Laufrad Schlag Beseitigen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Der Reifen am Fahrrad läuft unrund und eiert? Dann ist es Zeit, das Laufrad zu zentrieren. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie Laufräder mit etwas Geschick auch selbst zentrieren. Unter „zentrieren“ versteht man das Ausrichten einer montierten Felge im Laufrad über das gezielte Verändern der Speichen-Spannung.

So erzeugt man einen schlagfreien Rundlauf der Felge gegenüber der Laufachse sowohl in der Höhe als auch zur Seite. Es wurden zwar schon hunderte solche Anleitungen zum Laufräder zentrieren im Internet veröffentlicht, doch viele dieser Beschreibungen sind sehr unpräzise und werfen für einen Anfänger Fragen auf.

Die folgende Anleitung bezieht sich auf die allgemein üblichen Laufräder mit mehrfach gekreuzten Speichen. Ganz gleich, ob 32 oder 36 Speichen, ob 26“, 27,5″ oder 28“/29″, ob Vorder- oder Hinterrad, ob eindickend oder doppeldickend Speichen, ob Alu- oder Messing-Speichennippel.

Das Laufrad

Bevor ich mit einer Beschreibung des Zentrierens beginne, macht es aus meiner Sicht sehr viel Sinn, sich ein Laufrad mal etwas genauer anzusehen. Das fördert das Verständnis für die einzelnen Handgriffe beim Zentrieren. Ein Laufrad besteht aus der Nabe, der Felge und den Speichen samt der Speichennippel. Schlauch und Reifen ignorieren wir an dieser Stelle, denn sie würden das Zentrieren nur erschweren bzw. behindern.

  • Die Nabe: Die Nabe besteht „im Wesentlichen“ aus einer Achse und einem umlaufenden Nabenkörper. Die Achse ist später im Fahrradrahmen fest eingespannt und der Nabenkörper bewegt sich über die Lager bei der Fahrt um diese Achse herum. Diese Nabe hat auf beiden Seiten einen Flansch mit den Speichenlöchern.
  • Speichen und Speichennippel: Über die Speichen und die aufgeschraubten Speichennippel wird dieser Nabenkörper mit der Felge verbunden. Dabei werden die Speichen von beiden Seiten der Nabe immer abwechselnd in die Felgenlöcher geführt: links - rechts - links - rechts - usw. Die erforderliche Spannung der einzelnen Speiche wird dabei über das Anzugsmoment des Speichennippels auf der Speiche erzeugt.

Die Speichen tragen ein Rechts-Gewinde. Das bedeutet (von außen betrachtet): Drehung am Speichennippel nach rechts erhöht die Spannung einer Speiche im Laufrad, Drehung nach links reduziert die Spannung. Für die Montage bzw. Demontage der Speichennippel trägt der Speichennippel stirnseitig einen Schlitz für einen Flach-Schaubendreher und am anderen Ende ein Vierkant-Profil für die Betätigung per Nippelspanner. Alle Speichen gemeinsam halten diese Verbindung zwischen Nabe und Felge permanent aufrecht und müssen im Fahrbetrieb sämtliche Belastungen abfangen: schweres Gewicht, Schläge, große Temperaturunterschiede und andere Einflüsse. Damit der Verbund aus Nabe, Felge und Speichen ausreichend stabil ist, müssen die Speichennippel also entsprechend „fest“ angezogen sein. Man kann die Spannung der Speichen per Messgerät messen oder auch auf andere Weise „prüfen“.

Die Auswirkung der Speichenspannung

Um besser zu verstehen, welche Auswirkungen die Speichenspannung auf den Rundlauf der Felge und die Stabilität des Laufrades hat, helfen ein paar theoretische Übungen. Wir stellen uns dafür vor, alle Speichen wären ausreichend fest zwischen Nabenkörper und Felge gespannt und die Felge würde im Rundlauf exakt mittig geführt und hätte keinen Höhen- oder Seitenschlag.

  1. Gedanken-Übung: Wenn wir jetzt einen einzigen Speichennippel per Nippelspanner fester anziehen (sagen wir mal 2 Umdrehungen), verkürzt sich der Abstand zwischen der Nabe und der Felge an genau dieser Stelle. Die Folge: die Felge hat nun einen Höhenschlag und einen Seitenschlag.
  2. Gedanken-Übung: Wir nehmen wieder unser perfekt schlagfrei laufendes Laufrad und ziehen nun alle Speichennippel der Speichen, die vom linken Nabenflansch ausgehen, um 1 Umdrehung an (also nur jede zweite Speiche entlang der Felge). Was passiert? Die Felge wandert gegenüber der Nabe um Maß x nach links. Gleichzeitig erhöht sich die Spannung auf allen Speichen.
  3. Gedanken-Übung: Wenn wir dagegen an sämtlichen Speichen die Speichennippel um den gleichen Betrag fester ziehen, dann erhöhen wir die Speichenspannung im gesamten Laufrad, ohne dass dabei (theoretisch) Höhen- oder Seitenschläge entstehen oder die Lage der Felge zur Nabe verändert wird.

Fazit: Genau diesen Zusammenhang macht man sich beim Zentrieren zunutze. Durch gezieltes Anziehen oder Lösen der einzelnen Speichennippel erzeugt man Schritt für Schritt eine mittige Position der Felge auf der Nabe, eine gewünschte Veränderung der Speichenspannung und / oder eine Reduzierung der Höhen- und Seitenschläge. Dafür muss man nur den betreffenden Bereich der Felge lokalisieren und die entsprechend betroffenen Speichen in diesem Bereich „behandeln“.

Das Werkzeug fürs Laufräder zentrieren

  • Nippelspanner: Der Vierkant am Speichennippel ist relativ klein und hat demzufolge auch nur sehr kleine Kontaktflächen. Im Gegenzug dazu muss der Nippel bei Montage und Demontage aber enorme Kräfte übertragen. Dementsprechend ist es ratsam, einen hochwertigen Nippelspanner zu verwenden, der den Vierkant am Speichennippel möglichst formschlüssig umschließt. Es gibt 3 verschiedene Schlüsselweiten beim Speichennippel: 3,23 mm (am gängigsten) / 3,3 mm oder 3,45 mm.
  • Schraubendreher: Der Schlitz-Schraubendreher ist lediglich für die Montage oder Demontage der Speichennippel im entspannten Zustand notwendig bzw. sinnvoll.
  • Zentrierständer: Der Zentrierständer erleichtert das Laufräder zentrieren enorm, stellt aber direkt eine richtige Investition dar. Man kann nämlich zur Not auch den Fahrradrahmen als Zentrierbehelf verwenden.
  • Tensiometer: Zur Messung der Speichenspannung verwendet man ein Tensiometer (Speichenspannungsmesser). Dieses Werkzeug ist teuer. Aber es ist nicht wirklich erforderlich, wenn du nur ab und zu Laufräder zentrieren willst und deren Felgen nicht aus Carbon bestehen.

Die Arbeitsfolge beim Laufräder zentrieren

Das Zentrieren besteht aus mehreren verschiedenen Arbeitsschritten und dient dem Erreichen der folgenden Ziele:

  • Die Felge läuft mittig zur Achse
  • Das Laufrad zeigt keine Höhenschläge
  • Das Laufrad zeigt keine Seitenschläge
  • Die Speichenspannung ist korrekt eingestellt.

Die Reihenfolge der Arbeiten im Prinzip:

  1. Eine leichte Speichenspannung erzeugen
  2. Höhenschläge beseitigen
  3. Seitenschläge beseitigen
  4. Felge einmitten
  5. Speichenspannung rund um das gesamte Laufrad gleichmäßig erhöhen.

Anleitung: Wie du bei deinem Laufrad die Acht reparierst

  1. Welches Werkzeug benötigst du zum Fahrrad zentrieren?

    Nippel- Speichenspanner oder Speichenschlüssel kostet zwischen 5 bis 10 Euro. Bei Multitools ist ein Speichenschlüssel dabei. Willst du genauer und häufiger dein Laufrad zentrieren, dann benötigst du noch diese Tools: Zentrierständer, da erkennst du Höhen- und Seitenschläge direkt. Die Spannung der Speichen überprüfst du mit einem speziellen Messgerät.

  2. Seitenschlag entfernen:

    Stelle dein Fahrrad auf den Kopf und hänge die Bremse aus. Entferne den Reifen, so erkennst du einen Höhenschlag.Danach drehe das Rad langsam und schaue, an welcher Stelle es ausschlägt. Markiere den Bereich mit einer Kreide oder Stift.

    Faustregel bei seitlichen Felgenschlag: Schlägt die Felge nach rechts, ziehe die linken Speichen fest oder löse leicht die rechten Speichen. Umgedreht ziehst du die rechten Speichen fest, wenn das Rad nach links ausschlägt.

    Probiere zuerst mit einer Viertel bis max. halbe Umdrehung, wenn die Felge heftig ausschlägt. Drehst du zu viel, geht die Felge in die andere Richtung. Dann fängt die Fummelei an und viel Geduld ist gefragt. Achte darauf das der Speichenschlüssel genau passt, ansonsten drehst du den Nippel rund.

  3. Höhenschlag deiner Felge reparieren:

    Ziehe den Reifen ab und suche den Bereich, wo das Rad eiert und markiere ihn.

    Faustregel bei Höhenschlag: Geht die Felge nach außen spanne dort die Speichen. Reicht das nicht, ziehe die andere Seite auch nach. Bewegt das Rad sich nach innen lockere die Speichen.

    Höhenschläge siehst du mit dem Zentrierständer besser.

  4. Überprüfen:

    Schau, ob die Felge noch rund läuft und nicht wieder zur Seite ausschlägt. Danach kontrolliere die Spannung aller Speichen. Drücke mit der Hand immer zwei zusammen. Genauer ist es mit dem Speichenmesser, der ist für Hobbyradler preislich etwas übertrieben.

    Damit misst du die Spannung der Speichen.

  5. Als Letztes drücke dein Laufrad ab:

    Lege die Felge auf den Boden und drücke mit beiden Händen drauf. Wiederhohle das 2 bis 3 Mal für beide Seiten. Prüfe nochmals die Felge.

Dein Fahrrad Achter ist noch nicht weg, dann bringe es in die Werkstatt. Der Monteur verlangt zwischen 15 bis 20 Euro je nach Region und Schwierigkeit. Bringe nur die Felge ohne Reifen zur Werkstatt, sonst berechnen sie dir noch den Ausbau extra. Die professionelle Reparatur ist sinnvoll bei hochwertigen Laufrädern. Ansonsten überlege dir eher ein neues Laufrad zu kaufen.

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