Anleitung: Hinterrad am Fahrrad wechseln

Ein Durchschlag im Reifen und der damit einhergehende Luftverlust, können den Ausbau des Hinterrades zu Reparaturzwecken zwingend erforderlich machen. Für gewöhnlich benötigen Sie hierfür kaum Werkzeug, lediglich etwas Zeit und ein gesundes Maß an Sorgfalt, technischem Verständnis und Fingerspitzengefühl sind hierfür in aller Regel ausreichend.

Vorbereitung

Prüfen Sie zunächst die Befestigungsart Ihres Hinterrads. Wenn es mit Schnellspannern gesichert ist, ist kein weiteres Werkzeug nötig. Bei einer Kettenschaltung schalten Sie nun bitte hinten auf den größten Gang (= kleinstes Ritzel). Das erleichtert den späteren Ausbau.

Drehen Sie das Fahrrad auf den Kopf, indem Sie es sicher auf Lenker und Sattel positionieren. Viele Fahrer drehen das Rennrad auf den Kopf, stellen es auf Lenker und Sattel ab - doch Vorsicht: So verkratzt der Tacho und die Sitzfläche. Besser: Lehne das Rad an Deinen Körper, während Du damit arbeitest. Wenn das Laufrad ausgebaut ist, lege den Rahmen vorsichtig auf die Seite - am besten ins Gras.

Ausbau des Hinterrads

  1. Gang richtig einstellen: Wenn Du das Hinterrad ausbaust, stelle zunächst den Gang vorne auf das Große Blatt und hinten auf das kleinste Ritzel - also den schwersten Gang. Denn so bekommst Du das Hinterrad leichter an der Kette vorbei und wieder hinein.
  2. Bremse öffnen: Damit der Reifenmantel an den Bremsklötzen vorbei kommt, öffne jetzt die Schnellspanner der Bremse - das kleine Flügelchen oben am Bremskörper.
  3. Schnellspanner öffnen: Jetzt den Schnellspanner des Laufrads öffnen. Klappe das Flügelchen auf und drehe die Schraube ein Stück weit heraus. So dass es sich gut herausziehen lässt.
  4. Rad ausbauen: Laufräder werden üblicher Weise nach unten herausgezogen - heißt: Den Rahmen des Rades anheben und gleichzeitig das Laufrad nach unten heraus ziehen. Wenn Du es geschickt machst, musst Du die Kette dazu gar nicht anfassen. Bei Zeitfahrräder - wie etwa das Cervelo Vista P2 - wird das Laufrad nach hinten herausgezogen. Hier musst Du die Kette tatsächlich etwas beiseite drücken.

Lege das Laufrad vorsichtig auf den Boden, während Du den Rahmen des Rades weiter festhältst. Lass die Gabelenden nicht auf den Asphalt aufsetzen. Lege den Rahmen nun vorsichtig beiseite.

Ausbau bei Steckachse

  1. Schalte vorne auf das grosse Kettenblatt (wenn du zwei hast).
  2. Schalte hinten auf das kleinste Kettenblatt.
  3. Öffne den Hebel und drehe die Steckachse lose, bis du sie herausziehen kannst. (Steckachsen, die geschraubt werden, haben keinen Hebel. Diese musst du mit einem Inbusschlüssel lösen.)
  4. Ziehe das Laufrad nun gegen oben heraus, indem du das Schaltwerk leicht nach hinten drückst.

Ausbau bei Nabenschaltung

Zum Ein- und Ausbau der aktuell verbreiteten Nabenschaltungen der Hersteller Shimano, Rohloff und SRAM gestaltet sich recht einfach. Dies bedeutet auch, dass du nur wenig Werkzeug benötigst um diese Arbeit zu bewerkstelligen.

Werkzeug

  • einen passenden Maulschlüssel um die Schraubachse zu lösen
  • gegebenenfalls weitere Maulschlüssel zum lösen des Schaltzugs
  • einen Schlitzschraubenzieher, sofern die Nabe über eine zusätzliche Abstützung am Rahmen verfügt (dies ist bei Naben mit Rücktrittbremsen oft der Fall)

Schritte

  1. Bremsen lösen: Wenn dein Hinterrad durch eine Felgenbremse gebremst wird muss du diese öffnen um das Rad später entnehmen zu können.
  2. Naben mit Rücktrittbremse verfügen auf der Nicht-Antriebsseite, das heißt auf der in Fahrtrichtung linken Seite, über eine Abstützung für die integrierte Bremse. Diese Stütze wird über eine Schraube mit einer Schelle an der Kettenstrebe verbunden. Löse diese Schraube mithilfe eines passenden Schraubenziehers (meist Schlitz). Eventuell musst du einen Maulschlüssel zum Gegenhalten an der Mutter auf der Rückseite nutzen. Bei Naben mit Scheibenbremsen findest du die Bremsscheibe auf der in Fahrtrichtung linken Seite der Nabe. Hier musst du nichts lösen, sondern nur darauf achten, die Scheibe beim Arbeiten nicht zu beschmutzen.
  3. Lösen der Schaltzüge: Der nächste Schritt ist das Lösen der Schaltzüge. Bei den Nabenschaltungen von Shimano und SRAM schaltest du hierzu in den ersten Gang. In diesem ist der Schaltzug am wenigsten stark gespannt und lässt sich daher am einfachsten lösen. Wenn du dem Verlauf des Schaltzugs folgst wirst du sehen, dass die Außenhülle an einer Halterung, die parallel zur Kettenstrebe verläuft, endet. Der Innenzug wird durch diese Halterung hindurch geführt und wird dann in einem Hebel eingehängt. Wenn du diesen Hebel ein wenig nach vorne drückst solltest du den Innenzug aus diesem Hebel aushängen können. Nun lässt sich auch die Außenhülle aus ihrer Halterung ziehen.
  4. Rohloff: Auch hier musst du die Schaltzüge von der Nabe lösen. Die Verbindung findet hier mittels einer Schaltbox statt, die du per Hand lösen kannst indem du die silberne Schraube die sich auf dieser Box befindet löst. Welcher Gang dabei eingelegt ist, spielt für den Ausbau keine Rolle, für den späteren Einbau macht es jedoch Sinn den größten oder den kleinsten Gang zu wählen.
  5. Achse lösen: Um das Hinterrad aus dem Rahmen nehmen zu können musst du nun die Achse lösen. Die Naben von Shimano und SRAM sind mit jeweils einer Mutter auf jeder Seite im Rahmen befestigt. Entferne diese Muttern samt Unterlegscheiben. Merke dir, die Reihenfolge und die Position der Unterlegscheiben. Rohloff: Die Naben von Rohloff werden mit einem Schnellspanner im Rahmen befestigt. Diesen musst du einfach nur öffnen um das Hinterrad ausbauen zu können.
  6. Rad herausnehmen: Nun kannst du das Hinterrad aus den Rahmen nehmen. Hebe dann die Kette vom Ritzel

Reifenwechsel

  1. Schraube die Ventilkappe ab, öffne das Ventil und lass die Luft aus dem Reifen ab.
  2. Drücke die Reifenflanken beidseitig zusammen, bis der Reifen ringsum locker im Felgenbett sitzt.
  3. Setze den Reifenheber an einer Seite des Reifens an und heble ihn über die Felge. Mit einer Zugbewegung lässt sich der Reifen nun entlang der Felge lösen.
  4. Nach einer Reifenpanne untersuche den Reifen vorsichtig per Hand auf Beschädigungen oder Fremdkörper wie Dornen oder Glassplitter. Untersuche nun auch die Innenseite der Felge. Zuletzt untersuchst du den Schlauch. Einen punktierten Schlauch kannst du mit Flickzeug reparieren oder durch einen neuen ersetzen.
  5. Setze den Reifen mit einer Seite in das Felgenbett. Beachte dabei Angaben zur Laufrichtung. Pumpe den Schlauch locker auf, um ihn in Form zu bringen. Führe das Ventil durch das Felgenloch und platziere den Schlauch ringsum zwischen Reifen und Felgenbett.
  6. Wuchte die äußere Reifenseite nun - beginnend auf Ventilhöhe - über die Felge. Arbeite dich beidseitig nach oben vor und achte darauf, den Schlauch nicht einzuklemmen. Für das letzte Stück kann ein Reifenheber hilfreich sein.
  7. Schraube die Ventilmutter wieder auf und pumpe den Reifen vollständig auf. Beachte hierbei die Luftdruckvorgaben auf der Reifenflanke. Kontrolliere abschließend den gleichmäßigen Reifensitz anhand der durchgezogenen Prägung.

Einbau des Hinterrads

Nachdem der Platten behoben ist, baust Du das Laufrad wieder ein. Achte dabei darauf, dass die Schnellspanner gut zu sind und auch die Bremse wieder geschlossen wird.

Zum Einfädeln des Hinterrades in den Hinterbau drücken Sie das Schaltwerk wieder nach hinten, setzen die Kette auf das kleinste Ritzel und drücken diese nach unten.

  1. Ziehe das Schaltwerk wieder zurück, führe das Laufrad langsam von unten in den Hinterbau, und lege dabei die Kette auf das kleinste Ritzel.
  2. Fädle nun das Laufrad so ein, dass die Bremsscheibe im Bremssattel und die Nabe zwischen den Ausfallenden platziert ist. Achte darauf, die Bremsscheibe hierbei nicht mit der Hand zu berühren.
  3. Führe die Steckachse ausgehend von der Seite der Bremsscheibe wieder durch Radnabe und Ausfallenden. Ziehe sie dann locker an.
  4. Mit einem Drehmomentschlüssel ziehst du sie nun auf das erforderliche Drehmoment fest.

Einbau bei Steckachse

  1. Um das Laufrad wieder in den Rahmen zu setzen, musst du das Schaltwerk wie bei der Entnahme leicht nach hinten drücken. Achte darauf, dass die Bremsscheibe beim Einsetzen des Rades zwischen den Bremsbacken liegt.
  2. Lege die Kette auf das kleinste Ritzel.
  3. Jetzt kannst du die Steckachse wieder durch die Nabe schieben und eindrehen. Sobald du genügend Widerstand hast, kannst du den Hebel schliessen. (Steckachsen, die geschraubt werden, haben keinen Hebel. Diese musst du mit einem Inbusschlüssel anziehen.)

Tipp: Durch das Umlegen des Hebels wird sowohl beim Schnellspanner als auch bei der Steckachse Spannung aufgebaut. Lässt sich der Hebel nicht ganz schliessen oder zu leicht öffnen, musst du die Vorspannung anpassen.

Einbau bei Nabenschaltung

Beim Einbau des Hinterrades gehst du im Prinzip in umgekehrter Reihenfolge vor wie beim Ausbau. Allerdings musst du hierbei auf ein paar Dinge achten, damit das Rad hinterher richtig im Rahmen sitzt.

  1. Rad einsetzen: lege die Kette um das Ritzel und setze die Nabe in die Ausfallenden. Achte dabei auf die richtige Position des Rades. Die Führung für den Schaltzug muss an der richtigen Stelle sitzen und auch die Bremsabstützung muss, sofern eine solche vorhanden ist, an der richtigen Position sitzen.
  2. Auf geraden Sitz achten: Wenn sich die Nabe in den Ausfallenden deines Rades verschieben lässt, schiebe das Hinterrad so weit nach hinten, dass die Kette gut gespannt ist. Achte bei der Befestigung darauf, dass das Hinterrad gerade ist.
  3. Züge befestigen: Damit dein Rad wieder einsatzbereit ist, musst du nun noch die Züge bzw. den Zug befestigen. Bei SRAM und Shimano Nabenschaltungen setzt befestigst du den Innenzug hierzu in der dafür vorgesehenen Vertiefung. Dann Ziehst du die Außenhülle so weit nach hinten, dass du ihn wieder in die Halterung einhängen kannst. Rohloff: Hier ist das Vorgehen noch einfacher. Kontrolliere, ob der Schaltgriff noch in der Position ist, in der er war, als du die Box abgeschraubt hast. Dann musst du die Schaltbox wieder aufstecken und festschrauben. Für den Fall, dass sich die Box nicht direkt aufstecken lässt, drücke sie leicht gegen die Halterung während du den Schaltgriff ein wenig hin und her drehst. Die Box sollte sich nun wieder aufschieben lassen.
  4. Bremsen befestigen: Wenn dein Hinterrad über eine extra Abstützung an der Kettenstrebe verfügt, denke daran, diese wieder zu montieren. Wenn dein Rad über Felgenbremsen verfügt, hänge diese wieder ein.
  5. Funktionen testen: Bevor du dich wieder auf dein Rad setzt überprüfe noch die folgenden drei Funktionen: Dreht sich das Rad ohne zu schleifen? Lassen sich alle Gänge durchschalten? Funktionieren die Bremsen?

Dein Fahrrad ist nun wieder einsatzbereit. Abschließend solltest du noch prüfen, ob sich weiterhin alle Gänge durchschalten lassen und die Bremse nicht schleift.

Zusätzliche Informationen

Q-Loc Schnellspannsystem von Suntour

An unseren Zing E-Bikes mit Suntour-Federgabel verbauen wir am Vorderrad die SR Suntour Q-Loc Steckachse. Wir zeigen dir, wie du dieses System im Handumdrehen öffnest und wieder verriegelst, um das Vorderrad aus- und einbauen zu können.

  1. Öffne zuerst den Hebel der Steckachse.
  2. Drücke nun den Verschluss auf der anderen Seite gegen innen und drehe ihn um eine Viertel Umdrehung.
  3. Jetzt kannst du die Steckachse herausziehen.

Hinweis: Die Montage des vorderen Laufrades mit SR Suntour Q-Loc Stechachse funktioniert in umgekehrter Reihenfolge.

Inspektion der Fahrrad-Laufräder

Von Zeit zu Zeit lohnt es sich, ein paar generelle Checks an deinen Laufrädern durchzuführen. Überprüfe, ob die Räder festmontiert sind und ob die Reifen genug Luft haben. Überprüfe die Reifen auf Abnutzung und Risse. Schau dir auch die Speichen an: Sie sollten alle fest sitzen und keine Schäden haben, damit dein Rad stabil und gerade läuft. Kontrolliere auch die Radlager (diese findest du in der Mitte des Rades), um sicherzugehen, dass sie gut eingestellt sind.

Solltest du den Reifen oder den Schlauch wechseln, achte darauf, dass das Felgenband richtig sitzt. Dieses Band sorgt dafür, dass der Schlauch nicht durch die Löcher in der Felge beschädigt wird - es ist also ein kleiner, aber wichtiger Schutz vor Pannen.

Radnabenlager überprüfen

  1. Hebe das Fahrrad an einem Ende mit einer Hand an und versuche, die Felge hin und her zu bewegen. Genau hinschauen und -hören: ertaste, ob sich die Lager bewegen/ Spiel haben.
  2. Drehe das Laufrad und achte auf schleifende oder andere ungewöhnliche Geräusche.
  3. Wiederhole den Vorgang am anderen Laufrad.

Wenn sich die Radnabe locker anfühlt oder ein schleifendes Geräusch erzeugt, solltest du das Fahrrad zum Fachhändler bringen - die Einstellung der Radlager erfordert Spezialwerkzeug sowie entsprechendes Fachwissen. Ist das Rad einfach locker, kann es auch sein, dass sich die Steckachse oder der Schnellspanner etwas gelöst hat.

Radlager schmieren

Tausche das Schmierfett in den Radlagern einmal jährlich aus. Die Wartung der Lager erfordert Spezialwerkzeug sowie entsprechendes Fachwissen und sollte daher nur von unseren Fachhändlern durchgeführt werden. Einige Lager sind fest gekapselt, diese müssen nicht jedes Jahr geschmiert werden.

Schmiere ausserdem einmal im Jahr den Laufrad-Schnellspanner oder die Laufrad-Steckachse. Dazu solltest du an der Stelle, an der sich der Schnellspannhebel im Schnellspanner bewegt, zwei oder drei Tropfen von einem synthetischen Schmiermittel oder einem Leichtöl anbringen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0