Laufrad Zentrierständer selber bauen – Eine Anleitung

Laufradbau ist eine Fähigkeit, die jeder Radfahrer beherrschen sollte. Es ist ein netter Zeitvertreib und eine sinnvolle Alternative zum Fernsehen. Wer seine Laufräder selbst aufbauen oder reparieren möchte, benötigt einen Zentrierständer. Hochwertige Zentrierständer sind teuer, während günstigere Modelle oft an Stabilität mangeln. Mit etwas Geschick und einfachen Mitteln lässt sich ein Zentrierständer jedoch auch selbst bauen.

Ich baue meine Laufräder schon seit über 15 Jahren selbst, weil sich auch hier die alte Bauernweisheit bewahrheitet hat: Wenn man es richtig gemacht haben will, dann muss man’s selber machen. Auslöser war, dass sich bei meinem Stuttgart-Nordkapp Abenteuer Speichen gelockert hatten, und das obwohl ich dem Laufradbauer gesagt hatte, dass es wichtig sei, dass die Laufräder solide sind. Schließlich beschränkten sich damals meine technischen Fähigkeiten was Fahrräder anging auf Platten reparieren - das war’s. In der Zwischenzeit habe ich dann aber das eine oder andere dazugelernt.

Theoretisch braucht man eigentlich keinen Zentrierständer, wenn man nur gelegentlich ein Laufrad bauen oder reparieren muss. Mit etwas Improvisationstalent geht das auch eingebaut im Fahrradrahmen. Aber spätestens, wenn einem die Frickelei am Rad im Rad so langsam auf die Nerven geht, wird’s Zeit für eine bessere Lösung. Unzufrieden mit den billigen käuflich erhältlichen Lösungen und unwillens, mehrere hundert Euro für etwas Hochwertiges auszugeben, habe ich mich mal im Baumarkt umgeschaut, und das ist das Ergebnis - ein Zentrierständer selbst gebaut:

Sicher gibt es bessere und schönere Lösungen, aber mir war wichtig, dass mein selbst gebauter Zentrierständer in erster Linie billig und simpel ist und mit meinen bescheidenen Mitteln (Bohrmaschine, Feile, usw.) gebaut werden konnte. Im Folgenden eine Kurzanleitung, wie Sie einen solchen Zentrierständer selbst bauen können.

Materialliste

  • 2x Aluprofil 30 x 30mm, 1m lang
  • Einige passende Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben (bei Hornbach und Bauhaus kann man einzelne kaufen)
  • Einige (alte) Speichen
  • Einige Kabelbinder

Werkzeug

  • Bohrmaschine mit Metallbohrern in passender Größe
  • Körner zum Ankörnen der Bohrlöcher (zur Not tut’s ein Nagel)
  • Ggf. etwas Öl zum Bohren
  • Kleine Metallsäge
  • Rundfeile, am besten groß und klein
  • Schmirgelpapier
  • Was zum Messen
  • Bleistift zum Anzeichnen

Bauanleitung

  1. Fuß des Zentrierständers bauen: Der Fuß wird aus den beiden Winkelprofilen gefertigt. Bohren Sie beidseitig je ein Loch in die Profile. Bevor die Profile verschraubt werden, bearbeiten Sie die Bohrungen für die Montage der senkrechten Holme. Bohren Sie in ein Aluprofil zwei Löcher übereinander mit 20 cm Abstand zur Außenkante. Setzen Sie zwei weitere Bohrungen 30 cm und 33,5 cm von der Außenkante entfernt. Verwenden Sie das gebohrte Profil als Bohrschablone für das zweite Profil.
  2. U-Profile vorbereiten: Arbeiten Sie in die U-Profile auf den Oberseiten Ausschnitte ein. Diese Ausschnitte dienen später als Aufnahmen für die Radachse.
  3. Holme montieren: Verschrauben Sie die vorbereiteten U-Profile mit dem Zentrierständerfuß. Befestigen Sie das erste Profil über die vordere Lochreihe am Fuß mit Schrauben, Unterlegscheiben und Muttern. Dieser Holm wird fest montiert. Bringen Sie das zweite Profil mit Schrauben und Flügelmuttern am Fuß an, um es beweglich zu halten.
  4. Seitliche Taster anbringen: Verwenden Sie alte Fahrradspeichen, um die seitlichen Taster zu konstruieren. Bohren Sie vier Löcher in jeden Holm, je zwei Löcher neben- und untereinander, um die Speichen zu befestigen.

Weitere Tipps:

  • Beide Profile in der Mitte durchsägen.
  • Zwei Hälften gegeneinander verschrauben, dazu außen jeweils ein Loch bohren.
  • In die senkrechten Holme Aufnahmen für die Radachse rein sägen/feilen.
  • Diese unten mit jeweils 2 Schrauben befestigen (siehe Bild).
  • Abstand der Holme: 100mm bzw. 135mm für Hinterräder, ein Holm ist fest, der andere wird mit Flügelmuttern entsprechend befestigt um ihn schnell versetzen zu können.
  • Ggf. weitere Bohrungen für Boost oder Fatbikenaben anbringen.
  • Senkrechten Holme: geringfügig teurer, aber verwindungssteifer durch Verwendung quadratischem Profile.
  • Seitliche Taster/Sonden: am einfachsten 2 Kabelbinder über kreuz (auch verschiebbar).
  • Alternativ fixe Position: Löcher bohren und Kabelbinder durchziehen (siehe Bild).
  • Taster für Höhenschlag ist eigentlich nicht nötig, das lässt sich auch mit den seitlichen Tastern improvisieren.
  • Einmitten ohne Einmittungslehre: öfter mal Rad um 180° drehen.
  • Die Achsaufnahme.
  • Sonden/Taster aus Speichen mit Kabelbinder befestigt.

Die meisten Felgen, die für Abenteuerradler in Frage kommen, sind in einem gewissen Toleranzbereich ohnehin nicht perfekt rund. Das liegt am Herstellungsprozess - gesteckt und nicht geschweißt - das muss man akzeptieren und damit leben. Es würde sich auch negativ auf die Qualität des Laufrads auswirken, wenn man nun mit aller Kraft versuchen würde es „perfekt“ rund zu machen. Abgesehen davon ist die Toleranz im Rundlauf bei Reifen oft auch um ein Vielfaches größer.

Kommerzielle Zentrierständer

Wer sich nicht ganz sicher ist, lieber keine Experimente machen und doch lieber gleich was „Richtiges“ will, der sollte sich unbedingt mal den Tacx T 3175 Exact Zentrierständer anschauen.

Über den Unior Zentrierständer kann ich zwar nichts sagen, der sieht für mein dafür halten aber auch ganz ok aus.

Der Park Tool Zentrierständer TS-2.2 bzw der TS-2.2P ist dann preislich schon gehobene Mittelklasse, ebenso wie der von Super B, der hat sogar standardmäßig schon Meßuhren dabei!

Die absolute Luxusklasse und natürlich „nice to have“ ist der Zentrierständer von DT-Swiss, hier muss man aber schon sehr viele Laufräder bauen um diese Investition zu rechtfertigen …

Laufradbau-Werkzeug

  • Spokey Speichenspanner, meiner Meinung nach der Beste Speichenschlüssel
  • Park Tool Zentrierlehre - muss sein.

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