle. Die meisten Hersteller verzichten bei Laufrädern ohnehin auf Ständer.

CE-Kennzeichnung versus GS-Zeichen

Beim Kauf lohnt es sich auch darauf zu achten, ob ein Lauflernrad mit einer CE-Kennzeichnung oder dem GS-Zeichen versehen ist. Spielzeug ohne eine CE-Kennung ist in Deutschland verboten. Es entspricht dann nicht den Mindestanforderungen der EU-Richtlinien.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung kritisiert allerdings, dass die Grenzwerte bezüglich der Schadstoffbelastungen hier noch viel zu hoch angelegt sind. Das GS-Zeichen ist das deutsche Qualitätssiegel für Produkte und unterliegt strengeren Anforderungen als den EU-Vorgaben. Aber auch hier bemängeln Verbraucherschützer immer noch zu hohe Grenzwerte.

Warum sind Schadstoffe vor allem in Lenker und Sattel so gefährlich?

Die Schadstoffbelastung in Lenker und Sattel ist so ein kritischer Punkt in der Bewertung der Räder, weil sie direkt mit der Haut des Kindes in Berührung kommen. "Akut giftig sind die gefundenen Mengen nicht. Die Substanzen können aber lang­fristig im Organismus wirken, wenn die Kleinen sie über die Haut aufnehmen", erklärt Stiftung Warentest.

In einigen der getesteten Räder wurde das Flammschutzmittel TCPP (das im Verdacht steht, Krebs zu erregen) sowie verschiedene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen. Einige von ihnen können ebenfalls Krebs erzeugen, andere das Erbgut schädigen.

Empfehlenswerte Laufräder

Obwohl Laufräder für die motorische Entwicklung von Kindern unbedingt zu empfehlen sind, schneiden viele Modelle miserabel ab. Was bleibt? Die folgenden drei Lauflernräder erhielten die Note "gut“ der Stiftung Warentest im Jahr 2018 und sind auch 2021 noch zu empfehlen:

  • Puky Laufrad LR1 (Testsieger) - Vorsicht: ein anderes Puky-Modell hat den Test nicht bestanden
  • BTwin Runride 100
  • Kettler Speedy

Auch 2021 waren die Ergebnisse des Tests ernüchternd. Zehn der getesteten 13 Lauflernräder fielen aufgrund von zu hoher Schadstoffbelastung durch. Nur zwei der getesteten Laufräder schnitten mit der Note "gut" ab:

  • Puky LR Light (Note 2,0): Testsieger 12/2021
  • Early Rider Superply Bonsai 12“ (Note 2,2); Achtung: Bei diesem Laufrad handelt es sich laut Hersteller um ein Auslaufmodell.

Und natürlich gibt es neben den getesteten Modellen auch noch viele andere, die ihr in unserem Laufrad-Vergleich vergleichen könnt. Mit den oben beschriebenen Punkten könnt ihr zum größten Teil (abgesehen von der Schadstoffbelastung) selbst checken, ob ein Rad für euer Kind geeignet ist oder eher nicht.

Sicher ist: Stützräder empfiehlt Dr. med. Jörg Schröder nicht. "Auch für ein Fahrrad mit Stützrädern gilt, dass das Gleichgewicht nicht trainiert wird“, so der Mediziner.

Am Ende entwickelt sich jedes Kind nämlich in seinem eigenen Tempo - und das ist auch gut so.

Hier ist eine Tabelle, die den Zusammenhang zwischen Körpergröße, Sattelhöhe und Schrittlänge verdeutlicht:

Kategorie Alter Körpergröße Schrittlänge Sattelhöhe Typische Größe Beliebte Laufräder
1 1 - 1,5 Jahre 70 - 78 cm 21 - 26 cm 19 - 24 cm Lauflernrad mit 4 Rädern PUKYlino von Puky, Kettler SLIDDY
2 1,5 - 2 Jahre 78 - 85 cm 26 - 32 cm 24 - 30 cm 8 Zoll Laufrad, 10 Zoll Laufrad Puky LR M, Bandits & Angels 8
3 2 - 3 Jahre 85 - 95 cm 32 - 38 cm 30 - 36 cm 12 Zoll Laufrad woom 1, Puky LR 1 L
4 3 - 4 Jahre 95 - 105 cm 38 - 45 cm 36 - 43 cm 12 Zoll Laufrad, 14 Zoll Laufrad Puky LR Ride, Puky LR Light
5 ab 4 Jahre ab 105 cm ab 45 cm ab 43 cm 14 Zoll Laufrad, Laufrad und Fahrrad in einem -

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