Laufrad selber bauen – Eine umfassende Anleitung

Ein Laufrad selbst zu bauen, ist eine großartige Möglichkeit, dein Fahrrad nach deinen persönlichen Vorlieben zu gestalten und es speziell auf deine individuellen Bedürfnisse abzustimmen. Es erfordert Geduld, das richtige Werkzeug und ein wenig Geschick. Im Wesentlichen ist der Bau eines Laufrads keine Raketenwissenschaft.

Warum ein selbstgebautes Laufrad?

Jeder Radfahrer genießt sein Fahrerlebnis auf andere Weise. Aus persönlichen Erfahrungen beim Radeln werden individuelle Vorlieben. Dabei spielen technische Fragen genauso eine Rolle wie die Optik. Wer gerne Fahrrad fährt, liebt sein Gefährt, und es entsteht eine innige Beziehung zwischen Fahrer und Rad. Geschmäcker sind verschieden, daher sind der Kreativität beim Laufradbau keine Grenzen gesetzt.

Wer ein Laufrad selbst bauen möchte, muss sich in erster Linie darüber klar sein, welchen Nutzen ein Laufrad hat und welches Laufrad für die Art des Fahrradfahrens am besten ist. Denn natürlich unterscheiden sich Laufräder von Rennrädern von denen bei Mountainbikes. Beim Laufradbau steht also die Frage im Mittelpunkt, was ein Rad können muss und welche Einzelteile dafür passend sind. Wichtig ist zum Beispiel die Belastbarkeit, der Luftwiderstand beim Fahren und das Verhalten beim Bremsen.

Die Komponenten eines Laufrads

Ein Laufrad besteht von innen nach außen aus einer Nabe, einer Anzahl Speichen mit Speichennippeln und einer Felge. Alles Weitere, der Freilauf etwa, Kassette, Achse, Bremsscheiben oder Reifen, wird in anderen Beiträgen behandelt. Wie sorgfältig diese Bauteile ausgesucht und miteinander kombiniert werden, entscheidet über die Lebensdauer des Rads.

Die Felge

Die Felge bildet quasi das erste Grundgerüst, wenn das Laufrad selbst gebaut wird. Sie sind entweder zusammengesteckt oder verschweißt und bestehen mittlerweile vorwiegend aus Aluminium. Früher wurde häufig auch Stahl verwendet. Das nun leichtere Gewicht und die Rostfreiheit sorgen für eine längere Lebensdauer. Wie bei den Speichen wirkt sich auch die Form der Felgen auf den Luftwiderstand beim Fahren aus. Die Felgenbreite beeinflusst dabei die Steifigkeit. Eine Felge mit einem flachen und kantigen Profil ist nicht empfehlenswert.

Felgen waren früher oft aus Stahl, werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt. Alu-Felgen sind dabei günstiger und Carbonfelgen präzise nach der gewünschten Steifigkeit oder Flexibilität konstruierbar. Aluminium lässt sich zudem farbig eloxieren und macht so individuellen Gestaltungsspielraum bei Laufrädern möglich.

Die Nabe

Naben beeinflussen das Fahrgefühl nur minimal. Sie müssen lediglich zuverlässig sein. Gute Naben sind auch gar nicht so teuer. Naben besitzen entweder austauschbare Industrielager oder einstellbare Kugel- und Konuslager. Diese sind praktischer, weil sie einfach gewartet werden können. Wer allerdings vergisst, sie regelmäßig zu schmieren und die Einstellung zu überprüfen, riskiert mit der Zeit einen Schaden am Laufrad. Die Industrielager müssen bei einem Verschleiß komplett getauscht werden, was nicht so einfach ist, da hierfür spezielles Werkzeug notwendig ist.

Nabenkörper werden aus Aluminium hergestellt. Vorderradnaben für Felgenbremsen sind symmetrisch; bei Scheibenbremsnaben braucht die Bremsscheibe linksseitig Platz, weshalb der linke Flansch eingerückt wird. Hinterradnaben sind viel öfter asymmetrisch, da sie antriebsseitig der Kassette Platz machen müssen. Symmetrische Hinterradnaben finden sich an Singlespeed- oder Bahnrädern.

Die Speichen

Speichen am Laufrad haben anders als die Nabe schon wesentlich mehr Einfluss auf die aerodynamischen Verhältnisse. Sie sind rund oder flach in der Form. Die Aerodynamik schwächelt, je runder die Speichen ausfallen. Nachteil der flachen Speichen ist der deutlich teurere Preis. Allgemein ist wichtig, dass verbaute Speichen idealerweise eine hohe Elastizität aufweisen, um von einer langen Lebensdauer zu profitieren. Welche und wie viele Speichen im Laufrad geeignet sind, hängt von der Nutzung ab. Es gibt unterschiedliche Längen und auch die Qualität des Materials fällt verschieden aus. Meist werden in einem Laufrad 36 Speichen verbaut, die dreifach gekreuzt sind. Es gibt hier aber viele weitere Gestaltungsvarianten. Je größer Durchmesser und Länge der Fahrradspeichen ausfallen, desto instabiler kann ein Laufrad werden.

Die Speiche ist ein Draht aus Stahl; ihre Anzahl und Vorspannung ergeben die Stabilität des Laufrads. Üblicherweise sind Fahrradspeichen am Kopf und am Gewinde 2 Millimeter stark. Die Qualitäts-, Preis- und Gewichtsunterschiede von Speichen finden sich in ihrer Form und Stärke.

Speichenarten:

  • Glattspeichen: durchgängig von derselben Stärke
  • Eindickendspeichen: Speichenbogen verstärkt
  • Doppeldickendspeichen: im langen, graden Teil schlanker
  • Messerspeichen: mit ovalem Querschnitt

Der Nippel

Es handelt sich dabei um die Verbindung zwischen Felge und Speiche im Laufrad. Ein Speichennippel wird jeweils in einem Loch der Felge verbaut. Beim Einspeichen können die Speichen dann nach und nach festgespannt werden. Die Nippel sind aus Aluminium oder Messing, wobei jedes Material seine Vor- und Nachteile hat.

Der Nippel hat innen ein Gewinde und wird auf die Speiche geschraubt. Dafür wird er von außen durch die Felge auf die Speiche gesteckt und mit dem Kopf gegen den Felgenboden verschraubt. Zur leichteren Montage haben die meisten Nippel einen Schlitz im Kopf, manche Nippelköpfe sind auch mit einem Sechskant versehen oder haben die Form eines Innensechsrund-Schlüssels, auch Torx genannt. Ein passender Nippelspanner, auch Speichenschlüssel genannt, verhindert unnötigen Verschleiß am Nippel.

Werkzeuge für den Laufradbau

Es ist eine Legende, dass gute Laufräder nur mit Spezialwerkzeug angefertigt werden können. Das stimmt aber nicht. Im Prinzip reicht eine Ausstattung mit Schlitz-Schraubenzieher, Nippeldreher beziehungsweise -spanner, Zentrierstand, Zentrierlehre und einem Tensiometer. Das Tensiometer wird verwendet, um die Spannung der Speichen zu messen. Ein elektrischer Schraubenzieher rundet das Werkzeug-Set für den Laufradbau ab.

  • Zentrierständer
  • Zentrierlehre
  • Nippelspanner
  • Speichentensiometer

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Laufradbau

Neben der Auswahl der Einzelteile ist natürlich auch wichtig, die Arbeitsschritte in einer sinnvollen Reihenfolge durchzuführen. Sorgfalt beim Bau steigert dabei die Haltbarkeit und macht das Laufrad so perfekt wie möglich.

1. Vorbereitung

Zuerst einmal sollte man sich alle benötigten Teile zurechtlegen, damit man später nicht abgelenkt wird.

2. Einspeichen

Wir beginnen nun die ersten 2 Speichen einzufädeln, nachdem wir uns entschieden haben welche Richtung Druck- und Zugspeiche haben sollen. Die Löcher werden zum jeweiligen Flansch hin ausgerichtet. Bei manchen Felgen z.B. In dem Foto wird von der linken Seite der Nabe ausgehend an der Felge das erste Loch links und das zweite Loch rechts vom Ventilloch verwendet, dies wird gemacht damit das Ventil möglichst viel Freiraum hat. Fängt man auf der rechten Seite an (wo der Flansch üblicherweise kleiner ist), ändern sich die Löcher natürlich auch entsprechend: An der Felge zweites Loch links und erstes Loch rechts vom Ventilloch. Aber eben nur wenn der Versatz oder die Ausrichtung der Felgenlöcher überein stimmt, falls vorhanden.

Tip: Falls ein Nabenflansch größer ist, sollte man jedoch entgegen dem Foto mit dem kleineren Flansch beginnen, denn das einfädeln geht auf der zweiten Seite dann einfacher. Tip2: Die Nippel sollte man zu beginn nur ganz wenig einschrauben. dann tut man sich später leichter. Ich benetze die Speichenenden vorher mit Leinöl.

Nun eine weitere Speiche mit Kopf nach aussen einfädeln. unterkreuzt werden muss d.h. über die Kopf innen Speiche gezogen. Nun werden alle 6 weitere Speichen mit Kopf nach aussen eingefädelt. Immer noch auf der selben Nabenseite folgen nun alle 7 weiteren Speichen mit Kopf nach innen. Die beiden rot markierten Speichen müssen in die selbe Richtung zeigen.

Nun kommt die zweite Laufradseite und man muss noch einmal etwas acht geben. In diesem Schritt wird nur eine Speiche mit Kopf nach aussen eingefädelt, dort wo sich die Speichen auf der anderen Seite kreuzen. Speiche haben muss. Wie man auf dem Bild sieht, sind die Löcher auf der anderen Flanschseite etwas versetzt. am Flansch sitzt d.h. beim Vorderrad auch üblich ist. Das einfädeln der Kopf aussen Speichen auf der zweiten Seite ist am schwersten.

Man fädelt nun nacheinander alle 8 Speichen mit Kopf nach aussen ein. Nun fehlen nur noch die weiteren 8 Speichen mit Kopf nach innen, die wir wieder unterkreuzen müssen. so wie im Bild aussehen.

3. Zentrieren

Beim Zentrieren des zusammengebauten Laufrades sind mehrere Durchläufe notwendig, denn ohne gleichmäßig hohe Spannung wird das fertige Rad den Anforderungen nicht gerecht. Nun sollte man alle Nippel möglichst gleichmäßig aufschrauben, man kann sich hier am Speichengewinde orientieren. später viel Arbeit beim zentrieren. Dann alle Speichen auf Spannung bringen, jedoch alle mit gleicher Umdrehung anziehen. Mittigkeit kontrollieren und falls nötig, eine Seite anziehen, die andere lösen. Dann Höhen- und Seitenschläge beseitigen. Zum Schluss korrigiere ich einzelne Speichen die weit vom Wert abweichen. Das Rad sollte danach noch rund genug laufen.

Hinweise und Tipps

  • Leinöl verwenden: Ich benetze die Speichenenden vorher mit Leinöl. Das Leinöl erfüllt dabei gleich mehrere Funktionen: es schmiert das Gewinde beim Laufradbau, verharzt nach einiger Zeit, bleibt dabei aber so weich, dass die Speiche zu jeder Zeit nachgespannt oder gelockert werden kann.
  • Drehrichtung beachten: Man sollte die Drehrichtung von Zug- und Druckspeichen beachten. Shimano dreht bei Disclaufrädern am Hinterrad noch einmal zusätzlich die Drehrichtung links, was auch die meisten anderen Hersteller machen.
  • Speichenspannung: Das Kriterium für ein gutes Laufrad ist die Vorspannung der Speichen. Diese sollte hoch und gleichmäßig verteilt sein, so dass auch die Nippel immer festbleiben.

Fazit

Ein Laufrad selbst zu bauen, ist heute kein Problem mehr. Selbst Laien können sich mit etwas Übung und Geduld beim Einspeichen ihr individuelles Laufrad gemäß den Nutzungsanforderungen und Vorlieben zusammenschrauben. Dabei sollten allerdings hochwertige und dem Zweck angemessene Komponenten ausgewählt werden. Das Laufrad muss am Ende zuverlässig und beständig funktionieren, weil davon auch die Sicherheit beim Fahrradfahren abhängt.

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