Laufrad aus Holz selber bauen: Eine detaillierte Anleitung

Fahrradfahren will gelernt sein. Ebnen Sie Ihren Kindern ab drei Jahren den Weg zu dieser nach wie vor ökonomischsten Art, sich fortzubewegen, indem Sie ein Laufrad selber bauen. Es macht auch einen Riesenspaß - schon der Nachbau unseres Bauplan-Themas (SE 10/2003, Bauplan leider vergriffen) ist ein Kinderspiel!

Warum ein Laufrad selber bauen?

Selbstgebaute Laufräder sind eine gute Alternative zu fertigen Laufradsätzen aus dem Fachhandel. Allgemein sind Laufräder im Eigenbau eine gute Variante, um sein Fahrrad nach persönlichen Vorlieben zu gestalten und speziell auf die individuelle Nutzung abzustimmen. Viel Bewegung an der frischen Luft, Training von Körperkoordination und Gleichgewichtssinn und die ersten Schritte zur kompetenten Verkehrsteilnahme kombiniert so ein Laufrad mit der Freude an Fahrtwind, dem Spaß beim Nachbauen und dem Stolz auf ein ungewöhnliches Designobjekt.

Materialliste

Beim Holz können Sie etwas sparen: Die beiden Rahmenbretter lassen sich aus nur einer Sperrholzplatte im Format 630 x 360 mm ausschneiden. Und die beiden Haltebacken des Sitzes im Rahmen verleimen Sie wasserfest aus 4- und 12-mm-Sperrholzresten.

Hier ist eine detaillierte Materialliste:

  • 2 Seite Birke Sperrholz (12 x 610 x 110 mm)
  • 2 Gabel längs Birke Sperrholz (12 x 440 x 75 mm)
  • 1 Gabel Abdeckung Birke Sperrholz (12 x 135 x 80 mm)
  • 1 Sattelstütze Birke Sperrholz (18 x 220 x 120 mm)
  • 2 Gabel quer Birke Sperrholz (18 x 80 x 60 mm)
  • 2 Rahmen quer Birke Sperrholz (18 x 30 x 65 mm)
  • 1 Sattel Birke Sperrholz Rundstab (18 x 310 x 15 mm)
  • 1 Lenker Rundstab (28 x 30 x 65 mm)
  • 2 Schraube Räder Eisen M8 110
  • 2 Schraube Sattelstütze Eisen M8 85
  • 2 Schraube Lenkbefestigung Eisen M8 45
  • 22 Karosseriescheibe Eisen M8
  • 6 Hutmutter Eisen M8

Werkzeugliste

  • Stichsäge
  • Akkuschrauber
  • Tisch- oder Handkreissäge
  • Zwingen
  • Gummihammer
  • Schleifklotz
  • Bohrer 25 mm
  • Bohrer 8 mm
  • Bohrer 3,5 mm
  • Dübelspitzen 8 mm
  • 2 x Schraubenschlüssel 13 mm
  • Raspel
  • Feile
  • Eisensäge

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Vorbereitung der Holzteile

  1. Außenkonturen übertragen: Übertragen Sie mittels eines Kopierrades (Nähbedarf) oder mit Kopierpapier die Außenkonturen der geschwungenen Teile von der Zeichnung auf das Sperrholz.
  2. Aussägen: Sägen Sie dann mit der Stichsäge in Verbindung mit einem Kurvensägeblatt die einzelnen Teile aus. Ungenaue oder wellige Stellen in der Kontur nachschleifen.
  3. Gleiche Teile bearbeiten: Übertragen Sie bei den Einzelteilen, die zweimal benötigt werden, die Außenkontur mit dem ersten Teil auf Sperrholz. Gleiche Teile werden zusammengespannt und noch einmal mit einem Handschleifklotz und grobem Schleifpapier, Körnung P80, an den Kanten geschliffen.
  4. Sitz formen: Für den Sitz werden vier gleiche Bögen aus 18 mm dicken Birkensperrholz ausgeschnitten und in der Breite miteinander verleimt. Wenn der Leim getrocknet ist, können Sie den Sitz mit Raspel und Feile oder einem Kantenschleifer in die endgültige Form bringen.

Schritt 2: Bohren und Sägen

  1. Bohrlöcher anzeichnen: Auf den Rahmen und Gabelteilen werden die Positionen der Bohrlöcher und auf den Innenflächen die Positionen der Lenkbefestigung und Verstrebungen der Gabel angezeichnet.
  2. Löcher bohren: Bohren Sie in die Einzelteile von Rahmen und Gabel die Löcher für die Schrauben (ø = 3,5 mm) und für die Achsen und Sitzbefestigung (ø = 8 mm).
  3. Streben zusägen: Sägen Sie die Streben der Gabel und die des Rahmens mit einer Tisch- oder Handkreissäge auf dem Multifunktionstisch zu. Zeichnen Sie die Bohrlöcher auf den Streben an und bohren Sie die Befestigungslöcher (ø = 8 mm) für die Gabel.
  4. Schlitz für Höhenverstellung: Für die Höhenverstellung muss ein Schlitz in die Sattelstütze geschnitten werden. Dazu wird der Schlitz auf dem Brett angezeichnet und am oberen und unteren Ende ein Loch (ø = 8 mm) gebohrt. Der Zwischenraum wird mit einer Stichsäge herausgesägt.
  5. Gabelabdeckung: Auf die Vorderseite der Gabel kommt eine Abdeckung. In die Mitte dieser Abdeckung wird entweder ein dekoratives Loch gebohrt oder man kann ein Katzenauge darauf befestigen. An den oberen Enden der Gabel wird jeweils ein Loch (ø = 25 mm) für den Lenker gebohrt.

Schritt 3: Zusammenbau des Rahmens und der Gabel

  1. Kanten runden: Alle Kanten mit einem Handschleifklotz oder einer Kantenfräse runden. Schleifen Sie die Flächen mit einem Exzenterschleifer, letzter Schliff Körnung P 180. Verleimen Sie die Streben der Gabel mit der vorderen Abdeckung. Die Einzelteile zur Montage des Rahmens werden zum Zusammenbau bereitgelegt. Geben Sie auf den Verbindungsflächen Holzleim an.
  2. Rahmen verspannen und verschrauben: Verspannen Sie zunächst eine Seite des Rahmens mit den Streben und verschrauben Sie die Verbindungen (Spax 3,5 x 30). Die zweite Seite wird festgespannt, ausgerichtet und verschraubt. Damit ist der Rahmen zusammengebaut und kann zum Trocknen beiseite gelegt werden. Die beiden Bretter der Gabel werden auf die gleiche Art und Weise mit den Streben verbunden.
  3. Sattel vorbereiten: In die obere Schmalfläche der Sattelstütze werden drei Löcher für Holzdübel (8 x 40) gebohrt. Stecken Sie Dübelspitzen in diese Löcher, richten Sie darauf den Sattel aus und drücken Sie ihn nach unten. Auf der Sattelunterseite haben Sie jetzt die Abdrücke, an denen Sie die Dübellöcher bohren müssen.

Schritt 4: Endmontage

  1. Sattel verleimen: Kleben Sie die Dübel zunächst in die Sattelstütze ein. Geben Sie in den Dübellöchern im Sattel und auf der Verbindungsfläche ausreichend Leim an und verspannen Sie alles mit einer Zwinge. Um die Einzelteile besser streichen zu können, werden die Flächen vor dem Zusammenbau farbig oder transparent gestrichen.
  2. Gabel und Rahmen verbinden: Achten Sie darauf, dass bei jeder Verschraubung, immer dort wo die Maschinenschraube auf das Holz trifft, eine Unterlegscheibe dazwischen kommt. Stecken Sie Gabel und Rahmen zusammen und schieben Sie die beiden Befestigungsschrauben durch die Löcher. Stecken Sie auf die Schraube zuerst eine Beilagscheibe und drehen Sie dann die Stoppmutter auf.
  3. Sattelstütze montieren: Schneiden Sie die Distanzstücke für die Befestigung der Sattelstütze mit einer Eisensäge zu. Als Distanzstücke kann entweder ein Eisenrohr oder eine Distanzmuffe (M10 X 30) genommen werden. Bauen Sie die Sattelstütze so ein wie auf der Zeichnung dargestellt.

Schritt 5: Räder und Lenker

  1. Räder einbauen: Bauen Sie nun Vorder- und Hinterrad ein und ziehen Sie alle Schrauben fest. Sie müssen darauf achten, dass sich die Räder frei drehen können.
  2. Lenker vorbereiten: Der Lenker wird an den beiden Enden großzügig abgerundet. Stecken Sie ihn dann durch die beiden Löcher in der Gabel und schieben Sie ihn an die richtige Position.
  3. Lenker fixieren: Markieren Sie diese Position mit einem kleinen Strich auf dem Lenker und verschieben Sie ihn anschließend um ca. 12 mm. Geben Sie jetzt rundherum zwischen Gabel und der Markierung Leim auf dem Lenker an und schieben Sie ihn zurück.
  4. Zusätzliche Sicherung: Falls im Loch zur Lenkerbefestigung zu viel Spiel ist, können Sie den Lenker auch von hinten mit einem 5 mm Holzdübel durch die Gabel befestigen.

Weitere Tipps

  • Da der Laufradrahmen sich nach hinten um 3° öffnet, schrägen Sie die Haltebacken jeweils um etwa 1,5° an.
  • Die gleiche Schräge wie die Haltebacken des Sitzes erhält natürlich auch der Klotz vorn zwischen den Rahmenbrettern. Wir haben ihn aus drei Distanzbrettern wasserfest verleimt und dann am Schleifteller bearbeitet, dessen Anschlag sich zu diesem Zweck einstellen lässt.
  • Damit sich die Achsführung aus 12-mm-Kupferrohr besser einschieben lässt, sollten Sie das senkrecht am Bohrständer eingebrachte Loch ansenken.
  • Spannen Sie beim wasserfesten Verleimen des Rahmens auf jeder Seite ein Brettchen als Stopper hinter den Achsklotz, da dieser dank seiner angeschrägten Seiten bei Druck darauf sonst nach hinten rutscht.

Fazit

Mit etwas Geduld und Liebe zum Detail können Sie Ihrem Kind oder Enkelkind einen kleinen Traum erfüllen und dabei gleichzeitig noch etwas für die Fitness und den Gleichgewichtssinn der Kleinen tun. Ein Laufrad selbst zu bauen, ist heute kein Problem mehr. Selbst Laien können sich mit etwas Übung und Geduld beim Einspeichen ihr individuelles Laufrad gemäß den Nutzungsanforderungen und Vorlieben zusammenschrauben. Dabei sollten allerdings hochwertige und dem Zweck angemessene Komponenten ausgewählt werden. Das Laufrad muss am Ende zuverlässig und beständig funktionieren, weil davon auch die Sicherheit beim Fahrradfahren abhängt.

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