Starrgabel oder Federgabel - das ist eine entscheidende Frage bei der Auswahl eines Laufrads für Kinder. Ob eine Federgabel sinnvoll ist oder nicht, hängt vor allem von Einsatzbereich und Fahrkönnen ab. Und natürlich davon, wie schwer das Laufrad sein darf, denn eine Federgabel erhöht das Gewicht.
Starrgabel: Die leichte Alternative
Eine Starrgabel aus Alu oder Carbon hat durchaus ihre Vorzüge, gerade am Anfang. Ein straffes Fahrwerk schult die Linienwahl, korrekte Gewichtsverlagerung und damit die Fahrtechnik. Vor allem profitiert das Kind vom geringeren Gewicht, weil es einfach schneller voran und auch etwas leichter die Berge rauf kommt.
Wer seinem Kind mehr Komfort bieten möchte, kann in erster Instanz auf breitere Reifen upgraden, sofern Rahmen und Gabel das zulassen.
Vorteile der Starrgabel:
- Geringes Gewicht
- Niedrige Anschaffungskosten
- Schult die Fahrtechnik
Allerdings sind sie grundsätzlich sehr stabil und zudem sehr leicht. Weiterhin ist die Starrgabel darauf ausgelegt, auf der Straße und nicht im Gelände gefahren zu werden. Denn die Belastung der Gabel im Gelände kann im Extremfall Fall zum Bruch der Gabel führen.
Federgabel: Mehr Komfort und Kontrolle
Erst wenn die Kids etwas größer und mit verbesserten Skills aktiver auf dem Laufrad unterwegs sind, werden Federelemente und damit eine bessere Dämpfung unumgänglich. Eine Federgabel ist zwar schwerer als eine Starrgabel, entschärft aber Bodenunebenheiten und hilft, das Vorderrad in der Spur zu halten.
Außerdem sind Bremsen an einer gefederten Front effektiver, weil die Stollen mehr Grip haben. Die Kinder behalten besser die Kontrolle über das Laufrad und meistern auch längere Touren ermüdungsfrei.
Die sogenannte Federgabel, zeichnet sich durch ein verbautes Federelement aus. Hierbei gibt es zwei Arten der Federung: Stahlfederung und Luftfederung. Stahlfedern sind in die Konstruktion der Gabel eingearbeitet und nehmen die Energie bei einem Federungsvorgang auf. Die Spannung der Feder, welche den Grad der Federung bestimmt, ist eingeschränkt einstellbar. Die Luftfederung hingegen bietet hierbei mehr Möglichkeiten. Ein individuell einstellbarer Luftdruck in der Gabel selbst, federt Erschütterung ab. Die Einstellung der Federung ist durch Anpassen des Luftdrucks sehr gut und in kleinen Abstufungen möglich. Beide Formen der Federgabel bieten je nach Modell einen Federweg von 50 bis 200 mm.
Vorteile der Federgabel:
- Entschärft Bodenunebenheiten
- Verbessert die Kontrolle
- Effektivere Bremsen
- Ermüdungsfreieres Fahren
Fully: Für anspruchsvolle Trails
Sobald die Kids ihr Fahrrad so gut beherrschen, dass sie in den heimischen Wäldern auch knackige und technische Trails sicher meistern. Das Bike mit Spaß und Speed über Wurzelteppiche jagen und durch Anlieger drücken. Und im Downhill-Modus mutig über die Drops hechten. Dann darf es gern ein bisschen mehr sein, dann ist ein Fully angesagt.
Bei vollgefederten Rädern gilt natürlich umso mehr: Der Hinterbau samt Gelenken und der Dämpfer machen das Bike im Vergleich zu einem Hardtail signifikant schwerer. Gute, also leichte und besonders sensible Dämpfer sind daher eine sinnvolle Investition.
Entscheidend ist auch, dass das Fully-Fahrwerk individuell eingestellt werden kann, damit es richtig funktioniert. Schließlich wachsen die Kids weiter, werden schwerer, also müsst Ihr das Setup jeweils anpassen; das geht bei einem Luftfahrwerk am besten und einfachsten.
Außerdem solltet Ihr darauf achten, dass Dämpfer und Federgabel aufeinander abgestimmt sind. Eine straffe Federgabel vorn, ein weicher Dämpfer hinten oder umgekehrt machen wenig Sinn.
Luftfeder oder Stahlfeder: Was ist besser?
Die meisten MTB-Fahrwerke arbeiten heute mit Hilfe von Luft, sowohl am Hinterbau als auch an der Federgabel. An bestimmten Biketypen sieht man aber immer öfter Federbeine mit Stahlfedern.
Das Grundprinzip einer Luftfederung lässt sich mit Hilfe einer normalen Fahrradluftpumpe anschaulich erklären und zugleich erspüren: Man zieht den Kolben heraus, hält mit dem Daumen die Auslassöffnung zu und drückt jetzt den Kolben gegen das Luftvolumen im Inneren des Zylinders. Der Kolben lässt sich nun mit einer gewissen Kraft ein Stück weit gegen die Luft drücken. Und er „federt“ wieder in die Ausgangsstellung zurück, wenn man den Druck weg nimmt.
Im Vergleich zur Fahrradpumpe ist das Luftvolumen in Federgabeln und Hinterbau-Elementen allerdings winzig klein. Folge: Damit es dem Gewicht von Fahrer und Bike überhaupt entgegen wirken kann, benötigt man eine Hochdruckpumpe, die - je nach System und Wunsch-Setup - bis zu 200 psi in die Luftkammer geben kann. Das entspricht rund 14 bar! Man kann sich also vorstellen, dass in einem Luftelement sehr gute Dichtungen benötigt werden.
Eine so genannte Druck- oder Schraubenfeder als Federelement kennt jeder. Sei es aus Kraftfahrzeug-Fahrwerken oder auch nur aus dem Kugelschreiber. In der Regel eine mit gleichbleibender Steigung gewundene Spirale aus Federstahl. Unkompliziert im besten Sinn: Zusammendrücken und zurückfedern lassen.
An Mountainbike-Fahrwerken findet man (hochwertige) Stahlfeder-Elemente hauptsächlich noch am Hinterbau, eher selten an Gabeln. Ausnahmen: Einzelne Federgabel-Modelle in der Günstig-Klasse, sowie ebenso vereinzelt Modelle im Segment Downhill/Freeride.
Luftsysteme: Vor- und Nachteile
- Vorteile:
- Einfach abstimmbar mit Hilfe HD-Pumpe
- Niedriges Systemgewicht
- Natürlicher Durchschlagschutz (Progression)
- Nachteile:
- Teils träges Ansprechverhalten wegen Dichtungen
- Progressive Kennlinie nicht immer erwünscht
- Höherer Wartungsaufwand als Stahlfedern
Stahlfedersysteme: Vor- und Nachteile
- Vorteile:
- Beste Ausnutzung des Federwegs (Linear)
- Große Federwege realisierbar
- Sehr feinfühliges Ansprechverhalten
- Nachteile:
- Unterschiedlich harte Federn zur Abstimmung nötig
- Durchschlaggefahr höher als bei Luft
- Hohes Systemgewicht
Federweg, SAG und Progression - Tipps zum Luftfahrwerk
Angenommen ein Fully hat einen Federweg von 150 mm an Gabel und Hinterbau. Dann sind diese 150 mm jedoch nicht zum reinen „schlucken“ von Hindernissen zu verstehen, sondern als Arbeitsbereich insgesamt. Denn ein gut eingestelltes Fahrwerk befindet sich stets in einer Art Schwebe. Dieser Idealzustand sollte entstehen, sobald sich der Fahrer auf das Bike setzt. Sinn der Schwebe ist, sowohl Hindernisse schlucken zu können (z. B. eine Schwelle oder ein Stein), als auch in Vertiefungen „hineinfedern“ zu können (z. B. Schlaglöcher).
Diesen Betrag, um den das Fahrwerk beim Aufsitzen einsinken sollte, nennt man SAG. Im Idealfall beträgt er ca. 20 - 30 Prozent des gesamt zur Verfügung stehenden Federwegs. Das Einstellen des SAG ist abhängig vom Körpergewicht des Fahrers/der Fahrerin und muss individuell über den Luftdruck erfolgen.
Federung am Laufrad: Ja oder Nein?
Ob der Einbau einer Federgabel oder die gewöhnliche Starrgabel am City- oder Trekkingrad vorteilhafter ist, hängt von den Fahrgewohnheiten und Vorlieben des Fahrers ab. Die Entscheidung für oder gegen eine Federgabel sollte je nach Fahrradtyp individuell fallen.
Klar, eine Federgabel hat unwidersprochen Vorteile. Sie erhöht nicht nur allgemein den Komfort. Sie erhöht auch die Sicherheit. Weil sie den Bodenkontakt hält und somit bessere Kontrolle ermöglicht. Und sie unterstützt eine aktive Fahrweise.
Das gilt aber nur für eine richtig eingestellte und funktionierende Federgabel! Und hier liegt schon eines der zentralen Probleme. Denn wer, außer engagierten Mountainbikern, stellt sich regelmäßig hin und justiert den Druck seiner Gabel? Erst recht, wenn es sich um ein Modell mit Luftkammer handelt. Selbst Modelle mit Stahlfedern, die man mit einem Drehknopf einstellen könnte, bekommen diesen Liebesdienst doch oft nicht.
Alternativen zur Federung
Eine viel sichere und zuverlässigere Alternative, oder besser: die Lösung, sind großvolumige Reifen, am besten mit hohem Pannenschutz. Mit weniger Luftdruck gefahren, dämpfen sie die allermeisten Unebenheiten und Vibrationen erfolgreich ab, ohne aufzuschaukeln, und rollen dabei auch noch wenigstens so leicht wie schlankere Ausführungen. Außer gelegentlichem Nachpumpen, das wohl jeder verinnerlicht hat, ist nichts weiter nötig.
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