Leichte Carbon-Laufräder machen schnelle Rennräder noch schneller. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel wie Carbon- und Aerolaufräder. Die Entscheidung zum Kauf der teuren Lightweight Obermayer EVO treffen wohl die wenigsten von uns mal nebenbei. Lohnt sich die Investition?
In diesem Artikel werden die wichtigsten Aspekte beim Kauf von leichten Carbon-Laufrädern für Rennräder beleuchtet. Es werden verschiedene Modelle und Hersteller verglichen, um einen umfassenden Überblick über den Markt zu geben.
Was macht ein gutes Carbon-Laufrad aus?
Letztlich geht es den meisten Radsportlern darum, bei den Laufrädern einen möglichst optimalen Kompromiss aus Aero-Vorteilen und einem in der Relation dazu niedrigen Gewicht und einer geringen Seitenwindanfälligkeit zu finden. Die „goldene Mitte“ bilden hier in der Regel die Varianten mit Felgenhöhen zwischen 45 und 55 Millimetern.
Die wichtigsten Kriterien sind:
- Aerodynamik: Wie gut schneidet das Laufrad durch den Wind?
- Gewicht: Wie leicht ist das Laufrad, was sich besonders bergauf bemerkbar macht?
- Seitensteifigkeit: Wie verwindungssteif ist das Laufrad, was sich auf die Kraftübertragung und das Handling auswirkt?
- Preis: Wie viel kostet das Laufrad und ist es sein Geld wert?
Getestete Modelle und ihre Eigenschaften
Im Folgenden werden einige der getesteten Laufräder und ihre Eigenschaften vorgestellt:
- Shimano Ultegra C36: Ein leichter, aerodynamisch-optimierter Allrounder für Rennräder.
- Campagnolo Shamal C23: Carbon-Hochprofil-Laufräder für den Allround- und Gravel-Einsatz.
- Aerycs GCX Terra 50: Aerodynamische Gravel-Race-Disc-Laufräder mit hoher Seitensteifigkeit und starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Leeze CC58 Disc Evo Waso: Leichte Allround-Laufräder mit Top-Werten beim Luftwiderstand.
- Fulcrum Sharq: Der italienische Hersteller präsentiert einen leichten Allroad-Laufradsatz mit charakteristischem Wellen-Design.
- Newmen Streem Climbing: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm!
- Mavic Cosmic SL 32: In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort.
Aero-Laufräder im Windkanal
Aero-Laufräder machen schneller - dies ist ein Fakt. Doch um wie viel und mit welchen Nachteilen? In diesem Aero-Laufräder-Test fokussierten wir uns deshalb auf Modelle mit Felgenhöhen zwischen 55 und 65 Millimetern. Die Preisrange: von 899 bis 2700 Euro. Alle getesteten Laufräder sind mit Carbonfelgen aufgebaut und für Scheibenbremsen ausgelegt.
Die Aerodynamik-Messungen nahmen wir im GST-Windkanal in Friedrichshafen vor. Die beiden Parameter, die im Mittelpunkt standen: Luftwiderstand und Seitenwind-Empfindlichkeit. Deshalb verglichen wir die Test-Modelle auch mit einem „normalen“ Referenzlaufradsatz: den DT Swiss E 1800 Spline mit 23 Millimeter hohen Alufelgen und einem Gewicht von 1697 Gramm.
Bei der alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus - das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht. Somit ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen, was auch den üblichen Testverfahren entspricht.
Die Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde durchgeführt, wobei die Räder mit der gleichen Geschwindigkeit durch eine Walze angetrieben wurden, um realistische Verhältnisse zu erhalten. Damit auch Seitenwindverhältnisse beurteilt werden können, dreht sich der Prüfstand während der Messung von plus nach minus 20 Grad.
Der Referenzlaufradsatz erzielte hier 19,4 Watt, der „Aero-Sieger“ Swiss Side 10,4 Watt - damit zeigte sich ein Leistungsgewinn von ganzen neun Watt bei 45 Kilometern pro Stunde.
Ergebnisse des Windkanaltests
Mit dem Aero-Testsieger Swiss Side würde man nun mit 45,43 km/h statt der Basisgeschwindigkeit von 45 km/h fahren.
Ein wichtiges Ergebnis: Die 65-Mililimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf, was auf der Straße bei böigem Seitenwind sehr deutlich spürbar und bei Stürmen teils kaum noch beherrschbar ist.
Gewicht und Seitensteifigkeit
Leichte Laufräder beschleunigen besser und haben bei höhenmeterreichen Touren und Radmarathons Vorteile. Das Gewicht aller Laufräder wurde einschließlich der aufgezogenen Felgenbänder ermittelt - dies erklärt teilweise die Differenzen zu den Herstellerangaben.
Testsieger beim Gewicht wurden die Aero-Laufräder von Newmen mit 1429 Gramm - gefolgt von den Engage-, 1487, und den Specialized-Roval-Modellen, 1503 Gramm.
Wir belasteten die Laufräder seitlich mit einem Gewicht von fünf Kilogramm beziehungsweise 50 Newton, maßen dabei die Nachgiebigkeit ergo Elastizität der Felge und verrechneten dies zur Seitensteifigkeit.
Die besten Seitensteifigkeiten lieferten die Modelle von DT Swiss, Edvelo und Swiss Side mit je 24 Speichen - sowie die Newmen mit ihren 21 Carbon-Speichen.
Carbon Speichen
Die Lösung ist plausibel und smart zugleich: In beiden Laufrädern befinden sich jeweils 21 Carbon-Speichen. Newmen spricht in diesem Zusammenhang von 140 Gramm Gewichtsersparnis. Speichen aus Carbon sind aktuell ein neuer Trend im Laufradbau.
Die Speichen werden grundsätzlich nur auf Zug belastet, somit ist Carbon hier der ideale Werkstoff.
Michael Grätz, Chef der deutschen Marke Newmen, baut unter dem Markennamen Vonoa einen Europa-Vertrieb für diese Speichen auf und erklärt weitere Vorteile des Materials gegenüber klassischen Speichen aus Stahl: “Carbon ist, relativ gesehen, nicht nur leichter, sondern auch steifer. Das heißt, die Laufräder werden stabiler, oder umgekehrt brauche ich für eine vergleichbare Steifigkeit etwa drei Speichen weniger”, berichtet er. Weil sich Carbonspeichen nicht dehnen, vertragen sie eine höhere Spannung.
Fazit: Welches Laufrad ist das richtige?
Nach dem Lesen und Durcharbeiten dieses Testberichtes wird klar: Den einen ultimativen Testsieger kann es nicht geben. Ein Aero-Laufradsatz kann nicht in allen Technik-Disziplinen „der Beste“ sein.
Ein Aero-Laufradsatz kann nicht in allen Technik-Disziplinen „der Beste“ sein. Deshalb unterteilen wir unsere Ergebnisse in mehrere Kategorien:
- Aerodynamik-Sieger: Swiss Side
- Leichtgewicht: Newmen
- Preis-Leistung: Edvelo
- Allround-Eigenschaften: Engage
- Race: Specialized-Roval
Tabelle: Übersicht der getesteten Laufräder
| Modell | Gewicht (g) | Felgenhöhe (mm) | Preis (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Shimano Ultegra C36 | 1488 | 36 | ~1200€ | Allrounder, aerodynamisch optimiert |
| Newmen Streem Climbing | 1200 | 35-38 | ~1500€ | Sehr leicht, gute Spurtreue |
| Swiss Side Hadron² Ultimate 625 Disc | - | 62.5 | - | Aero-Sieger im Windkanal |
| DT Swiss ARC 1100 Dicut 38 | 1324 | 38 | - | Aero, leicht |
| Cadex 36 | 1300 | 36 | ~2700€ | Leicht, stabil, breite Felge |
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