Vor- und Nachteile von Scheibenbremsen am Laufrad

Sie möchten sich ein neues Fahrrad kaufen? Herzlichen Glückwunsch! Denn mittlerweile gibt es für jeden Anspruch und nahezu jeden Geldbeutel das passende Velo. Zuvor aber sollten Sie sich über einige Punkte Gedanken machen, denn die vielen verschiedenen Varianten machen es notwendig Entscheidungen zu treffen: Jedes Bauteil hat sein Für und Wider. Die für Sie passende Variante hängt in hohem Maß davon ab, in welcher Art und Weise Sie Ihr neues Fahrrad nutzen.

Im Falle der Auswahl der passenden Bremsen bedeutet dies: Welchem Anspruch müssen die Fahrradbremsen bei Ihrer Fahrweise gerecht werden? Ein Mountainbiker benötigt sicherlich einen anderen Wirkungsgrad als der Gelegenheitsfahrer, der sich vorwiegend bei schönem Wetter auf Asphalt bewegt. Denn sobald Nässe, Schmutz und ein gewisses Gefälle auf der Strecke ins Spiel kommt, müssen die Bremsen Höchstleistungen bringen können.

Felgenbremsen: Der bewährte Standard

Felgenbremsen waren nicht umsonst viele Jahre gern gesehener Standard. Auf befestigten Strecken und bei trockenem Wetter ist die Leistung einer guten Felgenbremse in aller Regel völlig ausreichend. Bei Feuchtigkeit und Dreck kann die Bremsleistung rapide nachlassen, so dass Sie das Bike mitunter nicht mehr ausreichend kontrollieren können. Und nicht nur das: Auch der Verschleißgrad von Bremse und Felge steigt zügig an, der Schmutz wirkt wie Schmirgelpapier.

Durch Feuchtigkeit und Verschmutzung wird der Verschleiß bei Felgenbremsen stark beschleunigt, aber auch bei schönem Wetter und guter Pflege ist ein gewisser Grad der Abnutzung nicht aufzuhalten. Ersatzteile, wie zum Beispiel neue Beläge, sind für gewöhnlich für recht kleines Geld zu haben. Das Austauschen und viele andere Arbeiten können Sie mit etwas handwerklichem Geschick auch gut selbst erledigen.

Da bei Felgenbremsen, wie der Name schon sagt, auch die Felge an sich bei jedem Bremsvorgang involviert ist, muss auch sie irgendwann ersetzt werden. Dies ist in der Regel nach etwa zehntausend Kilometern der Fall. Etwas schwieriger als bei Scheibenbremsen gestalten sich hingegen die Justierung sowie der Radwechsel.

Scheibenbremsen: Bremskraft bei jedem Wetter

Die Bremsleistung von Scheibenbremsen hingegen wird bei widrigen Wetterbedingungen nahezu gar nicht beeinträchtigt. Feuchtigkeit und Dreck können diesen Geschwindigkeitsreduzierern nichts anhaben. Scheibenbremsen haben eine starke und unmittelbare Bremswirkung. Du musst beim Bremsen weniger Kraft aufbringen. Scheibenbremsen verlieren auch bei Nässe ihre Bremskraft nicht.

Die Felgen verschleißen nicht, da die Scheibenbremse nicht daran schleift. Wenn du also auf einem schweren Bike unterwegs bist, bei jedem Wetter fährst, viel im Gelände und/oder bergab unterwegs bist, ist ein Fahrrad mit Scheibenbremse eine gute Wahl. Sie bietet eine knackige Bremsleistung, unabhängig von Terrain und Witterung.

Scheibenbremsen hingegen gelten als äußerst wartungsarm und extrem haltbar. Aber natürlich sollten Sie die Beläge auch hier von Zeit zu Zeit kontrollieren. Diese sollten eine Dicke von einem Millimeter nicht unterschreiten. Wichtig hierbei ist, dass Sie den Belag immer hinten und auch vorne kontrollieren, da diese sehr unterschiedlich abgenutzt sein können.

Mechanische vs. Hydraulische Scheibenbremsen

Es gibt mechanische und hydraulische Scheibenbremsen. Beide Arten verfügen über Kolben, die entweder einen (meist mechanische Bremsen) oder beide Bremsbeläge (hydraulische Scheibenbremse) auf die Bremsscheibe drücken. Mechanische Scheibenbremsen sind weniger präzise, aber günstiger und oft wartungsärmer. Sie ist die mittlerweile seltener verbaute Variante der Scheibenbremse.

Eine hydraulische Scheibenbremse arbeitet mit einer hydraulischen Flüssigkeit anstelle eines Bowdenzugs, zum Beispiel Öl. Eine solche Flüssigkeit lässt sich nicht zusammenpressen, auch nicht unter Druck. Dadurch nimmt sie immer gleich viel Raum ein, es entsteht - im Gegensatz zum Bowdenzug - keine Reibung. Beim Betätigen des Bremshebels wird das Öl in den Bremskreislauf gedrückt.

Mechanische und hydraulische Scheibenbremsen sind technisch gleich aufgebaut. Die mechanische Scheibenbremse arbeitet mit einem reinen Bremszug, während die hydraulische Variante Ölleitungen montiert hat. Bei beiden Varianten findet der Bremsvorgang an einer zusätzlichen Bremsscheibe statt. Das hat den Vorteil, dass die Felge nicht belastet wird. Ebenfalls ist das Bremsen geschützter als bei der Felgenbremse, da sich die Bremsbeläge im Inneren des Bremssattels befinden. Dadurch wird das Bremsverhalten durch Witterung oder Schmutz wenig beeinträchtigt.

Vor- und Nachteile von Scheibenbremsen

Neben dem Leistungsaspekt der Bremse ist wohl der finanzielle Faktor ebenso entscheidend. Scheibenbremsen sind in den meisten Fällen teurer als Felgenbremsen. Aus diesem Grund sollten Sie sich vorab gut überlegen, ob Sie diese Investition wirklich benötigen.

Ein Argument gegen die Scheibenbremse ist oftmals das höhere Gewicht im Vergleich zur Felgenbremse. Das ist in der Tat korrekt, die Bremsscheibe bringt durchaus das ein oder andere Gramm Gewicht mit sich.

Wie der Name schon vermuten lässt, stoppen Scheibenbremsen mittels Scheiben an der Laufradnabe die Fahrt, während Felgenbremsen an der Laufradaußenseite ansetzen. E-Bikes sind beispielsweise meist mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet, da die Fahrräder vergleichsweise schwer sind und die Bremse deshalb kräftig zupacken muss. Auch Mountain- oder Gravelbikes haben meist Scheibenbremsen, da sie auch bei Nässe uneingeschränkt funktionieren und weniger schnell verdrecken als Felgenbremsen.

Die Scheibenbremse kann überhitzen, wenn du dauerhaft bremst, z. B. in einer langen Abfahrt. Es kann sein, dass die Scheibenbremsen quietschen, wenn du den Bremshebel ziehst. Scheibenbremsen sind komplizierterin der Handhabung und wartungsintensiver. Sie sind technisch anspruchsvoller. Du musst z. B. Scheibenbremsen entlüften, die Bremsflüssigkeit auffüllen und beim Radausbau muss ein Platzhalter zwischen die Bremsbacken setzen, damit sie sich nicht zuziehen.

Nicht alle Laufräder können Scheibenbremsen aufnehmen. Damit du Scheibenbremsen nachrüsten kannst, müssen zum einen die Laufräder auf Scheibenbremsen ausgelegt sein. Zum anderen müssen Fahrradrahmen und Fahrradgabel die entsprechenden Befestigungspunkte (sog. Fehlen die entsprechenden Befestigungspunkte, müsstest du viele Komponenten ersetzen, um den Wechsel von Felgen- auf Scheibenbremsen sauber über die Bühne zu bringen.

Außerdem würde dich das Upgrade viel Geld, Zeit und Nerven kosten. Bei Scheibenbremsen sitzt eine Bremsscheibe auf der Nabe des Laufrads. Es gibt 6-Loch und Centerlock-Naben. Die Bremsscheibe muss dazu passen, sonst benötigst du einen Adapter.

Wartung und Lebensdauer

Welchen Zeitraum oder wie viele Kilometer deine Scheibenbremse bzw. die Bremsbeläge mitmachen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu zählen die Qualität der Bremse, deine Fahrweise, das Gelände, die Wetterbedingungen und das Fahrergewicht.

Um zu sehen, wie abgenutzt deine Scheibenbremsen-Beläge sind, musst du das Laufrad entfernen und den Bremsbelag aus dem Bremssattel ziehen. Zu Beginn hat der Bremsbelag eine Stärke von drei bis vier Millimetern. Die Stärke der Scheibenrotoren verrät dir, ob du sie ersetzen musst. Hierfür gibt der jeweilige Hersteller eine Mindestdicke an, die du auf den Scheiben findest. Bei Shimano-Bremsen solltest du zum Beispiel die anfangs 1,8 Millimeter dicken Rotoren auszutauschen, wenn die Bremsfläche auf 1,5 Millimeter (Min. TH = 1,5) runtergebremst ist.

Wann du Scheibenrotoren und Bremsbeläge wechseln lassen solltest, ist von unterschiedlichen Faktoren wie der Qualität der Scheibenbremse und deiner Fahrweise abhängig.

Scheibenbremsen bei Kinderfahrrädern

Ab 20 Zoll Bikes kann man über den Einsatz von Scheibenbremsen nachdenken. Die Grafik zeigt eindeutig: Wer nach einem preiswerten leichten Bike sucht, muss auch bei 24 Zoll Rädern auf Scheibenbremsen verzichten. Die Vorteile von Scheibenbremsen sind klar. Sie strotzen vor Bremskraft und lassen sich selbst für Kinder mit wenig Handkraft punktgenau dosieren.

Vor allem für den sportlichen Einsatz von Kinder Mountainbikes sind das sehr wichtige Eigenschaften, die man sich aber auch mit Nachteilen erkaufen muss. Scheibenbremsen sind nicht nur schwerer und teurer als Felgenbremsen, sie sind auch deutlich komplexer. Vor allem hydraulische Systeme lassen sich bei Defekt von Mama oder Papa nur mit Spezialwerkzeug (Entlüftungskit) richten. Das schreckt viele Eltern ab. Rein theoretisch steigt mit den scharfkantigen Scheiben, die beim Bremsen auch noch heiß werden können, auch die Verletzungsgefahr von Kindern.

Je sportlicher Kinderbikes genutzt werden, desto eher machen Scheibenbremsen Sinn. Wer mit dem Nachwuchs ernsthaft mountainbiken will, sollte ab einer Größe von 20 Zoll auch den Kauf von einem Modell mit Scheibenbremsen in Erwägung ziehen. Wer nur gelegentlich ins Gelände abbiegt, kann selbst beim 24 Zoll Kinderfahrrad noch mit Felgenbremsen glücklich werden. 16 Zoll Bikes gibt es ohnehin fast ausschließlich mit Felgenbremsen.

Fazit

Scheibenbremsen sind technisch gesehen das bessere System. Aber sie bringen auch ihre Nachteile mit sich. Das höhere Gewicht, der höhere Anschaffungspreis und die größere Komplexität des Systems geben auch klassischen Felgenbremsen noch ihre Berechtigung. Je sportlicher ein Bike bewegt wird, desto eher sollte man über den Einsatz von Scheibenbremsen nachdenken.

Insgesamt ist die Bremsleistung einer guten mechanischen Scheibenbremse besser als die einer vergleichbaren Felgenbremse. Hier kommt eine ganze Reihe an Vorteilen auf Sie zu. Die Felge wird nicht belastet, die maximale Bremsleistung ist mit wenig Kraftaufwand verbunden und die Dosierbarkeit extrem gut.

Bei modernen Fahrrädern und E-Bikes sind hydraulische Scheibenbremsen bereits heute weit verbreitet. Sie sind insgesamt im Gewicht etwas schwerer und technisch anspruchsvoller.

Scheibenbremsen im Rennradbereich

Was Hersteller sich auch ausdenken, um die Bremsleistung von Felgenbremsen zu verbessern, die Bremsleistung von Scheibenbremsen werden sie nicht erreichen.

Ein weiterer Vorteil von Scheibenbremsen am Rennrad liegt darin, dass immer mehr Rennräder standardmäßig mit breiteren Reifen ausgestattet sind. Die Wahl für breiteres Gummi lässt sich gut erklären. Im Rennen wird der Körper durch das Auffangen von Stößen und Schwingungen müde, weswegen deine Leistung ein wenig beeinträchtigt wird. Die Lösung ist also mehr Komfort. Je breiter der Reifen, desto höher, oder dicker, ist er.

Durch das Aufkommen der Scheibenbremsen fällt die Funktion der klassischen Aluminium-(oder Carbon)-Bremsflanke weg.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich das Gewicht in einem Laufrad für Scheibenbremsen an einer anderen Stelle befindet als in einem Laufrad für Felgenbremsen.

Weitere Aspekte rund um Scheibenbremsen

Vor- und Nachteile im Überblick

  • Vorteile:
    • Bessere Bremsleistung bei Nässe
    • Weniger Handkraft erforderlich
    • Kein Felgenverschleiß
    • Felgen können nicht überhitzen
    • Bremsscheiben verdrecken nicht so schnell
    • Geeignet für sehr dicke Reifen
  • Nachteile:
    • Höheres Gewicht
    • Höhere Kosten
    • Bremsscheiben können überhitzen
    • Beschädigungsgefahr beim Transport
    • Stärkere Belastung von Naben und Speichen
    • Einbremsen erforderlich

Nachrüstung

Eine Nachrüstung mit Scheibenbremsen ist nur möglich, wenn Gabel und Rahmen über entsprechende Aufnahmen verfügen. Die Laufräder müssen Disc-tauglich sein.

Bremssattelaufnahmen

Es gibt zwei Standards: Postmount und IS2000. Adapter ermöglichen die Montage verschiedener Scheibengrößen.

Mechanische vs. Hydraulische Scheibenbremsen

  • Mechanisch: Betätigung über Bowdenzug, einfachere Reparatur, aber höhere Reibung.
  • Hydraulisch: Betätigung über Bremsflüssigkeit, bessere Dosierbarkeit und Bremskraft, aber höhere Kosten und Komplexität.

Bremsflüssigkeiten

Manche Hersteller verwenden DOT-(Auto-)Bremsflüssigkeit, andere Hersteller Mineralöl. Die zwei Arten der Bremsflüssigkeit sind nicht miteinander kompatibel.

Laufräder für Scheibenbremsen

Die Naben müssen über eine Aufnahme für die Scheibe verfügen. Ein Rad mit radialer Einspeichung ist nicht geeignet.

Nabenaufnahmen

Die meisten Naben verwenden die IS2000-Aufnahme (6-Loch). Shimano hat mit Centerlock ein eigenes System mit Vielzahnprofil und Verschlussring eingeführt.

Heiße Bremsscheiben

Bremsscheiben können sehr heiß werden und sollten nach einer Fahrt nicht angefasst werden.

Einteilige vs. Zweiteilige Bremsscheiben

IS oder 6-Loch-Scheiben bestehen oft aus einem Stück Edelstahl. Centerlock-Bremsscheiben haben immer ein inneres Profil aus Alu. Zweiteilige Scheiben mit Spider sind stabiler und resistenter gegen Verformungen.

Materialien der Bremsflächen

Die meisten Bremsscheiben sind aus massivem Edelstahl. Shimano hat mit „IceTech“ eine neue Verbundkonstruktion auf den Markt gebracht, bei der die Bremsflächen der Discs aus Stahl sind, während der Aluminiumkern in der Mitte besser in der Lage sein soll, Bremswärme abzuführen.

IceTech und Freeza

IceTech-Bremsbeläge werden mit Kühlrippen versehen. Bei der „Freeza“-Technik wird der IceTech-Alukern der Scheibe vergrößert und zu Kühlrippen geformt. Unter extremen Bedingungen kann der Alukern jedoch schmelzen.

Verwendung von Bremsscheiben anderer Hersteller

Grundsätzlich ja, aber Größe und Kompatibilität müssen stimmen. Manche Bremsscheiben dürfen nur mit organischen Belägen gefahren werden.

Metallische vs. Organische Beläge

  • Organisch: Weniger Metallelemente, bremsen besser, vor allem bei Nässe, und sind leiser.
  • Metallisch: Längere Lebensdauer und quietschen tendenziell mehr.

Einbremsen von Scheibenbremsen

Ja, unbedingt! Speziell bei organischen Belägen müssen die Beläge durch starkes Dauerbremsen im Gefälle auf über 200 Grad erhitzt werden.

Quietschende Scheibenbremsen

Wahrscheinlich sind die Beläge oder die Scheiben dreckig. Die Scheiben lassen sich mit Alkohol oder speziellem Bremsenreiniger reinigen. Die Beläge kann man mit feinem Sandpapier vorsichtig reinigen und anrauhen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0