Leichte Regenjacke für Radfahrer im Test: Schutz und Komfort im Vergleich

Regen ist oft der natürliche Feind von Radfahrern. Niemand möchte stundenlang durchnässt auf einer Radreise unterwegs sein oder nach einer Regenfahrt zur Arbeit nass im Büro ankommen. Daher ist eine gute Regenjacke ein Muss für jeden Radfahrer.

Schnitt und Passform

Regenjacken für Radfahrer haben einen speziellen Schnitt, der sich von Jacken für Wanderer unterscheidet. Sie sind vorne kürzer, um ausreichend Platz für die Beine zu bieten, und am Rücken länger, um auch in gebückter Haltung auf dem Rad Schutz zu bieten. Schließbare Bündchen an den Ärmeln verhindern, dass der Fahrtwind eindringt.

Sportliche Modelle sind enganliegend, um dem Wind wenig Angriffsfläche zu bieten. Dies ist besonders auf längeren Radtouren oder bei Fahrten mit Gegenwind wichtig.

Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität

Die getesteten Modelle sind wasserdicht und teils atmungsaktiv. Eine gute Regenjacke sollte nicht nach kurzer Zeit durchnässen und gleichzeitig übermäßiges Schwitzen verhindern. Keine der getesteten Jacken hat in diesen Aspekten komplett enttäuscht, aber es gibt dennoch Unterschiede.

Letzteres ist wichtig, denn der beste Regenschutz hilft nichts, wenn die Feuchtigkeit von innen kommt und nicht abtransportiert werden kann.

Kapuze und Taschen

Fast alle getesteten Jacken haben eine Kapuze. Wichtig ist, dass diese verstellbar ist, um bei Gegenwind nicht zurückgeweht zu werden und die Sicht beim Drehen des Kopfes nicht zu behindern. Es sollte auch möglich sein, die Kapuze über oder unter dem Helm zu tragen.

Alle Regenjacken im Test haben Taschen. Allerdings können Sie ein Smartphone nur bei einigen Modellen sicher und trocken verstauen. Die Smartphonetasche sollte zudem so hoch sitzen, dass Sie beim Treten nicht ständig mit den Beinen dagegenstoßen.

Modelle im Test

Im Folgenden werden einige der getesteten Modelle und ihre Eigenschaften vorgestellt:

BTWIN City 540

Die BTWIN City 540 vom französischen Großhändler Decathlon ist eine gefütterte Regenjacke, die vor allem für den urbanen Einsatz konzipiert ist. Mit ihrem weiten Schnitt und dem doppelten Bund an den Armen ist sie alles andere als windschnittig und daher kaum für den Einsatz auf Rennrädern geeignet.

Dafür hat sie breite Reflektorstreifen, die im nächtlichen Straßenverkehr für Sichtbarkeit sorgen sollen, indem sie auch schwaches Licht stark reflektieren. Die BTWIN City 540 hat ein wattiertes Innenfutter, gummierte Bündchen an den Armabschlüssen und einen hohen Kragen. Komplett geschlossen, wärmt sie gut, Fahrtwind hat kaum Chancen, einzudringen.

Wird es zu warm, kann man links und rechts unterhalb der Achseln Reißverschlüsse auf einer Länge von rund 20 Zentimetern öffnen. Diese Reißverschlüsse, ein großer vorn und zwei über den seitlichen Taschen, sind nicht abgedichtet, aber jeweils von einem Stück Umschlagstoff geschützt.

Die Kapuze ist nicht gefüttert. Sie hat einen nicht einstellbaren Gummizug und hinten eine kleine Lasche zum enger Ziehen. Sie sitzt ausreichend stramm, sodass sie bei Gegenwind nicht nach hinten umklappt. Die Kapuze passt nur unter meinen Helm, nicht darüber. Wer die Kapuze nicht benötigt, kann sie im Kragen verschwinden lassen.

Die Jacke wiegt mit 870 Gramm recht viel, ist aber, anders als viele Konkurrenzmodelle, auch gefüttert.

  • Das gefällt: Die City 540 ist angenehm zu tragen und schützt gegen Kälte und Fahrwind. Sie ist weitgehend regenfest.
  • Das weniger: Die Kapuze verdeckt leicht das Sichtfeld.

Gripgrab EXPLR Waterproof Lightweight

Die EXPLR Waterproof Lightweight ist tatsächlich beides: wasserfest und leicht. Auf meiner einstündigen Pendlerstrecke bin ich darin zumindest nicht nass geworden. Es kommt nach einiger Zeit etwas Feuchtigkeit in das Material, die aber nicht stört. Leicht und gut packbar ist die Jacke auch: Mit 268 Gramm ist sie fast so leicht die weiter unten beschriebene GV500 von Endura.

Der Preis für das geringe Gewicht: Die EXPLR hat nur eine von außen zugängliche Tasche an der Brust. Seiten- oder Innentaschen fehlen. Immerhin kann ich in der Brusttasche mein Smartphone (auch große Geräte passen) trocken aufbewahren. Der Reißverschluss der Tasche ist, ebenso wie der Hauptreißverschluss, abgedichtet. Ich kann die Jacke am Abschluss hinten am Rücken mit einem Gummizug enger ziehen, ebenso die Kapuze. Letztere passt bei mir nur unter den Helm, nicht darüber. Fahre ich ohne Helm, so bleibt die Kapuze trotz Fahrtwind fest am Kopf.

An den Armabschlüssen gibt es Gummizüge, sodass die Ärmel bei mir gut mit meinen Handschuhen abschließen und mit oder ohne Handschuhe kein Fahrtwind an die Arme kommt. Auch bei schneller Fahrt komme ich in der Jacke nicht so schnell ins Schwitzen.

  • Das gefällt: Die EXPLR ist leicht, sportlich, atmungsaktiv und dennoch fast komplett wasserdicht.
  • Das weniger: Es gibt nur eine Tasche.

Für wen sich die Gripgrab EXPLR Waterproof Lightweight eignet: Für sportliche Fahrer und Fahrerinnen.

Gonso Save Jacket Essential

Mit einem eher locker sitzenden Schnitt richtet sich die Save Essential weniger an Rennradfahrer als an Pendler und Radreisende, die auf dem Rad Bewegungsfreiheit schätzen. Der Schnitt ist unauffällig, die Farben modisch. So kann man die Jacke nicht nur auf dem Rad tragen, sondern auch mal in der Mittagspause oder abends auf dem Weg zur Verabredung.

Trotz des lockeren Schnitts flattert der Stoff nicht im Fahrtwind. Das Material ist ausreichend steif, aber gleichzeitig bequem. Das liegt auch an dem netzartigen Innenmaterial, das leicht wärmt, aber auch Schweiß aufnimmt. Atmungsaktiv ist die Außenjacke aber nicht. Das macht sich bemerkbar: Auf meinem Arbeitsweg gerate ich bei Außentemperaturen um zwölf Grad ins Schwitzen.

Der Hauptreißverschluss ist nicht gedichtet, sondern mit einem Überschlag versehen, der unten und oben mit Druckknöpfen, in den mittleren Bereichen mit Klettstreifen, geschlossen wird.

Die Kapuze passt nicht über einen Helm, man kann den Helm aber gut über den dünnen Stoff ziehen. Fährt man ohne Helm, wird die Kapuze mit Gummi-Spannbändern so weit geschlossen, dass der Fahrtwind sie nicht nach hinten pusten kann. Der kleine Schirm hat zumindest für mich die richtige Größe: Er hält bei nicht allzu schneller Fahrt die Tropfen davon ab, direkt in die Augen zu geraten, verdeckt aber kaum die Sicht.

Innen gibt es eine Smartphonetasche. Sie verhindert mit einem kleinen Gummizug, dass die teure Fracht beim Ausziehen der Jacke herausfällt. Vorteil gegenüber einem Reißverschluss: Man kann das Smartphone mit einer Hand herausfischen, wenn der Hauptreißverschluss halb geöffnet ist. Der Nachteil: Große Smartphones wie ein iPhone Pro Max oder Pixel Pro passen kaum hinein.

Im Regen hielt mich die Jacke etwa eine halbe Stunde lang trocken. Anschließend wurde ich nicht direkt nass, aber die Feuchtigkeit drang bei Dauerregen langsam durch.

Gonso bietet die Jacke für Männer in neun Größen und fünf Farben an, die taillierte Version für Frauen gibt es sogar in zehn Größen, aber nur in vier Farben.

  • Das gefällt: Das Save Jacket Essential ist sportlich, kann dennoch im Alltag als Funktionsjacke getragen werden.
  • Das weniger: Das Material ist wind- und für kurze Strecken ausreichend wasserdicht. Dafür kommt man darin bei höheren Temperaturen beziehungsweise schneller Fahrt ins Schwitzen.

Elkline 1Dry2 Manteloverall

Der 1Dry2 Manteloverall ist genau das: Mantel und Overall in einem Kleidungsstück. Ersonnen hat das Konzept die Hamburger Gestalterin Bianca Gabriel. Die leidenschaftliche Radfahrerin wollte ein Kleidungsstück, das auch bei kräftigem Regen den gesamten Körper schützt, gleichzeitig aber bequem ist und nicht nach Funktionskleidung aussieht.

Wir würden die Funktion als Mantel als Basisfunktion sehen, den Einsatz als Overall für Situationen, in denen es auf kompletten Regenschutz ankommt. Als Mantel lässt sich der 1Dry2 einfach anziehen wie jeder andere Mantel auch. Der hochwertige, absolut regendichte Stoff ist weicher, aber auch schwerer, als bei anderen Regenjacken.

Er wird ergänzt durch gedichtete Reißverschlüsse auch an den Taschen, einen Überwurf für den zentralen Reißverschluss, der sich von oben und unten öffnen lässt sowie durch Spanner in der Taille und an der Kapuze, um den Mantel besser anpassen zu können.

Die Kapuze passt sowohl über als auch unter einen Fahrradhelm. Der recht lange Mantel kann im unteren Bereich über einen Reißverschluss enger und weiter geöffnet werden - hier muss man bei leichtem Regen einen Mittelweg finden zwischen der Abdeckung der Oberschenkel und der Beinfreiheit, die man zum Radeln braucht.

Regnet es stärker, so baut man den Mantel zum Overall um. Man muss zwar absteigen, aber nicht die Schuhe ausziehen: Die doppelten Aufschläge des Mantels lassen sich links und rechts zu Beinen verwandeln. Sie sind mit einem Druckknopf und einem Klettverschluss befestigt. Löst man beides, schließt man die Overall-Konstruktion an den Beinen mit Reißverschlüssen und im Schritt mit Druckknöpfen.

Den 1Dry2 Manteloverall gibt es nur in einer Farbe (dunkelblau) und nur in einer Größe, »M«. Dem männlichen Tester, 1,80 Meter groß, passte er so gerade noch. Die weibliche Testerin, 1,64 Meter Körpergröße, empfand den 1Dry2 als Overall etwas zu groß. Wir würden schätzen, dass Personen zwischen 168 und 182 Zentimetern Körpergröße (je nach Beinlänge) den Manteloverall gut tragen können.

  • Das gefällt: Die Idee geht auf. Die Verarbeitung ist durchdacht bis in die Details und sehr hochwertig.
  • Das weniger: Der 1Dry2 ist schwer. Und teuer.

Endura GV 500 Waterproof Jacket

Die GV 500 ist ein leichtes Sommermodell für Abenteurer: Sie lässt sich klein zusammenfalten, wiegt nur 228 Gramm und passt so gut zu mehrtägigen Ausfahrten mit wenig Gepäck. Sie lässt sich in die eigene, auf links gedrehte Brusttasche stecken und nimmt dann nur noch wenig Raum ein. Die abgedichtete Brusttasche eignet sich zudem gut für ein Smartphone.

Das Material aus drei dünnen Lagen ist erstaunlich stabil. Verzichtet hat Endura jedoch auf weitere Taschen oder besondere Features: Lediglich die Kapuze lässt sich verstellen. Im Test im Hamburger Dauerregen bewährt sich das atmungsaktive und dennoch komplett wasserdichte Material. Alle Nähte sind versiegelt, der Reißverschluss vorn hat eine Sturmlasche und bleibt ebenfalls dicht.

Die Kapuze kann nur verstellt, aber nicht vorn noch mehr verschlossen werden. Dafür passt das dünne Material sehr gut unter einen Helm. Die Kapuze ist aber auch groß genug, um über einen Rennradhelm gezogen zu werden.

Endura bietet die Jacke in den Farben Schwarz, Olivgrün und »Paprika« an. Letzteres leuchtet hellrot. Das Modell gibt es ausschließlich in einem Schnitt für Männer und in sieben Größen.

  • Das gefällt: Die GV500 ist leicht, wasserdicht und atmungsaktiv. Und sie ist sehr gut verarbeitet.
  • Das weniger: Die Kapuze könnte besser einstellbar sein. Und das Modell hat nur eine Tasche.

Für wen sich die Endura GV 500 eignet: für sportliche Radreisende und Gravelabenteurer.

AGU Oversized Rain Shirt

»Was soll denn das sein?«, fragt die Testerin entgeistert, als sie das »Oversized Rain Shirt« überzieht. Tatsächlich hat AGU das Design eines Herrenhemdes in eine Art Regenmantel für Frauen übertragen. Im Testverlauf zeigt sich, dass das Konzept aufgeht: Der Regenmantel lässt sich einerseits gut über bürotaugliche Kleidung ziehen und fällt mit seinem Design andererseits im quirligen Hamburger Stadtteil Ottensen kaum auf.

Die zahlreichen Knöpfe sind zwar alle nur Designelemente, verdecken aber Druckknöpfe: Mit ihnen lassen sich die Schutzlasche auf dem vorderen Zwei-Wege-Reißverschluss schließen, die Armabschlüsse in zwei Stufen verstellen und die beiden Brusttaschen öffnen. Dazu kommen zwei verdeckte Seitentaschen mit Reißverschluss und eine schließbare Innentasche - viel Raum für die Mitnahme von Smartphone, Schlüssel oder Portemonnaie. Zwei Schlitze an den Seiten und der auch von unten zu öffnende Reißverschluss lassen Raum für die Beine, gleichzeitig ist der Beckenbereich vor Regen geschützt.

Das schwere Material (700 Gramm wiegt der Mantel in Größe S) ist mit seinen gedichteten Nähten wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv. Man muss den Mantel nicht gleich ausziehen, wenn sich kurz die Sonne blicken lässt oder ein Anstieg schweißtreibend Kraft erfordert.

AGU bietet den Regenmantel nur in zwei Beigetönen (hell und dunkel) an.

  • Das gefällt: Das Oversized Rain Shirt ist eine ungewöhnliche Designidee und trotzdem ein sehr praktischer Regenschutz. Das Smartphone sitzt sicher und trocken.
  • Das weniger: Das »Shirt« ist ein recht schwerer Mantel und lässt sich nicht mal eben für schauerartige Regennotfälle mitnehmen.

Weitere Testkandidaten

Neben den bereits genannten Modellen wurden auch weitere Regenjacken getestet, darunter:

  • Y Lightline Air 3L Shell Jacket Men von Bergans
  • Fahrrad-Regenjacke von Canyon
  • Triban Regenjacke Fahrrad Gravel von Decathlon
  • Hummvee WP Hooded Jacket von Endura
  • SavePlus-Regenjacke von Gonso
  • Endure Jacket von Gore Wear
  • WPM Pocket Hooded Bike Jacket von Löffler
  • Yaras Rain Jacket von Vaude

Worauf man beim Kauf achten sollte

Hans-Peter Ettenberger, Fahrrad-Technikspezialist bei MYBIKE und erfahrener Ganzjahres-Radpendler, achtet besonders auf folgende Details bei Regenbekleidung:

Bei Regenjacken

  • gute Atmungsaktivität, etwa durch wasserdampfdurchlässige Stoffe und Lüftungsöffnungen
  • gute Sichtbarkeit, d. h. mit ausreichend Reflektoren
  • verlängerte Ärmel an der Oberhand bzw. Ärmelabschlüsse mit Weitenverstellung oder dehnbarem Bund
  • verlängerter Rücken

Bei Regenhosen

  • ausreichend lange Reißverschlüsse, um mit Schuhen die Regenhose anziehen zu können
  • dehnbarer Hüftbund, ggf. mit Reißverschluss und Druckknopf
  • Hosen, die es in verschiedenen Längen gibt (z. B. Kurzgrößen)
  • Weitenanpassung mit Klettbändern am Unterschenkel
  • verstärkter Sitzbereich
  • vorgeformte Knie

Tabelle: Eigenschaften ausgewählter Regenjacken

Modell Gewicht Wassersäule Atmungsaktivität Besonderheiten
BTWIN City 540 870 g k. A. k. A. Gefüttert, breite Reflektorstreifen
Gripgrab EXPLR Waterproof Lightweight 268 g k. A. Hoch Leicht, sportlich, nur eine Tasche
Endura GV 500 Waterproof Jacket 228 g k. A. Hoch Sehr leicht, klein verpackbar

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